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Rheumatoide Arthritis, Gelenkrheuma - Was ist Rheuma, welche Ursachen und Therapien gibt es?

Gliederung

  1. Einführung – Was ist Arthritis?
  2. Rheumatoide Arthritis
  3. Ursachen der Rheumatoiden Arthritis
  4. Symptome einer Rheumatoiden Arthritis – Typisch: Morgensteifigkeit
  5. Diagnostik bei Rheumatoider Arthritis – Was macht der Arzt?
  6. Konservative Behandlungsmöglichkeiten der Rheumatoiden Arthritis
  7. Operative Behandlungsmöglichkeiten bei einer Rheumatoiden Arthritis
  8. Prognose
  9. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  10. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und bündige Zusammenfassung. 

Einführung – Was ist Arthritis?

Bei der Arthritis handelt es sich um eine entzündliche Gelenkerkrankung. Die Entzündungen gehen dabei mit Schwellungen, Rötungen, Gelenkergussbildung und Überwärmung einher. Es kommt zu steifen Gelenken, insbesondere zur sogenannten Morgensteife, also zu einer Unbeweglichkeit beim Aufwachen. Auch darüber hinaus treten Bewegungseinschränkungen auf. Typisch für einen  fortgeschrittenen Krankheitsverlauf sind knöcherne Verformungen. In seltenen Fällen können bei einer Arthritis auch innere Organe geschädigt werden. So können die Beschwerden auch auf das Herz und die Lunge übergreifen. Weitere Merkmale sind die Trockenheit von Mund und Augen, Herzbeutelentzündungen und Entzündungen der Bindehaut der Augen. In einem Frühstadium der Erkrankung sind die Symptome häufig unspezifisch und umfassen starkes Schwitzen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und ein vermeintlich grundloser Gewichtsverlust.

In vielen Fällen ist der Verlauf einer Arthritis chronisch. Die Krankheit besteht somit über einen längeren Zeitraum, wobei es immer wieder zu Krankheitsschüben kommt.  Es bestehen verschiedene Arthritis-Formen, die sich gemäß ihrer Ursache in bakterielle und nicht bakterielle Formen unterteilen lassen

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Arthritis und der Arthrose. Arthrose und Arthritis sind zwei getrennte und verschiedene Krankheitsbilder mit teilweise ähnlichen, teilweise unterschiedlichen Symptomen. Auch unterscheidet sich die Therapie der beiden Erkrankungen.

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Rheumatoide Arthritis

Die häufigste Arthritis-Form ist die (nichtbakterielle) rheumatoide Arthritis, von der etwa ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen betroffen sind. Die rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung des mittleren und höheren Alters (4.-6. Lebensjahrzehnt). Frauen sind etwa 4-mal häufiger betroffen als Männer.
Bei der Rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine entzündliche Systemerkrankung, die sich vorwiegend an der Gelenkschleimhaut abspielt. Basierend auf einer chronisch-zerstörenden sog. Synovialitis kommt es zu einer zunehmenden Gelenkzerstörung. Bei dieser Arthritis-Form herrscht eine Störung der körpereigenen Abwehr vor. Dabei greift das Immunsystem Gelenke und körpereigenes Gewebe an. Eine bakterielle Arthritis ist dagegen durch entzündliche Reaktionen um das Gelenk herum gekennzeichnet.

Ursachen der Rheumatoiden Arthritis

Die genaue Ursache für die rheumatoide Arthritis ist noch ungeklärt. So bedarf es weiterer Forschungen, weshalb sich das Immunsystem gegen die eigenen Gelenke richtet. Es wird angenommen, dass die Krankheit durch ein Zusammenspiel bestimmter genetischer Faktoren und Umweltfaktoren entsteht. 70% der Patienten sind Träger des MHC-II-Genprodukts HLA-DR4 (Häufigkeit in der Bevölkerung ca. 30%). Diese Patienten haben ein ca. 5-fach erhöhtes relatives Risiko, im Laufe ihres Lebens eine rheumatoide Arthritis zu entwickeln.
Eine bakteriell bedingte Arthritis lässt sich auf Keime zurückführen, die infolge von Verletzungen oder durch nicht ausreichend sterile Operationen und Injektionen in das Gelenk eindringen. Auch über den Blutweg („hämatogen“)  können Bakterien in das Gelenk gelangen.

