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Morbus Bechterew - Ursachen, Symptome und Therapie dieser Autoimmunerkrankung

Der Morbus Bechterew ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Rückenerkrankung. Die Entzündungen entstehen an der Wirbelsäule und führen zu einer Verknöcherung der Gelenkumgebung, die für eine starke Einschränkung der Beweglichkeit sorgt.

Gliederung

  1. Einführung Morbus Bechterew
  2. Was ist Morbus Bechterew?
  3. Ursachen für Morbus Bechterew – wie entsteht die Versteifung?
  4. Symptome von Morbus Bechterew
  5. Diagnose von Morbus Bechterew
  6. Therapiemöglichkeiten einer Bechterew-Erkrankung
  7. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  8. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und knappe Zusammenfassung.

Einführung Morbus Bechterew

Die Wirbelsäule ist ein zentraler Abschnitt des menschlichen Bewegungsapparates. Sie ist das verbindende Element zwischen den Extremitäten und sorgt für den aufrechten Gang. Weil sie in sich flexibel und beweglich ist, kommen ihr wichtige Funktionen zu, allerdings ist sie aufgrund der täglichen Belastung auch anfällig für Erkrankungen – Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Ursachen für Arztbesuche und Ausfallzeiten am Arbeitsplatz. Eine Rückenerkrankung, die, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird, einen schwerwiegenden Verlauf nehmen kann, ist Morbus Bechterew. Es handelt sich um eine entzündliche, rheumatische Erkrankung, die eine schmerzhafte Versteifung der Gelenke zur Folge hat. Morbus Bechterew verläuft in der Regel chronisch: Die Erkrankung tritt nicht vorübergehend auf, sondern sorgt auf Dauer für Schmerzen und eine starke Einschränkung der Beweglichkeit. Obwohl sie bis heute als unheilbar gilt, kann ihr Verlauf durch eine frühzeitige Diagnose und die entsprechenden Behandlungsmethoden entscheidend beeinflusst werden (DVMB 2017).

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew ist eine Krankheit, die viele Namen kennt. Die Bezeichnung Morbus Bechterew geht zurück auf das lateinische Wort für Krankheit, Morbus, und den russischen Neurologen Wladimir Bechterew, der zwar nicht der Entdecker der Erkrankung gewesen ist, aber in den 1890er Jahren eine Beschreibung der Krankheit veröffentlichte, die besondere Bekanntheit erlangte. Als Teil der Spondylarthropathien (Erkrankungen der Wirbelsäulengelenke) trägt die Krankheit die medizinische Bezeichnung Spondylitis ankylosans oder auch ankylosierende Spondylitis. Ankylosans bedeutet versteifend (DVMB 2017). Epidemiologisch betrachtet tritt die Erkrankung bei rund 0,5 % der Bevölkerung auf, ist also vergleichsweise selten. Männer sind 10fach häufiger betroffen als Frauen. Meistens beginnt Morbus Bechterew im Alter zwischen dem 15. und 30. bis 35. Lebensjahr. Da die Krankheit einen chronischen Verlauf nimmt, ist es wichtig, eventuelle Symptome frühzeitig zu erkennen und einen Arzt überprüfen zu lassen, ob es sich um eine Bechterew-Erkrankung handelt (Thieme 2009, DVMB 2017).


In erster Linie sind von der Erkrankung die Gelenke der Wirbelsäule betroffen. In den Wirbelgelenken zwischen den Wirbeln und den Rippen sowie zwischen dem Kreuz- und Darmbein entstehen Entzündungen, die zu einer Versteifung und Verknöcherung führen können. Dabei kann die Verknöcherung sowohl die Gelenkumgebung als auch die Übergänge zwischen den Gelenken umfassen. Weil die Gelenke aufgrund dieser Versteifung nicht mehr so beweglich sind wie in einem gesunden Rücken, fällt der Oberkörper in eine mehr oder weniger – je nach Ausprägung und Stadium der Krankheit – gebeugte Haltung, die als Kyphose bezeichnet wird. Auch der Brustkorb kann in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sein, wodurch Atemprobleme entstehen können (DVMB 2017).
Obwohl es sich um eine chronische Erkrankung handelt, verläuft diese nicht konstant, sondern in der Regel in Schüben, wobei sich Phasen mit starken Schmerzen und Abgeschlagenheit oder Fieber mit ruhigeren Phasen abwechseln, in denen das Wohlbefinden überwiegt (DVMB 2017).

