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Ganzheitliche und multimodale Schmerztherapie - Therapie bei Rückenschmerzen

Gliederung

  1. Einführung - Chronische Schmerzen und chronische Rückenschmerzen
  2. Die ganzheitliche Betrachtung von Schmerz
  3. Welche Therapie zu welchem Zeitpunkt?
  4. Methoden der multimodalen bzw. symptomatischen Therapie
  5. Konzept der multimodalen Therapie
  6. Von der multimodalen zur ganzheitlichen Therapie
  7. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  8. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und bündige Zusammenfassung.

Einführung - Chronische Schmerzen und chronische Rückenschmerzen

Chronische Schmerzen haben einen spürbaren Einfluss auf unsere Psyche. Der ganzheitliche Therapieansatz verfolgt das Ziel, Schmerzen, die sich scheinbar nicht heilen lassen, aus einem weiter gefassten Blickwinkel zu therapieren.
Rückenschmerzen begleiten die meisten Menschen durch einen messbar langen Zeitraum ihres Lebens. Hat der Rücken sich einmal „ausgerenkt“ oder „verschluckt“, kehren die Schmerzen bei vielen Patienten immer wieder zurück – häufig ohne erkennbare Ursache, sog. unspezifische Rückenschmerzen (ca. 80% aller Rückenschmerzen) – und machen ihnen das Leben schwer. Trotz vielfältiger Behandlungsmethoden für akute Schmerzen entwickeln sich Rückenschmerzen mit wachsender Häufigkeit zu einem chronischen Schmerzempfinden – man sagt, dass bis zu 10% wiederkehrender Rückenschmerzen chronisch werden und dann in der Hälfte der Fälle sogar täglich auftreten können. Klassische Therapien bieten dabei oftmals keine Linderung oder gar Heilung mehr – der chronische Rückenschmerz ist geboren.

Bedenkt man, dass der Mensch als Ganzes den Schmerz empfindet, liegt die Vermutung nah, dass durch den Schmerz, und insbesondere den chronischen, immer wieder unerwartet auftretenden, Schmerz, nicht nur der Rücken selbst, sondern auch die Psyche betroffen ist. Neben der körperlichen Seite erlebt auch die menschliche Psyche das Auftreten und Abklingen des Schmerzes – aber wie sehr beeinflussen eigentlich seelische Faktoren die Chronifizierung von Rückenschmerzen, und was bedeutet diese Erkenntnis für die Therapie? In diesem Zusammenhang ist auch die Erkenntnis interessant, dass im menschlichen Gehirn die Bereiche für die Wahrnehmung und Verarbeitung körperlicher also physischer Schmerzen in direkter Nachbarschaft zu den Arealen für geistigen also psychischen Schmerz liegt. Diese Nachbarschaft kann auch als eine weitere Ursache für die mit der Zeit entstehende und zunehmende Wechselwirkung zwischen psychischen und physischen Schmerzen begründen (Zentrum der Gesundheit 2016).

Die ganzheitliche Betrachtung von Schmerz

Die meisten Menschen erleben irgendwann einmal akute Rückenschmerzen. Sie treten dann auf, wenn der Rücken zu sehr beansprucht wird, er regelmäßig eine falsche Haltung einnimmt oder aufgrund einer Verletzung. Vor allem Patienten, die schon einmal Rückenschmerzen gehabt haben, kennen das Phänomen, dass scheinbar ohne erkennbare Ursache, sozusagen aus heiterem Himmel, der Rücken wieder zu schmerzen beginnt. In der Regel helfen Ruhe, gezielte Mobilisation durch Bewegung oder zugeführte Kälte dabei, den akuten Rückenschmerz zu lindern – bei den meisten Menschen allerdings nur vorübergehend: Die Schmerzen kommen immer wieder und haben dabei nur äußerst selten eine erkennbare Ursache. Tritt dieses Phänomen über einen längeren Zeitraum als 12 Wochen konstant oder phasenweise wieder und wieder auf, spricht man von chronischen Schmerzen. Rund 8 bis 16 Millionen leiden laut einer Studie der Deutschen Schmerzgesellschaft aus dem Jahr 2010 unter chronischen Schmerzen, Tendenz steigend. Knapp 7 Millionen Deutsche haben tägliche Schmerzen und ca. 2 Millionen sind aufgrund ihrer chronischen Schmerzen berufsunfähig. Erschreckend in diesem Zusammenhang auch, dass knapp 2.000 - 3.000 Personen aufgrund ihrer quälenden chronischen Schmerzen Suizid begehen (DGSS 2010, Zentrum der Gesundheit 2016).

