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Hilfe bei Bandscheibenvorfall (Prolaps, Protrusion) – Ursachen, Symptome, Therapie

Einführung Bandscheibenvorfall (Prolaps, Protrusion)

Als einen Bandscheibenvorfall – auch Diskushernie oder Bandscheibenprolaps (= Prolaps) genannt – bezeichnet man im Allgemeinen den Austritt von Bandscheibenmaterial (Nucleus pulposus) aus dem degenerativ vorgeschädigten Faserring (Anulus fibrosus) in den Spinalkanal. In Deutschland haben jährlich knapp 180.000 Patienten einen akuten Bandscheibenvorfall. Ca. 70.000 bis 80.000 davon werden operiert - laut einer Studie der Bundesregierung eine zu hohe Zahl.
Ursachen können eine plötzliche Verletzung oder degenerative Veränderungen sein. Die Beschwerden sind abhängig von der Stelle des Bandscheibenvorfalls. Die auslaufende Masse kann auf die Nerven im Rückenmarksbereich drücken und so zu Rückenschmerzen und anderen Symptomen wie Lähmungen, Taubheitsgefühl oder Funktionsstörungen von Organen führen. Am häufigsten sind Vorfälle auf L4/ L5 und L5/ S1. Eine wirksame Schmerzlinderung bei Rückenschmerzen nach Bandscheibenvorfall kann durch gezielte Elektrostimulation erreicht werden.

Typisch für einen plötzlichen Bandscheibenvorfall sind akut auftretende, plötzliche blitzartige Rückenschmerzen. Oftmals mit Ausstrahlungen in das linke oder rechte Bein (häufig bis zur Kniekehle, der Wade oder gar zum Fuß).
Häufige Hinweise für einen Bandscheibenvorfall gibt der sogenannte Nervendehnungsschmerz. Für die Diagnose beugt der Arzt das gestreckte Bein beim auf dem Rückenliegenden Patienten langsam (sogenannter Lasègue-Test). Ein weiterer häufiger Hinweis sind Kribbeln und Missempfindungen im Bein oftmals bis zum Fuß. Bei Lähmungserscheinungen muss man von einem Notfall ausgehen und sollte sofort einen Arzt (Notfallambulanz) aufsuchen. Hier besteht eine erhöhte Gefahr, dass der Nerv auf den das ausgetretene Bandscheibenmaterial drückt, irreversibel geschädigt werden könnte.

Unterscheidungen von Bandscheibenvorfall - Prolaps und Protrusion

Es gibt verschiedene Unterscheidungen bei einem Bandscheibenvorfall. Wie so oft ist auch Bandscheibenvorfall nicht gleich Bandscheibenvorfall. Zum einen unterscheidet man die sogenannte Höhe eines Bandscheibenvorfalls, das heißt ob es sich um einen lumbalen oder zervikalen (seltener auch thorakalen) Bandscheibenvorfall handelt. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) treten wesentlich häufiger auf als Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) oder Brustwirbelsäule (BWS).
 Zum anderen unterscheidet man auch das Ausmaß des Bandscheibenvorfalls bzw. das Ausmaß der Dislokation. Diese klassische Einteilung unterscheidet zwischen einer Protrusion, einem Prolaps und einem Sequester.

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Bandscheibenprotrusion (= Protrusion): Bandscheibenvorwölbung innerhalb des Anulus, vor allem gegen das hintere Längsband. Ca. 55% der arbeitenden Bevölkerung haben eine Bandscheibenprotrusion, ohne jedoch dass Schmerzen oder andere Probleme auftreten. Die Protrusion ist somit die erste Stufe.

  • Bandscheibenprolaps (= Prolaps): Bandscheibenvorfall mit Perforation des Anulus fibrosus. 
Der Prolaps ist somit eine fortgeschrittenere Stufe als die Protrusion.
  • Bandscheibenvorfall mit freiem Sequester: Perforation des Anulus fibrosus und des Längsbands, der Sequester hat keinen Kontakt zur ursprünglichen Bandscheibe. Der verlorene Kontakt ist der wesentliche Unterschied vom Sequester zur Protrusion und zum Prolaps.

