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Osteoporose, Knochenschwund – Ursache, Symptome und Therapie bei Osteoporose

Gliederung

  1. Einführung Osteoporose – Wenn die Knochen schwächeln
  2. Was versteht man unter Osteoporose?
  3. Was passiert bei einer Osteoporose genau im Körper?
  4. Ernährung und Osteoporose
  5. Ursachen für Osteoporose – Die verschiedenen Typen von Osteoporose
  6. Wie äußert sich Osteoporose und wodurch kann sie verstärkt werden?
  7. Typische Symptome einer Osteoporose
  8. Wie diagnostiziert der Arzt Osteoporose?
  9. Wie wird Osteoporose behandelt?
  10. Prophylaxe – Was kann man prophylaktisch gegen Osteoporose tun?
  11. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  12. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und bündige Zusammenfassung.

Einführung Osteoporose – Wenn die Knochen schwächeln

Mit dem Begriff Osteoporose kann so ziemlich jeder etwas anfangen. Immerhin gilt Osteoporose in Deutschland als eine der am häufigsten auftretenden Alterskrankheiten. Im Volksmund wird diese Erkrankung auch Knochenschwund genannt. Dabei handelt es sich zwar nicht um einen medizinischen Fachausdruck, jedoch versinnbildlicht dieser recht gut, was Osteoporose ist. Betroffenen reicht es allerdings nicht, zu wissen, dass bei einer Osteoporose die Knochen schwinden. Diejenigen, die wirklich mit dieser Krankheit konfrontiert sind, wollen und müssen mehr über sie erfahren. Was passiert bei einer Osteoporose genau im Körper beziehungsweise in den Knochen? Woran merken Patienten eigentlich, ob sie davon betroffen sind? Wie kann Osteoporose behandelt werden? Kann man ihr vorbeugen? Und wie wird diese eigentlich vom Arzt diagnostiziert? Das sind die Fragen, deren Antworten weit über den Begriff Knochenschwund hinausgehen.

In diesem Beitrag vom Medizin-Kanal Video-Visite erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl alles Wichtige rund um die Osteoporose - Ursachen, Symptome und Therapie.

Was versteht man unter Osteoporose?

Schlägt man in verschiedenen Lexika nach, wird Osteoporose als eine Stoffwechselerkrankung des menschlichen Skelettsystems, also der Knochen, definiert, von der insbesondere Frauen und ältere Menschen betroffen sind. Gekennzeichnet ist diese Erkrankung durch den Abbau von Knochenmasse, wodurch die Knochen instabil werden und leicht brechen können. Osteoporose ist definiert als eine Skeletterkrankung, die durch unzureichende Knochenfestigkeit charakterisiert ist, welche zu einem erhöhten Frakturrisiko führt. Der Grund dafür ist eine Schwächung der Knochen, die durch einen niedrigen Mineralsalzgehalt, eine geringe Knochendichte und eine gestörte Knochenarchitektur hervorgerufen wird. Doch wie kommt es dazu, dass die Knochen geschwächt werden und was haben vor allem das Alter und das Geschlecht damit zu tun?

Was passiert bei einer Osteoporose genau im Körper?

Um zu verstehen, was Osteoporose überhaupt ist, musst erst einmal ganz grundsätzlich die Frage geklärt werden, wie Knochen aufgebaut sind und was für diese sonst noch kennzeichnend ist. Vereinfacht gesagt bestehen Knochen aus zwei Grundbausteinen. Der eine Grundbaustein verleiht ihnen ihre typische Form und Struktur. Der andere Grundbaustein hingegen füllt diese Form mit Inhalt. Dabei handelt es sich um verschiedene Mineralstoffe, wie zum Beispiel Kalzium und Phosphat, die in diese Form eingelagert werden. Kennzeichnend für Knochen ist, dass diese gewissermaßen im Wandel sind. Damit reagieren sie auf die Veränderungen des menschlichen Körpers und sind selbst Teil dieser Veränderungen. Dies bedeutet, dass neue Knochenmasse aufgebaut und alte abgebaut wird. Dabei gilt, dass in einem jungen Körper in der Regel mehr Knochenmasse aufbaut als abbaut wird. Dieses Verhältnis ändert sich jedoch ungefähr mit dem vierzigsten Lebensjahr. Dann wird nämlich mehr Knochenmasse abbaut als aufgebaut und Osteoporose kann die Folge sein.

