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Elektrotherapie: Strom, TENS und Elektrostimulation in der Schmerztherapie

Gliederung

  1. Einführung - Elektrotherapie, Stromtherapie
  2. Entwicklung der Elektrotherapie und Stromtherapie bei Schmerzen
  3. TENS und Tensgerät - Strom gegen Schmerzen
  4. Wirksamkeit von TENS ist umstritten
  5. TENS - Klebeelektroden und Elektrodenplatzierung
  6. TENS-Klebeelektroden sind unkomfortabel
  7. SFMS ist TENS überlegen
  8. SFMS kommt ohne Klebeelektroden aus
  9. Mit Strom zu mehr Muskeln?
  10. Vergleich der verschiedenen Elektrotherapie Verfahren
  11. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  12. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurz & knappe Zusammenfassung.

Einführung - Elektrotherapie, Stromtherapie

Bei der Elektrostimulation werden Nervenabschnitte und/ oder Muskeln durch Elektroden gereizt. Vorwiegendes Einsatzfeld ist neben der gezielten Muskelstimulation (Verhinderung einer Atrophie bzw. gezielter Muskelaufbau) die Behandlung von chronischen Schmerzen. Elektrische Reize können direkt am Membranpotential der Zellen angreifen und somit eine Erregung der Rezeptoren und Nerven bewirken. Durch Reizung von Nozizeptoren bzw. Hemmung der Schmerzleitung kann eine Schmerzdämpfung erzielt werden; durch Auslösen sog. Aktionspotentiale an einem Nerv oder einer motorischen Endplatte werden Nerven bzw. Muskeln aktiviert. Zudem wird Wärme durch die Schwingungen im Wechselstromfeld in wasserhaltigem Gewebe erzeugt. Niedrige Frequenzen wirken eher durchblutungsfördernd und schmerzlindernd und können den Stoffwechsel im Gewebe und die Nervenleitfähigkeit anregen. Hohe Frequenzen dagegen bewirken ausschließlich die Erzeugung von Wärme. Bei der gezielten Nervenstimulation (z. B. Small Fiber Matrix Stimulation®, Rückenmarksstimulation) kommt es im Rahmen der sog. Neuromodulation zur reversiblen Beeinflussung der neuronalen Transmission von Fasern. Über aufsteigende Bahnen, insbesondere über den Tractus spinothalamicus, aber auch über die Hinterstränge für viszerale Sensationen, werden die nozizeptiven Reize über eine neuronale Verarbeitung in Thalamus und Kortex bewusst wahrgenommen. Auch auf subkortikaler und kortikaler Ebene findet eine Schmerzmodulation statt. Im Unterschied zu TENS, werden die Schmerzfasern nur an der Hautoberfläche stimuliert, der Strom dringt nicht tiefer in das Muskelgewebe ein.
Im Folgenden soll auf gängige Verfahren eingegangen werden (in alphabetischer Reihenfolge). Diese unterscheiden sich in Nutzen, Anwendbarkeit, Frequenzstärke und schließlich ob es sich um invasive oder nicht-invasive Verfahren handelt.

Entwicklung der Elektrotherapie und Stromtherapie bei Schmerzen

Der Einsatz vom Strom gegen Schmerzen ist bereits seit mehreren tausend Jahren bekannt. Bereits im alten Ägypten wurde dieses Verfahren angeblich verwendet. Dazu wurden Fische verwendet, die Stromstöße abgeben und die dann auf die schmerzenden Stellen des Körpers gelegt wurden. In den 1960er Jahren wurde zur Schmerzbekämpfung mit Strom das Verfahren der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) entwickelt.