Symptome einer Rheumatoiden Arthritis – Typisch: Morgensteifigkeit

Der Beginn einer rheumatoiden Arthritis ist typischerweise schleichend. Patienten haben zumeist unspezifische Beschwerden, die also auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können, so z.B. Müdigkeit, Gewichtsabnahme, subfebrile Temperaturen, erhöhte Schweißneigung. Ein klassischer Befund ist die sog. Morgensteifigkeit. Morgensteifigkeit impliziert eine besonders am Morgen ausgeprägte und im Tagesverlauf nachlassende Steife im Bereich der Finger und Vorfüße). Typisch sind Schmerzen beim Händedruck (sog. Gänslen-Zeichen).
Charakteristisch ist auch die Lokalisation der Gelenke sowie die Symmetrie: Eine rheumatoide Arthritis beginnt zumeist an den kleinen Gelenken von Händen und Füßen. Befallen sind v.a. die Fingergrundgelenke, seltener die Mittelgelenke und praktisch nie die Endgelenke. Erst später kommt es zur Beteiligung auch der größeren Gelenke (Knie-, Hüft-, Schultergelenke etc.).
Im akuten Schub sind die Gelenke gerötet, überwärmt, geschwollen und druckschmerzhaft. Mit der Zeit sind auch Gelenkergüsse häufiger. Darüber hinaus sind charakteristisch für die Arthritis bewegungsabhängige Schmerzen.
Im fortgeschrittenen Stadium kommt es aufgrund der Gelenkzerstörung zu Funktionseinbußen mit Beuge- und Streckdefiziten sowie schließlich zu Fehlstellungen. In diesem Zusammenhang typische Befunde sind eine herabgesetzte Griffstärke sowie die Unfähigkeit zum Faustschluss. Als Konsequenz kommt es dann häufig zu einer Rückbildung der Muskulatur (Atrophie).

Typische Fehlstellungen der Finger und/ oder Zehen sind:

  • Schwanenhalsdeformität
  • Knopflochdeformität
  • Ulnardeviation der Fingergrundgelenke
  • Krallen- und/ oder Hammerzehen

Gerne schauen Sie sich auch diesen Beitrag von Video-Visite von Dr. Tobias Weigl an. In diesem Video beschreibt er alles Wichtige rund um das Thema Rheumatoide Arthritis: Die Ursachen, Symptome, Diagnostik beim Arzt sowie natürlich die Therapiemöglichkeiten. Ein empfehlenswertes Video.

Diagnostik bei Rheumatoider Arthritis – Was macht der Arzt?

Die Rheumatoide Arthritis wird nach den ACR-Kriterien (American College of Rheumatology) und den EULAR-Kriterien (European League against Rheumatism) eingeteilt. Voraussetzung zur Anwendung der Kriterien sind eine Gelenkschwellung an mindestens einem Gelenk und der Ausschluss einer anderen Ursache der sog. Synovitis.

Folgende Kriterien sind dabei wichtig und werden im Rahmen der Diagnostik untersucht:

  • Gelenkbeteiligung
  • Serologie
  • Dauer der Synovialitis
  • Entzündungsparameter

Die klinischen Symptome bzw. Probleme für den Patienten müssen mindestens 6 Wochen lang bestehen.

Labor – die Blutwerte bei Rheumatoider Arthritis

Mithilfe der Entzündungsparameter kann die Krankheitsaktivität erfasst werden. Klassischer Parameter der Rheumatoiden Arthritis sind sog. IgM-Antikörper. Diese sind bei ca. 75% der Betroffenen nachweisbar. Sind IgM nachweisbar so spricht man von einer seropositiven Rheumatoiden Arthritis (liegt hingegen kein Rheumafaktor vor, so spricht man von einer seronegativen Rheumatoiden Arthritis). Desweiteren gibt es noch einen sog. spezifischen Immunmarker für die Rheumatoide Arthritis. Dies sind Autoantikörper gegen zyklisch zitrulliniertes Peptid (CCP), die bei knapp 50% der Erkrankten in der Frühphase existieren.

