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Spinalkanalstenose (Spinalstenose): Ursachen, Symptome und ganzheitliche Therapie

Übersicht

  1. Einführung - Wissenswertes über die Spinalkanalstenose
  2. Epidemiologie - Wer hat Spinalkanalstenose?
  3. Differentialdiagnosen - Was könnte es noch sein?
  4. Ursachen der Spinalkanalstenose - Wieso engt der Spinalkanal ein?
  5. Symptome bei Spinalkanalstenose - Kreuzschmerzen und claudicatio intermittens
  6. Diagnostik der Spinalkanalstenose - Was macht der Arzt?
  7. Therapie der Spinalkanalstenose - Konservative Therapie oder Operation
  8. Prognose der Spinalstenose
  9. Referenzen und weiterführende Literatur

Einführung - Wissenswertes über die Spinalkanalstenose

70% der Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule treten im lumbalen Bereich auf. Entsprechend des phasenweisen Verlaufs der Wirbelsäulen- und Bandscheibendegeneration werden die meisten Beschwerden im mittleren Alter beklagt. Eine typische degenerative Wirbelsäulenerkrankung des höheren Alters ist die Spinalkanalstenose.
Die Spinalkanalstenose (oder auch Wirbelkanalstenose, Spinalstenose genannt) ist eine typische Erkrankung des höheren Alters (typischerweise ab 65+). Zusammen mit der Arthrose und dem Bandscheibenvorfall gehört die Spinalkanalstenose zu den häufigsten spezifischen Ursachen von Rückenschmerzen. Typische Folgen der Spinalkanalstenose bzw. Spinalstenose sind Schmerzen im unteren Rücken und die Claudicatio intermittens.

Das Wort Spinalkanalstenose besteht aus drei wichtigen (Wort-)Teilen:

1. Spinal:

Was soviel bedeutet wie dornförmig bzw. im weiteren Sinn Rücken.

2. Kanal:

Hiermit ist der Wirbekörperkanal gemeint. Dieser wird gebildet durch die einzelnen Wirbekörper. Den Wirbelkörperkanal muss man sich vorstellen wie ein Rohr. Und durch dieses Rohr verlaufen die Nerven bzw. das Rückenmark.

3. Stenose:

Was soviel bedeutet wie Verengung oder Einengung.

Spinalkanalstenose bzw. Spinalstenose bedeutet also frei übersetzt soviel wie: Der Wirbelkörperkanal, also das Rohr, im Bereich des Rückens verengt sich.

 

Hier ein Beitrag aus dem youtube-Kanal Video-Visite von Dr. Tobias Weigl zum Thema Spinalkanalstenose. Er schildert anschaulich und in verständlichen Worten was eine Spinalkanalstenose (bzw. Spinalstenose) ist, die Ursachen einer Spinalkanalstenose sowie die Therapie einer Spinalkanalstenose. Auch nennt er Tipps, also schauen Sie sich gerne das passende Video zu diesem Artikel an: Spinalkanalstenose - Ursachen, Symptome, Therapie.

Es ist mittlerweile übereinstimmend bestätigt, dass es mit zunehmendem Lebensalter zu degenerativen knöchernen Anbauten an die Wirbelsäule (z.B. sog. Spondylophyten) oder Synovial-Zysten, sowie meist zur Arthrose der sog. Facettengelenke und zur Degeneration der Zwischenwirbelscheiben kommt. Diese Veränderungen können wiederum sehr häufig zu einer Einengung des Spinalkanals und der Zwischenwirbellöcher (sog. Foramina intervertebralia) führen. Diese Veränderungen werden zusammenfassend als (lumbale) Spinalkanalstenose bezeichnet und am sichersten mittels MRT-Bildgebung nachgewiesen. Die Folge einer Spinalkanalstenose sind oft chronische Rückenschmerzen, die nur schwer in den Griff zu bekommen sind. Erfahren Sie, wie solche chronische Rückenschmerzen auch ohne Medikamente behandelt werden können.