Im folgenden Beitrag aus dem youtube Kanal Video-Visite erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl anschaulich was eine Bandscheibe ist und welche Arten von Bandscheibenvorfällen es gibt (Bandscheibenprolaps/ Prolaps versus Bandscheibenprotrusion/ Protrusion versus Bandscheibensequester/ Sequester). Schauen Sie rein und erfahren Sie mehr.

Anatomische Grundlagen - Was ist eine Bandscheibe?

Eine Bandscheibe ist eine flexible, faserknorplige Verbindung zwischen zwei Wirbelkörpern. Man bezeichnet sie auch als unechtes Gelenk. Die Bandscheibe besteht aus dem Anulus fibrosus (Faserring) und dem Nucleus pulposus. Der Mensch besitzt 23 Bandscheiben. Diese machen etwa 25% der Gesamtlänge der Wirbelsäule aus. Daher versteht man auch, warum man mit dem Alter an Größe verliert: Die Bandscheiben verlieren mit dem Alter Flüssigkeit und dadurch werden diese schmaler. Als Folge nimmt die Länge der Wirbelsäule an und damit auch die Größe von uns Menschen.
Auch bei Belastung der Wirbelsäule kann es zum Flüssigkeitsverlust aus der Bandscheibe kommen, so dass die Wirbelsäulenlänge und damit die Körpergröße, während eines Tages um bis zu 2 cm abnehmen. Dies kann jeder für sich täglich feststellen: Morgens ist die gleiche Person etwa 1 bis 3 cm (ca. 1%) größer als abends. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Bandscheiben durch die nächtliche Entlastung erholen und erneut mit Flüssigkeit füllen können. Sinnbildlich kann man sich einen ausgewrungenen Schwamm vorstellen, der in Wasser gelegt wird und sich über Nacht wieder vollsaugt. Genau wie ein Schwamm gewinnt die Bandscheibe dadurch an Höhe.
 Im Alter ist eine Degeneration der Wirbelsäule, das heißt ein Höhenverlust der Bandscheiben, normal (siehe oben).
Biomechanisch zeigt die Bandscheibe ein prallelastisches Verhalten und hat zwischen den Wirbelkörpern eine Pufferfunktion. Sie erlaubt limitierte Bewegungen in alle Richtungen. Beim Gesunden ist die Bandscheibe nicht vaskularisiert, das heißt nicht durchblutet. Die Ernährung erfolgt durch Diffusion.

Im folgenden TV-Interview beantwortet Dr. Tobias Weigl Fragen rund um das Thema Bandscheibenvorfall. Den Unterschied zwischen Protrusion und Prolaps genauso wie die verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei einem akuten versus einen chronischen (länger bestehenden) Bandscheibenvorfall. Schauen Sie rein, wir hoffen Ihnen gefällt dieses Interview.

Epidemiologie - Wie häufig ist ein Bandscheibenvorfall?

  • Häufiges Krankheitsbild: Jeder zweite Erwachsene hat eine Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung). Knapp jeder dritte Deutsche hat einen Bandscheibenvorfall - von denen knapp 90% asymptomatisch, d.h. ohne Beschwerden verlaufen
  • 180.000 Deutsche haben pro Jahr einen akuten Bandscheibenvorfall
  • Die lumbale Bandscheibenoperation ist die am häufigsten durchgeführte Wirbelsäulenoperation
  • 70.000 bis 80.000 Bandscheiben-Operationen pro Jahr in Deutschland

Wichtig: Bei ca. 30% der deutschen Bevölkerung besteht ein asymptomatischer, das heißt ohne Schmerzen und vom Betroffenen nicht spürbarer, Bandscheibenvorfall. Das sind also knapp 25 Millionen Deutsche. Bei ca. 55% der Bevölkerung findet man eine asymptomatische Bandscheibenprotrusion (= Vorwölbung).

