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Migräne: 8 Fakten erfolgreich gegen Kopfschmerzen

Fakt 1: Etwa jeder Zehnte in Deutschland leidet an Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, an der in Deutschland etwa acht Millionen Menschen leiden. Es sind vor allem Personen zwischen 25-45 Jahren betroffen. Dabei sind Frauen mit einer Prävalenz von 18% dreimal häufiger betroffen als Männer (Prävalenz: 6%). Im Kindesalter sind beide Geschlechter noch etwa gleich häufig betroffen. Knapp 20% der Migränepatienten erkranken erstmals bereits vor dem 10. Lebensjahr. Mit einsetzen der Pubertät steigt die Häufigkeit beim weiblichen Geschlecht im Vergleich zu den Männern an. Dafür nimmt bei Frauen, die unter menstruations-assoziierter Migräne litten, der Schweregrad der Erkrankung nach der Menopause meist wieder ab.

Fakt 2: Die Symptome sind vielfältig und individuell sehr unterschiedlich

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Migräne auf Grund der Symptomatik zu den am stärksten behindernden Erkrankungen, insbesondere wenn die Erkrankung chronisch wird (Migräne an ≥ 15 Tage/Monat über ≥ 3 Monate, ohne Medikamentenübergebrauch).

Zu den klassischen Symptomen dieser neurologischen Erkrankung, die während der eigentlichen Kopfschmerzphase auftreten können, zählen bei Erwachsenen

  • periodisch wiederkehrende, anfallartige, pulsierende und halbseitige Kopfschmerzen, insbesondere im Bereich der Stirn (frontotemporal), Schläfe und dem Auge (retroorbital)
  • Aura (siehe unten)
  • Begleitende vegetative Symptome können sein
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
  • Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie)
  • Geruchsempfindlichkeit (Osmophobie).

Die Kopfschmerzphase kann zwischen einer Stunde und drei Tagen andauern. Dabei verschlimmern körperliche Arbeit, Licht und Stress die Kopfschmerzen meist. Durch langanhaltende und hochfrequente Migräneattacken kommt es zu strukturelle Veränderungen im Nervensystem, die weitere neurologische Erkrankungen hervorrufen können.

Der Kopfschmerzphase können eine Vorbotenphase und/oder eine Auraphase vorausgehen und eine Rückbildungsphase folgen.

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Vorbotenphase

Bei etwa einem Drittel der Patienten kündigt sich eine Migräneattacke wenige Stunden bis zwei Tage im Voraus durch Vorboten wie Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Geräuschempfindlichkeit, häufiges Gähnen und Störungen im Magen-Darm-Trakt. Typisch sind auch Heißhungerattacken auf bestimmte Nahrungsmittel, die dann häufig fälschlicherweise für den Migräneauslöser gehalten werden.

Auraphase

Eine Aura ist ein Symptom der Migräne (kein Vorbote!). Sie tritt bei etwa 20% der Betroffenen auf und dauert maximal bis zu einer Stunde. Jeder Patient hat eine eigene Symptomatik, die verschiedene Symptome in unterschiedlichem Ausmaß beinhaltet. Allgemein zeichnet sich die Auraphase durch visuelle oder sensorische Wahrnehmungsstörungen wie Lichtblitze, Skotome (Ausfall oder Abschwächung (Dämpfung) der Sehkraft in einem Teil des Gesichtsfeldes), Verlust des räumlichen und scharfen Sehens und Verlust der Berührungsempfindung oder einem Gefühl von Kribbeln in den Armen, Beinen und im Gesicht aus. Diese Symptome sind charakteristischer Weise dynamisch und wandern von einer Position zur anderen. Neben diesen dynamischen Symptomen können der Geruchssinn, das Gleichgewicht oder die Sprache gestört sein. Die Aura ruft keine Schädigung im zentralen oder peripheren Nervensystem hervor. Die Kopfschmerzphase kann noch während der Auraphase einsetzten, spätestens aber eine Stunde danach.

Rückbildungsphase

Während diese Phase, die bis zu 24 Stunden dauern kann, klingen alle Symptome langsam wieder vollständig ab. Betroffene fühlen sich auch in dieser Zeit noch müde und angespannt.

