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Chronische Rückenschmerzen - 12 Fakten die Sie kennen sollten

Die Volkskrankheit Rückenschmerzen - Einführung, Daten, Fakten

In Deutschland haben 75% der Bevölkerung mindestens 1x im Jahr eine Episode (d.h. nicht nur kurz von einigen Sekunden) an Rückenschmerzen. Die Lebenszeit-Indzidenz, d.h. im Laufe eines Lebens einmal Rückenschmerzen zu bekommen liegt bei nahezu 100%. Die Gründe und Ursachen werden in diesem Text beschrieben. Das Gute aber vorweg: Nahezu 80% der Rückenschmerzen sind sog. unspezifische Rückenschmerzen und verschwinden in nahezu 90% der Fälle innerhalb von weniger als 2 Wochen. Gleichzeitig sind Rückenschmerzen aber auch die häufigste Ursache für Arbeitsausfälle (6,5-7,1%). Knapp 20 Millionen Deutsche gehen jedes Jahr zum Arzt. Im Wartezimmer eines Hausarztes sitzt fast jeder 10. Patient wegen Rückenschmerzen, beim Orthopäden ist es gar jeder 2. Patient. Rückenschmerzen sind somit eine Volkskrankheit. Rückenschmerzen ist die dritthäufigste Diagnosestellung beim Hausarzt (siehe Grafik).

Rückenschmerzen sind mit 69% die häufigste Ursache von chronischen Schmerzen (laut Aussagen der Deutschen Schmerzliga e.V. sowie der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.). Von also knapp 12-15 Millionen chronischen Schmerzpatienten, haben knapp 8 bis 10 Millionen Deutsche chronische Rückenschmerzen.
Rückenschmerz ist das Symptom, nicht die Ursache. Dieses Symptom kann auf vielfältige Weise beschrieben und klassifiziert werden. Akute Rückenschmerzen dauern maximal 6 Wochen an und sind spätestens dann wieder vollständig abgeklungen. Subakute Rückenschmerzen dauern mindestens 6 Wochen an, sind aber spätestens nach 12 Wochen vollständig abgeklungen. Chronische Rückenschmerzen dauern länger als 12 Wochen an. Die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Rückenschmerzen ist essentiell und grundlegend, da beide Arten völlig verschieden sind. Rezidivierende Rückenschmerzen treten mindestens zweimal jährlich mit einer Unterbrechung von mindestens 30 Tagen auf. Eine Episode dauert dabei mindestens 24 Stunden und hat eine Stärke von mindestens 2 auf einer Skala von 0 – 10 (0 = kein Schmerz, 10 = größter vorstellbarer Schmerz).

Rückenschmerzen sind mit 69% die häufigste Ursache von chronischen Schmerzen (laut Aussagen der Deutschen Schmerzliga e.V. sowie der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.). Von also knapp 12-15 Millionen chronischen Schmerzpatienten, haben knapp 8 bis 10 Millionen Deutsche chronische Rückenschmerzen.
Rückenschmerz ist das Symptom, nicht die Ursache. Dieses Symptom kann auf vielfältige Weise beschrieben und klassifiziert werden. Akute Rückenschmerzen dauern maximal 6 Wochen an und sind spätestens dann wieder vollständig abgeklungen. Subakute Rückenschmerzen dauern mindestens 6 Wochen an, sind aber spätestens nach 12 Wochen vollständig abgeklungen. Chronische Rückenschmerzen dauern länger als 12 Wochen an. Die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Rückenschmerzen ist essentiell und grundlegend, da beide Arten völlig verschieden sind. Rezidivierende Rückenschmerzen treten mindestens zweimal jährlich mit einer Unterbrechung von mindestens 30 Tagen auf. Eine Episode dauert dabei mindestens 24 Stunden und hat eine Stärke von mindestens 2 auf einer Skala von 0 – 10 (0 = kein Schmerz, 10 = größter vorstellbarer Schmerz). - See more at: bomedus.com/wissen/leitartikel/32_hilfe-bei-rueckenschmerzen-alles-was-sie-wissen-muessen/

Fakt 1: Unters Messer legen

Nur 4% aller Rückenschmerzpatienten gehen gezielt ins Krankenhaus (mehr als 95% zu niedergelassenen Ärzten, Spezialisten). 2% aller Fälle von Rückenschmerzen können ausschließlich operativ behandelt werden. In Dtld. ist die Anzahl an OPs aufgrund von Rückenschmerzen signifikant höher als in vielen anderen Ländern.