Nach Jahren der "Versenkung" hat der Einsatz von Strom am eigenen Körper in Gestalt von Strom- und Elektrotherapie in den letzten Jahren wieder an Popularität gewonnen. Mittlerweile wollen viele Menschen mit elektrischen Impulsen in verschiedener Frequenz nicht mehr nur für Schmerzlinderung sorgen, sondern auch Muskeln aufbauen (EMS, siehe unten). Im Bereich der Schmerzlinderung ist die so genannte transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) das bekannteste Verfahren. Ein neueres und weiterentwickelteres Verfahren ist SFMS (Small Fiber Matrix Stimulation, siehe unten). Nei TENS werden zwei oder vier Elektroden an einer schmerzenden Stelle auf die Haut geklebt, an die dann aus einem handlichen Gerät Stromimpulse in einer Stärke von bis 150 Hertz fließen. Die Stromimpulse sollen verhindern, dass eine Weiterleitung des Schmerzreizes im Rückenmark erfolgt.

Nach einer kurzen Einweisung durch einen Arzt oder Physiotherapeuten versprechen die Geräte die unkomplizierte Schmerztherapie in der heimischen Umgebung des Patienten. Über die Wirksamkeit des Verfahrens herrscht keine Einigkeit. Sicher ist allerdings, dass nur eine häufige Verwendung von TENS Potential dazu hat, Schmerzen bei einem Patienten auszublenden. Ein Lerneffekt im schmerzweiterleitenden System kann hier nicht festgestellt werden. Bei einer Unterbrechung in der Anwendung von TENS treten die Schmerzen bei einem Patienten dann unvermittelt wieder auf. Insbesondere bei chronischen Schmerzen wäre deshalb eine dauerhafte Behandlung mit TENS nötig, um einen schmerzlindernden Effekt zu erreichen.

TENS und Tensgerät – Strom gegen Schmerzen

TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) macht sich eine Besonderheit in der Schmerzwahrnehmung zunutze. Denn damit ein Schmerz im Gehirn eines Menschen wahrgenommen wird, muss der entsprechende Reiz das Rückenmark durchlaufen, wo eine Umschaltung auf eine andere Nervenzelle erfolgt. Durch die elektrische Stimulation mit auf die Haut aufgeklebten Elektroden wird bei TENS versucht, eine Weiterleitung des Schmerzreizes zu verhindern, indem die Nerven an der schmerzenden Stelle gereizt werden. Mit einer Frequenzstärke zwischen 80 und 150 Hertz ist es dann möglich, die Schmerzweiterleitung im Rückenmark zu unterbrechen. Auch niedrige Frequenzen zwischen zwei und vier Hertz kommen bei TENS zum Einsatz. Diese sollen die Ausschüttung chemischer Substanzen im Gehirn anregen, die eine dämpfende Wirkung auf die Schmerzwahrnehmung haben.

Wirksamkeit von TENS ist umstritten

Ob und wie wirksam TENS überhaupt ist, kann pauschal nicht beurteilt werden. Es existieren Studien, die sowohl nachweisen, dass TENS eine Wirkung hat, als auch, dass TENS wirkungslos ist. Weil die Geräte, die kaum die Größe eines Smartphones haben, sehr günstig sind und mittlerweile auch von Discountern wie Lidl angeboten werden, haben sie einen hohen Bekanntheitsgrad. Von vielen Menschen werden sie auch aufgrund ihrer einfachen Bedienbarkeit und des sehr niedrigen Risikos ihrer Anwendung für die Therapie von Schmerzen im Rücken, in den Gelenken oder im Nackenbereich verwendet. Von Ärzten und Physiotherapeuten wird TENS auch bei Sportverletzungen, Tumorschmerzen, Phantomschmerzen nach einer Amputation oder Migräne zur Schmerztherapie als Ersatz oder Ergänzung zu klassischen Schmerzmedikamenten eingesetzt. Auch wenn TENS nur mit einer geringen Stromstärke arbeitet, ist die Therapie beispielsweise für Patienten mit einem Herzschrittmacher, für Schwangere oder für Epileptiker nicht geeignet und kann schwerwiegende Schäden verursachen. Auch bei Entzündungen in den Gelenken, die beispielsweise bei einer Meningitis oder einer Borreliose starke Schmerzen verursachen können, sollte TENS nach Möglichkeit nicht zum Einsatz kommen.

