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Hilfe bei akutem Kreuzschmerz - Ischiasschmerzen und Ischialgie, Lumboischialgie

Eine falsche Bewegung und schon kann eine eingeengte Nervenfaser des Ischiasnervs einen stechenden Schmerz, der bis in die Beine strahlt, auslösen. Das Ischias-Syndrom ist weithin bekannt und betrifft nicht ausschließlich Menschen mit Rückenproblemen.

Im Volksmund nennt man den akuten Kreuzschmerz, der über einen längeren Zeitraum anhalten kann und äußerst schmerzhaft ist, kurz „Ischias“. In der Medizin spricht man von einer Ischialgie (im erweiterten Sinne auch von einer Lumboischialgie) oder einem Ischias-Syndrom und bezeichnet damit einen nervlich bedingten Schmerz in der Nähe des Nervus ischiadicus, der auch Sitzbeinnerv oder Hüftnerv genannt wird und einer der dicksten und längsten Nerven des menschlichen Körpers ist. Er entspringt zwischen den Lendenwirbeln und den Sakral- oder Kreuzbeinwirbeln aus dem Rückenmark und verläuft über das Hüftgelenk an der Rückseite des Oberschenkels in Richtung Kniekehle bis zum Fuß. 

In diesem Video-Beitrag erklärt Dr. Tobias Weigl Alles wichtige rund um das Thema Ischias, Ischiasschmerz sowie Ischialgie und Lumboischialgie. Viel Spass beim Schauen.

Ursprung der Ischialgie ist in der Regel die Nervenwurzel selbst, die aus dem Rückenmark austritt. Von den Schmerzen ist meist das gesamte Versorgungsgebiet des Nervs betroffen. Bedingt durch den Verlauf der Nervenfasern strahlt das Ischias-Syndrom den Schmerz daher bis in das Bein aus und sorgt dafür, dass aufrechtes Stehen oder Bewegung nahezu unmöglich werden, solange die Ischialgie akut anhält. Je nach Grad der Nerveinklemmung und -quetschung können Schmerzen (leichte Einklemmung), Taubheitsgefühle bzw. ein Kribbeln (mittlere Einklemmung) bis hin zu Lähmungserscheinung (starke Einklemmung) entstehen.

Ähnlich wie ein Hexenschuss tritt das Ischias-Syndrom erstmalig sehr plötzlich auf, häufig im Zusammenhang mit einer unachtsamen Bewegung beim Aufstehen oder beim Heben eines schweren Gegenstands. Vor allem dann, wenn die Knie gestreckt sind, die Hüfte aber gebeugt, kann es zu einer Überdehnung des Ischiasnervs kommen, woraufhin der Schmerz auftritt. Nachdem der erste starke Schmerz abgeklungen ist, dauert es häufig noch einige Tage, bis der Nerv sich wieder erholt hat und der Rücken schmerzfrei ist. Darüber hinaus kann eine Ischialgie auch im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall und weiteren die Wirbelsäule betreffenden degenerativen Veränderungen eintreten. Beim Bandscheibenvorfall drückt der aus dem Faserring (Anulus fibrosus) heraustretende gallertige Kern (Nucleus pulposus) auf den Ischiasnerv bzw. auf Nervenfasern des Ischiasnervs.

Ursachen des Ischiasschmerzes

Der Ischiasnerv entspringt aus dem unteren Rücken und liegt zwischen den Lenden- und Kreuzwirbeln, bevor er seinen Verlauf über die Hüfte auf die Rückseite des Oberschenkels und dann weiter über die Kniekehle bis zum Fuß nimmt. Der Lendenwirbelbereich des Rückens (LWS) zählt zu den empfindlichsten Körperpartien und ist aufgrund des aufrechten Gangs des Menschen besonders anfällig für Belastung – wiederkehrende Kreuzschmerzen und plötzlich auftretende Phänomene wie das Ischias-Syndrom beruhen häufig auf einer Überlastung des unteren Rückens, die durch langes Sitzen, mangelnde Bewegung und eine ungesunde Körperhaltung zusätzlich begünstigt wird. Aber auch sog. spezifische Ursachen wie ein Bandscheibenvorfall, Arthrose der Wirbelkörper, Neuroforamenstenose oder eine Spinalkanalstenose können zu dem sog. Ischiasschmerz führen (siehe unten).

