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Ganzheitliche Therapie von Amputationsschmerzen wie Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen

Gliederung

  1. Einführung - Folgen einer Amputation
  2. Was sind Amputationen?
  3. Operatives Vorgehen – Wie amputiert man
  4. Komplikationen – Amputation ist der Beginn, nicht das Ende der Therapie
  5. Was sind Phantomschmerzen und was sind Stumpfschmerzen?
  6. Phantomschmerzen nach Amputation - Was ist das?
  7. Stumpfschmerzen nach Amputation - Was ist das?
  8. Multimodale Schmerztherapie von Amputations- und Phantomschmerzen
  9. Klinisch getestet: Small Fiber Matrix Stimulation bei Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen
  10. Rehabilitation nach einer Amputation
  11. Zusammenfassung: Kurz & knapp
  12. Weiterführende Links und Quellen

Wenn Sie wenig Zeit haben und schnell eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten aus diesem Artikel lesen möchten, dann bitte gehen Sie direkt an das Ende des Textes. Dort finden Sie eine kurze und bündige Zusammenfassung.

Einführung - Folgen einer Amputation

In den letzten Jahren gab es jährlich zwischen 60.000-80.000 Amputationen in Deutschland. Ursachen hierfür sind v.a. die wachsenden Fallzahlen aufgrund von (Alters-)Diabetes und Durchblutungsstörungen, welche häufig die Folge von Übergewicht, Rauchen und mangelnder Bewegung sind. Bei bis zu 75% der Patienten treten Phantomschmerzen auf, häufig sind aber auch Phantomempfindungen, Stumpfschmerzen und Stumpfempfindungen. Phantomschmerzen sind somit ein sehr häufiges Phänomen nach Amputationen. Schmerzen nach Amputation sind typische Nervenschmerzen oder auch im Fachjargon neuropathische Schmerzen genannt.

Was sind Amputationen?

Es wird unterschieden zwischen Makro- und Mikroamputationsverletzungen. Im Bereich der oberen Extremität, also beim Arm, ist die Grenze das sog. Radiokarpalgelenk. Muss eine Amputation proximal, d.h. vor dem Gelenk durchgeführt werden, so spricht man von einer Makroamputation. Hingegen liegt bei einer Amputation distal, d.h. hinter dem Gelenk, eine Mikroamputationsverletzung vor.
Im Bereich der unteren Extremität, also der Beine, ist die Grenze das sog. obere Sprunggelenk (OSG). Amputationen vor dem Sprunggelenk, also proximal liegend, werden Makroamputationen, distal vom Sprunggelenk hingegen Mikroamputationen genannt.

Operatives Vorgehen – Wie amputiert man

Die folgenden primären Maßnahmen sind insbesondere bei Unfällen/ Traumata, die zu Amputationen führen, von den behandelnden Unfallchirurgen einzuhalten:

  1. Sicherung der Vitalfunktionen.
  2. Replantationsversuche sollten nur in dafür ausgestatteten Einrichtungen (24h/ 365Tage-Replantationsdienst) erfolgen, ggfs. ist also eine Verlegung notwendig.
  3. Das Amputat sollte nach dem „Prinzip der trockenen Kühlung“ gelagert werden.
  4. Die Blutstillung sollte durch einen Druckverband erfolgen. Hingegen sind zirkuläre Blutsperren, z.B. durch einen Tourniquet, nur bei proximalen Amputationen (Oberschenkel) mit massivem Blutverlust indiziert.
  5. Säuberung, Desinfektion oder Setzen von Klammern sollten vor definitiver Versorgung vermieden werden.