Von der Spinalkanalstenose abzugrenzen ist die sehr viel seltenere Wurzelkanalstenose. Diese wird durch eine einseitig betonte Höhenminderung der Bandscheibe oder durch das sog. Wirbelgleiten (medizinischer Fachbegriff: Spondylolisthesis) verursacht.

Epidemiologie - Wer hat Spinalkanalstenose?

  • Häufige Erkrankung; ca. 5% aller Menschen, davon sind (nur) 14% symptomfrei
  • 80% im Lumbalbereich = unterer Rücken. Lumbale Spinalkanalstenose (80%), zervikale Spinalkanalstenose (15%) und thorakale Spinalkanalstenose (4%)
  • 65% der Betroffenen haben eine sog. Claudicatio intermittens spinalis
  • Geschlecht: =
  • Alter: Häufigkeitsgipfel im 60.-70. Lebensjahr

Haben Sie die Diagnose Spinalkanalstenose? Möchten Sie wissen wie stark die diagnostizierte Stenose ist? Und, wie sich diese nach 2-3 Monaten verändert? Dann machen Sie den Selbsttest mit diesem Video: in 5 Fragen und 5 Minuten. Die Fragen hat Dr. T. Weigl basierend auf seiner langjährigen Erfahrung ausgewählt und entsprechen typischen Fragestellungen des Arztes bei Verdacht auf eine Spinalkanalstenose.

Differentialdiagnosen- Was könnte es noch sein?

  • Bandscheibenvorfall (kann auch Ursache einer Spinalkanalstenose sein, s.o., wird aber als separate Erkrankung angesehen)
  • Wirbelgleiten (sog. Spondylolisthesis - wie bei der Spinalstenose hat der Patient eine Schmerzverbesserung beim nach vornebeugen aber eine Schmerzverschlechterung beim nach hintenbeungen - jedoch keine Claudicatio spinalis!)
  • Tumoren, v.a. im bzw. um den Spinalkanal
  • Entzündung der Wirbelkörper (sog. Spondylodiszitis)
  • Arterielle Verschlusskrankheit
  • Coxarthrose (Arthrose im Hüftgelenk)
  • Polyneuropathie bzw. neuropathische Schmerzen

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In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl die wesentlichen Unterschiede zwischen der Spinalkanalstenose und dem Bandscheibenvorfall. Zwei sehr häufige (spezifisch) Ursachen für Rückenschmerzen und daher auch sehr oft verwechselt. Dieses Video soll helfen diese beiden unterschiedlichen Krankheitsbilder besser zu verstehen und unterscheiden zu können.

Ursachen der Spinalkanalstenose - Wieso engt der Spinalkanal ein?

Die Spinalkanalstenose ist eine typische degenerative Erkrankung. Am häufigste ist die lumbale Spinalkanalstenose (knapp 80%), gefolgt von der zervikalen Spinalkanalstenose.
Die Patienten sind meistens mindestens 65 Jahre alt. Ab dem 80. Lebensjahr hat fast jeder dritte Deutsche eine Spinalkanalstenose - diese muss aber nicht immer schmerzhaft bzw. symptomatisch sein. Analog zu den Extremitätengelenken (Arme, Beine) können Wirbegelenke arthrotisch sich verändern (sog. Spondylarthrose, ähnlich zur Gonarthrose im Kniegelenk und Coxarthrose im Hüftgelenk). Die Veränderungen führen zur Einengung des Spinalkanals und der Foramina intervertrebralia. Auch dorsale Spondylophyten der Wirbelkörper (also knöcherne Anbauten) sowie Verdickungen der Ligamente tragen dazu bei.
Eine weitere Ursache ist z.B. nach einer Rückenoperation, z.B. nach einer Bandscheiben Operation. Als Folge der Operation, u.a. aufgrund einer möglichen Vernarbung, kann es zu einer Stenose im Wirbelkörperkanal kommen. Diese Ursache ist aber eher selten.
Sehr selten kann es zu einer Spinalkanalstenose auch als Folge von anderen, seltenen Erkrankungen kommen. Diese sind dann oft genetisch bedingt und der Patient hat meist viele weitere Probleme mit der Wirbelsäule und den Gelenken. Extrem selten.