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Ursachen für Morbus Bechterew – wie entsteht die Versteifung?

Die Ursachen, auf denen eine Morbus Bechterew Erkrankung basiert, sind trotz langjähriger Forschungen weitgehend unbekannt. Aufgrund neuerer Forschungsergebnisse vermutet man eine Infektion, die im Falle einer erblichen Veranlagung eine Fehlsteuerung des Immunsystems auslöst. Die Abwehrmechanismen, die in einem gesunden Körper die Aufgabe besitzen, Erreger und andere Fremdstoffe, die in den Körper eindringen, zu neutralisieren oder aus dem Organismus zu drängen, richten ihre Abwehrkräfte im Fall von Morbus Bechterew offenbar gegen den eigenen Körper. Statt dass die Entzündungen in den Wirbelgelenken neutralisiert werden, greifen sie das eigene Körpergewebe an, allerdings in der Regel nur in Kombination mit einer Prädisposition (d. h. einer erblichen Anfälligkeit) für die Bechterew-Krankheit (Apotheken Umschau 2014, DVMB 2017).
Die entzündlichen Vorgänge im Bereich der Wirbelgelenke werden von einem Verkalkungsprozess der Bänder und Übergänge zwischen den Gelenken begleitet. Je weiter diese Verkalkung voranschreitet, desto steifer wird die Wirbelsäule, wobei sie sich in einer mehr oder weniger ausgeprägten Kyphose, also einer nach hinten konvexen Krümmung des Rückens äußert. Je stärker die Ausprägung der Erkrankung ist, desto weiter fällt der Oberkörper nach vorn; es kann ein kompletter Rundrücken entstehen. Als letztes wird in der Regel die Halswirbelsäule von der Versteifung betroffen – im Extremfall kann das für die erkrankte Person bedeuten, nicht mehr geradeaus schauen zu können (Thieme 2009, Bomedus 2014).

Schauen Sie sich gerne auch dieses Beitrag der Video Visite von Dr. Tobias Weigl an. Hier erklärt er in einem Video Alles relevante rund um den Morbus Bechterew: Ursachen, Symptome, Diagnostik und natürlich die Therapie und Alltags Tipps für Sie. Ein empfehlenswertes Video.

Symptome von Morbus Bechterew

Zu Beginn der Erkrankung verläuft Morbus Bechterew in der Regel schleichend. Die Symptome wie beispielsweise Rückenschmerzen sind in den meisten Fällen unspezifisch und können zu diesem Zeitpunkt noch auf viele verschiedene Rückenerkrankungen hindeuten, so dass zunächst häufig keine gesicherte Diagnose möglich ist. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen der Wirbelsäule treten einige der Symptome vor allem im Ruhezustand auf. So verschlimmern sich z. B. Rückenschmerzen, die zu den klassischen Symptomen der Morbus Bechterew Krankheit gehören, nicht bei Belastung, sondern vor allem während einer Ruhephase oder im Anschluss daran (Apotheken Umschau 2014, DVBM 2017).

Symptome, die zur Erkennung von Morbus Bechterew führen können, sind u. a.:

  • Gesäßschmerzen, die zwischen beiden Seiten wechseln. Sie können in die Oberschenkel ausstrahlen und in Kombination mit einer Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule auftreten.
  • Schmerzen im Rücken und im Gesäß, vor allem im Ruhephasen. Bei Bewegung bessern sich die Schmerzen.
  • Steifigkeit des Rückens und der Schmerzen vor allem am Morgen (sogenannte Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhalten kann).
  • Andauern der Beschwerden über mehr als 12 Wochen.
  • Auftreten der ersten Symptome vor dem 40. Lebensjahr.