Wichtige Grundregel bei der Amputation ist es so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig zu amputieren. Soll heißen, jeder Zentimeter ist wertvoll und heutzutage auch orthopädietechnisch versorgbar. Ziel jeglicher operativen Amputation muss ein peripherer, schmerzfreier und endbelastbarer Stumpf sein. Die folgenden drei Kriterien sind dabei für den Operateur entscheidend:

  1. Länge (längerer Stumpf = längerer Hebel)
  2. Endbelastbarkeit (Knieexartikulation ist Oberschenkelamputation überlegen)
  3. Gelenke

Führt man nun eine Amputation durch, so gibt es für den Operateur immer bestimmte Schritte, die einzuhalten sein sollten. So sind dies am Beispiel der Oberschenkelamputation die folgenden:

  1. Fischmaulschnitt (siehe Abbildung); so distal wie möglich (Hebel), Winkel des Hautschnitts exakt in der Mitte des Oberschenkels.
  2. Hautschnitt bis auf Faszie, sofortige Blutstillung.
  3. Amputationsmesser von medial (= innen) und oberhalb der Gefäße einsetzen.
  4. Eingehen bis Femur (= Oberschenkel), parallel mit Messerspitze tastendes Aufsuchen der Ventralseite (= Vorderseite) des Femurs.
  5. Herausführen des Messers von lateral (= außen/ seitlich).
  6. Mit einem Schnitt Absetzen der Weichteile von Knochen und Umschlagen des Weichteillappens.
  7. Freipräparation des Femurs und Abschieben des Periosts nach distal.
  8. Absetzen des Femurs; Achtung: Sägeblatt muss gekühlt werden.
  9. Freipräparation des Nervus ischiadicus (ca. 10 cm oberhalb der Femurosteotomie = Oberschenkelknochenumstellung).
  10. Abrunden der Knochenkanten und Zurichten des Weichteillappens.

Komplikationen – Amputation ist der Beginn, nicht das Ende der Therapie

Leider sind Komplikationen im Rahmen von Amputationen relativ häufig. Trotz der heutigen modernen Geräte und auch immer weiterentwickelten Amputations Techniken, kommt es doch relativ häufig zu Komplikationen bzw. zum sog. Amputations Syndrom. Sowohl unmittelbarer, d.h. post-operativ, als auch im späteren Verlauf. Literaturrecherchen ergeben, dass die folgenden fünf Komplikationen am häufigsten vorkommen:

  1. Gefäßverschluss , operative Revision in ca. 10-15% der Fälle.
  2. Infektionen (z.B. chronische Osteitis).
  3. Eingeschränkte Funktion (sog. Schmuckarm).
  4. Sekundäre Amputationen.
  5. Schmerzsyndrome.

Sehr häufig sind vor allem Schmerzsyndrome. Insbesondere unmittelbar nach der Amputation leiden sehr viele Patienten (ca. 85%) an sog. Postamputationsschmerzen. Eine Befragung von über 500 amputierten Patienten gibt eine aufschlussreiche Übersicht über Art und Häufigkeit verschiedener Schmerzarten. Es zeigt sich, dass im weiteren Verlauf Patienten besonders häufig an den sog. Phantomschmerzen leiden (ca. 75%). Stumpfschmerzen hingegen treten relativ gesehen seltener auf (ca. 45%). Eine Sonderform ist das sog. Teleskopphänomen. Betroffene sind v.a. Patienten mit Makroamputationen. Am Beispiel einer Oberschenkelamputation lässt sich dieses Phänomen gut erläutern: Der Patient hat das Gefühl, dass sich ähnlich wie bei einem ein- und ausschiebbaren Teleskop, sich sein nicht vorhandenes Bein ein- und ausschiebt. Dies trifft bei Betroffenen v.a. in Ruhesituationen auf. Darüber hinaus gibt es neben dem Phantomschmerz und dem Stumpfschmerz noch das sog. Phantomempfinden und das sog. Stumpfempfinden.

 

Quelle: Kern et al. (2009)

Was sind Phantomschmerzen und was sind Stumpfschmerzen?