TENS - Klebeelektroden und Elektrodenplatzierung

Die Geräte, die das Verfahren der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) nutzen, verfügen in der Regel über Klebeelektroden, die an der schmerzenden Stelle angebracht werden müssen und die dann den Stromreiz übertragen. Meistens sind zwei oder vier solcher Elektroden vorhanden, deren exakte Platzierung in der unmittelbaren Umgebung der schmerzenden Stelle darüber entscheidet, wie wirksam die Therapie ist. Diese Platzierung ist für viele Patienten eine besondere Herausforderung. Sie sind oft darauf angewiesen, dass ihnen beispielsweise ein Arzt oder ein Physiotherapeut vorab erklärt, wo sie die Klebeelektroden ihres TENS-Gerätes platzieren müssen, um eine optimale Wirkung zu erreichen. Auch trotz einer Einweisung, in der auch die ideale Stromimpulsstärke vorgegeben wird, sind viele Patienten im Umgang mit dem TENS-Gerät unsicher. Mitunter können sie sich zu Hause nicht mehr genau erinnern, an welchen Stellen sie die Elektroden aufkleben sollen. Das führt nicht selten dazu, dass sie Abstand von der Nutzung ihres TENS-Gerätes nehmen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Mitunter wird auch das Aufkleben der Elektroden auf die Haut als unangenehm empfunden. Die spezielle Klebebeschichtung, die mehrfach wiederverwendet werden kann, kann zudem zu Hautreizungen und allergischen Reaktionen führen.

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TENS-Klebeelektroden sind unkomfortabel

Weil bei TENS-Geräten die Klebelektroden an relativ langen Kabeln befestigt sind, kann es im Alltag zu Komforteinbußen kommen. Eine TENS-Anwendung kann immerhin bis zu eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen und wer nebenbei beispielsweise Hausarbeit erledigen will, der bleibt mit den langen Kabeln schnell mal irgendwo hängen. Das ist besonders nervig, wenn die Behandlung aufgrund der Stärker der Schmerzen mehrfach täglich wiederholt werden muss. Eine häufige Anwendung führt dazu, dass die Klebeelektroden ihre klebende Wirkung verlieren. Ihr Austausch ist dann unumgänglich. Insbesondere bei höherwertigen TENS-Geräten werden Ersatzelektroden mitgeliefert. Wer aber sein TENS-Gerät beispielsweise beim Discounter erworben hat, der darf nicht zwangsläufig mit mitgelieferten Ersatzelektroden rechnen. Woher er diese dann bekommt, bleibt ihm selbst überlassen. Oft ist das auch gar nicht möglich und er muss sich ein neues Gerät kaufen. Gerade bei der häufigen Verwendung eines TENS-Gerätes und einem damit verbundenen hohen Verschleiß der Elektroden kann dann die Beschaffung von Ersatzelektroden teuer und nervenaufreibend sein. Viele Patienten sehen sich deshalb nach Alternativen um, die ihnen möglicherweise auch eine nachhaltigere Schmerztherapie versprechen. Denn ob TENS überhaupt wirkt, ist sehr umstritten.