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Ernährung und Osteoporose

Um diesen Prozess nicht unnötig zu verstärken, ist es wichtig, mit der Nahrung wesentliche Nährstoffe zu sich zu nehmen, die dem Abbau der Knochenmasse entgegenwirken. Dazu gehört insbesondere der Mineralstoff Kalzium, der in Form von Milchprodukten aufgenommen werden kann. Mit einer knochenfreundlichen Ernährung sollte jedoch nicht erst im Alter begonnen werden. Allerdings hat nicht nur der Mineralstoff Kalzium einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Knochenmasse. Auch die Hormone Vitamin D und Calcitonin sind für Knochen wichtig. Denn ist die Regulation dieser Hormone gestört, dann kann auch dies zu Osteoporose führen.

Ursachen für Osteoporose – Die verschiedenen Typen von Osteoporose

Da die Ursachen für Osteoporose vielfältig sein können, lohnt es sich, sich mit diesen einmal genauer zu befassen. In der Medizin wird zwischen primärer und sekundärer Osteoporose unterschieden. Die primäre Osteoporose tritt am häufigsten auf. Bei dieser handelt es sich um den Typ von Osteoporose, der vor allem bei Frauen und im Alter auftritt. Wie bereits erwähnt, sind für den Aufbau der Knochenmasse auch die Hormone Calcitonin und Vitamin D wichtig. Diese werden durch die Sexualhormone reguliert. Bei Frauen sind das die Östrogene, bei Männern ist hingegen das Testosteron gemeint. Die Antwort auf die Frage, warum deutlich mehr Frauen unter Osteoporose leiden als Männer, lautet: Die Testosteronproduktion wird bei Männern im Alter nicht eingestellt. Anders verhält es sich mit der Produktion von Östrogenen bei Frauen, die im mittleren Alter endet. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass dadurch den Knochen wichtige Hormone, die diese für ihre Stabilität benötigen, nicht mehr zur Verfügung stehen. Dass Frauen ab einem bestimmten Alter kein Östrogen mehr produzieren, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass alle Frauen dann unter brüchigen Knochen leiden. Begünstigt wird Osteoporose im Alter und bei Frauen jedoch durch folgende Risikofaktoren: eine kalziumarme Ernährung, Bewegungsmangel, Diäten, überhöhter Kaffeegenuss, Missbrauch von Abführmitteln und übermäßiger Alkohol- sowie Nikotingenuss.
Die sekundäre Osteoporose ist hingegen keine Frage des Alters oder des Geschlechtes. Sie tritt als Folge anderer Erkrankungen und medikamentöser Behandlungen auf. So können zum Beispiel eine Langzeittherapie mit Kortison und eine Schilddrüsenüberfunktion zu Osteoporose führen. Auch als Ursachen kommen Magen- und Darmerkrankungen, entzündlich-rheumatische Erkrankungen und eine Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen infrage.

Wie äußert sich Osteoporose und wodurch kann sie verstärkt werden?

Das Gemeine an Osteoporose ist, dass diese nicht sofort erkannt wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen entwickelt sie sich sehr langsam, sodass Betroffene in den meisten Fällen im Anfangsstadium keinerlei Symptome verspüren. Zum anderen werden die im Verlauf auftretenden Schmerzen sehr oft nicht richtig diagnostiziert. So leiden Betroffene zunächst unter Rückenschmerzen und unter Schmerzen in den Knien, die dann lediglich als solche diagnostiziert werden. Erst wenn es dann zu einem Knochenbruch kommt, obwohl der Patient weder schwer stürzte oder in einen Unfall verwickelt war, steht der Verdacht auf Osteoporose plötzlich im Raum. Dabei machen Betroffene häufig die Erfahrung, dass es schon reicht, die Hand abzustützen oder kräftig zu husten, damit es zu einem Knochenbruch kommt.