Nach einer Amputation können verschiedene Schmerzen auftreten. Diese machen sich sowohl direkt nach der Operation als auch etwas später bemerkbar. Direkt nach der Amputation kann es zu Wund- und Nervenschmerzen kommen, deren Ursachen im Folgenden noch zu klären sein werden. Auch beklagen Patienten in Folge einer Amputation Stumpfschmerzen. Auch diese sind auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, mit denen wir uns ebenso genauer befassen werden. Der wohl bekannteste Schmerz, der im Zusammenhang mit Amputationen allgemein geläufig ist, ist der des Phantomschmerzes. Auch wenn die Ursachen des Phantomschmerzes bis heute noch nicht eindeutig geklärt sind, wollen wir uns mit ihnen auseinandersetzen und die verschiedenen Theorien sowie Ansätze zusammentragen, die Wissenschaftler zu und über Phantomschmerzen entwickelt haben.
Im Hinblick auf eine Amputation sind auch die psychologischen Folgen nicht zu unterschätzen. Eine Amputation stellt im wahrsten Sinne des Wortes einen krassen Einschnitt dar. Einige Menschen, die mit dieser Diagnose konfrontiert werden, erleiden einen Schock und müssen nach der Amputation lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen. Viele Patienten klagen deshalb über Depressionen und Existenzängste, die sich wiederum negativ auf die gesamte körperliche Verfassung auswirken und sogar Phantomschmerzen verstärken können.

Wund- und Nervenschmerzen

Wund- und Nervenschmerzen werden durch die Amputation selbst ausgelöst. Der Grund dafür ist, dass bei der Operation das Gewebe sowie die Nerven durchtrennt werden. Dadurch kommt es zu einer Reizung der Schmerzrezeptoren. Für gewöhnlich werden die infolgedessen auftretenden Wund- und Nervenschmerzen mit Entzündungshemmern sowie Medikamenten behandelt, die das übererregte Nervensystem beruhigen und die Schmerzen lindern sollen.
Phantomschmerzen sind schmerzhafte Empfindungen in einem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Nach retrospektiven Erhebungen treten sie nach Extremitätenamputation bei bis zu 75 % der Patienten auf. Phantomschmerzen sind somit ein sehr häufiges Phänomen nach Amputationen. Phantomschmerzen sind typische Nervenschmerzen, d.h. sog. neuropathische Schmerzen. Ausführlich über neuropathische Schmerzen lesen Sie hier.

Eine neuartige, vielversprechende Behandlungsmöglichkeit ist das bomedus Stumpfband. Unterstützt durch den Amputierten Fussball Deutschland e.V. wird das bomedus Stumpfband von immer mehr Patienten mit Phantomschmerzen oder Stumpfschmerzen erfolgreich angewendet. Zahlreiche Erfolgsgeschichten können Sie hier nachlesen.

Phantomschmerzen nach Amputation - Was ist das?

Definiert werden Phantomschmerzen als Schmerzen, die nach einer Amputation in genau dem Körperteil empfunden werden, der amputiert wurde. Die Ursachen für das Auftreten und die Intensität von Phantomschmerzen sind bis heute jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Dennoch wollen wir an dieser Stelle einen Erklärungsversuch wagen.
Nach einer Amputation werden keine Signale mehr aus dem abgetrennten Glied über die Nervenbahnen ans Gehirn weitergeleitet. Das Areal im Gehirn, das für die Verarbeitung dieser Signale aus dem betroffenen Körperteil und die daraus resultierende Wahrnehmung von Empfindungen zuständig ist, wird gewissermaßen nicht mehr bedient. Diese Areale sind Teil der Gehirnrinde, die für die Wahrnehmung von Empfindungen verantwortlich ist. Kommt es nun zu einer Amputation, wird zwar das betroffene Körperglied entfernt, aber der Teil im Gehirn, der für alle aus dieser Körperregion stammenden Signale und deren Verarbeitung verantwortlich ist, nicht. Empfängt nun dieses Areal im Gehirn keine Signale mehr aus der Region des Körpers, wird es gewissermaßen frei. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es deshalb neue Funktionen, wie zum Beispiel die Verarbeitung von Impulsen aus Nachbarregionen, übernehmen kann. Aufgrund dessen soll es zu einer Umverteilung oder einer Umorganisation der Verarbeitung von Empfindungen im sensomotorischen Kortex kommen. Im Zusammenhang damit verändert sich das Reizmuster, das über das Rückenmark und die Nerven zum Gehirn gelangt.
Auf diese Weise sollen auch das Auftreten und die Intensität von Phantomschmerzen erklärt werden. Forscher und Mediziner gehen nämlich davon aus, dass genau diese Umbauvorgänge im Gehirn für die Stärke und das Auftreten von Phantomschmerzen verantwortlich gemacht werden können. Je ausgeprägter diese Umstrukturierungen sind, umso heftiger soll der empfundene Schmerz sein. Darüber hinaus sollen die Intensität der Phantomschmerzen und ihr Auftreten vom Schmerzempfinden vor der Amputation abhängen. Je stärker die empfundenen Schmerzen vor der Amputation waren, umso schlimmer sollen Betroffene an Amputationsschmerzen leiden. Wissenschaftler erklären dies damit, dass jene Nervenzellen im Gehirn, die für die Verarbeitung des Schmerzes aus der betroffenen Körperregion verantwortlich sind, sich den Schmerz gewissermaßen gemerkt haben, sodass dieser, auch nachdem das betroffene Körperglied entfernt wurde, vom Betroffenen wahrgenommen werden kann. Darüber hinaus sollen auch psychologische Faktoren, wie Depressionen und Ängste, die Intensität und das Auftreten von Phantomschmerzen erklären.