SFMS lindert dauerhaft Schmerzen

Als weiteres und neues Verfahren in der Elektro- und Stromtherapie ist die Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS). Wie bei TENS geht es bei diesem Verfahren darum, vor allem Schmerzen in den Gelenken zu lindern. Dabei macht sich SFMS das Prinzip der natürlichen Neuroplastizität zunutze, wodurch zu einer zeitweiligen Schmerzlinderung, sondern zu einer nachhaltigen Veränderung im Schmerzgedächtnis kommt. Das Verfahren kommt in den Produkten von bomedus® zum Einsatz, die sich insbesondere dadurch auszeichnen, dass sie für die Verwendung an verschiedenen Stellen des Körpers jeweils eigens entwickelt wurden. Demensprechend ist auch die matrixförmige Anordnung der Elektroden jeweils verschieden und beispielsweise beim Einsatz am Knie anders als beim Einsatz am unteren Rücken. Für Patienten ist es hier nicht notwendig, Elektroden selbstständig aufzukleben. Sie legen lediglich das jeweilige Gerät an und starten die Behandlung mittels einer Fernbedienung. Zwei Anwendungen pro Tag von jeweils 20minütiger Dauer können bei chronischen Schmerzpatienten die Schmerzen deutlich reduzieren und ihre Lebensqualität wesentlich steigern. Die Geräte sind zwar teurer als ein TENS-Gerät vom Discounter, aber dem höheren Preis stehen auch eine deutlich höhere Behandlungsqualität und ein deutlich größerer Behandlungserfolg gegenüber. Insgesamt können Elektro- und Stromtherapie in ihren verschiedenen Formen als positiv beurteilt werden. Sie können die Gesetze der Physik zwar nicht umkehren, aber Schmerzen lindern und den Muskelaufbau unterstützen. Wer eine solche Therapieform bei sich einsetzen möchte, sollte zuvor aber unbedingt Rücksprache mit seinem behandelnden Arzt halten, denn nicht für jeden ist Strom als therapeutisches Mittel einsetzbar. Wenn der Arzt grünes Licht gibt, dann steht jedoch einer effektiven Schmerzlinderung durch SFMS oder einer Unterstützung des Muskelaufbaus durch EMS nichts mehr im Wege.

SFMS ist TENS überlegen

Weil Schmerzen und die Stärke ihres Empfindens oft dadurch beeinflusst werden, dass aufgrund einer chronischen oder bereits sehr lange andauernden Erkrankung krankhafte morphologische und funktionelle Veränderungen im schmerzweiterleitenden System bestehen, ist TENS weitgehend wirkungslos. Denn nur durch eine Blockade der Schmerzweiterleitung kann keine dauerhafte Schmerzlinderung erreicht werden. Diese strebt dagegen die Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS) an, die in allen bomedus®-Produkten zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zu TENS gibt es hier punktförmige Elektroden, die matrixförmig angeordnet sind und niederfrequente Stromimpulse mit einer Stärke von vier Hertz unter die Haut schicken. Dadurch kommt es zu einer gleichförmigen Stimulation, welche die Nerven beruhigt und das Schmerzgedächtnis des Patienten verändert. Letztlich verlernt der Patient seine Schmerzen. Im Gegensatz zu TENS kommt es bei SFMS nur zur spezifischen Stimulation der als Schmerzfasern bekannten Aδ-Fasern, die in der Epidermis liegen. Dadurch werden tieferliegende Gewebeschichten und Nervenfasern geschont, wodurch Nebenwirkungen vermindert werden. SFMS macht sich im Gegensatz zu TENS auch die natürliche Neuroplastizität zunutze. Weil alle Neuronen im menschlichen Körper zu einer Anpassung ihrer morphologischen und funktionellen Eigenschaften an externe Reize fähig sind, kann es durch SFMS gelingen, ein chronisch gewordenes Schmerzempfinden deutlich zu reduzieren. Daher ist der Effekt von SFMS im Vergleich zu TENS von deutlich längerer Dauer, weil das Verfahren eine tatsächliche Veränderung in den Nervenzellen bewirkt. Zudem lässt sich SFMS im Unterschied zu TENS auch bei Patienten anwenden, die beispielsweise in ihren Gelenken ein Metallimplantat haben oder die adipös sind. SFMS ist TENS also deutlich überlegen, wobei die benötigten Geräte mindestens ebenso einfach zu bedienen sind.