Die Ursachen der Spinalkanalstenose lassen sich im Wesentlichen auf 4 Prinzipien zurückführen. Allem voran steht die altersbedingte Dehydration des Gallertkernes der Bandscheibe sowie die Arthrose der Wirbelgelenke und damit einhergend verändert sich der Spinalkanal. So kommt es zu einer Verkleinerung des Zwischenwirbelfaches, was unterschiedliche Folgen haben kann.

Zum einen kann sich hierdurch das sog. Lig. Flavum zusammenziehen und/ oder durch Fehlbelastung hypertrophieren, was wiederum zu einer Verlegung des Spinalkanals führt. Zum anderen können durch eine Kraftumverteilung von den Wirbelkörpern auf die Facettengelenke diese mit der Ausbildung von Spondylophyten oder Synovial-Zysten reagieren, welche ebenfalls in den Spinalkanal bzw. auf die Nervenwurzeln drücken. Letztlich ist auch der Bandscheibenvorfall eine Verengung des Spinalkanals, wird aber als gesonderte Erkrankung angesehen.

(Bildquelle: chiropraktik-hannover.com/wp-content/uploads/2012/03/page11_1.gif)

Zusammenfassung Spinalkanalstenose Ursachen
  • Facettenhypertrophie
  • Osteophyten
  • Verdickung bzw. Verkalkung des Lig. Flavums
  • Einengung des Spinalkanals
  • Bandscheibenvorfall

Symptome bei Spinalkanalstenose - Kreuzschmerzen und claudicatio intermittens

Typisches Zeichen für die Spinalkanalstenose sind belastungsabhängige Kreuzschmerzen, kombiniert häufig mit Ausstrahlungen in die Beine, meist in beide Beine sowie die sog. Claudicatio. Die Schmerzen sind vor allem im unteren Rücken. Diese lumbalen Rückenschmerzen entwickeln sich meist schleichend. In den meisten Fällen (knapp 90%) entstehen die Schmerzen im unteren Rücken schleichend und nicht plötzlich (dies wäre typisch für einen Bandscheibenvorfall).
Insbesondere durch längeres Gehen kann der Schmerz ausgelöst werden oder zunehmen, so dass der Patient zum Stehenbleiben gezwungen wird; der Fachbegriff hierfür lautet Claudicatio intermittens spinalis. Da das nach Vornebeugen Entlastung bringt, sind Belastungen bei gebeugtem Rücken (z.B. Rad fahren) ohne Probleme möglich. Der Wirbelkörperkanal fächert sozusagen auf und damit kommt es zu einer Erweiterung des Spinalkanals. Aus diesem Grund bewirken Radfahren und auch bergauf gehen bei den Patienten meist eine Verbesserung der Schmerzen. Als Folge nehmen viele Patienten daher oft eine gebeugte (Grund-)Haltung ein, da Sie sich dadurch schmerzfrei bewegen können. Als Folge dieser sog. Schonhaltung können natürlich wiederum sekundäre Spätfolgen in anderen Wirbelsäulenabschnitten bzw. Gelenken entstehen. Bei Spinalkanalstenose hat man also ganz typisch eine Verschlechterung der Schmerzen beim nach hintenbeugen und eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik beim nach Vornebeugen. Ferner ist die Claudicatio intermittens spezifisch für die Spinalkanalstenose (diese Erkenntnis ist wichtig für den Arzt denn wie bei der Spinalstenose hat der Patient auch bei einem Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) eine Verbesserung beim nach vornebeugen und eine Verschlechterung beim nach hintenbeugen - aber keine Claudicatio!).
Die Claudicatio intermittens ist also ganz typisch für Patienten mit einer Spinalkanalstenose. Gelegentlich kommen auch neurologische Ausfälle hinzu wie Kribbeln in den Beinen, Taubheitsgefühlen in den Beinen oder gar Lähmungserscheinungen in den Beinen.