Stumpfschmerzen nach Amputation - Was ist das?

Stumpfschmerzen hingegen sind Schmerzen die auf Höhe und im Gebiet der Amputation auftreten. Stumpfschmerzen bezeichnet man häufig auch als neuropathische Schmerzen (Neuralgien mit und ohne periphere Hyperalgesie, Neuromschmerzen, selten auch Radikulopathien) oder auch als nozizeptive Schmerzen (Ischämie, Entzündung, Arthropathie, lokale Reizung). Sie treten bei ca. 45% der Betroffenen auf. Stumpfschmerzen können somit ein sog. "mixed pain" sein also neuropathische und nozizeptive Anteile haben.
Stumpfschmerzen können genau lokalisiert werden. Sie treten im Bereich des Amputationsstumpfes, also in dem Bereich, in dem der Eingriff durchgeführt wurde, auf. Sie äußern sich entweder als Schmerzattacken oder als anhaltende Dauerschmerzen und werden von Betroffenen unter anderem als schneidend, brennend, stechend oder krampfartig beschrieben. Akute Schmerzen treten zumeist infolge einer Infektion, eines Wundschmerzes oder eines Blutergusses auf. Chronische Schmerzen sind hingegen in den meisten Fällen auf Durchblutungsstörungen oder Nervenschädigungen zurückzuführen. Auch falsch sitzende Prothesen können zu Stumpfschmerzen führen.
Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stumpfschmerzen spielen sogenannte Amputationsneurome. Diese sind auf die durchtrennten Nerven zurückzuführen, die nach der Amputation keine Anschlussstelle finden und quasi ziellos sind. Dadurch kommt es zu einer nicht gerichteten Nervenneubildung oder einer gutartigen Knotenbildung am abgetrennten Nervenende. Diese Knotenbildung wird in der Fachsprache Neurom genannt und kann schon bei kleinsten Berührungen heftige Schmerzen verursachen.

Therapie von Amputations- und Phantomschmerzen

Die Behandlung von Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen sollte multimodal erfolgen, d.h. mittels verschiedener Maßnahmen. Meist sind spezialisierte Schmerztherapeuten und Orthopäden involviert. Eine Schlüsselrolle bei der Behandlung von Amputations- und Phantomschmerzen spielt häufig auch der betreuende Orthopädietechniker. Dieser hat oftmals eine engere Bindung zum Patienten als der behandelnde Arzt. Gerade bei Amputations- und Stumpfschmerzen sind aufgrund des oftmals hohen Leidensdrucks eine enge und vertrauensvolle Bindung zum Arzt, Physiotherapeuten, Orthopädietechniker etc. sehr wichtig.

