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Wer macht was bei Rückenschmerzen? Arzt, Physiotherapeut, Osteopath und Andere

Vielen Patienten ist nicht klar, welchen Arzt sie bei Rückenschmerzen aufsuchen sollten. Nicht immer ist ein Spezialist notwendig, verschiedene Ärzte und Therapeuten haben jedoch auch unterschiedliche Anwendungsgebiete.

Weil Rückenschmerzen einerseits rund 69% aller Deutschen betreffen, andererseits aber sehr verschiedene Symptome und Ursachen haben können, ist nicht immer direkt erkennbar, welcher Art bei akuten bzw. chronischen Rückenschmerzen der richtige Ansprechpartner ist. Weil sie den Grad der Schmerzen und deren Ursache in der Regel nicht einschätzen können, wissen viele von Rückenschmerzen Betroffene nicht, ob es notwendig ist, zu einem Spezialisten zu gehen. Viele Patienten suchen daher zunächst ihren Hausarzt auf, um sich im Zweifel an den entsprechenden Spezialisten überweisen zu lassen (Rückeninformation 2017).

Wann sollte man bei Rückenschmerzen zum Arzt?

Nicht jeder Rückenschmerz bedeutet, dass man sofort einen Arzt aufsuchen muss. Vor allem solche Rückenschmerzen, die von Verspannungen der Muskeln herrühren, erfordern eigentlich keinen Besuch beim Hausarzt oder einem Facharzt. In der Regel gehen die Schmerzen nach einigen Tagen von selbst zurück; leichte Schmerzmittel, Massagen oder Wärmebehandlungen können den Effekt fördern. Während für eine kurzfristige Linderung der Schmerzen Entspannungsübungen gut sind, sollten langfristig regelmäßig Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur bzw. der Rumpfmuskulatur durchgeführt werden, um ein wiederkehrendes Auftreten solcher Verspannungsschmerzen zu vermeiden (Rückeninformation 2017).

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl wann man unbedingt zum Arzt sollte und zu welchem. Das Video fasst wesentliche Aspekte dieses Artikels verständlich für Sie zusammen.

Anders sieht es bei Rückenschmerzen aus, die andere, im Zweifel schwerere Ursachen haben. Ist ein Unfall, ein Bandscheibenvorfall, ein Hexenschuss oder eine Rückenerkrankung die Ursache der Rückenschmerzen, sollte auf jeden Fall und so schnell wie möglich ein Arzt oder sogar ein Krankenhaus aufgesucht werden. Auch wenn die Schmerzen über einen Zeitraum von mehr als drei Tagen anhalten, ist ein Arztbesuch notwendig, denn mit einer gezielten Untersuchung lassen sich schlimmere Ursachen im Zweifel schnell ausschließen. Weitere Indikatoren, die eine ärztliche Untersuchung erfordern, sind z.B. (Rückeninformation 2017):

  • Atemschwierigkeiten
  • Taubheitsgefühle in Armen und Beinen
  • Lähmungserscheinungen
  • in Arme und Beine ausstrahlende Schmerzen
  • schlechter Allgemeinzustand, Fieber, Gewichtsverlust
  • Verletzungen im Rückenbereich
  • kürzlich zurückliegende Unfälle
  • Inkontinenz
  • Kortison-Einnahme über einen längeren Zeitraum