Migräne bei Kindern

Bei Kindern ist die Diagnose der Migräne dagegen deutlich schwieriger, da Kopfschmerzen vollkommen fehlen können oder aber den ganzen Kopf betreffen. Wenn Kopfschmerzen auftreten, dauern sie in der Regel nicht so lange wie bei Erwachsenen. Dagegen sind sie häufiger Geruchsempfindlich, haben wiederkehrende Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit und ihnen ist schwindelig. Ca. 50% aller 7.-Klässler haben regelmäßige Migräneattacken.

Im folgenden Beitrag vom YouTube Kanal Video-Visite erklärt Dr. Tobias Weigl alles Wichtige über Migräne und Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Ein sehr wichtiger Beitrag nicht nur für betroffene Kinder/ Jugendliche sondern v.a. auch für betroffene Eltern, Lehrer und Ärzte.

Fakt 3: Die Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig geklärt.

Durch eine Vielzahl an Untersuchungen konnten verschiedene Veränderungen im Gehirn im Laufe einer Migräne festgestellt werden. Basiert darauf haben sich verschiedene Hypothesen der Entstehung des Kopfschmerzes und der Aurasymptome ergeben.

Theorie der genetischen Ursache

Nach heutigen Wissenstand wird vermutet, dass es sich in den meisten Fällen bei Migräne um eine genetische Veranlagung handelt. Diese Hypothese wird dadurch gestützt, dass etwa zwei Drittel der Betroffenen Angehörige haben, die ebenfalls unter einer Form von Migräne leidet.
Die Theorie der genetischen Ursache besagt, dass wahrscheinliche auf Grund einer genetisch bedingten Disposition kommt es zu Beginn einer Attacke ausgelöst durch einen externen Trigger (siehe Auslöser) zunächst zu einer Veränderung der neuronalen Aktivität im Kortex. Dabei wird eine Überdosis an verschiedene Botenstoffe (Neurotransmitter) ausgeschüttet. Zu diesen Botenstoffen gehört Serotonin, der zunächst zu einer Verengung (Vasokonstriktion) der Blutgefäße in den Meningen (eine dünne Gewebsschicht, die das Gehirn umschließt und von vielen Blutgefäßen durchzogen ist) führt. Der daraus resultierende verlangsamte Blutfluss wird als Ursache der Aurasymptome angesehen. Es wird vermutet, dass eine zu starke Gegenregulation des Körpers zu viel Serotonin abbaut und es somit zu einer übermäßigen Erweiterung (Vasodilatation) Blutgefäße kommt. Die Aurasymptome verschwinden.

Vaskuläre Hypothese der Migräne

Die vaskuläre Hypothese besagt, dass diese Dilatation der Gefäße über Dehnungsrezeptoren, die in den Gefäßwänden lokalisierten sind, zu einer Aktivierung der Schmerzfasern des Nervus trigeminus führt. Diese Aktivierung wird als Kopfschmerz wahrgenommen. Die vaskuläre Hypothese wird gestützt durch die Wirksamkeit der derzeit bevorzugten Akutmedikamente, der sog. Triptane. Triptane genauso wie die früher verwendeten Mutterkornalkaloide führen zu einer Vasokonstriktion.

Neurogene Entzündungstheorieder Migräne

Die neurogene Entzündungstheorie hingegen geht von einer aseptischen (sterile) Entzündung an den auf Grund der Freisetzung von Botenstoffen wie Substanz P, Neurokinin A und CGRP (Calcitonin gene related peptide) an den Nervenenden des Nervus trigeminus, die als Kopfschmerzen empfinden wird, aus.

Übererregbarkeitshypothese der Migräne

Die Übererregbarkeitshypothese, auch Aura-Spreading-Depression Theorie genannt, vermutet, dass der Migränekopfschmerz auf eine Übererregbarkeit des Kortex auf Grund verstärkter Freisetzung von Kaliumionen zurückzuführen ist. Die Freisetzung von Kaliumionen führt zu einer Depolarisation im diesem Bereich der Hirnrinde, die sich denn binnen weniger Minuten über den Kortex hinweg ausbreitet. Bei dieser Theorie wird die Depolarisation des Sehzentrums für die Aurasymptome und die Depolarisation der Projektionsorte des Nervus trigeminus für die Kopfschmerzen verantwortlich gemacht.
Auch der Neurotransmitter Glutamat spielt eine wichtige Rolle bei der Erregung von Nervenzellen. Aus diesen Gründen kann der Geschmacksverstärker Natriumglutamat eine Migräne auslösen.

