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Unspezifische Rückenschmerzen - Probleme Rückenmuskulatur, Bänder, Faszien und Sehnen

Gliederung

  1. Einführung - Wie oft sind unspezifische Rückenschmerzen?
  2. Was ist das Besondere an unspezifischen Rückenschmerzen?
  3. Warum leiden so viele Patienten an unspezifischen Rückenschmerzen?
  4. Können unspezifische Rückenschmerzen chronisch werden?
  5. Lassen sich unspezifische Rückenschmerzen vorbeugen?
  6. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  7. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und bündige Zusammenfassung.

Einführung - Wie oft sind unspezifische Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen werden in unspezifische und spezifische Schmerzen eingeteilt. Unspezifische Rückenschmerzen treten im Vergleich häufiger auf und sind schwerer zu diagnostizieren und zu behandeln. Typische Ursachen sind Probleme mit der Rückenmuskulatur sowie Probleme mit den Bändern, Faszien und Sehnen.
Mit 69% sind Rückenschmerzen die am weitesten verbreitete Ursache für chronische Schmerzerkrankungen in Deutschland (gefolgt von Gelenkschmerzen (57%), Kopfschmerzen (49%) und Nackenschmerzen (46%)). Werden Rückenschmerzen chronisch (ab 12 Wochen), können dafür unspezifische Rückenschmerzen verantwortlich sein. Ca. 10% der unspezifischen Rückenschmerzen werden chronisch, d.h. im Umkehrschluss, dass 90% der unspezifischen Rückenschmerzen innerhalb einiger Tage, spätestens nach 6-12 Wochen wieder verschwinden.
Die Ursache vieler Rückenbeschwerden kann auch durch erfahrene Ärzte oft nicht oder erst nach langen Untersuchungen erkannt werden (Statistiken zeigen auf, dass durchschnittlich 5-6 Ärzte und 2-3 Jahre „vergehen“ bis die Diagnose chronische Schmerzen gestellt wird) – man spricht von unspezifischen Rückenschmerzen, wenn sich keine begründete Diagnose stellen lässt, der Auslöser nicht mechanisch ist oder sich der Schmerz nicht genau lokalisieren lässt. Rund 80 % aller Rückenschmerzen werden als unspezifische Rückenschmerzen diagnostiziert (Ärztezeitung 2004).

Hier finden Sie ein TV-Interview von Dr. Tobias Weigl rund um das Thema Rückenschmerzen. Er erklärt Ursachen, Symptome und verschiedene Therapieansätzen.

Was ist das Besondere an unspezifischen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen treten in verschiedenen Formen auf. Sie haben aber nicht nur unterschiedliche Ursachen, sondern auch unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper. Unspezifische Rückenschmerzen stechen dabei z. B. dadurch hervor, dass der Patient häufig gar nicht genau sagen kann, zu welchem Zeitpunkt die Schmerzen erstmalig entstanden sind. Sie sind, z. B. nach einem langen Arbeitstag, einfach da und können auch nicht ganz exakt lokalisiert werden. Damit bilden sie das genaue Gegenteil zu den spezifischen Rückenschmerzen, die meist plötzlich an einer klar definierbaren Stelle auftreten und in der Regel auch einen nachvollziehbaren Auslöser haben (Rückenschmerzen-Wissen 2017).


Dass unspezifische Rückenschmerzen nicht auf einen konkreten Auslöser zurückzuführen sind, lässt sich damit begründen, dass diese Form von Rückenbeschwerden häufig auf Verspannungen, Reizungen oder Verhärtungen der Rückenmuskulatur bzw. der Sehnen und Bänder zurückgeht. Dabei handelt es sich wiederum um eine funktionelle Störung des Bewegungsapparates, die beispielsweise auf regelmäßiges, langes Sitzen oder eine falsche Körperhaltung zurückzuführen ist. Es gibt somit zwei Hauptursachen für unspezifische Rückenschmerzen:

  1. Probleme mit der Rückenmuskulatur (unterentwickelt, verspannt o.ä.)
  2. Probleme mit den Bändern, Faszien und Sehnen im Bereich der Wirblsäule und/ oder den umliegenden Strukturen.