Nach Expertenmeinung sind knapp 80% der Operationen in Deutschland überflüssig. Von den ca. 180.000 akuten Bandscheibenvorfällen in Deutschland werden knapp 70.000-80.000 operiert (wichtig ist die Unterscheidung zwischen Bandscheibenprolaps und Bandscheibenprotrusion). In ca. 85% der Fälle führen diese Operationen auch zu nachhaltigen Verbesserungen und zu einer spürbaren Schmerzreduktion. Operative Risikofaktoren sind klassischerweise Blutungen, Gewebe- und Nervenverletzungen sowie auch eine post-operative Vernarbung. Das Risiko eines nicht zufriedenstellenden Operationsergebnisses steigt mit der Anzahl an Rückenoperationen sowie bei Patienten die rauchen und übergewichtig sind.

Ganz wichtig: Auch nach einer Operation sollten konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, (Schmerz-)Medikamente und Elektrostimulation (Small Fiber Matrix Stimulation) durchgeführt werden.

Ein Video-Beitrag von Dr. Tobias Weigl beim TV Mittelrhein und DRF 1 (Deutsches Regionalfernsehen 1) zum Thema Volkskrankheit Rückenschmerzen. Einige der hier aufgeführten Fakten werden dort nochmals näher erläutert. Schauen Sie rein.

Fakt 2: Es ist der untere Rücken

Die meisten Menschen haben untere Rückenschmerzen bzw. Schmerzen im LWS-Bereich. Dies liegt daran, dass der untere Teil mehr „Gewicht trägt“ und gleichzeitig sich auch mehr biegen und beugen muss. Beim Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper kommt es zu spezifischen Druckbelastungen von bis zu 200 Kg. Unsere 22 Bandscheiben müssen im liegen einen Druck (Zug- und Druckkräfte durch die Muskulatur) von ca. 20 Kg aushalten. Bei vorgebeugtem Oberkörper können dies bis zu 220 Kg sein. Auch wenn die Bandscheiben genau für diese Extremsituationen geschaffen sind, zeigt und begründet dies weshalb es häufig zu degenerativen Veränderungen an den Bandscheiben kommt.
Ursprünglich waren wir auch Vierbeiner und die Wirbelsäule wurde anders belastet. Rückenschmerzen sind also auch Folge der Evolution.

Bei Bandscheibenveränderungen unterscheidet man 3 verschiedene Arten:

Bandscheibenprotrusion

Die Bandscheibenprotrusion ist eine Vorwölbung. Knapp 50% aller Erwachsenen haben diese Bandscheibenprotrusion. Eine Bandscheibenprotrusion hat meist keinen Krankheitswert. Die Protrusion der Bandscheiben ist meist eine Folge eines degenerativen Prozesses und entwickelt sich häufig schleichend.

Bandscheibenprolaps

Der Bandscheibenprolaps ist der klassische bzw. typische Bandscheibenvorfall. Beim Bandscheibenprolaps tritt der gallertige Kern (Nucleus pulposus) aus dem Faserring (Anulus fibrosus) heraus. Der Faserring wird somit zerstört bzw. öffnet sich.

Bandscheibensequester

Beim Bandscheibensequester tritt der Nucleus pulposus ebenfalls aus dem Anulus fibrosus aus. In diesem Fall geht aber sogar ein Stück des gallertigen Kernes ab, d.h. er verliert seine Verbindung und kann ggfs. frei im Wirbelkörperkanal sich verteilen.

Im folgenden Video-Beitrag erklärt Dr. Tobias Weigl mit einfachen Worten und anschaulich was eine Protrusion bzw. Bandscheibenprotrusion und was ein Prolaps bzw. Bandscheibenprolaps sind.