Alle diese Erklärungsversuche sind bislang jedoch nur Hypothesen, die noch durch weitere Forschung belegt oder widerlegt werden müssen. Höchst wahrscheinlich ist ein Mix der verschiedenen Ansätze ursächlich für die Migräne und vom jeweiligen Patienten abhängig.

Fakt 4: Von Stress, über unregelmäßigen Schlaf hin zur Ernährung. Die Migräneauslöser sind vielfältig.

Sogenannte Triggerfaktoren (Auslöser) erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Migräneattacke innerhalb eines kurzen Zeitraumes (üblicherweise <48 Stunden). Obwohl einige Triggerfaktoren in epidemiologischen Erhebungen oder klinischen Studien untersucht wurden, ist es häufig schwierig, im individuellen Fall eine kausale Verknüpfung herzustellen. Die häufigsten potentiellen Auslöser sind:

  • hormonelle Veränderungen (Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft)
  • Schlaf (Schlafmangel oder zu viel Schlaf)
  • Stress (während oder nach dem Stress, z.B. am Wochenende)
  • unregelmäßige Ernährung Verzehr oder der Verzicht spezieller Nahrungsmittel, wie z.B. Alkoholkonsum oder Kaffeeentzug (häufig werden dabei die Heißhungerattacken auf ein Nahrungsmittel während der Vorbotenphase als Auslösen missinterpretiert)
  • Umweltfaktoren (z.B. Wetterschwankungen)
  • bestimmte Arzneimittel

Ernährungstipps bei Migräne

  1. Ein gleichmäßiger Blutzuckerspiegel beugt die Entstehung von Kopfschmerzen/ Migräne vor.
  2. Nehmen Sie sich beim Essen Zeit und genießen Sie Ihr Essen. Bewusstes Essen hilft, richtig zu essen.
  3. Kauen Sie das Essen gründlich, kein "Runterschlingen" von großen Essensteilen.
  4. Keine Hungerphasen, am besten keine Mahlzeiten auslassen, damit es nicht zu einem plötzlichen Abfall des Blutzuckerspiegels kommt. Ein plötzlicher Abfall des Blutzuckerspiegels können Migräneattacken auslösen.
  5. Sehr wichtig ist das Frühstück. Nach der Nacht mit vielen Stunden ohne Nahrungszufuhr sind die Energiespeicher aufgebraucht. Das Nervensystem braucht wieder neue Energie. Frühstücken Sie deswegen immer in Ruhe und ausgiebig.

Fakt 5: Je nach Symptomen werden verschiedene Migräneformen unterschieden

Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung. Sie selbst ist die Erkrankung und nicht Folge einer anderen Erkrankung wie einem Tumor oder einer Entzündung.

Die wichtigste Unterscheidung bei Migräne ist dabei das Auftreten oder das Fehlen einer Auraphase. Über 80% der Betroffenen leiden an einer Migräne ohne Aura und zwischen 15%-20% an einer Migräne mit Aura. Die Migräne mit Aura unterscheidet sich noch in 6 Suptypen.

  1. Migräne ohne Aura
  2. Migräne mit Aura
    • klassische Migräne: klassischer Migräne-Kopfschmerz mit typischer Aura ohne Bewegungsstörungen
    • Migräne mit typischer Aura ohne Bewegungsstörungen und mit nicht klassischen Migräne-Kopfschmerzen
    • Migräne mit typischer Aura ohne Bewegungsstörungen und ohne Kopfschmerzen
    • familiäre hemiplegische: Migräne mit Aura + klassischem Migräne-Kopfschmerz + Bewegungsstörungen + min. ein Familienmitglied 1. oder 2. Grades leidet auch unter einer Migräne mit Aura
    • sporadische hemiplegische Migräne: Migräne mit Aura + klassischem Migräne-Kopfschmerz + Bewegungsstörungen
    • Migräne vom Basilaristyp: klassischer Migräne-Kopfschmerz mit untypischen Aurasymptomen
  3. Retinale Migräne: Migränekopfschmerz mit vorangehenden, einseitigen visuellen Störungen, mit normalem Befund außerhalb der Attacke.