Nicht zwingend müssen alle Symptome in gleicher Stärke oder zum gleichen Zeitpunkt auftreten. Gerade zu Beginn der Erkrankung können auch nur einzelne Symptome vorkommen, die aufgrund ihrer nicht spezifischen Form zu Fehleinschätzungen führen können. Über den Rücken- und Gesäßschmerz hinaus kann Morbus Bechterew auch weitere Symptome verursachen, die außerhalb der Wirbelsäule liegen:

  • Schmerzen über dem Brustbein, verbunden mit einer Bewegungseinschränkung und/oder Atembeschwerden
  • Entzündungen einzelner Gelenke (oft nicht symmetrisch, nur eine Seite)
  • Fersenschmerz
  • Regenbogenhautentzündung im Auge

(Apotheken Umschau 2014, DVBM 2017)

Diagnose von Morbus Bechterew

Aufgrund der zunächst unspezifisch erscheinenden Symptome werden die ersten Anzeichen von Morbus Bechterew häufig falsch interpretiert und fehlgedeutet. Im Frühstadium kann bereits ein leichter Kreuzschmerz ein Indikator für eine beginnende Bechterew Erkrankung sein und sollte, vor allem bei Männern, auf eine mögliche Bechterew-Diagnose überprüft werden. Ist die Krankheit jedoch schon weiter fortgeschritten, lassen sich die Symptome in der Regel klar von anderen Rückenerkrankungen abgrenzen. Um eine Diagnose stellen zu können, stehen einem Arzt neben der Überprüfung eventueller erblicher Vorbelastungen und einer körperlichen Untersuchung bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT (Magnetresonanztomographie) sowie eine Blutuntersuchung zur Verfügung (Thieme 2009, Apotheken Umschau 2014).
Um die Symptome nach und nach auf das Krankheitsbild der ankylosierenden Spondylitis einschränken zu können und andere Erkrankungen auszuschließen, beginnt der Arzt die Diagnose in der Regel mit einem Patientengespräch und einer körperlichen Untersuchung. Teil der Anamnese sind Fragen nach den akuten Symptomen sowie der familiären Vorgeschichte – gab es in der Familie bereits Fälle von Morbus Bechterew, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch der betroffene Patient eine Prädisposition für die Erkrankung hat, was jedoch nicht heißen muss, dass sie auch eintritt. Ergeben sich aus der körperlichen Untersuchung Einschränkungen der Wirbelsäulenbeweglichkeit im Allgemeinen und der Brustwirbelsäule im Besonderen, liegt die Vermutung einer Bechterew-Erkrankung nahe (Thieme 2009).
Weitere Hinweise kann die Blutuntersuchung liefern: Zwar sind die meisten Befunde in der Regel unauffällig, da die Krankheit nicht die üblichen Symptome einer rheumatischen Erkrankung mit sich bringt, jedoch zeigt sich im Blut von Morbus Bechterew-Patienten zu 95 % ein erhöhter Wert des Eiweißes HLA-B 27. Sobald sich der Verdacht auf Morbus Bechterew erhärtet, zieht der behandelnde Haus- oder Augenarzt, je nachdem wo die ersten Symptome auftreten, in der Regel einen Rheumatologen hinzu, der die endgültige Diagnose aufgrund der einzelnen Befunde stellt. Ein vergleichsweise eindeutiges Verfahren zur Bestimmung einer Bechterew-Erkrankung ist das MRT: Schon frühe Anzeichen für die Krankheit können aus den Bildern abgelesen werden, denn Entzündungen im Frühstadium lassen sich beispielsweise am Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk) ablesen. Ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten, lassen sich eindeutige Hinweise auch einem Röntgenbild entnehmen. Dort ist z. B. eine über das normale Maß hinausgehende Verknöcherung der Wirbelsäule erkennbar; in Extremfällen erinnert der Aufbau der Wirbelsäule sogar an einen Bambusstab. Das Ausmaß der Morbus Bechterew-Erkrankung kann anhand der Krümmung der Wirbelsäule gemessen werden (Thieme 2009, Apotheken Umschau 2014, gesundheit.de 2013).