Dementsprechend handelt es sich bei Rückenschmerzen zum Glück auch selten um ernsthafte Erkrankungen. Der Arzt spricht daher auch oft von einer Gesundheitsstörung: Die Ursache ist in den meisten Fällen (ca. 80-90 %) in funktionellen Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates zu finden. (Schmerzliga 2017, Rückenschmerzen-Wissen 2017).

Warum leiden so viele Patienten an unspezifischen Rückenschmerzen?

Der Rücken ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für die Beweglichkeit unseres Körpers. Er ist ständig in Bewegung, kann sich drehen, beugen und strecken und hält ganz nebenbei auch noch unsere Extremitäten, also Kopf, Arme und Beine, zusammen. Unser Rücken bzw. unsere Wirbelsäule ist das entscheidende Verbindungsstück unserer Extremitäten also von Arme und Beine. Eine Besonderheit ist die Form der Wirbelsäule: Die Wirbelsäule hat eine doppelte Krümmung, quasi wie ein doppeltes „S“. Dies ermöglicht zum einen dem Menschen den aufrechten Gang, ist aber gleichzeitig auch ein wesentlicher Grund für Verletzungs- und Überlastungsanfälligkeit (v.a. der Muskeln, Bändern und Sehnen) und damit prädestiniert für Schmerzen. Wird der Rücken krank, tritt das Krankheitsbild in der Regel schleichend auf.

Im folgenden Video-Beitrag von YouTube Kanal Video-Visite erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl welche Rückenschmerzen typisch sind für welches Lebensalter. Z.B. Wirbelgleiten und Morbus Scheuermann bei Jugendlichen, unspezifische Rückenschmerzen ab dem 30. Lebensjahr.

Schon Kinder und Jugendliche leiden unter nicht genau lokalisierbaren Rückenschmerzen, in der Altersgruppe zwischen 30 und 50 treten unspezifische Rückenschmerzen am häufigsten auf. Der Grund dafür liegt u. a. darin, dass wir unserem Rücken entweder zu viel oder zu wenig zumuten: Wer im Beruf jeden Tag viele Stunden sitzt, vergisst seinen Rücken ausreichend zu mobilisieren. Aber auch wer täglich intensive körperliche Arbeiten verrichtet, leidet oft unter unspezifischen Rückenschmerzen. Büroangestellte und Handwerker zählen somit zur größten Gruppe unter den Menschen mit unspezifischen Rückenschmerzen. In den letzten Jahren hat sich das Ersterkrankungsalter für unspezifische Rückenschmerzen immer weiter „nach vorne“ geschoben. Mittlerweile gibt es zunehmend auch 20-30-jährige Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen (Schmerzliga 2017, Rückenschmerzen-Wissen 2017).

Lediglich 4 bis 7 % der Rückenschmerzen gehen auf einen Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten oder andere Erkrankungen des Skeletts zurück – diese Ursachen sind spezifisch und daher spricht man in diesem Fall von spezifischen Rückenschmerzen. Unspezifische Rückenschmerzen dagegen entstehen innerhalb des komplexen Systems aus Rückenmuskulatur, Bändern, Sehnen und Gelenken. Wenn Muskeln unter- oder überfordert sind, verhärten und verkürzen sie sich und sorgen im Großbereich des Rückens für Schmerzen (s.o.). Vielen Menschen ist allerdings nicht oder kaum bewusst, wie eng die körperliche Gesundheit und insbesondere funktionelle Störungen mit ihrem persönlichen Lebensstil verknüpft sind: Fehlhaltungen der Wirbelsäule, Bewegungsmangel durch langes Sitzen in der Schule, am Arbeitsplatz und Zuhause, aber auch psychischer Stress in der Familie oder im Berufsleben führen zu genau den funktionellen Störungen in Muskeln, Gelenken und Bändern, die sich dann in Form von unspezifischen Rückenschmerzen manifestieren. Wem das nicht bewusst ist, der trifft in der Regel auch keine präventiven Maßnahmen, sondern sucht, sobald die Schmerzen akut werden, einen Arzt auf (Thieme 2009, Schmerzliga 2017).