Treten die Attacken sehr häufig auf (≥ 15 Tagen/Monat über >3 Monate), dauern Symptome ungewöhnlich lange (≥ 72 Stunden Kopfschmerz oder ≥ 60 Minuten Aurasymptome) oder kommt es zu einer starken Schädigung im Gehirn spricht man von Migränekomplikationen.

Eine genaue Auflistung der Kriterien der einzelnen Migräneformen und der Migränekomplikationen, wie sie von der International Headache Society (IHS) vorgegeben sind, befindet sich am Ende des Artikels. ...zur Klassifikation

Attacken und/oder Kopfschmerz, bei dem ein Merkmal fehlt, das erforderlich ist, um die Kriterien einer der unten aufgeführten Migräneformen vollständig zu erfüllen, wird als wahrscheinliche Migräne der am besten passenden Form angesehen.

Fakt 6: Die Migräne wird auf Basis der Beschwerden diagnostiziert

Die Diagnose erfolgt in Form einer Befragung des Patienten mit Erhebung der Krankengeschichte, der sogenannten Anamnese. Ein Kopfschmerztagebuch bzw. Kopfschmerzkalender kann dabei sinnvoll sein.

In erster Linie muss bei der Diagnose ein sekundärer Kopfschmerz (z.B. auf Grund von Tumoren, Traumata, Blutungen oder Entzündungen) ausgeschlossen werden. Dazu dienen die allgemeine körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen und vor allem die Bildgebung CCT oder MRT zum Ausschluss intrakranieller Prozesse/ Veränderungen. Zusätzlich kann noch ein sog. EEG durchgeführt werden. Migräne ist letztlich eine typische Ausschlussdiagnose, d.h., wenn man keinen Grund findet bzw. andere Möglichkeiten ausgeschlossen hat, so stellt man die Diagnose Migräne.

Fakt 7: Migräne ist mit Hilfe einer individuell abgestimmten Therapie gut behandelbar

Migräne ist zwar nicht heilbar, aber sie kann in den allermeisten Fällen erfolgreich mit nicht-medikamentösen und medikamentösen Maßnahmen behandelt werden. Da Migräne sich individuell sehr unterschiedlich äußern kann, gibt es nicht den einen Behandlungsweg für alle Betroffenen. Jeder Patient muss für sich und entsprechend der individuellen Symptomatik, in Zusammenarbeit mit einem Arzt, die beste Therapie herausfinden. Dabei unterscheidet man die Akuttherapie während einer Attacke von der Prophylaxe.

Wichtig ist, dass die medikamentöse Behandlung immer mit einem Arzt, der die geeignetsten Mittel für den jeweiligen Schweregrad der Migräne auswählen kann, abgesprochen werden sollte, damit die möglichen Nebenwirkungen und die Belastung für den Körper durch das Medikament möglichst klein gehalten wird.

Akuttherapie

nicht-medikamentösen Maßnahmen

Bereits bei Einsetzen einer Vorbotenphase aber auch noch währender Kopfschmerzphase können Migräneattacke abgemildert werden durch

  • Entspannungsübungen
  • Ruhe
  • Dunkelheit
  • Wärme oder Kälte
  • ausreichender Schlaf
  • und eine kohlenhydratreiche Mahlzeit direkt vor dem Schlafen.

Bei Menstruations-assoziierter Migräne kann dieses Vorgehen auch helfen, wenn es ab einem Tag vor dem Menstruationsbeginn durchgeführt wird.

In diesem Video klärt Dr. Tobias Weigl über den häufigen Missbrauch von Kopfschmerzmitteln v.a. bei Kindern auf. Kinder bekommen oft falsche Dosierungen und z.T. auch ohne jemals eine Rücksprache mit einem Arzt gehabt zu haben.

medikamentösen Maßnahmen

  • Paracetamol
  • Ibuprofen
  • Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin)
  • Diclofenac
  • Naproxen Triptane (sind sog. Serotoninrezeptorantagonisten; diese sollten jedoch erst bei schweren Attacken verwendet werden)
  • Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, wie z.B. Metoclopramid (MCP) oder Domperidon)