 

Fakt 3: Am häufigsten sind es Frauen zwischen 35 und 55 Jahren

Laut einer Stern-Umfrage geben mehr als 60% aller Frauen und mehr als 50% aller Männer an, im zurückliegenden Jahr Rückenschmerzen gehabt zu haben. Am häufigsten treten die Rückenschmerzen dabei im Alter zwischen 35 und 55 Jahren auf. Studien belegen auch, dass Frauen nicht nur häufiger sondern auch länger und intensivere Schmerzphasen haben. Ferner haben Frauen nachweislich einen höheren Medikamentenbedarf. Woran dies wiederum liegt ist nicht eindeutig zu klären. Es gibt 2 häufig zitierte Theorien.
Theorie 1: Erziehung/ Kultur: Der Mann ist erzogen Stärke und Kraft zu zeigen. Eine Frau hingegen kann bzw. sollte Emotionen zeigen. Aus Sicht dieser Theorie begründet somit die Erziehung bzw. Kultur die unterschiedlichen Studien-Ergebnisse.
Theorie 2: Evolution/ Biologie: Männer waren früher Jäger und mussten Schmerzen und Verletzungen (besser) tolerieren, um erfolgreich zu jagen. Dem jedoch widerspricht die volkstümliche Auffassung, dass Männer wehleidiger sind.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Feststellung, dass Frauen wahrscheinlich eine Art Schutz vor chronischen Schmerzen bzw. der Entstehung eines Schmerzgedächtnisses haben. Dieser Schutz tritt in Extremsituationen ein wie z.B. während einer Schwangerschaft. Während einer Schwangerschaft sind Frauen vermehrten und erhöhten Schmerzreizen ausgesetzt. Um diese dennoch best-möglichst zu tolerieren hat die Natur reagiert. Während der Schwangerschaft werden vermehrt die weiblichen Sexualhormone Progesteron sowie Östrogene freigesetzt. Diese haben einen schmerzhemmenden Effekt. Diese Hormon erhöhen die Schmerzschwelle der schwangeren Frauen und verhindern somit eine Chronifizierung von Schmerzen.

Fakt 4: Das Wirbelgerüst und was die Bandscheibe ertragen muss

Die Wirbelsäule besteht aus 33 Knochensegmenten: den Wirbelkörpern. Dazwischen liegen die sog. Bandscheiben (22 Stück). Die Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Faserring (sog. Anulus fibrosus) und einem gallertigen Kern (sog. Nucleus pulposus). Die Bandscheiben dienen zum Abfedern von Gewicht, Druck und Stoßbewegungen und geben gleichzeitig der Wirbelsäule ihre Flexibilität. Die Bandscheiben im Lendenwirbelbereich haben nur eine Auflagefläche von rund vier Zentimetern. Sie tragen aber die komplette Last des Körpers. Je nachdem was man macht, wird der Druck auf die Vorderkanten von Wirbelknochen und Bandscheiben verlagert. Interessant sind einige Durchschnittswerte, welche Druckbelastung auf die Bandscheibe entstehen kann - dies begründet die erhöhte Gefahr von Abnutzung bzw. "Verletzungen" insbesondere bei falschem Tragen, Sitzen etc.

  • Liegen auf dem Rücken: 20 Kilo
  • Aufrechtes Sitzen: 90 Kilo
  • Entspanntes Stehen: 100 Kilo
  • Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper: 170 Kilo
  • Stehen mit vorgebeugtem Oberkörper: 220 Kilo

Interessant auch die Tatsache, dass die Bandscheiben ca. 25% der Höhe einer Wirbelsäule und damit des menschlichen Oberkörpers ausmachen. Da die Bandscheiben großteils aus Flüssigkeit bestehen und diese Flüssigkeit mit dem Alter entweicht, versteht man wieso man mit dem höheren Alter an Höhe verliert bzw. man schrumpft. Ursache sind u.a. der Flüssigkeitsverlust der Bandscheiben.

Ein weiterer Beitrag aus der Gesundheits-Sendung von Dr. Tobias Weigl beim DRF 1. Hier wird noch einmal die Rolle der Bandscheiben erläutert. Eine gute Ergänzung zu den vorherigen Beiträgen. Viel Spass.