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Können unspezifische Rückenschmerzen chronisch werden?

In vielen Fällen besteht bei unspezifischen Rückenschmerzen die Gefahr, dass sie falsch oder gar nicht behandelt werden. Einer Studie des Instituts für Sozialmedizin in Lübeck aus dem Jahr 2004 zufolge sind unspezifische Rückenschmerzen zunächst eine zwar unangenehme, aber im Grunde harmlose Befindlichkeitsstörung, werden allerdings von vielen Patienten als behandlungswürdige Krankheit empfunden. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind Rückenschmerzen der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Treten unspezifische Rückenschmerzen wiederholt auf, ist es wichtig, den Rücken zu mobilisieren, um ein Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden. Eine medikamentöse Therapie hilft im Grunde nicht dabei, die Ursache der Rückenschmerzen zu bekämpfen, sie kann aber den schlimmsten Schmerz lindern  bzw. einen möglichen Teufelskreis durchbrechen. Auch sind Medikamente wichtig, um eine Chronifizierung, d.h. das sog. Einbrennen des Schmerzes, erst gar nicht zuzulassen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die neuartige Small Fiber Matrix Stimulation.
Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen sollten z. B. ihren Rücken durch regelmäßige Bewegung und sanften Sport sowie Massagen oder Physiotherapie wieder mobilisieren, damit die Rückenbeschwerden nicht chronisch werden. Die Gefahr einer Chronifizierung der Schmerzen ist bei rund jedem Fünften gegeben. Um diese zu umgehen, sollte nur kurzzeitig eine Schonung erfolgen, der Rücken aber schnellstmöglich wieder normal bewegt werden. Ein falsches Schonungsverhalten sowie psychische Probleme können die Rückenschmerzen verstärken und im schlimmsten Fall zu einer chronischen Schmerzerkrankung führen (Schmerzliga 2017, Ärztezeitung 2004).

Lassen sich unspezifische Rückenschmerzen vorbeugen?

Die Prävention spielt heute in vielen Bereichen der Medizin eine maßgebliche Rolle. Nicht nur das Gesundheitssystem profitiert von finanziellen Ersparnissen durch weniger Arztbesuche, auch die Lebensqualität vieler Patienten lässt sich durch präventive Therapiemaßnahmen erheblich verbessern. Insbesondere bei unspezifischen, d. h. funktionellen Rückenschmerzen kann Vorbeugung eine deutliche Verbesserung bewirken: Regelmäßige Bewegung, auch am Arbeitsplatz, Sport und Massagen sowie Physiotherapie tragen dazu bei, den Rücken zu mobilisieren und die Muskulatur zu stärken. Sie sorgen auch dafür, dass Verspannungen und Verhärtungen nicht bzw. seltener auftreten (Rückenschmerzen-Wissen 2017).

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Unspezifische Rückenschmerzen sind die häufigste Form von Rückenschmerzen. Unspezifisch weil keine eindeutigen anatomischen Korrelate also z.B. Verletzungen an den Wirbelkörpern, Bandscheiben oder ähnlichem als Ursache festgestellt werden können. Meistens verschwinden diese Form von Rückenschmerzen nach einigen Tagen bis maximal 6 Wochen wieder. Daher spricht man auch oft von einer Gesundheitsstörung statt von einer Erkrankung. Als Therapie helfen v.a. Bewegung und Dehnung, sowohl vom Rücken als auch den darum liegenden Strukturen wie die Gesäß-, Bauch- und Beinmuskulatur.

Weiterführende Links und Quellen

Thieme, Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Auflage, 2009
Schmerzliga: Rückenschmerzen, Stand 01.2017
Ärztezeitung: Unspezifische Rückenschmerzen – vermehrte Aufklärung ist nötig, 2004
Bomedus: Rückenschmerzen – Was kann man dagegen tun?, 2014
Rückenschmerzen-Wissen: Rückenschmerzen Arten, Stand 01.2017
Bildquelle: Fotolia Datei: #132811826 | Urheber: Antonioquillem

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