Prophylaxe

nicht-medikamentösen Maßnahmen

  • Auslöser vermeiden
  • regelmäßiger Tagesrhythmus (auch an Wochenenden!)
  • feste Zeiten für Mahlzeiten
  • leichter Ausdauersport
  • Entspannungstraining
  • Akupunktur
  • Biofeedback

medikamentösen Maßnahmen (indiziert bei > 3 Attacken pro Monat oder prolongierten Attacken > 48 Stunden)

  • Betablocker (z.B. Propranolol, Metoprolol)
  • Flunarizin (sog. Calcium-Antagonist)
  • Amitryptilin (sog. Trizykisches Antidepressivum)
  • Naproxen
  • Valproat
  • Topiramat
  • Antidepressiva
  • hochdosiertes Magnesium

Therapie bei Kindern

Bei Kindern stehen neben nicht-medikamentösen Maßnahmen verschiedene Schmerzmittel zur Verfügung. Als migränespezifisches Medikament ist allerdings nur eines der Triptane in Form eines Nasensprays für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen

Fakt 8: Durch Migräne fallen jährlich etwa 5 Milliarden Euro Kosten an – überwiegend durch Arbeitsausfälle

Für Deutschland wurden bislang keine exakten Berechnungen über die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch Migräne entstehen, erstellt. Es gibt jedoch eine Modellrechnung. Diese setzt sich aus den direkten Kosten (Behandlung und Vorbeugung) und den indirekten Kosten (Arbeits- und Produktivitätsausfall) zusammen.

Bei den direkten Kosten schlagen zum einen die verschreibungspflichtigen Migränemedikamente zu Buche, die in mittelschweren bis schweren Fällen vom Arzt verschrieben werden. Die Kosten bei den Krankenkassen durch diese Medikamente belaufen sich jährlich auf ca. 70 Millionen Euro. Dies umfasst noch nicht die nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen oder das frei erhältliche Nanatriptan. Für Migräne wird ein Marktanteil von 4-16% der verkauften rezeptfreien Schmerzmittel geschätzt. Dies würde weitere Kosten von 100-500 Millionen Euro entsprechen. Dies schließt aber noch immer nicht die Medikamente ein, die gegen die Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen verschrieben werden. Die Kosten der stationären Behandlung liegen jährlich bei etwa 30 Millionen Euro und die der ambulanten Behandlung zwischen 40 und 150 Millionen.

Den größten Teil machen die indirekten Kosten aus. Diese können jedoch nur grob geschätzt werden, da keine empirischen Daten dazu vorliegen. Geht man davon aus, dass 10% der Deutschen unter Migräne leidet, von denen mindestens 50% erwerbstätig sind und die durchschnittliche Anzahl an Migränetagen pro Monat 2,8 Tagen beträgt, ergeben sich 130 Millionen Migränetage pro Jahr. Prozentual entfallen davon über 75 Millionen auf Arbeitstage. 50% entfallen dabei auf vollständige Arbeitsausfälle und 50% auf verminderte Produktivität. Daraus ergeben sich Kosten in Höhe von etwa 4 Milliarden Euro (entspricht 80% der Gesamtkosten).

Es gibt aber auch noch tertiäre Kosten als Folgekosten falscher Behandlungen oder Invalidität. Diese betragen weitere 300 Millionen Euro.Rechnet man diese Kosten zusammen, kommt man auf ca. 5 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten allein durch Migräne.

Direkte Kosten

  • Kosten der ärztlich rezeptierten Migränemedikamente: 70 Mio. €
  • Kosten frei verkauften Migränemedikamente: 100-500 Mio. €
  • Kosten der ambulanten ärztlichen Behandlung wegen Migräne: 40-150 Mio. €
  • Kosten der stationären Behandlung wegen Migräne: 30 Mio. €

Indirekte Kosten

  • Fehltage und eingeschränkte Produktivität am Arbeitsplatz: 4 Mrd. €

Tertiäre Kosten

  • Folgekosten durch falsche Behandlung oder Invalidität: 300 Mio. €

Anhang:

  • Nützliche Links Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
  • International Headache Society (IHS)
  • Migräne-Info
  • Irène Barone-Kaganas (2006): Migräne beim Erwachsenen – Pathophysiologie, Klinik, Diagnostik und Behandlung. Schweiz Med Forum 6: 668–673 (http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2006/2006-29/2006-29-273.PDF)

Klassifikation der Migräne

Die International Headache Society (IHS) hat eine Klassifikation der Migräne mit den exakten Kriterien der einzelnen Migräneformen veröffentlicht. Sie basiert auf der Diagnoseklassifikation der Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) für Migräne.