Fakt 5: Schatz, nicht heute, ich habe Rückenschmerzen

Noch vor Kopfschmerzen und Knieschmerzen sind Rückenschmerzen der häufigste Schmerzgrund. Und häufig auch eine Entschuldigung, um bestimmte Dinge nicht zu tun. Es kommt noch schlimmer: Laut einer Studie an der Medizinischen Universität in Wien haben Rückenschmerzpatienten relativ häufig Probleme mit ihrem Sexualleben. Knapp 60% der Männer leiden danach an Erektionsproblemen, die sie ein Jahr vor der Erkrankung noch nicht hatten. 80% der Männer hatten weniger Interesse an Sex, bei Frauen waren es sogar 90% Prozent.

Fakt 6: Warum habe ich Rückenschmerzen?

In 80%-85% der Fälle von akuten Rückenschmerzen ist es nicht möglich eine exakte Diagnose zu treffen. In diesen Fällen hat man sog. unspezifische Rückenschmerzen. Diese Rückenschmerzen verschwinden in 90% der Fälle bereits wieder innerhalb von weniger als 6 Wochen. Der Arzt bezeichnet diese Schmerzen daher oft auch nicht als Krankheit sondern als Gesundheitsstörung. Häufigste Ursachen dieser unspezifischen Rückenschmerzen sind Probleme mit der Rückenmuskulatur sowie Probleme mit den Bändern, Faszien und Sehnen im Rückenbereich.
Dem gegenüber gibt es auch spezifische Rückenschmerzen (ca. 20%). Diese Schmerzen beruhen auf konkreten Problemen mit der Wirbelsäule bzw. anatomischen Strukturen in diesen Bereichen. Typische spezifische Rückenschmerzen sind ein Bandscheibenvorfall, die Spinalkanalstenose (alternativ auch Spinalstenose oder Wirbelkörperstenose genannt), Neuroforamenstenose, Wirbelgleiten (sog. Spondylolisthesis), Morbus Scheuermann, Morbus Bechterew und weitere. Bei einem Arztbesuch (z.B. Orthopäden) ist es eine der Hauptaufgaben des Arztes solche möglichen spezifischen Ursachen auszuschließen. Man spricht in diesem Fall auch von der Suche nach sog. red flags. 
Einen Bandscheibenverschleiß findet man früher oder später bei Jedem. Somit liegt man mit dieser Diagnose immer richtig – ob dies jedoch auch der Grund für die Schmerzen ist, ist fraglich. Häufig projizieren sich Rückenschmerzen dann auch noch in andere Regionen. So können Nacken-, Bein- oder Fußschmerzen auch die Folge von Rückenleiden sein.

Fakt 7: Rückenschmerzen sind vererbbar

Der genetische Einfluss wird auf etwa 30 Prozent geschätzt. Neueste Forschungen haben ein bestimmtes Gen bzw. eine bestimmte Kombination von Genen als „negativ“ identifiziert. Aber auch andere Faktoren wie falsche Ernährung, Übergewicht und natürlich Bewegungsmangel sind entscheidend. Auch zeigen aktuelle Studien, dass Rauchen eine große Rolle, denn Nikotin führt dazu, dass die Bandscheiben nachweislich schlechter mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt werden.

Interessant in diesem Zusammenhang auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Frauen mit roten Haaren und heller Haut besser auf Schmerzmedikamente reagieren als Frauen mit anderen Haar- und Hautfarben und besser als Männer überhaupt. Auch hier scheint die Genetik eine wichtige Rolle zu spielen. Forschungen auf diesem Gebiet stecken aber noch in den Kinderschuhen. In Zukunft erhofft man sich aber viele wertvolle Erkenntnisse insbesondere im Hinblick auf individuelle Medizin und Schmerzbehandlung.

