• Flagge Deutsch
  • Flag GB



Häufigkeiten, Ursachen und Folgen einer Amputation – Häufig Amputation Bein, Amputation Unterschenkel

Gliederung

  1. Epidemiologie – Häufigkeit von Amputationen in Deutschland
  2. Was sind Amputationen?
  3. Ätiologie – Ursache von Amputationen
  4. Amputationen infolge von Diabetes
  5. Amputationen infolge einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
  6. Amputationen infolge von Krebs
  7. Amputationen infolge von Unfällen
  8. Wann wird eine Amputation durchgeführt und welche Risiken birgt sie?
  9. Was können Betroffene im Falle einer Amputation tun?
  10. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  11. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und bündige Zusammenfassung.

Epidemiologie – Häufigkeit von Amputationen in Deutschland

Insgesamt ist die Zahl der Amputationen in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend. Allerdings sind mittlerweile weniger große und mehr kleine Amputationen zu verzeichnen. Ursachen hierfür sind v.a. die wachsenden Fallzahlen aufgrund von (Alters-)Diabetes (Stichwort: diabetisches Fußsyndrom) und Durchblutungsstörungen, welche häufig die Folge von Übergewicht, Rauchen und mangelnder Bewegung sind. In den letzten Jahren gab es jährlich zwischen 60.000-80.000 Amputationen in Deutschland. Diese Zahlen schwanken und es gibt keine genauen Daten, da bis heute ein zentrales Amputationsregister in Deutschland fehlt. Man kann jedoch sicher feststellen, dass die Anzahl an Amputationen in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit am höchsten liegt (pro 100.000 Einwohner). Über die Ursachen darüber kann zum derzeitigen Zeitpunkt nur spekuliert werden.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Angiologie 2011; Gesundheitsbericht des Bundes 2015

---------------------------------------------------------------------------------------------------

Verwandte Themen und Vorschläge

THERAPIE BEI PHANTOMSCHMERZEN, STUMPFSCHMERZEN. Der Leitartikel Therapie von Phantomschmerzen hier zum nachlesen.

OPIOIDE BEI DER SCHMERZTHERAPIE. Leitartikel Opioide zum nachlesen.

DAS SCHMERZGEDÄCHTNIS - Wie ein Schmerzgedächtnis entsteht. Der Leitartikel Schmerzgedächtnis zum nachlesen.

GANZHEITLICHE MULTIMODALE SCHMERZTHERAPIE. Der multimodale Schmerztherapie zum nachlesen.

IBUPROFEN & DICLOFENAC. Der Leitartikel NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac hier zum nachlesen oder als YouTube Video hier anschauen.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Amputationsverletzungen im Bereich der oberen Extremität (der Arme) zeigen einen Altersgipfel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Am häufigsten sind dabei die sog. Mikroamputationen, v.a. Daumen- und Fingeramputationen. Mikroamputationen, also Amputationen v.a. im Bereich der Hand, sind dabei bis zu 15-mal häufiger als Amputationen des gesamten Unter- und/ oder Oberarmes. Männer sind insgesamt 4-mal häufiger betroffen als Frauen; eine Seitenpräferenz (also ob rechts oder links) besteht nicht.
Im Bereich der unteren Extremität, d.h. der Beine, treten Amputationen am häufigsten im Unterschenkelbereich auf. Oberschenkelamputationen sind eher selten (in Kriegszeiten jedoch häufiger).

Was sind Amputationen?

Es wird unterschieden zwischen Makro- und Mikroamputationsverletzungen. Im Bereich der oberen Extremität, also beim Arm, ist die Grenze das sog. Radiokarpalgelenk. Muss eine Amputation proximal, d.h. vor dem Gelenk durchgeführt werden, so spricht man von einer Makroamputation. Hingegen liegt bei einer Amputation distal, d.h. hinter dem Gelenk, eine Mikroamputationsverletzung vor.
Im Bereich der unteren Extremität, also der Beine, ist die Grenze das sog. obere Sprunggelenk (OSG). Amputationen vor dem Sprunggelenk, also proximal liegend, werden Makroamputationen, distal vom Sprunggelenk hingegen Mikroamputationen genannt.