Die erste Anlaufstelle: Allgemeinarzt oder Hausarzt

Wer unter Rückenschmerzen leidet, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst nicht feststellen, ob es sich um eine einfach Muskelverspannung, eine Verletzung oder eine spezifische Rückenerkrankung handelt. Um zunächst abzuklären, woher der Rückenschmerz kommt, gehen viele Betroffene zunächst zum Hausarzt. Ging den Rückenschmerzen ein Unfall voraus, sollte statt einem Hausarzt unter Umständen sogar ein Krankenhaus aufgesucht werden, um schwere Verletzungen, z. B. des Rückenmarks, auszuschließen (Rückeninformation 2017).
Weil insbesondere die Diagnose von unspezifischen Rückenschmerzen nicht unbedingt leicht ist, kann ein Allgemeinarzt zunächst eine Reihe von Untersuchungen durchführen, um sich der Ursache zu nähern. Je nachdem, um welche Ursache es sich handelt, kann der Allgemeinarzt selbst die Therapie in die Hand nehmen. In anderen Fällen überweist er den Patienten an einen entsprechenden Facharzt. Und auch wenn er die Ursache der Rückenschmerzen selbst nicht mit Sicherheit diagnostizieren kann, kann er bei der Wahl des richtigen Ansprechpartners beratend zur Seite stehen (Rückeninformation 2017).

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Fachärzte für Rückenschmerzen: Orthopäde, Rheumatologe, Neurologe, Neurochirurg

Spezialisten für Rückenschmerzen gibt es viele. Hat der Hausarzt schon eine Vermutung, um welche Ursache es sich handelt, kann diese aber nicht abschließend diagnostizieren, überweist er den Patienten in der Regel an den zuständigen Facharzt. Je nachdem, welche Ursache er für realistisch hält, kann das ein Orthopäde, ein Rheumatologe, ein Neurologe oder ein Neurochirurg sein.
Liegt die Ursache der Rückenschmerzen im Bewegungsapparat, ist ein Orthopäde der richtige Ansprechpartner. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von Schmerzen, die von den Knochen und Muskeln ausgehen. Kommen die Rückenschmerzen also z. B. von einer Fehlhaltung der Wirbelsäule oder der Hüfte oder von unterschiedlich langen Beinen, kann ein Orthopäde die auslösende Ursache feststellen und entsprechend behandeln (Rückeninformation 2017).
Rückenschmerzen können auch durch Entzündungen im Rücken entstehen. Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Rheuma rufen kleine bis größere Entzündungen hervor, die sich vor allem nach längeren Ruhezeiten, also am Morgen äußern. Für die Behandlung solcher entzündlicher Rückenschmerzen sollte ein Rheumatologe aufgesucht werden (Rückeninformation 2017).
Eine weitere Ursache für Rückenschmerzen können Nervenschädigungen oder andere Beeinträchtigungen des Nervensystems sein. Häufig deuten die Symptome nicht direkt auf eine Nervenschädigung, z. B. des Rückenmarks hin, typisch für neurologisch bedingte Rückenschmerzen ist allerdings ein anhaltender, brennender Schmerz oder ein stechender Schmerz, der plötzlich auftritt. Der richtige Ansprechpartner in diesem Fall ist ein Neurologe, der die entsprechenden Untersuchungen einleiten kann (Rückeninformation 2017).
Ein Neurochirurg schließlich kommt dann zum Einsatz, wenn ein operativer Eingriff an der Wirbelsäule vorgenommen werden muss, beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall oder im Fall von Wirbelkanalengen oder Tumoren. Seine Disziplin kann inhaltlich weder ganz der Chirurgie noch der Neurologie zugeordnet werden, sondern umfasst beide Bereiche. Weil das Rückenmark das empfindliche Zentrale Nervensystem enthält, werden Rückenoperationen nicht von klassischen Chirurgen, sondern von Neurochirurgen durchgeführt (DocCheck Flexikon 2017).