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls (Protrusion oder Prolaps)

Die Bandscheibe besteht bekanntermaßen aus einem Fasserring (Anulus fibrosus) mit dem gallertigen Kern (Nucleus pulposus). Kommt es zu einer Schwächung oder zu einer Rissbildung des Faserrings aufgrund von Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule, so tritt der gallertartige Kern aus der Bandscheibe aus und verursacht so den Bandscheibenvorfall. Zu den häufigsten Ursachen für einen Bandscheibenvorfall zählen:

  • Alterung der Bandscheibe (Degeneration) (häufigste Grund, Beginn ab dem 45. Lebensjahr)
  • Genetische Prädisposition
  • Übergewicht
  • Berufliche/ sportliche (Fehl-)Belastung: Typisch sind 2 Fälle: Fall 1 ist der Bauarbeiter, der täglich schwere Lasten trägt und diese falsch (an)hebt und falsch "schleppt". Fall 2 ist der Büromitarbeiter, der täglich mehrere Stunden vor dem Laptop sitzt mit nach vorne gebeugten Oberkörper. Die Rückenmuskulatur sich unterentwickelt und die vordere Körpermuskulatur (z.B. Bauchmuskulatur, vordere Oberschenkelmuskulatur) sich verkürzt
  • Schwangerschaft
  • Unfälle

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Symptome beim Patienten - Woran erkennt man einen Prolaps?

Ganz typisch ist: Die Größe eines Bandscheibenvorfalls und die daraus resultierenden Rückenschmerzen korrelieren häufig nicht miteinander. Daher muss jede Therapie, basierend auf der körperlichen Untersuchung bzw. den körperlichen Symptomen sowie der Bildgebung (vor allem MRT) individuell abgewogen und festgelegt werden (siehe Therapie).
Ferner sind die Symptome beim Patienten sehr variabel, das heißt die Schmerzen und neurologischen Folgen reichen von nicht vorhanden bis sehr stark. Die Anamnesedauer, das heißt der Eintritt eines Bandscheibenvorfalls und die daraus resultierenden Schmerzen treten meist sofort und akut ein. Ist aber auch ein chronisches Stadium, d.h. eine dauerhafte Schmerzsituation aufgrund eines Bandscheibenvorfalls.

In diesem Videobeitrag von Dr. Tobias Weigl (youtube Kanal Video-Visite)erfahren Sie mehr über die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls und über die Symptome. Wie kommt es zu einem Prolaps und was sind die Folgen eines Bandscheibenvorfalls? Hier gibt es anschauliche Erklärungen.

Typische Kennzeichen für einen Bandscheibenvorfall sind:

  • Plötzliche, blitzartige Schmerzen in Rücken und Bein mit unterschiedlicher Intensität und Verlauf
  • Beim akuten Ereignis zeigt der Patient häufig eine Fehlhaltung, das heißt eine reaktive Schonhaltung, mit Seitausbiegung der Wirbelsäule
  • Mitunter werden zunächst nur inkomplette Symptome wie Schmerzen im Bereich des Außenknöchels, der Kniekehle oder des Ellenbogens bei fehlendem Rückenschmerz angegeben
  • Sensibilitätsausfälle bzw. Empfindungsstörungen; Kribbeln (in den Armen bei zervikalen Bandscheibenvorfällen und in den Beinen bei lumbalen Bandscheibenvorfällen)
  • Ausfall der Motorik, d.h. Bewegungsausfälle (akuter Notfall)
  • Blasen- und Mastdarmstörungen (akuter Notfall)

Bei den Kennzeichen Ausfall der Motorik sowie Blasen- und Mastdarmstörungen muss in jedem Fall dringend ein Arzt aufgesucht werden und häufig besteht dann eine dringende OP-Indikation. In diesen Fällen drückt der ausgetretene Bandscheibenvorfall sehr stark auf den betroffenen Nerv, bzw. die betroffenen Nerven.

Diagnostik/ Untersuchungen - Was macht der Arzt bei einem akuten Bandscheibenvorfall?