In diesem Video-Beitrag erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl was Schmerzen überhaupt sind und vor allem was der Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen ist. Denn dieser Unterschied ist wichtig.

Schon seit längerem wird u. a. Stress als einer von vielen möglichen Faktoren betrachtet, die die Chronifizierung von Schmerzen bedingen. Dass Körper und Seele im Bezug auf Schmerz in einer engen Verbindung stehen, ist also keine ganz neue Erkenntnis für die Medizin. Trotzdem versucht man in den meisten Fällen mit klassischen Therapieansätzen auch dem chronischen Rückenschmerz Herr zu werden – mit mäßigem bis ohne Erfolg. Nimmt man an, dass der körperliche und der seelische (psychische) Teil des Menschen auf engste Weise miteinander verbunden sind (s.o.), sollten diese beiden Bereiche auch in der Therapie miteinander verbunden werden – eine solche multimodale bzw. ursächliche Therapie ist allerdings selten, da die moderne Medizin in der Regel allein die Krankheit, nicht aber deren Verbindung zur Psyche, in den Fokus ihrer Diagnose und Therapie stellt (Zentrum der Gesundheit 2016, DocCheck 2017).

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Welche Therapie zu welchem Zeitpunkt?

Welche Therapieform gewählt wird, richtet sich in erster Linie nach dem jeweiligen Stadium, in dem sich der Patient befindet. Der behandelnde Arzt muss also zwischen dem akuten und dem chronischen Stadium differenzieren. Während das akute Stadium durch plötzlich auftretende Schmerzen definiert wird, treten die Schmerzen im chronischen Stadium wiederholt auf, sind jedoch stärker oder schwächer in ihrer Intensität und beeinträchtigen dementsprechend die Qualität des Alltags. Abhängig davon, welches Stadium zum Zeitpunkt der Behandlung vorliegt, wird die Form der Behandlung gewählt. Der akute Schmerz lässt sich beispielsweise gut mit einer klassischen, medikamentösen Therapie lindern, z. B. mit Schmerzmitteln. Ist der Auslöser des Schmerzes beseitigt oder geheilt, klingen die Schmerzen in aller Regel von selbst wieder ab und die pharmakologischen Mittel, die zum Einsatz gekommen sind, können wieder abgesetzt werden.

Anders verhält es sich jedoch bei Schmerzen im chronischen Stadium. Sowohl pharmakologische Handlungsmethoden wie Medikamente oder Spritzen als auch Massagen, Physiotherapien oder Ultraschallbehandlungen, die mit der klassischen Therapie kombiniert werden, schlagen in diesem Stadium häufig nicht mehr an. Der Patient erhält den Eindruck, dass sein Rückenschmerz unheilbar sei, und beginnt sich mit einem Leben unter Schmerzen abzufinden. Ganzheitliche Behandlungsmethoden, die sich neben der Beseitigung des Schmerzes auch die Erforschung der Ursachen im körperlichen UND psychischen Bereich zur Aufgabe machen, versuchen den größeren Zusammenhang zu sehen und sind dabei häufig erfolgreicher als klassische Therapieansätze, die die Psyche außen vor lassen (Zentrum der Gesundheit 2016).

Methoden der symptomatischen Therapie

Die symptomatische Therapie grenzt sich dadurch von anderen Therapieformen ab, dass sie allein die Beseitigung der Symptome in dem Fokus der Behandlung setzt, nicht aber der Krankheitsursachen. Für welche Therapie Sie sich auch immer gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt entscheiden, es geht bei der symptomatischen Therapie allein um eine zügige Linderung Ihrer Beschwerden.