1. Migräne ohne Aura (früher: einfache Migräne, Hemikranie)

Migräne ohne Aura ist die häufigste Form der Migräne. Es handelt sich um eine Migräne ohne Aura, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind ohne dass der Kopfschmerzphase eine Aura vorausging:

  1. Mindestens fünf Attacken, welche die Kriterien B-D erfüllen
  2. Kopfschmerzattacken, die (unbehandelt oder erfolglos behandelt) 4-72 Stunden anhalten
  3. Der Kopfschmerz weist mindestens zwei der folgenden Charakteristika auf
    • einseitige Lokalisation
    • pulsierender Charakter
    • mittlere oder starke Schmerzintensität
    • Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten (z.B. Gehen oder Treppensteigen) oder führt zu deren Vermeidung
  4. Während des Kopfschmerzes besteht mindestens eines
    • Übelkeit und/oder Erbrechen
    • Photophobie und Phonophobie
  5. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

2. Migräne mit Aura (früher: klassische Migräne)

Es handelt sich um eine Migräne mit Aura, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  1. Mindestens zwei Attacken, welche das Kriterium B erfüllen
  2. Die Migräneaura erfüllt die Kriterien A und B für eine der im folgenden genannten Unterformen (2.1 bis 2.6)
  3. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

2.1 Typische Aura mit Kopfschmerzen

  1. Die Aura besteht aus mindestens einem der folgenden Symptome, nicht aber aus einer motorischen Schwäche
    • vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    • vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    • vollständig reversible dysphasische (ohne offenkundige Ursache) Sprachstörung
  2. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    • homonyme visuelle Symptome (gleichseitiger Teil des Gesichtsfelds beider Augen betroffen) und/oder einseitige sensible Symptome
    • wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    • Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 60 Minuten an
  3. Kopfschmerzen, die die Kriterien B-D für eine Migräne ohne Aura erfüllen, und die während der Aura beginnen oder der Aura innerhalb von 60 Minuten folgen.

2.2 Typische Aura mit Migränekopfschmerz, die nicht einer Migräne entsprechen

  1. Die Aura besteht aus mindestens einem der folgenden Symptome mit oder ohne Sprachstörung, nicht aber aus einer motorischen Schwäche
    • vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    • vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    • vollständig reversible dysphasische (ohne offenkundige Ursache) Sprachstörung
  2. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    • homonyme visuelle Symptome (gleichseitiger Teil des Gesichtsfelds beider Augen betroffen) und/oder einseitige sensible Symptome
    • wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    • Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 60 Minuten an
  3. Kopfschmerzen, die nicht die Kriterien B-D für eine Migräne ohne Aura erfüllen, die aber noch während der Aura beginnen oder der Aura innerhalb von 60 Minuten folgen.

2.3 Typische Aura ohne Kopfschmerzen

  1. Die Aura besteht aus mindestens einem der folgenden Symptome, nicht aber aus einer motorischen Schwäche
    • vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    • vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    • vollständig reversible dysphasische (ohne offenkundige Ursache) Sprachstörung
  2. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    • homonyme visuelle Symptome (gleichseitiger Teil des Gesichtsfelds beider Augen betroffen) und/oder einseitige sensible Symptome
    • wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    • Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 60 Minuten an
  3. Keine Kopfschmerzen beginnen während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60 min.

2.4 Familiäre hemiplegische Migräne (FHM)

  1. Die Aura besteht aus einer vollständig reversiblen motorischen Schwäche und mindestens einem der folgenden Symptome
    • vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    • vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    • vollständig reversible dysphasische (ohne offenkundige Ursache) Sprachstörung
  2. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    • wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    • Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 24 Stunden an
    • Kopfschmerzen, die die Kriterien B-D für eine Migräne ohne Aura erfüllen, beginnen noch während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60 Minuten
  3. Wenigstens ein Verwandter ersten oder zweiten Grades weist ebenfalls Attacken auf, die die Kriterien A und B erfüllen.