Den Rücken mobilisieren: Physiotherapeut, Osteopath, Chiropraktiker

Um Rückenschmerzen dauerhaft vorzubeugen, reicht die Einnahme von Schmerzmitteln oft nicht aus. Schmerzen, die durch Fehlhaltungen der Wirbelsäule, Muskelverspannungen oder eine schwache Rückenmuskulatur ausgelöst werden, können durch regelmäßige Mobilisation und Training der Rückenmuskulatur langfristig deutlich verbessert werden. Physiotherapeuten, Osteopathen und Chiropraktiker ergänzen die Therapieformen der klassischen Medizin um alternative Heil- und Vorsorgemethoden. Alle drei Behandlungsmethoden fallen in den Bereich der manuellen Therapie (Kennst Du Einen 2017).
Ein Physiotherapeut hilft Menschen mit Rückenschmerzen dabei, wieder ein aktives Körpergefühl zu erlangen. Starke Rückenschmerzen führen dazu, dass der Rücken eine Schonhaltung einnimmt, um den Schmerz aufzufangen. Eine solche Haltung aber ist keineswegs gesund, und kann sogar zu weiteren, neue Schmerzen verursachenden Fehlhaltungen der Wirbelsäule führen. Die Arbeit des Physiotherapeuten beschränkt sich dabei aber keineswegs auf den Rücken: Um das körperliche Gleichgewicht wiederherzustellen, werden auch Arme und Beine in den Heilungsprozess integriert. Passive Bewegungen, die vom Therapeuten durchgeführt werden, und aktive Bewegungen, die der Patient auf Anweisung durchzuführen lernt, sollen den Körper wieder zu einem aktiven Gleichgewicht bringen. Die Therapiemaßnahmen diesen dabei einerseits der Rehabilitation nach einer Erkrankung, andererseits der Prävention und tragen zur Steigerung des körperlich-seelischen Wohlbefindens bei (Kennst Du Einen 2017).
Die Osteopathie befasst sich mit dem Bewegungsapparat, wobei der Patient als Gesamtheit betrachtet wird. Ein Osteopath behandelt den Rücken mit den Händen und stellt mit gezielten Druck-, Verschiebe- und Zugtechniken die natürliche Beweglichkeit des Körpers wieder her. Bei Rückenschmerzen werden bei der Behandlung das Skelett, die Muskeln, die inneren Organe sowie das gesamte Gewebe samt Faszien mit einbezogen, so dass der Bewegungsapparat wieder in Gang gebracht und mobilisiert werden kann. Die Osteopathie versteht den Bewegungsapparat als aktiv und passiv zugleich; der Körper ist sowohl aktiv als auch passiv ständig in Bewegung – eine osteopathische Behandlung soll dabei helfen, Störungen im Bewegungsapparat oder im Gewebe durch die Aktivierung der körpereigenen Heilungskräfte zu behandeln (Kennst Du Einen 2017).
Rücken- und Nackenschmerzen sind oftmals nicht lokal begrenzt und können auch in andere Körperteile ausstrahlen, z. B. in die Arme und Beine oder in den Kopf. Ein Heilverfahren, das Rückenschmerzen sogar als Auslöser für Beschwerden in anderen Teilen des Körpers begreift, ist die Chiropraktik. Ein Chiropraktiker kommt deshalb dann als Ansprechpartner bei Rückenschmerzen ins Spiel, wenn weder der Hausarzt noch Fachärzte eine Ursache für das Auftreten der Schmerzen feststellen können. Er lockert verhärtete Muskeln und sorgt dafür, dass verklemmte oder eingeschränkte Gelenke schnell wieder frei beweglich werden. Die Arbeit eines Chiropraktikers zeichnet sich durch schnelle, energetische Bewegungen aus, die die betroffenen Muskeln oder Gelenke aber kaum bewegen. Ergänzt werden die manuellen Handgriffe durch Massagen, Dehnungen oder krankengymnastische Übungen (Kennst Du Einen 2017).

Den Rücken ganzheitlich behandeln: Ernährungsberater, Fitnesstrainer, Heilpraktiker, Entspannungscoach