Fakt 8: Matratzen verursachen keine Bandscheibenvorfälle

Dass Bettmatratzen Bandscheibenvorfälle verursachen ist äußerst unwahrscheinlich. Wird aber häufig gedacht bzw. gesagt (weitere klassische Rückenschmerz-Irrtümer bzw. Mythen finden Sie hier). Eine gute Matratze sorgt jedoch für bessere Schlafqualität und kann die Wirbelsäule entlasten, bzw. positiv unterstützen. Das ist vor allem nötig, weil man nachts zwischen 40 und 60 Mal die Schlafposition ändert und mehr als die Hälfte der Schlafenszeit in Seitenlage verbringt. Besonders positiv dabei soll ein Wasserbett sein. Denn wie Luft so schmiegt sich auch das Element Wasser dem Körper an. Es gibt jedoch keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beleg für diese Aussage.

Weitere typische Rückenirrtümer sind:

Rückenschmerzen entstehen aufgrund verschlissener Wirbel und Bandscheiben - See more at: bomedus.com/wissen/leitartikel/107_die-7-schlimmsten-ruecken-irrtuemer/

Irrtum 1: Rückenschmerzen entstehen aufgrund verschlissener Bandscheiben und Wirbel

Irrtum 2: Leichte Rückenschmerzen verschwinden immer von ganz alleine

Irrtum 3: Ein Hexenschuss ist ein Bandscheibenvorfall

Irrtum 4: Bei Rückenschmerzen sollte man sich nicht bewegen

Irrtum 5: Ein Indianer kennt keinen Schmerzen bzw. ich brauche keine Schmerzmedikamente

Irrtum 6: Der Arzt hat ein Wundermittel bzw. der Arzt hat versprochen doch es wirkt nicht

Irrtum 7: Nur Operationen helfen bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose

Im folgenden Video-Beitrag klärt Dr. Tobias Weigl über genau diese Mythen über Rückenschmerzen auf. Dieser Beitrag sollte Licht in diesen Bereich bringen.

Fakt 9: Nicht nur Rücken-, auch die Bauchmuskeln stärken

80% aller chronischen Rückenschmerzen haben ihre Ursache in einer zu schwachen Muskulatur. Dabei sind nicht nur die Rücken-, sondern auch die Bauch-, Gesäß und Oberschenkelmuskeln wichtig, um die Wirbelsäule zu stärken. Vor allem ein ausgeglichenes Verhältnis von diesen Muskelpartien ist wichtig (nur Bauchmuskeln reicht auch nicht). Zusammen bilden die Muskeln sozusagen ein natürliches Korsett. Um die Muskeln in Bauch, Gesäß, Oberschenkel und Rücken aufzubauen sind Physiotherapie, gezielte Rückenübungen und Gerätetraining sinnvoll. Auch Pilates und Yoga dienen zur Muskelstärkung. Ganz wichtig ist aber auch die Dehnung. Insbesondere in unserer heutigen Zeit sind oftmals Muskeln verkürzt - insbesondere im vorderen Körperbereich. Da wir häufig nach vorne gebeugt vor dem Computer sitzen oder einseitig trainieren. Gerade ein Großteil der unspezifischen Rückenschmerzen (siehe Fakt 6) lassen sich durch Dehnung beseitigen. Empfohlen werden mindestens 2-3x pro Woche für 30-45 Minuten ein Muskelkräftigungs- und Muskeldehnungs-Programm.

Fakt 10: Rückenschmerzen können chronisch werden

Bis zu 80% aller Patienten mit unklaren Rückenschmerzen erleiden einen Rückfall, rund ein Drittel lässt sich mehr als einmal krankschreiben. Bei knapp 20 Prozent aller Rückenpatienten können die Schmerzen chronisch werden. Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 12-15 Millionen chronische Schmerzpatienten. Hauptursache für chronische Schmerzen sind Rückenschmerzen (65%) gefolgt von Gelenkschmerzen wie Gonarthrose oder Coxarthrose (58%) und Kopfschmerzen (inkl. Migräne) sowie Nackenschmerzen. Hier entsteht aufgrund der kontinuierlichen Schmerzen ein Schmerzgedächtnis. Der Patient beginnt auch sensibler für Schmerzen an anderen Regionen zu werden, häufig auch von Temperaturreizen. Chronische Schmerzen können häufig nur noch mit einer individuellen Kombination verschiedener Schmerztherapien behandelt werden, zum Beispiel mit gezielter Elektrostimulation.