Zusammenfassung Spinalkanalstenose Symptome

  • Typische Lokalisation: Lendenwirbelsäule; wodurch es typischerweise zu  belastungsabhängigen Kreuzschmerzen mit plötzlichem Einstrahlen in die Beine und Taubheitsgefühl kommt

    • Entlastung beim Stehenbleiben wird als sog. Claudicatio intermittens spinalis bezeichnet
    • Gebeugte Haltung führt zu Besserung (sitzen, Rad fahren), demgegenüber führt eine sog. Reklination zu Verschlechterung der Symptomatik (v.a. Bergabgehen)  

  • Seltener: Verengung von Spinalkanal und Zwischenwirbellöchern zervikal oder thorakal; neurologische Ausfälle je nach Höhe der Nervenläsion

Diagnostik der Spinalkanalstenose - Was macht der Arzt?

Meist landet man mit Rückenschmerzen immer zuerst beim Hausarzt. Kann dieser die Schmerz- bzw. Leidenssymptomatik nicht verbessern so folgt in den meisten Fällen eine Überweisung zum niedergelassenen Orthopäden. Beim Orthopäden sitzt ca. jeder 2. Patient im Wartezimmer wegen Rückenschmerzen. Und davon jeder Dritte über 65-Jährige wegen einer Spinalkanalstenose.
Was macht nun der Arzt:

  1. Arzt-Patienten Gespräch, das sog. Anamnese Gespräch: Der Arzt stellt fragen nach Art des Schmerzes, Häufigkeit des Schmerzes, seit wann der Schmerz besteht etc. Auch Fragen zur Beweglichkeit, Gehfähigkeit etc. werden natürlich gestellt. Insgesamt für der Arzt ein Gespräch mit dem Patienten um bereits eine Verdachtsdiagnose zu erlangen. Am wichtigsten sind dabei die sog. Eigenanamnese, Fremdanamnese, Familienanamnese und Medikamentenanamnese (also welche Medikamente werden genommen - speziell gegen die Schmerzen aber auch darüber hinaus (z.B. wegen Bluthochdruck, Blutverdünner etc.)
  2. Körperliche Untersuchung: Die körperliche Untersuchung ist auch im 21. Jahrhundert immer noch das A und O. Und es sollte dabei immer gelten: Keine Diagnose durch die Hose, d.h. dass der Patient bis auf die Unterwäsche entkleidet ist. Untersucht werden typischerweise die Erscheinung (sog. Inspektion), Funktionstests der Wirbelsäule und die Reflexe
  3. Bildgebung: Erst danach erfolgt eine Bildgebung. Zum einen das Röntgenbild. Im Röntgenbild erkennt man die Statik der Wirbelsäule. Die Knochen, also Wirbelkörper, werden mit dem Röntgen dargestellt. In der konventionellen Röntgenbildgebung können ggfs. Deformitäten und segmentale Instabilitäten nachweisbar sein.

    Zur Beurteilung der Bandscheiben, des Rückenmarks und der Nerven sollte man ein MRT durchführen (die sog. Röhre). Siehe ein Beispielbild (Bildquelle: Mühlenkliniken). Sehr sicher ist der Nachweis mittels MRT-Schnittbildgebung. Im MRT können Ausmaß der Einengung und auch die Anzahl der betroffenen Segmente genau beurteilt werden. Insbesondere die sog. T1-gewichteten Schnitte gelten als Goldstandard. Weitere, heutzutage aber immer seltener durchgeführte Maßnahmen sind: Myelographie, CT und post-Myelo-CT. Die Funktionsmyelografie zeigt die Enge vom Spinalkanal in Abhängigkeit von der Position der Wirbelsäule.