Therapiemöglichkeiten einer Bechterew-Erkrankung

Die Ursachen der Morbus Bechterew-Erkrankung gelten bislang als unheilbar. Bei der Behandlung der Wirbelsäulenerkrankung geht es deshalb in erster Linie darum, dem weiteren Verlauf der Krankheit entgegenzuwirken bzw. diesen zu verlangsamen. Folglich setzt sich die Therapie aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die abhängig vom Verlauf und der Ausprägung der Erkrankung verordnet werden können. Werden die Therapiemaßnahmen gezielt eingesetzt, können sie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen – die Absicht und das Ziel liegen dabei darin, die Wirbelsäule in ihrer Beweglichkeit zu unterstützen und der Krümmung des Rückens in Form eines Buckels entgegenzuwirken. In Kombination mit Krankengymnastik und Physiotherapie werden jedoch auch Medikamente eingesetzt werden. Vor allem nichtsteroidale (d. h. cortisonfreie) entzündungshemmende Antirheumatika können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Entzündung in den Gelenken zu bessern (Thieme 2009, Apotheken Umschau 2014, gesundheit.de 2013).
Langfristig sind die Betroffenen in der Pflicht, regelmäßig an der Beweglichkeit ihrer Wirbelsäule zu arbeiten: Physiotherapie und Krankengymnastik dienen der Erhaltung der Wirbelsäulenbeweglichkeit und können so die Leistungsfähigkeit über viele Jahre lang erhalten. Die zunehmende Versteifung der Wirbelsäule kann bei konsequenter Bewegung und Rückenschule deutlich verringert werden (Thieme 2009).
In seltenen Fällen entscheiden sich die behandelnden Ärzte für eine Operation, um die Aufrichtung der Wirbelsäule zu erreichen. Ein operativer Eingriff kommt jedoch nur in sehr komplexen Fällen der Krankheit zum Einsatz, wenn beispielsweise ein Wirbelbruch oder eine Lähmung vorliegt. Doch auch eine sehr starke Krümmung der Wirbelsäule kann die Lebensqualität deutlich negativ beeinflussen – kann ein Morbus Bechterew Patient nicht mehr aufrecht gehen oder gar nach vorne schauen, kann ebenfalls eine Operation in Betracht gezogen werden, um die Wirbelsäule wieder aufzurichten. Um dieses Ziel zu erreichen, kommen verschiedene Operationsmethoden in Frage; es können sowohl einzelne Wirbelkörper als auch mehrere Wirbel operiert werden – dazu werden entweder Knochenstücke entnommen oder ein Schrauben-Stab-System eingesetzt (Apotheken Umschau 2014).
Obwohl die Krankheit im eigentlichen Sinne nicht heilbar ist, können Morbus Bechterew Patienten bei einer gezielten Therapie und regelmäßiger Mobilisation der Wirbelsäule recht gut mit ihrer Erkrankung leben. Der behandelnde Arzt kann, abhängig von Stadium und Phase der Erkrankung, wertvolle Tipps für den Umgang mit Morbus Bechterew im Alltag geben.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Morbus Bechterew ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Rückenerkrankung. Die Entzündungen entstehen an der Wirbelsäule und führen zu einer Verknöcherung der Gelenkumgebung, die für eine starke Einschränkung der Beweglichkeit sorgt. Die Ursachen der Morbus Bechterew-Erkrankung gelten bislang als unheilbar. Bei der Behandlung der Wirbelsäulenerkrankung geht es deshalb in erster Linie darum, dem weiteren Verlauf der Krankheit entgegenzuwirken bzw. diesen zu verlangsamen. Folglich setzt sich die Therapie aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die abhängig vom Verlauf und der Ausprägung der Erkrankung verordnet werden können.

Weiterführende Links und Quellen

DVMB Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew, 2017
Thieme: Orthopädie und Unfallchirurgie, Kapitel Morbus Bechterew, S. 183 ff, 2009
Apotheken Umschau: Morbus Bechterew, 2014
Bomedus: Spezifische Rückenschmerzen – Ursachen von Rückenschmerzen & Wirbelsäulenverletzungen, https://bomedus.com/wissen/leitartikel/46_spezifische-rueckenschmerzen-ursachen-von-rueckenschmerzen-wirbelsaeulenverletzungen/, 2014
Gesundheit.de: Morbus Bechterew, 2013
Bildquelle: Fotolia Datei: #82779209 | Urheber: Zerbor

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