Als Auslöser der Ischialgie bzw. des Ischiasschmerzes wird die mechanische Reizung einer Nervenwurzel des Nervus ischiadicus beschrieben. Dabei kann es sich sowohl um eine Kompression, also eine Einengung des Nervs, handeln als auch um eine Dehnung der Nervenfasern. In Folge der Schädigung des Nervs tritt ein plötzlicher Schmerz auf, der eine starke Bewegungsbeeinträchtigung (meist eine sog. Schonhaltung) nach sich zieht und vor allem den unteren Rücken, die Hüfte und das betroffene Bein einschränkt. 

Zu den Ursachen des Ischiasschmerzes gehören wie bereits erwähnt neben sog. unspezifischen Ursachen vor allem auch spezifische Erkrankungen der Wirbelsäule, nämlich unter anderem der Bandscheibenvorfall oder andere degenerative Veränderungen der Wirbelsäule. Eine Schädigung der Nervenwurzel des Ischiasnervs kann zudem durch eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) oder eine Verknöcherung der Wirbelbänder bzw. der Nervaustrittsbereiche (Neuroforamenstenose) auftreten. Weiterhin zählen Wirbelgleiten (Spondylolisthese) und Durchblutungsstörungen zu den Ursachen, ebenso wie Tumore, Metastasen, Nervenwurzelentzündungen oder Wirbelbrüche. Wirbelbrüche können die Folge eines Sturzes oder Unfalles oder infolge der Knochenschwundkrankheit Osteoporose (besonders häufig bei Frauen), die jedoch nur in seltenen Fällen ein Ischias-Syndrom hervorruft, auftreten. Darüber hinaus kann der Ischiasnerv durch eine falsche Bewegung bei ungesunder Körperhaltung geschädigt werden. Sowohl muskuläre Verspannungen, Probleme mit Sehen, Bändern und Faszien (sog. unspezifische Ursachen) als auch blockierte Wirbelkörper sowie die Vorwölbung einer Bandscheibe können den Nervenschmerz auslösen. Bei einer Mischform, die einem Hexenschuss ähnelt, handelt es sich um eine sogenannte Lumboschialgie. 

An diesen Symptomen erkennen Sie eine Ischialgie bzw. Lumboischialgie

In den meisten Fällen tritt der Ischiasschmerz im Bereich der untersten beiden Lendenwirbel auf und steht in engem Zusammenhang mit einer Veränderung an den zwischen den Wirbeln liegenden Bandscheiben. Beim Bücken oder falschen Heben schwerer Gegenstände kann die Bandscheibe, die wie eine Art Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln liegt, durch den erhöhten Druck auf die Wirbelsäule verrutschen und sich vorwölben. Wenn auf diese Weise der Ischiasnerv eingeengt oder eingeklemmt wird, werden Schmerzen ausgelöst, die sowohl in den Rücken als auch die Hüfte oder die Beine strahlen. Zusätzlich zu den stechenden Nervenschmerzen kann es auch zu einem Taubheitsgefühl oder einer kurzzeitigen Lähmung kommen. 

Das charakteristischste Merkmal der Ischialgie ist sicherlich der plötzlich einsetzende Schmerz, der sich vom unteren Rücken über die Hüfte bis ins Bein zieht. Dieser Schmerz kann so heftige Ausmaße annehmen, dass eine Bewegung nahezu unmöglich ist, egal ob es sich dabei um Bücken, Laufen oder Drehen des Oberkörpers handelt. Häufig erzeugt die Ischialgie zudem eine seitlich gekrümmte Schonhaltung, weil aufrechtes Stehen oder Sitzen Schmerzen bereitet. 