Der Nachweis eines Bandscheibenvorfalls bedarf verschiedener körperlicher und apparativer Untersuchungen. Obwohl zahlreiche diagnostische Möglichkeiten zum Nachweis eines Bandscheibenvorfalls existieren, stellt auch heute noch die klinische Untersuchung des Patienten die primäre und wertvollste Untersuchungsform dar. Ganz wichtig: Zur Diagnosesicherung sowie Festlegung des weiteren Behandlungsprozederes sind immer eine bildgebende und die körperliche Untersuchung notwendig.

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung beinhaltet die Überprüfung der Reflexe, der Beweglichkeit sowie der Empfindung/ Sensibilität. Aus diesen Erkenntnissen können Rückschlüsse auf Lage, Schweregrad sowie Nervenbeteiligung gezogen werden. Daneben spielt gelegentlich auch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit eine Rolle. Hierdurch kann der Schweregrad des Bandscheibenvorfalls besser eingeschätzt und die komprimierte Nervenwurzel genau diagnostiziert werden.

Röntgen

Mittels einer Röntgenaufnahme, die mindestens in zwei Ebenen (von vorne und von der Seite) durchgeführt wird, kann man die knöcherne Struktur der Wirbelsäule beurteilen. Da die Bandscheibe im Röntgenbild nicht dargestellt werden kann, kann alleine dadurch die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls nicht gestellt werden. Das Röntgenbild beinhaltet aber wertvolle Informationen über den Zustand der Wirbelkörper (zum Beispiel bei Osteoporose) und dadurch mögliche Hinweise auf Differentialdiagnosen. Das Röntgenbild dient somit vor allem zum Ausschluss anderer Erkrankungen/ Verletzungen an der Wirbelsäule.

MRT

Die MRT (Magnetresonanztomografie) stellt die Bandscheibe, das Rückenmark und die Nervenwurzeln dar und ist damit das wertvollste Untersuchungsverfahren in der Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls. Beim MRT gibt es keine Strahlenbelastung.

CT

Die CT (Computertomografie) hat ihre Stärke in der knöchernen Darstellung der Wirbelsäule und ist heutzutage weitestgehend durch die MRT-Untersuchung verdrängt worden. CT-Untersuchungen im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls kommen nur noch bei Spezialfragestellungen zum Einsatz. Im Gegensatz zum MRT haben CT-Untersuchungen eine (hohe) Strahlenbelastung.

Myelografie

Im Rahmen einer Myelografie wird ein Röntgenkontrastmittel in den Duralsack injiziert. Durch das Kontrastmittel im Nervensack wird das darin liegende Rückenmark inklusive der Nervenwurzel indirekt in Form von Kontrastmittelaussparungen sichtbar. Da mittlerweile vorwiegend das MRT zum Einsatz kommt und dieses auch aussagekräftigere Aussagen machen kann, setzt man die Myelografie heutzutage nur noch selten ein.

Differentialdiagnosen - Was kann es statt eines Bandscheibenvorfalls sein?

Lumboischialgie

Die Abgrenzung eines Bandscheibenvorfalls von einer ausgeprägten lumboischialgieformen Schmerzsymptomatik ist allein durch eine klinische Untersuchung des Patienten nicht möglich. Ursächlich für das sogenannte Lumbalsyndrom sind häufig muskuläre Verspannungen oder auch Probleme mit den Faszien, Bändern und/ oder Sehnen im Rückenbereich. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von unspezifischen Rückenschmerzen. Im Vergleich auf die Gesamtzahl der in Deutschland auftretenden Rückenschmerzen sind die sog. unspezifischen Rückenschmerzen mit einem Vorkommen von ca. 80% die mit Abstand häufigsten.