SFMS kommt ohne Klebeelektroden aus

Eine auch in ihrer Wirkung bessere Alternative zu TENS ist die so genannte Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS). Diese wirkt ebenfalls mit Stromimpulsen, die aber nur eine geringe Intensität von vier Hertz haben. Das Verfahren kommt in allen bomedus®-Produkten zum Einsatz. Im Unterschied zu TENS-Geräten gibt es hier keine Klebelektroden, die selbst platziert oder bei Verschleiß ausgetauscht werden müssen. Stattdessen sind die punktförmigen Elektroden in einer Matrix angeordnet, die in ihrer Größe und Form auf die jeweils zu behandelnde Körperstelle ausgerichtet ist. So gibt es beispielsweise spezielle Geräte für eine Behandlung im unteren Rücken oder am Knie. Der Patient muss das entsprechende Gerät dann nur noch anlegen. Er kann sich somit sicher sein, dass die Elektroden immer richtig platziert sind und ihre optimale Wirkung entfalten können. Die Anwendung ist zu Hause also sehr einfach möglich. Zudem bleibt auch die Bewegungsfreiheit während der Anwendung weitgehend erhalten, da keine störenden Kabel vorhanden sind, die eine Verbindung zwischen der Elektrode und dem Gerät herstellen müssten. Dadurch bieten die Produkte von bomedus® ein hohes Maß an Komfort und Alltagstauglichkeit, wovon vor allem der Patient profitiert.

Mit Strom zu mehr Muskeln?

Aus der Schmerztherapie hat die elektrische Stimulation ihren Weg auch in den Fitnessbereich gefunden. Sie begegnet dem Nutzer dort in Gestalt der so genannten Elektro-Myo-Stimulation (EMS). Diese ist mehrheitlich auch als Elektromuskelstimulation oder auch als elektrischer Muskelaufbau bekannt. Die Methode verspricht, ohne körperliche Anstrengung oder als Unterstützung sportlicher Aktivitäten Muskeln aufzubauen, weshalb sie beispielsweise auch in der Rehamedizin eingesetzt wird. Ähnlich wie bei TENS wirkt bei der EMS ein elektrischer Impuls, der allerdings nicht die Schmerzweiterleitung verhindern soll, sondern der auf den Muskel in einer beliebigen Körperregion wie etwa am Bauch oder an den Oberarmen einwirkt. Dadurch wird der Muskel zur Kontraktion angeregt beziehungsweise die Muskelkontraktion beim Sport unterstützt. In speziellen Fitnessstudios wird bei dieser Methode Funktionskleidung eingesetzt, in welche die Elektroden eingearbeitet sind. In dieser Kleidung macht der Nutzer dann verschiedene Übungen. Für messbare Effekte soll eine zweimalige Anwendung pro Woche von jeweils 20minütiger Dauer ausreichen. Weil diese Anwendungen bis zu 25 Euro kosten können, sind auch EMS-Geräte für den Hausgebrauch bei Nutzern sehr beliebt. Am häufigsten werden hier Geräte angeboten, die neben EMS auch TENS ermöglichen. Gerade bei günstigen Geräten sind auch hier Klebelektroden die Regel, die selten für alle trainingsrelevanten Muskelgruppen ausreichen. Für mehr Geld gibt es auch Geräte, bei denen der Bedienkomfort deutlich höher ist und die auch für jede Muskelgruppe ein eigenes Set an Elektroden zur Verfügung stellen. Bei extrem hochwertigen Geräten für den Hausgebrauch sind diese auch in spezielle Kleidungsstücke eingearbeitet. Den Traum vom anstrengungslosen Muskelaufbau, den die Werbung verspricht, kann EMS aber nicht erfüllen. In Kombination mit sportlichen Aktivitäten kann aber eine gewisse Wirksamkeit festgestellt werden.

Vergleich der verschiedenen Elektrotherapie Verfahren

Diadynamische Stromtherapie

Wirksamkeit umstritten; nicht-invasiv

Häufigste Form der Reizstromtherapie, bei der gleichgerichtete Wechselströme angewendet werden und zusätzlich ein galvanischer Gleichstrom (s.u.) unterlegt ist. Die Abgabe erfolgt in Impulsen und bestimmten Zeitabständen. Je nach Stromform wirken sie auf Muskeln oder Nerven stimulierend, schmerzlindernd und/ oder entspannend.