Das Bein, das von den Ischiasschmerzen betroffen ist, leidet zudem häufig unter einer Gefühlsstörung, die bis hin zu vorübergehenden Lähmungserscheinungen führen kann. Vom Taubheitsgefühl bis zur gestörten Wahrnehmung von Kälte- und Wärmereizen nimmt die Gefühlsstörung viele verschiedene Formen an. In besonders schweren Fällen können sogar das Wasserlassen und der Stuhlgang beeinträchtigt sein. Ganz wichtig: Beim parallelen Auftreten von Rückenschmerzen mit Lähmungserscheinungen in den Extremitäten (meistens Beinen) oder Inkontinenzproblemen sollten Sie unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen. In diesen Fällen ist der Nerv bereits sehr stark komprimiert und könnte im Extremfall komplett und irreversibel geschädigt werden.

Therapiemöglichkeiten bei einer Ischialgie bzw. Lumboischialgie

Im besten Fall vergeht die Nervenreizung von selbst wieder. Handelt es sich aber bei der Ursache für den Ischiasschmerz nicht um die Folge einer falschen, unachtsamen Bewegung, sondern um einen schwerwiegenderen Grund wie etwa einen Bandscheibenvorfall, sollten Sie bei akuten Schmerzen in Rücken, Hüfte oder Bein in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Mit der passenden Therapie kann einerseits der Schmerz rasch beseitigt werden und andererseits eine Folgeschädigung durch eine ungesunde Körperhaltung vermieden werden. 

Bei der Behandlung eines Ischias-Syndroms geht es in erster Linie darum, den Schmerz zu lindern (sog. symptomatische Therapie), aber auch die Ursache zu erkennen und zu beheben (sog. ursächliche Therapie). Neben der Einnahme von Schmerzmitteln in Form von Tabletten kann beispielsweise ein Anästhetikum, ein Schmerzmittel oder ein entzündungshemmender sowie muskelentspannender Wirkstoff direkt in die Rückenmuskulatur gespritzt werden. Damit der Körper keine erhöhte Schmerztoleranz aufbaut, ist es wichtig, Schmerzmittel in Absprache mit dem behandelnden Arzt und nur über einen zeitlich begrenzten Zeitraum einzunehmen. 

In den ersten Tagen nach dem akuten Auftreten des Ischiasschmerzes helfen neben der Einnahme der verordneten Medikamente, Wärmezufuhr und Elektrostimulation. Letztere damit die gereizten Schmerzfasern wieder „normalisiert“ werden. Um ein erneutes Auftreten der Ischialgie langfristig zu verhindern, sollte unbedingt eine ganzheitliche Therapie gewählt werden. So sollte man nach dem Abklingen der Schmerzen mit muskelaufbauenden Übungen für den Rücken beginnen und für ausreichend Bewegung im Alltag sorgen. Parallel sollten weitere Therapiemaßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen Massagen, Krankengymnastik oder Physiotherapie, Rückenschule, physikalische Maßnahmen wie Elektrotherapie sowie Chirotherapie und Akupunktur. Liegt die Ursache der akut auftretenden Kreuzschmerzen in wiederholten Bandscheibenvorfällen oder einer motorischen Störung des Muskel- und Nervenapparates, kann eine Operation Abhilfe schaffen. Letzteres sollte aufgrund der OP-Risiken immer mit Ihrem Arzt besprochen und sorgfältig abgewogen werden. Ggfs. holen Sie sich eine Zweitmeinung ein.

Risiken bei der Ischias-Behandlung

Je nachdem, welche Medikamente oder Behandlungsmethoden bei der Therapie zum Einsatz kommen, ist die Ischias-Behandlung mit gewissen Risiken verbunden. Mithilfe dosierter Schmerzmittel und ergänzenden Therapiemaßnahmen geht der Schmerz in der Regel innerhalb kurzer Zeit zurück. Hält der akute Kreuzschmerz aber an, sollte nach alternativen Therapien gesucht werden. Nimmt der Patient beispielsweise Schmerztabletten über einen zu langen Zeitraum ein, kann es zu Magenbeschwerden bis hin zu Magenblutungen kommen, die sich u.a. in schwarzem Stuhl äußern. Auch die Wärmezufuhr durch Wärmepflaster oder wärmende Rheuma-Salben ist risikobehaftet und kann beispielsweise allergische Hautreaktionen auslösen. Und auch nach einer Operation, die mit den üblichen Risiken eines invasiven chirurgischen Eingriffs verbunden ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, einen erneuten Bandscheibenvorfall zu erleiden, bei rund zwei Prozent. Dennoch sind 80-85% der operierten Patienten mit den Ergebnissen zufrieden. Wichtig aber für den Heilungsprozess ist es sehr früh nach der Operation wieder mit einer ganzheitlichen, konservativen Therapie zu beginnen: Physiotherapie/ Krankengymnastik, Thermotherapie, Elektrotherapie sowie gewisse Verhaltensmaßregeln (kein Tragen schwerer Dinge, ggfs. Gewichtsreduktion etc.)