Die folgende Übersicht fasst einen Strauß an Maßnahmen zur Behandlung des Amputations-Syndroms zusammen, wobei Auswahl, Intensität und Häufigkeit durch den behandelnden Arzt für jeden betroffenen Patienten individuell angepasst werden sollte. Diese Therapieoptionen sind speziell bei Phantom- und Stumpfschmerzen als auch bei neuropathischen Schmerzen allgemein sinnvoll:

  • Medikamente: Beeinflussung des ZNS, z.B. Antidepressiva, Opioide
  • Myoelektrischen Prothese: Durch Tragen der Prothese wird die Hirnregion, die aufgrund der Amputation verändert wurde, wieder aktiviert. Die Funktion der verlorenen Gliedmaße wird zum Teil wieder herstellen, das Gehirn erhält Reize, die negativen Umbauprozesse werden rückgängig gemacht. 
  • Sensorisches Wahrnehmungstraining: Dabei wird die Stimulation des Stumpfes mit bewusster Wahrnehmung der Reize kombiniert, was sowohl den Schmerz als auch die Umbauprozesse günstig beeinflusst.
  • Spiegel-Training: Wenn der Patient die noch vorhandene Gliedmaße vor dem Spiegel bewegt, wird dies durch die Reflexion als Bewegung der amputierten Gliedmaße wahrgenommen. Die Repräsentanz in der Tastrinde normalisiert sich; der Phantomschmerz verringert sich. 
  • Visualisierungen: Auch Vorstellungsübungen zu Bewegungen der Phantomgliedmaße führen zu ähnlichen Erfolgen. 
  • Small Fiber Matrix Stimulation: Durch die gezielte Stimulation der krankhaft veränderten Schmerzfasern, werden sukzessive die Stumpf- und Phantomschmerzen nachhaltig verringert. Auf diese Weise wird das Schmerzgedächtnis verändert.

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Wund- und Nervenschmerzen sind behandelbar. Um diesen Herr zu werden, greifen Mediziner zu Schmerzmitteln und Entzündungshämmern. Auch Stumpfschmerzen können gut behandelt werden. Da durch Stumpfschmerzen durch einen Bluterguss, eine Infektion, Durchblutungsstörungen, eine Schädigung der Nerven oder durch falsch sitzende Prothesen an den Amputationsneuromen hervorgerufen werden, gilt es, die jeweilige Schmerzursache zu beseitigen. Sollte zum Beispiel eine schlecht sitzende Beinprothese als Ursache von Stumpfschmerzen infrage kommen, muss diese angepasst werden. Außerdem kommen zur Behandlung von Stumpfschmerzen Medikamente, Massagen, Akupunktur und Krankengymnastik infrage.
Doch bei Phantomschmerzen sieht die Sache ganz anders aus. Die Schmerzursache kann leider nicht behoben werden. Jedoch gibt es zahlreiche Therapiemöglichkeiten, die die Lebensqualität von Betroffenen verbessern können und die wir uns im Folgenden einmal etwas genauer ansehen wollen.
Dabei zielen die meisten Therapien auf eine Behandlung des Stumpfes nach der Amputation. Jedoch kann bereits im Vorfeld eine Maßnahme ergriffen werden, um den möglicherweise auftretenden Amputationsschmerzen vorzubeugen. Die Rede ist von einer Schmerztherapie mit Schmerzmitteln, die dem bereits angesprochenen Schmerzgedächtnis entgegenwirken soll. Können die Schmerzen des Patienten vor der Amputation gelindert werden, werden in den Nervenzellen des Gehirns andere, weniger schmerzhafte Informationen gespeichert.