Therapie der Spinalkanalstenose - Konservative Therapie oder Operation

In den vergangenen Jahren kam es bei der Frage der „richtigen Therapie“ zu einem gewissen Paradigmawechsel. Zuerst sollte immer eine konservative Therapie durchgeführt werden.
Bei Therapieresistenz haben sich die operativen Ansätze als vorteilhaft und bei richtiger Diagnosestellung der konservativen Therapie als überlegen erwiesen. Jedoch sollten zuerst konservative Maßnahmen ausgeschöpft werden, da sich viele Operationen und die damit verbundenen Risiken (z.B. Nervenverletzungen, Blutungen, Vernarbungen) verhindern lassen. Insbesondere die Gefahr einer späteren Vernarbung kann einige Wochen nach der Operation wieder zu Schmerzen führen. Anstelle der Stenose gibt es nun eine Narbe, die auf den Nerven drückt oder selbst wiederum eine Spinalkanalstenose verursachen könnte. Statistiken besagen aber, dass ca. 80-85% der Spinalkanalstenose Operationen für den Patienten erfolgreich, d.h. mit einer signifikanten Schmerzbesserung verlaufen.

Die konservative Therapie ist die erste Behandlungsoption innerhalb der ersten 12 symptomatischen Wochen. Desweiteren ist die konservative Therapie Mittel der ersten Wahl bei Patienten, die aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes ein zu großes operatives bzw. anästhesiologisches Risiko aufweisen. Zu der Initialtherapie zählen die Physiotherapie/ Krankengymnastik, eine kyphosierende Lagerung, also die sog. Stufenlagerung, Einnahme schmerzlindernder Medikamente (Antiphlogistika, also die sog. NSAR = Nicht-Steroidalen-Antirheumatika wie die Wirkstoffe Ibuprofen, Diclofenac etc.),  physikalische Therapie wie die Small Fiber Matrix Stimulation sowie Bewegungs- und Verhaltenstraining.
Haben Sie Fragen (die häufigsten FAQs hier) bzgl. der Small Fiber Matrix Stimulation dann rufen gerne kostenlos aus dem deutschen Festnetz an unter der Hotline:

 

 

Als weitere Eskalationsstufe  kann zusätzlich eine Infiltration mit Kortison und Analgetikum in den sog. Epiduralraum erwogen werden. Sind diese Maßnahmen nicht wirksam bzw. nimmt der Schmerz weiterhin zu und kommt es begleitend zum Auftreten von neurologischen Ausfällen, muss durch eine Operation dem komprimierten Rückenmark bzw. Spinalnerv (bspw. durch Entfernung eines Teils des Wirbelbogens oder durch Abtragung der knöchernen Anbauten) Platz geschaffen werden.

Sämtliche neuesten Studien sowie Fachvorträge auf Kongressen wie z.B. der Deutsche Schmerz- und Palliativtag oder auch der Deutsche Schmerzkongress betonen die Bedeutung eines ganzheitlichen Therapieansatzes bei Rückenschmerzen allgemein und der Spinalkanalstenose im speziellen. Dies bedeutet, dass neben Medikamenten und Physiotherapie/ Krankengymnastik auch die physikalische Therapie wichtig ist (siehe Text oben). Und ein entscheidender Baustein einer modernen Schmerztherapie ist somit auch die Verwendung der Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS). Dadurch können gezielt Nozizeptoren bzw. vereinfacht gesagt die gereizten Schmerzfasern und damit das dauerhaft und sehr beanspruchte Schmerzverarbeitungssystem und Schmerzweiterleitungssystem positiv beeinflusst werden. Man spricht auch von einer Neuromodulation. Daher sollte die Elektrotherapie mittels SFMS zur ganzheitlichen konservativen Behandlung einer Spinalkanalstenose dazugehören - vor aber auch nach einer Operation. Viele Erfolgsgeschichten und zahlreiche Patienten bestätigen die positive Wirkung.