Die Analyse der Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssigkeit) zeigt bei der Rheumatoiden Arthritis einen sog. sterilen Erguss mit einer sog. Leukozytose (Erhöhung der weißen Blutkörperchen) sowie den Nachweis von anderen Stoffen wie Komplementfaktoren, Rheumafaktor und sog. Phagozyten.

Bildgebende Verfahren bei der Rheumatoiden Arthritis – Arthrosonografie und Röntgenbild

Bei der bildgebenden Diagnostik der Rheumatoiden Arthritis hat in den letzten Jahren die Arthrosonografie an Bedeutung gewonnen. Mit dieser relativ einfachen Methode können Gelenkergüsse, Früherosionen und weitere Merkmale unkompliziert nachgewiesen werden.
Das Röntgenbild zeigt im Frühstadium der Rheumatoiden Arthritis vor allem an den Fingergrund- und Handgelenken spezifische Veränderungen: (1) eine Zerstörung der Grenzlamelle, (2) peri-artikuläre Weichteilschwellungen, sowie (3) eine gelenknahe Osteoporose. In einem späteren Stadium erkennt man im Röntgenbild auch eine Gelenkspaltverschmälerung. Im Endstadium zeigen sich Fehlstellungen, eine sekundäre Arthrose und sog. Ankylosen.

Histologie bei der Rheumatoiden Arthritis

Eine weitere diagnostische Untersuchung ist die Histologie. Im Detail können die Zellen der Synovia und der Rheumaknoten mikroskopisch untersucht werden. Auch hierbei gibt es spezifische Anzeichen, die eine vorliegende Rheumatoide Arthritis bestätigen würden.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten der Rheumatoiden Arthritis

Die konservative Therapie sollte ganzheitlich und multimodal erfolgen. Eine kausale Therapie der Rheumatoiden Arthritis gibt es (leider) nicht. Ziel der Therapie ist es, die Entzündung zu unterdrücken und ein Fortschreiten des Entzündungsprozesses aufzuhalten, um Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine mögliche Gelenkzerstörung zu vermeiden.

Eckpfeiler der konservativen Therapie bei Rheumatoider Arthritis

Die folgenden Eckpfeiler einer konservativen Therapie bei Rheumatoider Arthritis sind empfehlenswert:

  1. Sog. Verhaltensmaßregeln (Was kann ich selber unmittelbar tun)
  2. Ernährung, ggfs. Umstellung oder Zusammenarbeit mit Ernährungsberater
  3. Physiotherapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie
  4. Physikalische Therapie wie Thermotherapie, Kryotherapie und Elektrostimulation (SFMS)
  5. Medikamente
  6. Ggfs. Orthopädische Hilfsmittel
  7. Fachärztliche medizinische Maßnahmen

Bei einer rheumatoiden Arthritis ist eine Thermotherapie erfolgversprechend. Wenn das Gelenk akut entzündet ist, können Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung beitragen. Gleichsam hemmt Kälte die Entzündung. Wenn die Beschwerden vorübergehend nachlassen, können dagegen mittels Wärme Verspannungen gelöst werden. Denn Wärme fördert die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an.

Systemische Pharmakotherapie bei Rheumatoider Arthritis

Im akuten Schub werden typischerweise Kortison-Präparate verwendet. Sog. NSAR (z.B. Diclofenac, Ibuprofen) können ggfs. ergänzend gegeben werden, gelten aber bei der Rheumatoiden Arthritis nicht mehr als Therapie der ersten Wahl.

Sobald die Diagnose Rheumatoide Arthritis feststeht, sollten sog. Basistherapeutika verwendet werden. Diese sollen nämlich den destruktiven Gelenkprozess verlangsamen oder ggfs. aufhalten und ermöglichen langfristig eine Senkung der Kortison-Präparate (und der damit verbundenen Nebenwirkungen). Aber auch die Basistherapeutika stellen keine kausale Therapie dar.
Methotrexat gilt heutzutage als Mittel der ersten Wahl bei der aktiven rheumatoiden Arthritis mit mäßig bis hoher Krankheitsaktivität.
Bei der Arthritis-Behandlung kommen auch Biologika zum Einsatz, beispielsweise sogenannte TNF-alpha-Hemmer. Biologika stellen molekularbiologisch hergestellte Wirkstoffe dar, die in die Entzündungsprozesse eingreifen. Dabei werden die schädlichen Wirkungen der Entzündungsstoffe, die vom körpereigenen Immunsystem produziert wurden, blockiert. Damit lässt sich die Arthritis wirksam bekämpfen, doch kommt es jedoch zu einer Schwächung der Abwehrkräfte.
Auch die Einnahme von Vitamin-Präparaten bietet sich bei Arthritis an. Eine besondere Rolle wird hierbei Vitamin E zugeschrieben. Denn Vitamin E wirkt als Antioxidans und fängt somit freie Radikale, die bei entzündlichen Gelenkerkrankungen verstärkt gebildet werden, ein.