Ätiologie – Ursache von Amputationen

90% aller Amputationen sind die sog. Mikroamputationen. Dazu zählen Amputationen von Fingern, Zehen oder auch Füßen. Hauptursache dafür sind zu 90% Durchblutungsstörungen, welche wiederum die Folge von Diabetes, Rauchen, Übergewicht und weiteren Faktoren sind. Über 60.000 aller jährlichen Amputationen in Deutschland sind somit die Folge von Durchblutungsstörungen. Unfälle (4%) und Tumore (4%) sind im Vergleich viel seltener.

 

Quelle: Kern 2009; Ruchholtz und Wirtz 2013; Ärztezeitung 2013; eigene Berechnungen.

Wie oben geschildert sind nur ca. 10% aller Amputationen sog. Makroamputationen, d.h. Amputationen vom Oberschenkel oder vom gesamten Arm. Falls es doch so diesen Amputationen kommt, so sind diese nachvollziehbarerweise sehr folgenreich für den Betroffenen. Ursächlich sind – im Gegensatz zu Mikroamputationen – zu ca. 60% Unfälle bzw. Traumata, und zwar in der Reihenfolge Arbeitsunfälle (>50 %), Verkehrsunfälle (ca. 18%), landwirtschaftliche Unfälle (ca. 15%) sowie Unfälle mit Kettensägen (ca. 10%). Seltener hingegen sind Makroamputationen aufgrund von Tumoren, Durchblutungsstörungen und Diabetes (insgesamt ist Diabetes natürlich der Hauptgrund für eine Amputation, aber wie oben geschildert zumeist von Mikroamputationen (z.B. Finger, Füße).  
Typisch aber sehr selten sind im Bereich der Füße Amputationen aufgrund von Rasenmäherverletzungen.

Quelle: Kern 2009; Ruchholtz und Wirtz 2013; eigene Berechnungen.

Darüber hinaus kann man auch die Ursachen nach Alter und Amputationshöhe unterscheiden. Auch hier finden sich Auffälligkeiten bzw. Besonderheiten. Die folgenden Tabellen fassen die Erkenntnisse zusammen.

Quelle: Baumgartner und Botta (1989); Baumgartner et al. (2008); Kern et al. (2009).

Quelle: Baumgartner und Botta (1989); Baumgartner et al. (2008); Kern et al. (2009).

Amputationen infolge von Diabetes

Bei einer Diabeteserkrankung produziert das Pankreas, also die Bauchspeicheldrüse, nicht genug Insulin. Das Insulin ist jedoch wichtig, da es die mit der Nahrung aufgenommene Glucose vom Blut in die Zellen der Leber, Nieren, Muskeln und des Gehirns transportiert. Wird also nicht ausreichend Insulin produziert, verbleibt die Glucose im Blut, wodurch es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel kommt. Dadurch lagert sich die Glucose im Körper und besonders in den Blutgefäßen sowie an den Nervenbahnen ab. Dies kann zu Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen führen, von denen besonders die unteren Extremitäten betroffen sind. Typisch ist dann die diabetische Polyneuropathie, die zu der Gruppe neuropathischer Schmerzen gehört.
Der abgelagerte Zucker verstopft die Nerven, die für das Weiterleiten von Schmerzempfindungen zuständig sind. Betroffene nehmen Schmerzen also nicht mehr wahr, da diese nicht an das Gehirn weitergeleitet werden. Sollte nun zum Beispiel ein Fuß verletzt sein, gelangt dieses Signal nicht ins Gehirn, wo es erst weiterverarbeitet werden würde. Deshalb belasten Betroffene den Fuß weiter, wodurch sich die Verletzung verschlimmert. Darüber hinaus führen Ablagerungen von Zucker dazu, dass die Durchblutung gestört wird. Dies hat zur Folge, dass der Fuß nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Liegt eine Verletzung am Fuß vor, kann sich diese infizieren. Die Kombination aus Nervenschädigung und Durchblutungsstörung führt zum Absterben der Zellen und des Gewebes und eine Amputation kann die Folge sein. In diesem Zusammenhang wird auch vom diabetischen Fußsyndrom und vom Charcot-Syndrom gesprochen.