Knochenbrüche sind typisch für Osteoporose. Einer der häufigsten Knochenbrüche, der in Folge einer Osteoporose auftreten kann, ist der sogenannte Sinterungsbruch. Bei diesem können verschiedene Wirbelkörper in sich zusammensacken. Diese verformen sich dann und verlieren an Höhe. Dadurch verkrümmt und verkürzt sich die Wirbelsäule nach vorne. Sichtbar wird dies dadurch, dass Betroffene an Größe verlieren und einen Rundrücken ausbilden. Ebenso häufig kommen Oberschenkelknochenbrüche in der Nähe des Hüftgelenks und Speichenbrüche in der Nähe der Handgelenke vor. Auch Oberarmknochenbrüche und Beckenbrüche sind keine Seltenheit. Das erhöhte Knochenbruchrisiko ist besonders heikel, da Betroffene dadurch oft in einen Teufelskreis geraten. Denn nicht nur die Knochen schwächeln, auch die Muskeln verkümmern. Die Folge davon sind Gleichgewichtsprobleme, die zu weiteren Stürzen führen. Darüber hinaus werden auch die Schutzreflexe, die diese Stürze verhindern sollen, verlangsamt. Kommt es dann zu einer Vielzahl an Knochenbrüchen, können Betroffene bettlägerig werden, wodurch der Knochenabbau noch weiter voranschreitet. Dies kann dazu führen, dass das Sterblichkeitsrisiko deutlich ansteigt.

Osteoporose hängt jedoch nicht nur vom Alter und Geschlecht ab. Auch Untergewicht, bestimmte  Medikamente und Untergewicht können das Auftreten von Osteoporose begünstigen. Auch besteht das Risiko, dass Osteoporose vererbt werden kann.

Typische Symptome einer Osteoporose

  • „Stiller Dieb“, keine Schmerzen bis ein Knochen bricht
  • Typische Knochenbrüche, mit oftmals fehlender Ursache (kein Sturz o.ä.): Wirbelkörper, Oberschenkel, Oberarm, Becken, Rippen
  • Größenabnahme, sog. Tannenbaum-Phänomen (typische Hautfalten am Rücken)
  • „Witwenbuckel“, sog. Brustkyphose

Wie diagnostiziert der Arzt Osteoporose?

Bei einem Verdacht auf Osteoporose erfragt der behandelnde Arzt erst einmal die Krankengeschichte (Anamnese) und stellt dem Patienten zu diesem Zweck eine Reihe von Fragen über das Empfinden, mögliche Rückenschmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen im Alltag. Darüber hinaus will er wissen, welche Medikamente eingenommen werden und ob es in der Vergangenheit schon zu Knochenbrüchen kam. Im Anschluss daran überprüft er in der Regel die körperliche Verfasstheit des Patienten und untersucht, ob eventuell eine Störung der Beweglichkeit und Mobilität vorliegt. Wenn sich dabei der Verdacht auf Osteoporose erhärtet, wird eine Messung der Knochendichte vorgenommen (DXA-Messung mit Bestimmung des sog. T-Wertes als Standardabweichung (SD)). Diese wird durch niedrig dosierte Röntgenstrahlen an der Lendenwirbelsäule, am gesamten Oberschenkelknochen und am Oberschenkelhals ermittelt. Wird dabei eine niedrige Knochendichte diagnostiziert, gilt der Verdacht als bestätigt und der Arzt untersucht nun, ob vielleicht schon Knochenbrüche vorliegen. Dazu wird eine Röntgenuntersuchung angeordnet. Auch eine Labor- bzw. Blutuntersuchung ist Teil der Osteoporose-Diagnostik. Ziel dieser ist es unter anderem, den Kalzium- und Phosphatspiegel zu ermitteln.

Wie wird Osteoporose behandelt?

Hat der behandelnde Arzt Osteoporose diagnostiziert, muss diese unbedingt behandelt werden, da es sonst zu einer Einschränkung der Lebensqualität kommen kann. Die sogenannte Osteoporose-Therapie soll den Knochenabbau hemmen und weitere Knochenbrüche verhindern. Jedoch gibt es nicht die eine Osteoporose-Therapie. Diese wird auf die Bedürfnisse des Patienten individuell abgestimmt, wobei sich der behandelnde Arzt an den Ursachen und am Schweregrad des Knochenabbaus orientiert. Allgemein gilt jedoch, dass die Osteoporose-Therapie sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzt. Dazu gehört in jedem Fall, dass Osteoporose-Patienten dazu angehalten werden, auf eine gesunde Ernährung zu achten und sich ausreichend zu bewegen. Gegebenenfalls verschreibt der Arzt auch entsprechende Medikamente. In Abhängigkeit der Laborparameter sollte immer eine Basistherapie mit Vitamin D (Vigantoletten, Calcium-Brausetabletten) erfolgen. Darüber hinaus ist eine spezifische Osteoporosetherapie möglich mit:

  • Bisphosphonaten (z.B. Fosamax, Alendronat)
  • SERMs
  • Kalzitonine (bei Frakturen)
  • Vitamin D/ Calcium
  • Östrogene, Gestagene (nur postmenopausal sinnvoll)
  • Denosumab
  • Parathormon

Andere Medikamente jedoch, wie zum Beispiel Allergiemittel oder Antidepressiva, sollten vermieden werden, da diese die Reaktionsfähigkeit verlangsamen und somit die Gefahr von Stürzen und damit einhergehenden Knochenbrüchen erhöhen. Apropos Knochenbrüche! Da diese das große Problem der Osteoporose sind, sollten Betroffene Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um Knochenbrüche zu vermeiden. Dazu gehört unter anderem, die Wohnung gewissermaßen Osteoporose sicher zu machen. Denn bekanntlich kommt es im Haushalt zu den meisten Unfällen. Deshalb sollten Stolperfallen, wie rutschige Teppiche und freiliegende Kabel entfernt werden. Auch außerhalb der Wohnung sollten einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Zu diesen zählen unter anderem flache und rutschfeste Schuhe. Sollte die Osteoporose hingegen auf eine Schilddrüsenüberfunktion zurückzuführen sein, ist es natürlich diese Erkrankung, die in erster Linie behandelt werden muss.

Was auch die Ursache für eine Osteoporose ist, es gilt, in jedem Fall schnell zu reagieren, da ohne eine Therapie die Erkrankung schnell voranschreitet und die Prognose schlecht ist. Eine unbehandelte Osteoporose führt nämlich zahlreichen Knochenbrüchen und starken Schmerzen, die Betroffene extrem einschränken. Mitunter ist sogar eine Invalidität die Folge und Patienten könnten dauerhaft von fremder Hilfe abhängig sein. Da dies jedoch kein wünschenswerter Zustand ist, sollte der Arzt rechtzeitig aufgesucht werden. Mit einer entsprechenden Behandlung haben Osteoporose-Patienten dann sogar eine normale Lebenserwartung.

Prophylaxe – Was kann man prophylaktisch gegen Osteoporose tun?

Allerdings kann einer Osteoporose auch vorgebeugt werden und das am besten so früh wie möglich. Regelmäßige körperliche Bewegung sollte schon in jungen Jahren die Regel und nicht Ausnahme sein. Wer fit ist und seine Muskeln stärkt, der tut damit seinen Knochen etwas Gutes. Auch kommt es auf die Ernährung an. Diese sollte vor allem reich an Kalzium sein, dass in grünem Gemüse und Milchprodukten steckt. Genauso wichtig ist Vitamin D. Dieses wird in der Haut produziert. Dafür ist Sonne und Licht die Voraussetzung. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig draußen aufzuhalten.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Mit dem Begriff Osteoporose kann so ziemlich jeder etwas anfangen. Osteoporose gilt in Deutschland als eine der am häufigsten auftretenden Alterskrankheiten. Im Volksmund wird diese Erkrankung auch Knochenschwund bzw. fehlende Knochenfestigkeit genannt. Insbesondere Frau leiden an Osteoporose. Typisch sind Knochenbrüche wie z.B. eine Schenkelhalsfraktur oder Wirbelkörperfrakturen. Die Therapie erstreckt sich von der symptomatischen Behandlung der Schmerzen bis zur Einnahme von Vitamin D/ Calcium und sog. Bisphosphonaten (z.B. Alendronat).

Weiterführende Links und Quellen

Bomedus Schmerzglossar: https://bomedus.com/wissen/schmerzglossar/
Ruchholtz und Wirtz, Orthopädie und Unfallchirurgie, 2. Auflage, 2012
Herold, Innere Medizin, 2016
Deutsche Rheuma-liga e.V.
Bildquelle: Fotolia Datei: #119694223 | Urheber: adimas

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