Wie entstehen chronische Rückenschmerzen?
Eine ganz wichtige Schaltstelle zur Entstehung von chronischen Schmerzen befindet sich im Rückenmark. Dort gibt es bestimmte Neurone, sog. WDR-Neurone, die eine wichtige Rolle im Prozess der Schmerzchronifizierung spielen. Letztlich ensteht durch die Chronifizierung der Rückenschmerzen eine neue, eigenständige Erkrankung. Nicht mehr die eigentliche Ursache (Probleme mit der Rückenmuskulatur, Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose, Verspannungen etc.) sind die Erkrankung sondern die chronischen Schmerzen. Chronische Schmerzen sind eine eigenständige Erkrankung. Und dazu eine sehr schwierig zu diagnostizierende und behandelnde Erkrankung. Denn chronische Rückenschmerzen sind

  • komplex
  • in der Entstehung nicht einheitlich
  • haben unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen
  • die Intensität ist losgelöst von der eigentlichen Ursache. Verschwindet die Ursache dann bleiben die chronischen Schmerzen.
  • es entsteht ein Schmerzgedächtnis

Fakt 11: Armut macht krank

Der Spruch Armut macht krank gilt auch für den Rücken: Menschen mit geringem Einkommen leiden eher unter Rückenschmerzen als Besserverdienende. Knapp ein Drittel aller ärmeren Menschen hat irgendwann im Leben Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Bei den Reicheren sind es hingegen weniger als ein Viertel. Die häufigsten Ursachen zwischen den beiden Gruppen sind ebenfalls unterschiedlich. Hauptgrund sind wahrscheinlich Aufklärung und Erziehung sowie damit dann einhergehend bessere Ernährung und eine höhere Bereitschaft zu sportlicher Betätigung.

Fakt 12: Rückenschmerzen kommen uns teuer

Rückenschmerzen verursachen sowohl direkte Kosten (z.B. OP, Medikamente) als auch indirekte (z.B. Krankschreibung, Berentung). Geschätzt verursachen Rückenschmerzen über 50 Milliarden Euro an Kosten pro Jahr. Die Summe enthält Kosten für Arztbesuche, Krankenhaus-Aufenthalte, Rehabilitations-Angebote, Physiotherapie, Massage oder Arzneimittel, sowie die indirekten Kosten wie Arbeitsausfall und Berentung. Laut aktueller Studien kostet ein Rückenschmerz-Patient im Durchschnitt pro Jahr knapp 1350 EUR. Dazu kommen durchschnittlich 5 Tage Krankenhausaufenthalt pro Rückenschmerzpatient. Mehr Fakten und Daten zu den Kosten finden Sie hier.

Studien der DAK Unternehmen Leben hat die einzelnen Kosten von Rückenschmerzpatienten untersucht. Zwar stammen diese Werte noch aus den vergangenen Jahren, jedoch zeigen neuere Analysen, dass sich die prozentualen Verteilungen nicht unwesentlich verschoben haben. Der größte Ausgabenanteil bei Rückenschmerzen entfällt auf die ambulanten ärztlichen Leistungen – sowohl für Patienten mit spezifischen Rückenschmerzen als auch Patienten mit Bandscheibenerkrankungen oder Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen. In den ambulanten Kosten auch enthalten sind die Ausgaben für bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT. An zweiter Stelle liegen bei Patienten mit spezifischen Rückenschmerzen Kosten für Heil- und Hilfsmittel – meist muss der Patient hier auch zuzahlen. Hingegen sind bei Patienten mit Bandscheibenerkrankungen bereits die Ausgaben für Krankengeldzahlungen an Position 2. Diese machen in dieser Gruppe einen Anteil von nahezu einem Viertel der Gesamtkosten aus. Die Ausgaben für Schmerzmittel (Tabletten etc.) liegen bei spezifischen Rückenschmerzen etwa gleichauf mit den Krankenhausausgaben.

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