Als Symptome bezeichnet man die nach außen auftretende Erscheinungsform einer Krankheit, im Bereich des Rückens etwa den plötzlich auftretenden Schmerz eines Bandscheibenvorfalls oder eines Hexenschusses. Mit konservativen Behandlungsmethoden ist die symptomatische Therapie darauf ausgerichtet, diesen akuten Schmerz, der ja auch als Warnhinweis des Körpers aufgefasst werden kann, zu lindern und in der Konsequenz zu beseitigen. Die Suche nach der Ursache der Erkrankung bzw. des Schmerzes und in der Folge auch deren Behandlung bleibt dabei allerdings häufig außen vor (DocCheck 2017).

Folgende Behandlungsmethoden sind typisch für die symptomatische Therapie:

  • die Eskalationsstufen reichen von konservativen Schmerzmitteln bis zur Operation
  • Schmerzmittel nach dem WHO-Stufenschema (leicht, mittelschwer, schwer)
  • Thermotherapie: Kälte bei akuten Schmerzen und Entzündungen, Wärme hingegen bei chronischen Schmerzen und Verspannungen
  • Elektrotherapie zur Überlagerung des akuten Schmerzes bzw. zur Schmerzreduktion bei chronischen Schmerzen.

Konzept der multimodalen Therapie

Anders als die symptomatische Therapie erweitert die ganzheitliche Therapie ihren Blick über die reine Symptomatik eines Schmerzes oder einer Erkrankung hinaus. Die multimodale Therapie verknüpft die ursächliche mit der symptomatischen Therapie. Es werden also parallel und ineinandergreifend Ursachen und Folgen der Rückenprobleme bzw. Rückenschmerzen behandelt. Denn wer z.B. die Entzündung mit Medikamenten vertreibt, der hat die Ursachen des Problems, z.B. eine fehlentwickelte Rückenmuskulatur, noch nicht behoben. Die multimodale Therapie will zwar auch die akuten Symptome lindern bzw. heilen, sucht aber in ihrem ganzheitlichen Ansatz nach der eigentlichen Ursache, die dem Schmerz zugrunde liegt. Diese Ursache kann sowohl körperlich als auch psychisch, umweltbedingt oder anderweitig begründet sein (Zentrum der Gesundheit 2016, DocCheck 2017).

Wichtig dabei, die ursächliche Therapie ist großenteils ein Produkt der Ursachenforschung, so z.B. im Rahmen einer Anamnesegespräches, einer Bewegungsanalyse oder von Muskelfunktionstests. Die Methoden der ganzheitlichen Therapie umfassen sowohl Verfahren der Schulmedizin mit verschiedenen Eskalations- bzw. Steigerungsstufen: Medikamente, Spritzen, Operationen (minimal-invasive bis klassische OP) als auch darüber hinausgehende, alternative Behandlungsverfahren:

Entlastung bei chronischen Rückenschmerzen

Die Therapie akuter Schmerzen beginnt in der Regel immer mit einer Entlastung. Während man pausiert bzw. die schmerzende Stelle entlastet, z.B. durch eine Seitausbiegung bzw. sog. Schonhaltung, wird die Problemstelle nicht immer wieder aufs Neue gereizt. Jedoch sollte so eine Schonhaltung nur in akuten Phasen und so kurz wie möglich sein. Bei Rückenschmerzen (z.B. aufgrund eines akuten Bandscheibenvorfalls oder eines Hexenschusses) gilt: maximal 2-3 Tage Ruhe bzw. Schonhaltung. Denn durch’s Rumsitzen wird es nicht besser.

Pharmakologische Therapie bei chronischen Rückenschmerzen

Zur Behandlung von Rückenschmerzen steht eine breite Palette an Arzneimitteln zur Verfügung. Angefangen von reinen Schmerzmitteln (Analgetika) wie Paracetamol oder Novalgin über sog. NSAR (schmerz- und entzündungshemmende Mittel) bis zu den sog. Opioiden und Opiaten. Darüber hinaus werden auch sog. Antidepressiva und Antikonvulsiva zur Behandlung von Rückenschmerzen eingesetzt. Intraartikuläre Substanzen: Spritzen bzw. Injektionen können sehr wirksam bei akuten Rückeschmerzen sein. Zumeist wird ein Gemisch aus Kortison und Anästhetikum gespritzt. Dadurch schwellt der angeschwollene Nerv ab und das Anästhetikum bewirkt eine Schmerzreduktio