Gleichstromtherapie (Galvanisation)

Wirksamkeit belegt; nicht-invasiv

Eine Form der niederfrequenten Elektrotherapie. Der Strom hat eine konstante Spannung, Stärke und Richtung und wird vorwiegend in Bädern benutzt. Die Wirkung ist Schmerzlinderung, Sedierung und Erregungshemmung. Verbreitet sind das hydrogalvanische Vollbad (Stangerbad), das 2- oder 4-Zellen-Bad für Arme bzw. Unterschenkel und die Iontophorese. Bei der Iontophorese werden zusätzlich Medikamente (z.B. Antiphlogistika, Lokalanästhetika) appliziert und mit dem Strom über die Haut in das Gewebe eingebracht. Anwendung z.B. bei Arthrosen, Lumbago und Myalgien.

Motorkortexstimulation (MCS)

Wirksamkeit belegt; invasiv

Ursprünglich entwickelt für die Behandlung des thalamischen Schmerzsyndroms, wird diese Form der epiduralen Stimulation heute für Phantomschmerzen und anderen neuropathischen Schmerzen benutzt. Es handelt sich um ein neurochirurgisches invasives Verfahren. Entsprechend müssen OP-Risiken und Komplikationen betrachtet werden. Diese Form der Elektrostimulation wird mehrheitlich bei Patienten mit stärksten Schmerzen und Medikamentenunverträglichkeit, -unwirksamkeit verwendet.

Periphere Nervenstimulation (PNS)

Wirksamkeit belegt; invasiv

Bei der PNS wird der periphere Nerv proximal entlang der Läsion operativ freigelegt eine Elektrode im Bereich des Nervs fixiert. Durch die Gabe von Stromimpulsen können so die Schmerzen verringert werden. Durch einen implantierten Impulsgenerator kann der Patient die Höhe der Stromstärke selbst bestimmen.

Reizstromtherapie nach Träbert

Wirksamkeit umstritten; nicht-invasiv

Pulsierender Gleichstrom in einer empirisch gefundenen Folge (rechteckförmiger Strom von 2ms Dauer und 5ms Pause, Frequenz 143Hz). Der sog. „Träbert-Strom“ kann zur Muskelstimulation und Schmerzlinderung eingesetzt werden. Der wissenschaftliche Nachweis ist widersprüchlich.

Rückenmarksstimulation (Syn. Spinal Cord Stimulation (SCS))

Wirksamkeit belegt; invasiv

Die SCS ist eine rückenmarksnahe Elektrostimulation. Bei der SCS werden Elektroden ins Rückenmark implantiert, die elektrische Impulse von geringer Spannung epidural, d.h. über die harte Hirnhaut des Rückenmarks an die Hinterstränge im Rückenmark abgeben. Missempfindungen und Schmerzen werden dadurch unterdrückt. Jedoch nicht bei allen Patienten, ferner haben die OP Risiken und Nebenwirkungen.

Small Fiber Matrix Stimulation® (SFMS)

Wirksamkeit belegt; nicht-invasiv

Die hohe Stromdichte direkt in den obersten Hautschichten ermöglicht eine gezielte Stimulation der dort lokalisierten Schmerzfasern. Insbesondere chronische Schmerzzustände werden mittels Small Fiber Matrix Stimulation® reduziert. Die elektrischen Impulse werden dabei über spezielle Elektroden von außen in die oberste Hautschicht übertragen. Dabei wird entweder direkt über dem schmerzhaften Bereich oder entlang der Nervenbahnen, die den Schmerzreiz zum Rückenmark weiterleiten, stimuliert. So werden gezielt die dünnen Nervenfasern (Small Fibers), die den Schmerz wahrnehmen und weiterleiten, aktiviert. Dabei macht sich die Small Fiber Matrix Stimulation® das Prinzip der Langzeithemmung zu Nutze. Zusätzlich dazu wird die Therapie durch eine Vibration verstärkt. Sie entspannt die verkrampfte Muskulatur und fördert die Durchblutung im Gewebe, wodurch Schmerzen verursachende Entzündungen schneller ausheilen. Parallel wird der Lymphdurchfluss gesteigert, was einer Ödembildung entgegenwirkt. Die SFMS® wurde bereits in Produkte zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich und Brustwirbelbereich umgesetzt sowie zur Linderung von Amputationsschmerzen.