2.5 Sporadische hemiplegische Migräne

  1. Die Aura besteht aus einer vollständig reversiblen motorischen Schwäche und mindestens einem der folgenden Symptome
    • vollständig reversible visuelle Symptome mit positiven (z.B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Sehverlust)
    • vollständig reversible sensible Symptome mit positiven (d.h. Kribbelmissempfindungen) und/oder negativen Merkmalen (d.h. Taubheitsgefühl)
    • vollständig reversible dysphasische (ohne offenkundige Ursache) Sprachstörung
  2. Wenigstens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt
    • wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    • Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 24 Stunden an
    • Kopfschmerzen, die die Kriterien B-D für eine Migräne ohne Aura erfüllen, beginnen noch während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60 Minuten
  3. Kein Verwandter ersten oder zweiten Grades weist Attacken auf, die die Kriterien A und B erfüllen.

2.6 Migräne vom Basilaristyp

  1. Die Aura besteht aus mindestens einem der folgenden vollständig reversiblen Symptomen, nicht aber aus einer motorischen Schwäche
    • Dysarthrie (Sprachstörungen)
    • Schwindel
    • Tinnitus
    • Hörminderung
    • Doppeltsehen
    • Sehstörungen gleichzeitig sowohl im temporalen als auch im nasalen Gesichtsfeld beider Augen
    • Ataxie (Bewegungskoordinationsstörungen)
    • Bewusstseinsstörung simultane bilaterale Parästhesien (gleichzeitige, beidseitig auftretende unangenehme bis schmerzhafte Missempfindungen sensorischer Reize)
  2. Wenigstens einer der folgenden Punkte ist erfüllt
    • wenigstens ein Aurasymptom entwickelt sich allmählich über ≥ 5 Minuten hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Minuten auf
    • Jedes Symptom hält ≥ 5 Minuten und ≤ 60 Minuten an
  3. Kopfschmerzen, die die Kriterien B-D für eine Migräne ohne Auraerfüllen, beginnen noch während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60.

3. Retinale Migräne Es handelt sich um eine retinale Migräne, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  1. Mindestens zwei Attacken, welche das Kriterium B erfüllen
  2. Vollständig reversible monokuläre (nur ein Auge betroffen), positive und/oder negative visuelle Phänomene (Flimmern, Skotome oder Blindheit). Der Befund sollte entweder durch eine ärztliche Untersuchung während der Attacke bestätigt werden oder durch die Zeichnung eines monokularen Gesichtsfelddefekt durch den Patient während der Attacke (nach vorangehender genauer Instruktion).
  3. Kopfschmerzen, die die Kriterien B-D für eine Migräne ohne Aura erfüllen, beginnen noch während der Sehstörungen oder folgen ihnen innerhalb von 60 Minuten
  4. Normaler ophthalmologischer Untersuchungsbefund außerhalb der Attacke
  5. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

4. Migränekomplikationen

4.1. Chronische Migräne

  1. Kopfschmerz, der die Kriterien C und D der Migräne ohne Aura an ≥ 15 Tagen/Monat über 3 Monate hinweg erfüllt
  2. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

4.2. Status migränosus

  1. Die aktuelle Attacke bei einem Patienten mit Migräne ohne Aura ist typisch für frühere Attacken mit Ausnahme der Dauer
  2. Der Kopfschmerz weist beide folgenden Merkmale auf über 72 Stunden anhaltend starke Intensität
  3. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

4.3. Persistierende Aura ohne Hirninfarkt

  1. Die aktuelle Attacke bei einem Patienten mit Migräne mit Aura ist typisch für frühere Attacken mit der Ausnahme, dass ein oder mehr Aurasymptome für > 1 Woche persistieren
  2. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

4.4. Migränöser Infarkt

  1. Die aktuelle Attacke bei einem Patienten mit Migräne mit Aura ist typisch für frühere Attacken mit der Ausnahme, dass ein oder mehr Aurasymptome für > 60 Minuten persistieren
  2. Die zerebrale Bildgebung zeigt eine ischämischen Infarkt in einem relevanten Hirnareal
  3. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen.

4.5. Zerebrale Krampfanfälle, durch Migräne getriggert

  1. Migräne, die die Kriterien einer Migräne mit Aura erfüllt
  2. Ein zerebraler Krampfanfall, der die Kriterien eines Epilepsietyps erfüllt, ereignet sich während oder innerhalb von einer Stunde nach einer Migräneaura.

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