Haben Sie Phantom- oder Stumpfschmerzen? Wollen Sie weniger Medikamente wie Lyrica, Diclofenac oder andere Präparate nehmen und endlich Ihre Phantom- und Stumpfschmerzen in den Griff bekommen? Klinisch getestet, einfach zu handhaben und von innovativen Krankenkassen bezahlt: das bomedus Stumpfband.

Amputationen infolge einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist auf eine Durchblutungsstörung zurückzuführen. Diese wird in den meisten Fällen durch Arteriosklerose verursacht. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Blutkreislaufs und des Gefäßsystems, die durch eine Verengung und Verkalkung der Arterien gekennzeichnet ist.
Normalerweise wird das Blut in der Lunge mit Sauerstoff angereichert. Durch die Arterien wird der Sauerstoff vom Herz in den gesamten Körper transportiert. Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist dieser Vorgang gestört, da durch die verkalkten und verengten Gefäße nicht mehr genug Sauerstoff in die einzelnen Körperregionen gelangt. Dadurch wird das Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet und die Zellen sterben ab. Als größte Risikofaktoren der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit gelten Rauchen, Diabetes mellitus, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck.

Amputationen infolge von Krebs

Auch Patienten, die unter bösartigem Knochenkrebs leiden, können von einer Amputation betroffen sein. Dabei kommt es in den meisten Fällen zu einer Amputation der Oberschenkel, der Unterschenkel oder der Oberarme. Mediziner erwägen diesen Schritt, um zu verhindern, dass sich die Krebszellen verbreiten und andere Körperregionen befallen.

Amputationen infolge von Unfällen

Sollte bei einem Verkehrs- oder Arbeitsunfall die Verletzung so stark sein, dass durchgetrennte Nerven oder Gefäße nicht mehr zusammengefügt oder gerettet werden können, wird eine Amputation vorgenommen. Am häufigsten betroffen sind davon die Unterschenkel und die Unterarme.

Wann wird eine Amputation durchgeführt und welche Risiken birgt sie?

Eine Amputation wird nur durchgeführt, um Schlimmeres zu verhindern. Sie kommt nur dann infrage, wenn ein Körperteil so massiv geschädigt worden ist, dass dieser nicht mehr gerettet werden kann. Auch wird amputiert, wenn Gewebe am Körper abgestorben ist. Denn von totem Gewebe geht ein nicht zu unterschätzendes Risiko aus. Dieses kann nämlich Infektionen auslösen, die sich dann über das Blut im ganzen Körper ausbreiten.
Im Zuge einer Amputation können Komplikationen auftreten. Die Wunde kann sich infizieren und es kann Nachblutungen im Bereich des Stumpfes sowie zu Wundheilungsstörungen kommen. Die Wundheilung ist besonders dann gestört, wenn der Betroffene körperlich geschwächt und die Immunabwehr heruntergesetzt ist. Darüber hinaus beeinflussen Durchblutungsstörungen und Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus die Wundheilung negativ.
Allerdings kommt es nicht nur direkt nach der Operation zu Komplikationen, die vor allem mit einer Störung des Abheilungsprozesses verbunden sind. Auch später kann es noch zu Problemen kommen, die nicht die direkte Folge des Eingriffs sind. Zu diesen gehören vor allem Stumpfschmerzen und Phantomschmerzen.

Was können Betroffene im Falle einer Amputation tun?