Operation bei Rückenschmerzen

Je nach Ursache gibt es verschiedene Operationsverfahren. Stichworte sind Nukleotomie (beim Bandscheibenvorfall), Versteifung (sog. Spondylodese) bei Wirbelgleiten, Skoliose oder Wirbelbruch (z.B. aufgrund Sturzes oder Osteoporose) sowie eine Dekompression (bei der sog. Spinalkanalstenose).

Alternative Medizin / Naturheilkunde bei Rückenschmerzen

Eine zuweilen sinnvolle Ergänzung oder Alternative zu den klassischen Medikamenten stellen die pflanzlichen Medikamente dar, sog. Phytotherapeutika. Nicht alle Phytotherapeutika haben zwangsläufig was mit Homöopathie und gänzlich alternativen Heilmethoden zu tun. Manche pflanzliche Stoffe bieten hochpotente Wirkmechanismen, die weitesgehend bekannt und nachgewiesen sind.
Die homöopathische Medikation unterscheidet sich von der pflanzlichen durch die Verdünnung der Wirkstoffe.Der Grundgedanke der Homöopathie ist es, dem Körper  Stoffe zuzuführen, die genau die Symptome hervorrufen, die aktuell die Hauptbeschwerden ausmachen.

Eigeninitiative bei Rückenschmerzen

Verhaltensmaßregeln (z.B. Gewichtskontrolle, Schuhwerk) und Arbeitsplatzgestaltung (z.B. Stehtisch, Abstand Computer-Benutzer)

Ernährung bei chronischen Rückenschmerzen

Umstellung der Ernährung (Fokus auf eine fleisch- und wurstarme Ernährung, basische Ernährung gegen die lokale als auch systemische Entzündung)

Physiotherapie und Krankengymnastik

Bewegung trotz Beschwerden. Man sollte so weit gehen, dass ein sog. Wohlfühlschmerz nicht überschritten wird. Die Durchführung physiotherapeutischer Übungen ist elementar für den Erfolg einer Therapie bei (chronischen) Rückenschmerzen.

Physikalische Therapie bei Rückenschmerzen

Physikalische Therapie, wie z. B. Massage, Thermotherapie oder Elektrotherapie/ Strom. Die physikalische Therapie ist ein weites Feld, die in Ihrem Körper den Heilungsprozess anregen soll. Kältebehandlungen sind sinnvoll bei akuten, entzündungsbegleitenden Situationen. Mit Wärmebehandlung hingegen wie Wärmepflaster, Mikrowellenbestrahlung, Fango- oder Heißluftanwendungen wird die Durchblutung und Stoffwechselaktivität im betroffenen Areal angekurbelt. Ein weiterer Bereich ist die Elektrotherapie. Dabei unterscheidet man zwischen TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) zur Stimulation der Muskulatur und der Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS) zur gezielten Stimulation von Nervenfasern und zur Reduktion eines krankhaft veränderten Schmerzempfindens, dem sog. Schmerzgedächtnis. Ebenso unterstützend auf den Heilungsprozess wirken spezielle Massagetechniken zum Lockern verspannter Muskelgruppen oder reizende Friktionsmassagen.

In diesem Video wird die Small Fiber Matrix Stimulation anschaulich beschrieben. Es wird erklärt wie diese Technologie bei Rückenschmerzen hilft und weshalb diese daher ein wichtiger Baustein bei der ganzheitlichen Therapie von Rückenschmerzen ist.