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Wirksamkeit umstritten; nicht-invasiv

TENS ist ein Gegenirritationsverfahren, das die bewusste Wahrnehmung von Schmerzen reduzieren soll. Dazu werden einfache elektrische Impulse auf die Hautoberfläche übertragen. Dadurch können Endorphine freigesetzt werden und eine kurzzeitige Schmerzlinderung erreicht werden. Die Durchblutung wird gefördert. Aufgrund der Elektrodenarten sowie der elektrischen Impulsgebung wird v.a. die Muskulatur stimuliert – eine gezielte Nervenstimulation wird nicht erreicht. Die Studienlage zum Nutzen von TENS ist uneinheitlich.

Vagusnervstimulation

Wirksamkeit belegt; invasiv/ nicht-invasiv

Die Vagusnervstimulation wurde urspünglich entwickelt zur zusätzlichen Therapieoption bei Epilepsiepatienten. In der Wirksamkeit ist der Vagusnervstimulator vergleichbar mit Antiepileptika (krampflösende Medikamente). Eine Besonderheit ist die transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) zur Behandlung von Migräne. TVNS basiert darauf, dass ein Ast des Vagusnervs in bestimmten Regionen der Ohrmuschel mit elektrischen Impulsen durch die Haut hindurch (transkutan) stimuliert werden kann. TVNS ist nicht-invasiv.

Exkurs: Akupunktur

Wirksamkeit belegt; semi-invasiv

Die Akupunktur (Latein: acus = Nadel, punctio = das Stechen) ist ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und wird häufig bei Schmerzen, funktionellen und seelischen Erkrankungen sowie zur Harmonisierung des Immunsystems eingesetzt. Die Therapie der Akupunktur basiert auf den Lebensenergien des Körpers (Qi), die auf definierten Längsbahnen, den Meridianen, zirkulieren und einen Einfluss auf alle Körperfunktionen haben. Für Erkrankungen kann ein gestörter Energiefluss verantwortlich gemacht werden. Durch feinste Nadelstiche auf den Meridianen liegenden Akupunkturpunkten soll der Energiefluss wieder angeregt und reguliert werden.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) gilt bereits seit Jahren als Baustein bei der Behandlung von Schmerzen. Dabei werden v.a. die tieferliegende Strukturen mittels Stromreize stimuliert. Forschungen haben gezeigt, dass es auf diese Weise zu einer erhöhten Durchblutung, Endorphin-Freisetzung und Schmerzhemmung gemäß der sog. Gate-Control Theorie kommt. Leider ist die Wirkung jedoch teilweise umstritten. Eine Weiterentwicklung stellt die sog. Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS) dar. Hier werden - im Gegensatz zu TENS - gezielt die Schmerzfasern stimuliert. Dadurch wird gezielt das krankhafte Schmerzempfinden wieder normalisiert. Der Strom dringt nicht tief in das Gewebe ein sondern stimuliert gezielt die Schmerzfasern. Damit kann seit einigen Jahren die Schmerztherapie um einen zusätzlichen wichtigen Baustein erweitert werden.

Weiterführende Links und Quellen

Klinke et al., Physiologie, 2009
Silbernagl, Taschenatlas Physiologie, 2012
Deutscher Verband für Physiotherapie
Bildquelle: Datei: #99779021 Urheber: Köpenicker

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