In erster Linie ist es wichtig, dass Betroffene unterstützt werden. Dabei ist die Unterstützung aus dem Freundes- und Familienkreis genauso wichtig wie professionelle Hilfe durch Ärzte, Psychologen und Selbsthilfegruppen.
Vor der Amputation müssen sich Betroffene gut vorbereiten. Sie sollten sich im Vorfeld ganz genau über die Operation und deren Verlauf aufklären lassen, damit alle Unklarheiten ausgeräumt und alle drängenden Fragen beantwortet sind. Darüber hinaus ist es hilfreich, auch wenn es schwer fällt, die richtige Einstellung zur Amputation zu finden. Diese sollte nicht als der Verlust eines Körperteils gesehen werden, sondern als eine unumgängliche Maßnahme, um die Gesundheit und Lebenssituation zu verbessern. Außerdem ist es wichtig, dass Patienten den Ärzten, die die Operation vornehmen werden, vertrauen.
Nach der Operation müssen Betroffene lernen, mit der neuen Situation umzugehen, denn mit der Amputation sind viele Einschränkungen und Veränderungen verbunden, die sich sowohl auf die persönliche als auch auf die berufliche Ebene auswirken. Um wieder ins Leben zurückzufinden, sollten Patienten eng mit Fachkräften aus verschiedenen medizinischen Bereichen zusammenarbeiten. Gemeinsam mit diesen arbeiten sie an ihrer Mobilität und Beweglichkeit. Auch erhalten sie Hilfe dabei, sich an ihre Prothese zu gewöhnen, und lernen, diese im Alltag zu benutzen. Ebenso überwachen Spezialisten direkt nach der Operation die Wundheilung und können Patienten psychologisch beraten und betreuen. Der Besuch einer Reha ist nach einer Amputation besonders zu empfehlen, da in einer dafür vorgesehenen Einrichtung Betroffene jede Unterstützung erfahren, die sie genau in dieser Situation benötigen. Darüber hinaus sind diese in einer Rehaklinik gut aufgehoben, wenn sie unter Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen leiden, da ihnen dort vielfältige Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Therapie von Amputationsschmerzen sollte immer multimodal und ganzheitlich sein. Es ist belegt, dass durch die intensive Betreuung und die kontinuierlichen Behandlungen bessere Therapieergebnisse erzielt werden können.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Über die Häufigkeit von Amputationen lässt sich keine verlässliche Aussage machen. In Deutschland gibt es kein Register, das die offizielle Zahl der Amputationen pro Jahr festhält. Schätzungen zufolge jedoch werden pro Jahr um die 60.000 Amputationen in Deutschland vorgenommen. Dabei sind von einer Amputation in den meisten Fällen die unteren Extremitäten, also die Zehen, die Füße, die Unterschenkel und die Beine betroffen. Wenn amputiert werden muss, kann das unterschiedliche Gründe haben. Die meisten Amputationen werden bei Diabetikern vorgenommen, wobei besonders Menschen mit dem Diabetes mellitus Typ 2 betroffen sind. Denn Schätzungen zufolge sind 70-80% der in Deutschland vorgenommenen Amputationen auf Diabetes mellitus zurückzuführen. Damit ist das Amputationsrisiko für Diabetiker gegenüber Menschen, die nicht an Diabetes leiden, etwa 15 bis 25 Mal so hoch. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Auch kann es auch infolge einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, einer Krebserkrankung oder eines Unfalles zu einer Amputation kommen. 

Weiterführende Links und Quellen

R. Baumgartner und P. Botta (1989): Amputation und Prothesenversorgung der unteren Extremität; Thieme.
R. Baumgartner und P. Botta (1989): Amputation und Prothesenversorgung; 3. Auflage, Thieme.

U. Kern et al. (2009): Prävalenz und Risikofaktoren von Phantomschmerzen und Phantomwahrnehmungen in Deutschland.U. Kern et al. (2012): Phantom limb pain in daily practice – Still a lot of work to do!S. Ruchholtz und C. D. Wirtz (2012): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials: Intensivkurs zur Weiterbildung; Thieme.

Haben Sie Fragen? Hotline 0800 2663387 Mo—Fr 8:00—20:00 Uhr, Sa 8:00—14:00 Uhr, kostenlos aus dem dt. Festnetz