Darüber hinaus konnte 2015 im Rahmen einer Studie des US-amerikanischen Gesundheitsanbieters Kaiser Permanente nachgewiesen werden, dass die Einnahme oraler Steroide, die häufig anstelle von Einspritzungen ins Rückenmark verschrieben werden, zwar die Funktion des Bewegungsapparats verbessert, nicht aber den Schmerz, der mit dem Ischias-Syndrom einhergeht, lindert. Vor allem der Schmerz, der aus dem Rücken Richtung Hüfte und Bein strahlt, konnte durch die Einnahme von Steroiden nicht verbessert werden.

Maßnahmen zur Schmerzlinderung und Vorbeugung gegen zukünftige Ischialgien bzw. Lumboischialgien

Eine Ischialgie zu diagnostizieren, ist durch die sehr charakteristische Symptomatik verhältnismäßig einfach. Schon bevor Sie Ihren Arzt aufsuchen, können Sie durch gezielte Maßnahmen und die Einnahme von Schmerzmitteln bereits den Schmerz lindern. Um das Ischias-Syndrom aber nachhaltig zu behandeln und Folgeschäden zu vermeiden, ist das Aufsuchen eines Arztes in der Regel unumgänglich. Wenn Sie beispielsweise zu lange eine Schonhaltung einnehmen, um dem Schmerz zu entgehen, kann es passieren, dass Ihr Rücken durch die Fehlhaltung weiteren Schaden nimmt und chronisch wiederkehrende Kreuzschmerzen auftreten. 

Zur effektiven Schmerzlinderung spritzt der behandelnde Arzt in vielen Fällen ein Schmerzmittel direkt in die im Rücken liegende Muskulatur. Darüber hinaus können Sie aber auch selbst dazu beitragen, dass der Ischiasschmerz möglichst schnell wieder abklingt. Bettruhe und Schonung während der ersten Tage helfen dabei, den Rücken zu entspannen. Häufig lässt sich dieser Effekt verstärken, indem Sie das von dem Nervenschmerz betroffene Bein hochlagern und den Kopf durch ein Kissen im Nacken erhöhen. Darüber hinaus fördert Wärme die Entspannung der Rückenmuskulatur und der an der Wirbelsäule liegenden Nerven. Wärmepflaster, Rheumasalbe oder die gute alte Wärmflasche halten den Lendenwirbelbereich warm und unterstützen die Heilung. 

Ist der akute Schmerz zurückgegangen und können Sie sich nach der Behandlung wieder frei bewegen, geht es darum, weiteren Vorfällen im Lendenwirbelbereich langfristig vorzubeugen. Dabei helfen regelmäßige Massagen und der gezielte Einsatz von Krankengymnastik und Physiotherapie. Alternativ zur Schulmedizin gelten auch die Akupunktur und die gezielte Stimulation der Schmerzfasern durch Elektrotherapie als wirksame Therapien gegen wiederkehrende oder wiederholt auftretende Ischias- und Kreuzschmerzen. Ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Vorbeugung gegen akut auftretende Kreuzschmerzen bzw. Ischialgie ist regelmäßige Bewegung. Wenn Sie viel sitzen, sollten Sie durch Spaziergänge, Sport und sanften Muskelaufbau im Rücken einen Ausgleich zur ungesunden sitzenden Haltung schaffen. 

Weiterführende Links und Quellen

Ruchholtz und Wirtz, Orthopädie und Unfallchirurgie, 2. Auflage, 2013

Apotheken Umschau

Nervenschmerz-Ratgeber.de

aerzteblatt

jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2293294

www.medknowledge.de/abstract/med/med2008/08-2008-19-ischias.htm

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