 

Erst bei Therapieresistenz sollte man eine operative Entlastung durchführen (sog. Dekompression). Bei der operativen Therapie stehen im Wesentlichen zwei Verfahren zur Auswahl, welche auch kombiniert werden können: Die Dekompression und die Stabilisierung/ Fusion. Bei der sog. Laminektomie wird der gesamte Wirbelbogen, der Dornfortsatz und die interspinösen Bänder entfernt. Es ist darauf zu achten, dass die Facettengelenke, insbesondere der äußere Anteil unberührt bleibt, da sonst eine segmentale Instabilität die Folge sein kann. Dieses Verfahren wurde durch die mikrochirurgische Dekompression erweitert, bei der in kleineren Zugangswegen sehr präzise die relevanten Strukturen abgetragen, andere aber belassen werden können. Durch eine operative Dekompression steigt das Risiko für eine segmentale Instabilität, wobei es darüber keine einheitlichen Zahlen gibt. Auch die Anzahl der operierten Segmente hat einen großen Einfluss auf die Instabilität.

Zusammenfassung Spinalkanalstenose Therapie

Zunächst sollte immer eine ganzheitliche konservative Therapie erfolgen.

  • Physiotherapie bzw. Krankengymnastik
  • Bewegung und Sport (ersetzt nicht die spezifische Physiotherapie/ Krankengymnastik)
  • Elektrotherapie (mittels der Small Fiber Matrix Stimulation)
  • Schmerzlindernde Medikamente nach WHO-Stufenschema
  • Applikation von Lokalanästhetika epidural oder CT-gesteuert an die verbreiterten Zwischenwirbelgelenke (Facetteninfiltration)

Erst danach Operation: Zahlreiche Verfahren zur Dekompression der nervalen Strukturen sind beschrieben (bspw. Abtragung von knöchernen Anbauten (z.B. Spondylophyten) und Entfernung eines Teils des Wirbelbogens), selten sind zusätzlich stabilisierende Verfahren (Spondylodesen) notwendig.

Die postoperative Nachbehandlung besteht aus Krankengymnastik und Schmerztherapie, bis eine gute Alltagstauglichkeit wiederhergestellt ist. Dazu kann beispielsweise therapiebegleitend das bomedus Rückenband zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Ein Korsett muss nicht getragen werden.

Prognose der Spinalstenose

Die Prognose hängt neben der operativen Expertise auch stark von den Vorerkrankungen des betroffenen Patienten ab. Hier spielt insbesondere Übergewicht (Adipositas), aber auch rheumatologische Erkrankungen und das Alter eine entscheidende Rolle. Insgesamt sind die Erfolgsaussichten für eine Reduzierung der Rückenschmerzen und eine Verlängerung der prä-operativen Gehstrecke recht gut und werden in der Literatur mit bis zu 90% im ersten Jahr angegeben.

Referenzen und weiterführende Literatur

Niethard et al.: Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Auflage, 2009

Krämer et al.: Die lumbale Spinalkanalstenose, 2011

Kothe et al.: Die Spinalkanalstenose, Orthopädie und Unfallchirurgie up2date, 2008

Drumm et al.: Mikrochirurgische Dekompression der lumbalen Spinalkanalstenose, in: Der Orthopäde, 2010

AllEx: Kompendium für die 2. ÄP, Band B, 2012

Amboss: Top-Themen zum Hammerexamen, 2. Auflage, 2014

www.neuros.net

www.kreuzschmerzen.org

www.bomedus.com/service/schmerzglossar/

 

 

Haben Sie Fragen? Hotline 0800 2663387 Mo—Fr 8:00—20:00 Uhr, Sa 8:00—14:00 Uhr, kostenlos aus dem dt. Festnetz