Medikamente bei Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen

Sollten die Phantomschmerzen nach der Amputation besonders stark und akut sein, kann der Arzt Opiate verschreiben. Um chronische Schmerzen zu behandeln, erachten es Mediziner als sinnvoll, verschiedene Medikamente zu verwenden und diese miteinander zu kombinieren. Dabei kommen in der Regel Calcitonin-Infusionen, Antikonvulsiva, Antidepressiva, Capsaicin-Salbe sowie herkömmliche Schmerzmittel in Kombination mit Vitamin-B-Komplex und Folsäure infrage. Darüber hinaus kann der behandelnde Arzt den Phantomschmerz auch abschwächen, indem er eine örtliche Betäubung in Erwägung zieht und die betroffenen Stellen mit einem Lokalanästhetikum bearbeitet. Diese Form der Behandlung wird auch Neuraltherapie genannt. Betreffen die Schmerzen dabei vor allem die Muskulatur, werden die einzelnen Schmerzpunkte mit einer Spritze behandelt. Sollten die Nerven betroffen und blockiert sein, wird das Lokalanästhetikum im Bereich der größeren Nerven gespritzt.

Physikalische Therapie bei Stumpfschmerzen und Phantomschmerzen

Zwar können Medikamente in der ersten Instanz Schmerzen lindern, jedoch greifen Mediziner zusätzlich noch auf andere Maßnahmen zurück, um Patienten umfassend Linderung zu verschaffen. Besonders bewährt hat sich dafür die Physikalische Therapie, die direkt auf die betroffene Körperstelle einwirkt. Gute Ergebnisse erzielen zum Beispiel Massagen und Bäder. Auch die Erwärmung des Stumpfes mit Hilfe von Wärmflaschen und Rotlicht empfinden Patienten als hilfreich. Darüber hinaus kann auch die sogenannte transkutane elektrische Neurostimulation, kurz TENS, zum Einsatz kommen. Dabei wird versucht, die Schmerzleitung durch Stimulation der Nerven mit elektrischem Strom zu hemmen.

Physiotherapie bei Amputationsschmerzen

Da die Amputation eines Körperteils ein massiver Eingriff ist, sind damit natürlich auch körperliche Veränderungen verbunden. Der Körper kommt aus dem Gleichgewicht, da sich gewissermaßen seine Statik verändert. Dadurch kann es zu Fehlhaltungen kommen, die wiederum zu Beschwerden führen. Um diesen entgegenzuwirken, setzen Mediziner auf die Verordnung von Krankengymnastik.
Darüber hinaus kommt es durch lange Krankenhausaufenthalte und damit verbundenen langen Liegezeiten zum Muskelabbau und zur Schwächung der Ausdauer sowie des Herz-Kreislauf-Systems. Deshalb sollten diese nach einer Amputation mit einem Ausdauer- und Muskelaufbautraining gestärkt und wieder in Schwung gebracht werden. Außerdem ist es wichtig, dass die betroffene Körperstelle direkt nach der Amputation wieder mobilisiert und trainiert wird. Bei Patienten, die unter einer arteriellen Durchblutungsstörung in den Beinen leiden, wird darüber hinaus gemeinsam mit Physio- oder Sporttherapeuten ein Gefäßtraining durchgeführt, das die Betroffenen später regelmäßig allein zuhause wiederholen sollten.

Spiegeltherapie nach einer Amputation

Als besonders erfolgreich bei der Therapie von Phantomschmerzen erweist sich die sogenannte Spiegeltherapie, mit der so früh wie möglich begonnen werden sollte. Dabei wird dem Patienten durch einen Spiegel vorgemacht, dass der amputierte Körperteil noch existiert. Dazu wird der noch vorhandene Körperteil gespiegelt. Dies soll im Gehirn die Erinnerung an den amputieren Körperteil wachrufen und zur Folge haben, dass die aufgrund der Amputation fehlenden Signale aus den Nerven in der betroffenen Region nicht mehr zu Phantomschmerzen führen.