Im Verständnis eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes müssen Rückenschmerzen aber nicht zwingend von einer körperlichen Ursache herrühren. Weil der Körper hier als komplexes System begriffen wird, in dem sowohl körperliche als auch seelische Funktionen zusammenspielen, sollten diese Bereiche auch bei der Diagnose und Behandlung von Rückenschmerzen gleichermaßen einbezogen werden. Aus ganzheitlicher Sicht sind der Körper und die Psyche bzw. Seele untrennbar miteinander verbunden. Eine erfolgreiche Schmerztherapie kann deshalb nur dann erfolgen, wenn beide Seiten berücksichtigt werden. Weil in der Schulmedizin aber selbst bei chronischen Rückenschmerzen selten der „ganze Mensch“ im Fokus der Behandlung steht, kommen in der ganzheitlichen Schmerztherapie weitere Heilverfahren und Berater zum Einsatz (Zentrum der Gesundheit 2016).
So haben beispielsweise die Ernährung und Rückenschmerzen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick aber zeigt sich, dass eine ungesunde Ernährung nicht nur für Fettablagerungen sorgt, sondern auch die Knochen, die Muskeln und das Gewebe angreifen kann – alles Bestandteile des menschlichen Körpers, auf die ein gesunder Rücken angewiesen ist. Bei chronischen Rückenschmerzen kann deshalb ein Ernährungsberater eine wichtige Rolle spielen. Eine Umstellung der Ernährung auf eine ausgewogene Kost, die reich an Kalzium und Vitaminen ist, hilft dabei, das Körpergewicht zu normalisieren und die Gesundheit des Bewegungsapparates zu verbessern (Special Rückenschmerz 2017).
Auch psychische Konflikte können Rückenschmerzen auslösen oder begünstigen. Schmerzen psychischer Natur, die nicht verarbeitet werden, können sich im Rücken manifestieren – die Betroffenen gehen, bildlich gesprochen, gebeugt unter der Last ihrer seelischen Qual. Diese wiederum äußert sich in einer äußerlich sichtbaren gebeugten Haltung, die zu einer dauerhaften Fehlhaltung der Wirbelsäule und damit zu Rückenschmerzen führen kann. Um (insbesondere chronische) Rückenschmerzen nicht nur kurzfristig zu lindern, sondern langfristig zu heilen, kann deshalb auch ein Entspannungscoach oder ein Psychotherapeut in die Behandlung mit einbezogen werden.
Auf lange Sicht spielt die Prävention eine zentrale Rolle in der Behandlung von Rückenschmerzen – schließlich möchte einerseits der Betroffene nicht länger als notwendig unter Rückenschmerzen leiden, andererseits kostet jeder Rückenschmerz-Patient den Staat jährlich eine Menge Geld. Im Anschluss an die Linderung akuter Schmerzen durch klassische Behandlungsverfahren wie etwa eine Medikamenten- oder Physikalische Therapie steht deshalb der Aufbau der Rückenmuskulatur und der allgemeinen körperlichen Fitness. Fitnesstrainer und Gymnastiktrainer sind demzufolge wichtige Komponenten einer ganzheitlichen Rückenschmerztherapie. Alternativ können die Betroffenen auch selbst an ihrer Fitness arbeiten und beispielsweise regelmäßig ein Fitnessstudio aufsuchen.
Viele Menschen wenden sich neben der Schulmedizin immer mehr den alternativen Heilverfahren zu. Alternativmediziner und Heilpraktiker erfahren deshalb auch bei Rückenschmerzen einen großen Zulauf, und beispielsweise die Homöopathie bietet zahlreiche Arzneimittel, die sowohl wirksam als auch frei von Nebenwirkungen sind. Um den ersten Schmerz zu lindern, können dennoch Medikamente und Therapieansätze der klassischen Medizin zum Einsatz kommen. Um aber die Ursachen dauerhaft zu bekämpfen, rücken Methoden der alternativen Medizin mehr und mehr in den Fokus (Praxisvita 2017). 

Weiterführende Links und Quellen

Rückeninformation.de: Welcher Arzt bei Rückenschmerzen ist der Richtige? Stand 4.2017
DocCheck Flexikon: Neurochirurgie, 2017
Kennst Du Einen: Wer macht was? Die Unterschiede zwischen Physiotherapeut, Osteopath und Chiropraktiker, 2017
Zentrum der Gesundheit: Chronische Rückenschmerzen – Wenn die Seele weint, 2016
Special Rückenschmerz: Das beste Essen gegen Rückenschmerzen, Stand 4.2017

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