Von der multimodalen zur ganzheitlichen Therapie

Welche Therapieform in jedem individuellen Fall die richtige ist, sollte in jedem Fall gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden. Wichtig dabei ist zu wissen, dass ein akuter Schmerz in der Regel zunächst eine symptomatische Therapie erforderlich macht, um den Schmerz zielgerichtet und schnell zu lindern. Gleichzeitig sollten aber bereits ergänzende, alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, die eine Heilung vorantreiben und eine Chronifizierung entweder verhindern, den chronischen Schmerz verbessern oder die Chronifizierung im schlechtesten Fall vielleicht nicht verhindern zu können, aber immerhin aufzuschieben.
Die multimodale Therapie zeichnet sich dadurch aus, dass sie neben der körperlichen auch die persönliche, familiäre und berufliche Umwelt des Patienten berücksichtigt und aufbauend auf der Gesamtdisposition des Patienten ein Therapiemodell entwickelt, das individuell auf ihn zugeschnitten ist. In der Regel leiden Patienten, die eine multimodale Therapie erhalten, bereits unter chronischen Schmerzen, jedoch kann das multimodale Modell auch vorbeugend eingesetzt werden. Die Therapie kann ambulant, stationär oder teilstationär erfolgen – ein stationärer Aufenthalt über 2-3 Wochen ist in vielen Fällen ein wichtiger Schritt für die betroffenen Patienten, da die Therapie sowohl an körperlichen als auch an psychischen Aspekten der Erkrankung ansetzt und die Patienten aus ihrem gewohnten Lebensumfeld herausreißt. Vor allem im psychosozialen Bereich können so in relativ kurzer Zeit erstaunliche Ergebnisse erzielt werden. Diese sind jedoch nur der Beginn einer ganzheitlichen Lebensgestaltung, die einer weiteren oder erneuten Chronifizierung entgegenwirken kann (Wege aus dem Schmerz o.J.).

Wie aber kommt der Patient von der multimodalen, durch Mediziner angeleiteten Therapie zu einem ganzheitlichen Lebensentwurf, in dem er selbst an der Gesundheit seines Rückens weiterarbeitet? Die meisten Patienten nehmen das multimodale Therapiemodell dankbar in Anspruch, fühlen sich aber nach den 2-3 Wochen, in denen sie sich intensiv mit der Heilung ihrer chronischen Schmerzen auseinandergesetzt haben, geheilt. Wir haben jedoch bereits festgehalten, dass Körper und Psyche eng miteinander verknüpft sind – die Annahme, dass eine mehrwöchige „Kur“ ausreiche, um dem Schmerz dauerhaft Herr zu werden, ist leider irrig. Wer also aus der medizinisch begleiteten Therapie nach Hause geht und in sein gewohntes Umfeld zurückkehrt, hat noch eine ganze Menge Arbeit vor sich: Die Umstellung der Ernährung, das Befolgen von Verhaltensmaßregeln oder die Neugestaltung des Arbeitsplatzes, begleitet durch regelmäßige Physiotherapie und Bewegung hat einen nachhaltigen Einfluss auf die Gesundheit des Körpers und insbesondere des Rückens. Dass eine solche Umstellung nicht über Nacht erfolgt, wissen auch die Mediziner und bieten ihren Patienten in vielerlei Hinsicht Unterstützung bei der persönlichen Weiterführung einer ganzheitlichen Therapie, die im besten Fall verhindert, dass der Patient erneut in den Kreislauf der wiederkehrenden, chronischen Schmerzen gerät.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Die ganzheitliche, multimodale Therapie bei chronischen Rückenschmerzen ist notwendig, um eine Verbesserung der Lebensqualität und wenn möglich eine langfristige Reduktion der Beschwerden, insbesondere der Schmerzen, zu erreichen. Ganzheitlich bedeutet zum einen sowohl Aspekte der klassischen Schulmedizin als auch der Alternativmedizin, Physiotherapie, Ernährung etc zu berücksichtigen als auch Maßnahmen einer symptomatischen Behandlung als auch einer ursächlichen Behandlung einzubauen.

Weiterführende Links und Quellen

Thieme, Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Auflage, 2009
Zentrum der Gesundheit: Rückenschmerzen, 2016
DGSS, Deutsche Schmerzgesellschaft: Schmerzen – Zahlen und Fakten, 2010
DocCheck Flexikon Ganzheitliche Medizin, Stand 01.2017
DocCheck Flexikon Symptomatische Therapie, Stand 01.2017
DocCheck Flexikon Kausale Therapie, Stand 01.2017
Bildquelle: Fotolia Datei: #130189425 | Urheber: Pixelot

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