Klinisch getestet: Small Fiber Matrix Stimulation bei Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen

Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Small Fiber Matrix Stimulation®, bei der es sich um ein Elektrotherapieverfahren handelt, das das Schmerzgedächtnis positiv beeinflussen soll. Das Tolle daran ist, dass Patienten für diese Form der Therapie weder eine Praxis noch ein Krankenhaus aufsuchen müssen. So hat die Firma Bomedus für verschiedene Anwendungsgebiete des Körpers Textilbänder entwickelt, die mit Elektroden ausgestattet sind und die bequem von Zuhause aus benutzt werden können. Mit diesen Textilbändern werden die Nervenfasern der betroffenen Körperregion direkt unter der Haut stimuliert und der Phantomschmerz gelindert.

Rehabilitation nach einer Amputation

Der Besuch einer Reha nach der Amputation hat einen entscheidenden Vorteil. In einer Rehaklinik finden Patienten an einem Ort alles, was sie genau in dieser Situation brauchen. Dazu gehört neben den verschiedenen Therapien auch ein professionelles Team. Dieses besteht aus Physiotherapeuten, Sozialarbeitern, Pflegekräften, Ergotherapeuten, Orthopädietechnikern und Ärzten. Durch ein so aufgestelltes Team werden Betroffene in der schweren Zeit nach der Amputation umfassend behandelt und intensiv betreut. Darüber hinaus wird das Therapieergebnis nachweislich durch regelmäßige Visiten, Behandlungen und Teambesprechungen optimiert.
Eine Reha sollte direkt nach der Amputation angesetzt werden. Auf diese Weise kann bereits die Wundheilung überwacht und unterstützt werden. Darüber hinaus sind Rehakliniken auf die Bedürfnisse und Anforderung von Betroffenen spezialisiert. Diese erhalten dort unter anderem ein spezielles Prothesengebrauchstraining, eine individuelle Schmerztherapie, Einzelkrankengymnastik, Sequenztraining, eine Sporttherapie und Amputationsbäder. Auch werden Patienten in der Reha psychologisch betreut, damit diese den Weg zurück ins Leben finden. Wie lange Patienten in der Reha verbleiben, hängt dabei in der Regel von den persönlichen Voraussetzungen, Funktionsstörungen und den definierten Rehabilitationszielen ab.

Zusammenfassung: Kurz & knapp

Insgesamt ist die Zahl der Amputationen in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend. Allerdings sind mittlerweile weniger große und mehr kleine Amputationen zu verzeichnen. Ursachen hierfür sind v.a. die wachsenden Fallzahlen aufgrund von (Alters-)Diabetes (Stichwort: diabetisches Fußsyndrom) und Durchblutungsstörungen, welche häufig die Folge von Übergewicht, Rauchen und mangelnder Bewegung sind. In den letzten Jahren gab es jährlich zwischen 60.000-80.000 Amputationen in Deutschland. Die Zahl der Amputationen in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend. Allerdings sind mittlerweile weniger große und mehr kleine Amputationen zu verzeichnen. Ursachen hierfür sind v.a. die wachsenden Fallzahlen aufgrund von (Alters-)Diabetes (Stichwort: diabetisches Fußsyndrom) und Durchblutungsstörungen, welche häufig die Folge von Übergewicht, Rauchen und mangelnder Bewegung sind. Die Therapie sollte ganzheitlich und multimodal erfolgen. Dazu gehören Medikamente, die Spiegeltherapie aber auch physikalische Therapie. Neu und vielversprechend ist die Small Fiber Matrix Stimulation.

Weiterführende Links und Quellen

Bundesverband für Menschen mit Arm- und Beinamputation: http://www.bmab.de/
Liste von Selbsthilfegruppen: http://bmab.de/selbsthilfegruppen/
R. Baumgartner und P. Botta (1989): Amputation und Prothesenversorgung der unteren Extremität; Thieme.
R. Baumgartner und P. Botta (1989): Amputation und Prothesenversorgung; 3. Auflage, Thieme.
U. Kern et al. (2009): Prävalenz und Risikofaktoren von Phantomschmerzen und Phantomwahrnehmungen in Deutschland.
U. Kern et al. (2012): Phantom limb pain in daily practice – Still a lot of work to do!
S. Ruchholtz und C. D. Wirtz (2012): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials: Intensivkurs zur Weiterbildung; Thieme.

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