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Physiotherapie, Krankengymnastik bei Rückenschmerzen - Was tun bei Rückenschmerzen?

Definition

Die Physiotherapie, alternativ oft auch Krankengymnastik genannt, umfasst übergreifend die äußerliche Anwendung von Heilmitteln mit aktiven und passiven Formen der Bewegungstherapie zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation zur allgemeinen Gesundheits- und Leistungsförderung. Damit ist die Physiotherapie eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen und/ oder operativen Therapie. Eine neue Methode mit der chronische Rückenschmerzen jetzt auch ohne Medikamente oder operativen Eingriff dauerhaft gelindert werden können, ist die Small Fiber Matrix Stimulation.
Ein wichtiges Einsatzgebiet ist z.B. die Behandlung von (chronischen) Rückenschmerzen. Die physikalische Therapie ist ein Teilgebiet der Physiotherapie und fasst alle medizinischen Behandlungsformen zusammen, die auf physikalische Methoden beruhen. Hauptaufgabe der Physiotherapie ist die Bewegungstherapie, welche als ein dynamischer Prozess verstanden wird: (schrittweise) Steigerung der Belastbarkeit im Verlauf des Heilungsprozesses.

Wirkmechanismus

Die Behandlungsformen der Physiotherapie bewirken sowohl direkte als auch indirekte Reaktionen. Mehr und mehr basieren Vorgehensweisen und Techniken auf evidenzbasierter Medizin. Grundlage ist die zentrale und auch periphere Steuerung über das Nervensystem am Bewegungsapparat, wodurch willkürliche und unwillkürliche Mechanismen hervorgerufen werden. Die Reizung von Propriozeptoren von Gelenkstrukturen, Sehnen und Muskeln kann zu einer Aktivierung (= Fazilitation) oder Hemmung (= Inhibition) der Muskelspannung führen. Das wiederholte Üben fördert auf der einen Seite den Aufbau von Muskelkraft und der Funktionsfähigkeit des Halte- und Bewegungsapparates, auf der anderen Seite werden auch die Koordination und das allgemeine Körpergefühl verbessert.

Einsatzfelder

Die drei wichtigsten Einsatzfelder der Physiotherapie sind:

  • Prävention: Vorbeugen bzw. verhindern der Entstehung von Krankheiten oder der Wiederkehr bzw. Verschlechterung von Krankheit und Krankheitsfolgen.
  • Therapie: Früh- und Langzeitbehandlung sowohl akuter als auch chronischer Erkrankungen. Diese Maßnahmen sind meist begleitend zu anderen Maßnahmen wie Medikamentengabe, Operation etc.
  • Rehabilitation: Maßnahmen zur Wiederherstellung (früherer) Fähigkeiten, die es ermöglichen, trotz körperlicher Beeinträchtigung am alltäglichen Leben teilzunehmen und alltägliche Dinge wieder durchführen zu können.

Physiotherapie wird v.a. bei Erkrankungen und Verletzungen des Halte- und Bewegungsapparates, Haltungsschäden, Mobilisierung und Muskelkräftigung nach Operationen eingesetzt aber auch bei Lungen- und Bronchialerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, arterielle und venöse Durchblutungsstörungen, neurologische Erkrankungen (v.a. spastische und schlaffe Lähmungen), rheumatische Erkrankungen, diverse Stoffwechselerkrankungen, geriatrische Einsatzfelder, Geburtsvorbereitungen und Rückbildungsphasen, sowie weitere Formen.
Auch bzw. v.a. bei bettlägerigen und schwerstverletzten Patienten sind tägliche passive Bewegungsübungen indiziert, um Schädigungen der Gelenke sowie Thrombosen und Embolien vorzubeugen.

Techniken

Insgesamt gibt es eine große Vielzahl verschiedener Techniken, die in unterschiedlicher Art und Intensität an physischen, psychischen und sozialen Ansatzpunkten ansetzen:

Aktive Bewegungstherapie: Sie erfordert die aktive Mitarbeit des Betroffenen. Die aktive Bewegung gegen Widerstand bewirkt eine Kräftigung der Muskulatur und eine Mobilisation der Gelenke. Weitere wichtige Elemente sind das isometrische Muskeltraining, die Stabilisation und die Muskelentspannung.
Passive Maßnahmen: Sie erfolgen durch den Therapeuten, der Betroffene bleibt passiv. Die wichtigsten Techniken sind die passive Mobilisation von Gelenken, Dehnung und Lagerungstechniken zur Vorbeugung von Kontrakturen, Behandlungen durch Zug in der Achse der Wirbelsäule oder der Gelenke (= Extension) bzw. an einem der Gelenkpartner (= Traktion).
Neurophysiologische Therapiekonzepte: Diese basieren auf Theorien der frühkindlichen Entwicklung von Bewegungsabläufen, die nach einer akuten Erkrankung wieder erlernt werden müssen, z.B. propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF), Konzept nach Bobath oder Vojta.
Übungen spezieller Aktivitäten: Übungen von Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL), z.B. Geh- oder Transferübungen vom Rollstuhl auf die Toilette.
Atemtherapie: Trainieren spezieller Atemtechniken mit und ohne Hilfsmittel zur Verbesserung der pulmonalen Leistungsfähigkeit.
Mechanische Stimulationstechniken: Behandelt werden lokale Druckpunkte über schmerzhaft verhärtete Muskulatur (Triggerpunkte) oder es werden bestimmte Dehnungen von Sehnenansätzen ausgeübt. Weitere Techniken sind die reflektorische Bewegungsanregung (= Fazilitation) und Atmungsanregung durch Vibrationen und Klopfungen.
Entspannungstechniken: Zur allgemeinen Entspannung oder zur Muskelrelaxation.

 

Krankengymnastische Konzepte

Es gibt zusätzlich eine Vielzahl spezifischer Konzepte und Spezialtechniken, einige von diesen sind:

Maitland-Konzept: Form der manuellen Therapie, bei der durch passive Bewegungen und Funktionsstörungen an den Gelenken und der Wirbelsäule behandelt werden. Angewendet bei funktionellen Bewegungsstörungen unterschiedlicher Genese. Eine besondere Bedeutung spielt das „aufmerksame Zuhören“ und die objektive Untersuchung zur Analyse auftretender Schmerzreaktionen, reflektorische Schutzaktivitäten etc.

McKenzie-Konzept: In den 50er Jahren entdeckte der neuseeländische Physiotherapeut McKenzie, dass es viele Rückenschmerzpatienten gibt, die durch gezielte Bewegungen und (veränderte) Körperhaltungen nachweislich weniger Rückenschmerzen empfinden, als es bei Durchführung von Standardbehandlungen der Fall wäre. Kernaussage des McKenzie-Konzeptes ist: „Anatomische Diagnosen“ sind an Wirbelsäule und Gelenken selten möglich und  obendrein wenig hilfreich für die Behandlung. Es ist viel effektiver, Beschwerden danach einzuteilen und zu benennen, welche Therapie dem Betroffenen hilft.
Typisch für das McKenzie-Konzept sind mobilisierende Behandlungstechniken der Wirbelsäule, bei der Eigenübungen der Patienten durch manuelle Techniken unterstützt werden. Einsatzfelder sind Lumbalgie, Bandscheibenvorfall und Wurzelkompressionssyndrom.

Brügger-Therapie: Form der Haltungskorrektur, wodurch Erkrankungen des Bewegungsapparates erreicht werden, die durch eine fehlerhafte Funktion der Muskulatur verursacht und wesentlich auf Fehlhaltungen zurückzuführen sind. Angewendet bei Fehlbelastung von Wirbelsäule und Gelenken durch eine fehlerhafte Körperhaltung.

Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF): Gegen Widerstand ausgeführte, dreidimensionale Bewegungsmuster werden zentral als Teil eines Gesamtbewegungsmusters erkannt, wodurch aktivierende Impulse an die Muskeln der Peripherie und somit auch an die betroffenen funktionsgestörten Körperabschnitte (neuromuskulär) geschickt werden. Eingesetzt bei Bewegungsstörungen unterschiedlicher Genese.

Vojta-Konzept: Ausgehend von Beobachtungen von Bewegungsabläufen der motorischen Entwicklung des Menschen im ersten Lebensjahr entwickeltes neurophysiologisches Behandlungskonzept zur Behandlung bestimmter Haltungs- und Bewegungsmuster. Angewendet bei angeborenen und erworbenen Bewegungsstörungen unterschiedlicher Genese.

Bobath-Konzept: Bahnung physiologischer und Hemmung unphysiologischer Bewegungsmuster zur Erreichung eines normalen Muskeltonus. Eingesetzt vor allem bei Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen: Senkung der Muskelentspannung durch wechselndes Anspannen und Entspannen bestimmter Muskelgruppen mit zugleich psychischer Entspannung. Eingesetzt bei funktionellen Beschwerden, Stress, Schlafstörungen oder auch Überlastungssyndrom.

Referenzen und weiterführende Literatur

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