Lokale Pharmakotherapie

Daneben gibt es noch eine sog. lokale Pharmakotherapie also eine Therapie, die nicht systemisch im ganzen Körper sondern nun an gezielten Körperregionen wirkt. Dazu zählen intra-artikuläre Kortison-Spritzen sowie die sog. Radiosynovioorthese (Verödung der Synovia durch Injektionen).

Operative Behandlungsmöglichkeiten bei einer Rheumatoiden Arthritis

Sofern konservative Behandlungsmethoden keinen zufriedenstellenden Erfolg bringen, können auch Operationen zur Behandlung von Arthritis vorgenommen werden. So lässt sich beispielsweise die innere Schicht in der Gelenkkapsel, die sogenannte Synovialis, operativ entfernen. Hierfür ist nur ein relativ kleiner Eingriff erforderlich. Ein großer Eingriff ist dagegen die Implantation von künstlichen Gelenken. Insbesondere die großen Gelenke wie Schulter, Knie, Hüfte und Ellenbogengelenk lassen sich durch eine Prothese ersetzen. Das operative Einsetzen von künstlichen Gelenken wird üblicherweise so lange wie möglich hinaus gezögert. Dies steht damit in Verbindung, dass die Lebensdauer von künstlichen Gelenken nur zehn bis maximal 15 Jahre umfasst. Danach muss ein neues künstliches Gelenk eingesetzt werden, wobei beim zweiten Eingriff das Risiko für Komplikationen erhöht ist.

Prognose der Rheumatoiden Arthritis

Die Rheumatoide Arthritis verläuft in der Regel chronisch-progredient. Phasen hoher Krankheitsaktivität (sog. akute Schübe) wechseln sich mit sog. „Ruhephasen“ (= Remissionsphasen) ab. Einige Patienten zeigen einen milden Verlauf, bei dem es nach einigen Schüben sogar zu einer kompletten Remission kommen kann. Es kann aber auch sein, dass Schübe öfter und stärker werden und die Krankheit sich verstärkt. Prognostisch ungünstige Faktoren sind ein Befall von mehreren Gelenken, die rheumatoide Vaskulitis, stark erhöhte Entzündungsparameter, ein hoher Rheumafaktor sowie bestimmte Nachweise molekularbiologischer Besonderheiten.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Bei der Arthritis handelt es sich um eine entzündliche Gelenkerkrankung. Die Entzündungen gehen dabei mit Schwellungen, Rötungen, Gelenkergussbildung und Überwärmung einher. Es kommt zu steifen Gelenken, insbesondere zur sogenannten Morgensteife, also zu einer Unbeweglichkeit beim Aufwachen. Die häufigste Arthritis-Form ist die (nichtbakterielle) rheumatoide Arthritis, von der etwa ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen betroffen sind. Die rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung des mittleren und höheren Alters (4.-6. Lebensjahrzehnt). Frauen sind etwa 4-mal häufiger betroffen als Männer. Die Therapie sollte immer ganzheitlich und multimodal erfolgen. Sehr wichtig sind dabei die systemische Medikamententherapie aber auch physikalische Maßnahmen wie Kryotherapie und Elektrostimulation.

Weiterführende Links und Quellen

Bomedus Schmerzglossar: https://bomedus.com/wissen/schmerzglossar/
Ruchholtz und Wirtz, Orthopädie und Unfallchirurgie, 2. Auflage, 2012
Herold, Innere Medizin, 2016
Deutsche Rheuma-liga e.V.
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