Bandscheibenvorwölbung (= Protrusion)

Auch eine Bandscheibenvorwölbung kann die gleichen Beschwerden hervorrufen wie ein Bandscheibenvorfall (= Prolaps). Pseudoradikuläre Symptomatik: Hierbei handelt es sich um eine Schmerzausstrahlung in das Bein, die keinem speziellen Nerv zugeordnet werden kann (im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall). In vielen Fällen stellt eine degenerative Veränderung der Lendenwirbelsäule die Hauptursache dar.

ISG-Blockierung

Neurologische Begleiterscheinungen wie Kribbeln in den Beinen sind nicht unüblich. Typischerweise geht die Schmerzausstrahlung jedoch nur bis zu den hinteren Oberschenkeln.Spinalkanalstenose: Hierbei verengt sich aufgrund degenerativer Prozesse der Wirbelkanal. Besonders anlagebedingte, enge Spinalkanäle neigen zu einem schleichenden Verschluss und zunehmender Kompression. Pseudoradikuläre Schmerzphänomene, die keinem speziellen Nerv zugeordnet werden können, sind typisch.

In diesem Video-Beitrag erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl in seinem dritten Teil Alles über die Untersuchungsmethoden beim Arzt sowie die Therapien eines Bandscheibenvorfalls. Er gibt Tipps auch zur Selbsthilfe. Also schauen Sie sich gerne diesen Beitrag an.

Therapie eines Bandscheibenvorfalls - Konservative Therapie oder Operation

Da die Größe eines Bandscheibenvorfalls und die daraus resultierenden Rückenschmerzen sehr oft nicht in Korrelation zueinander stehen, muss jede Therapie individuell abgewogen werden. Das Ausmaß der Therapie, das heißt die Entscheidung, ob konservativ oder operativ behandelt werden muss, richtet sich nicht nach dem Befund der apparativen Untersuchungen (MRT) sondern nach den Symptomen des Patienten. Schließlich ist die Behandlung eines Patienten das Ergebnis aus (1) klinische Beschwerden (schwache versus starke Schmerzen) und (2) akute Schmerzen versus chronische Rückenschmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls.

80 bis 90% der lumbalen Bandscheibenvorfälle sprechen gut auf eine konservative Therapie an. Bei fehlender OP-Indikation (keine motorischen Ausfälle, keine Blasen- Mastdarmstörungen) sollte daher zunächst immer ein konservativer Therapieversuch unternommen werden, da Operationen immer auch Risiken und Gefahren mit sich bringen. In der Schmerztherapie ist man sich heutzutage darüber einig, dass bei länger anhaltenden bzw. ständigen Rückenschmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls, dieser multimodal mit konservativen Maßnahmen behandelt werden sollte.
Das heisst also ein ganzheitlicher Ansatz sollte durchgeführt werden. Multimodal bedeutet eine Behandlung  durch mehrere parallel, ggfs. auch sequentiell, durchgeführte Maßnahmen. Die konservative Therapie umfasst zunächst immer die Lagerung im Stufenbett, physikalische Maßnahmen (Wärme und Massage), Extensionsbehandlung, NSAR-Medikamente, Akupunktur, Krankengymnastik, Wirbelsäulennahe Infiltration mit Lokalanästhetika und Cortison.
Bei der Therapie unterscheiden sollte man aber auch immer die Therapie des akuten Stadiums (also akute Schmerzen) und des chronischen Stadiums (also chronische Schmerzen). Die Therapieelemente dieser beiden Stadien unterscheiden sich teilweise.


Welche therapeutischen Möglichkeiten haben Sie?


Auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan, sodass die althergebrachte Methode der "Schmerzspritze" nicht immer die erste Wahl sein sollte:

  • Medikamentöse Behandlung: Besonders die Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac nehmen durch ihre abschwellende Wirkung Druck vom Nerv. Eine stärkere entzündungshemmende Wirkung haben vor allem Kortisonpräparate. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn bereits neurologische Ausfallerscheinungen bestehen bzw. drohen. Zusätzlich können sog. Muskelrelaxantien verwendet werden. Diese bewirken ein Auflösen von Muskelverspannungen und können so auch einen Teil der Beschwerden lindern.
  • Physiotherapie/ Krankengymnastik: Durch die Kräftigung der Rückenmuskulatur im Rahmen von physiotherapeutischen Maßnahmen wird eine verbesserte muskuläre Stabilisation und Führung der Wirbelsäule erzielt, die letztlich dann auch eine geringere Belastung der Bandscheibe bewirkt. Physiotherapie im Rahmen der konservativen Behandlung eines Bandscheibenvorfalls gehört zu den wichtigsten Therapieformen.
  • Physikalische Therapie durch das bomedus® Rückenband lumbal oder thorakal: mithilfe der innovativen SFMS®-Technologie von Bomedus werden die Nervenfasern gezielt stimuliert und auf Dauer das Schmerzempfinden verändert. Als Teil der multimodalen Schmerztherapie kann so die Medikamenteneinnahme deutlich reduziert und eine beinahe bis vollständige Schmerzfreiheit erzielt werden.
  • Peridurale Infiltration (PDI) und periradikuläre Therapie (PRT), die sogenannte „Schmerzspritze“. Hierbei werden unter computertomografischer oder radiologischer Kontrolle schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente millimetergenau am Ort des Bandscheibenvorfalls verabreicht. Diese Spritzen bewirken eine Eindämmung der Entzündung und nachwirkend eine Abschwellung des zuvor angeschwollenen Nervs sowie eine Besserung des Bandscheibenvorfalls.
  • Operation: Bei der operativen Therapie unterscheidet man die Spondylodese, welche vor allem bei älteren Patienten bzw. Patienten mit Verschleißerscheinungen durchgeführt wird. Dabei wird die betroffene Bandscheibe inklusive der Facettengelenke herausgenommen und durch einen Titankorb (sogenannter Cage) ersetzt. Es folgt eine Stabilisierung/ Versteifung der betroffenen Wirbelkörper durch einen sogenannten Fixateur interne (spezielle Schrauben, Platten und Stäbe aus Edelstahl oder Titan).Bevor Sie sich operieren lassen sollten Sie sich aber immer zuerst eingehend beraten und ggfs. auch eine Zweitmeinung einholen. Eine Zweitmeinung ist nicht unüblich und wird teilweise auch von den Krankenkassen unterstützt/ bezahlt.
    Ca. 80-85% der Bandscheiben Operationen verlaufen positiv und führen zu einer signifikanten Schmerzlinderung. Nur in den wenigsten Fällen sind Patienten nicht zufrieden. Laut einer Studie sind die Ergebnisse von Bandscheiben Operationen bei folgenden Risikofaktoren gefährdet: Voroperationen (je öfter voroperiert wurde, desto höher ist das Risiko von Vernarbungen), Raucher, Übergewicht. Auch profitieren im Vergleich Männer häufiger von einer Bandscheiben Operation als Frauen. 
  • Eine weitere Methode ist das Einsetzen einer Bandscheibenprothese, die vorzugsweise bei jungen Patienten ohne Degeneration der Facettengelenke angewendet wird. Nach einer OP kann es zum sog. Postdiskotomie-Syndrom kommen.

Die folgende Übersicht gibt Ihnen Anhaltspunkte für allgemeine Hinweise zur Therapie von akuten Schmerzen versus chronischen Schmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls:

Akutes Stadium (symptomatische Therapie)
  • Schonhaltung, aber nicht länger als 1-3 Tage. Absolute Ruhe sollte vermieden werden
  • Kälte: Kältetherapie senkt die Entzündung und hat einen schmerzlindernden Effekt
  • Elektrotherapie: Die gezielte Stimulation von Schmerzfasern zur "Überlagerung" des akuten Schmerzes
  • Medikamente: Damit sich der Schmerz nicht "einfrisst"
  • ggfs. Spitzen und Injektionen: Bei starken akuten Schmerzen
  • OP: Im Notfall und bei extrem starken akuten Schmerzen
Chronisches Stadium (symptomatische Therapie + ursächliche Therapie)
  • Bewegung: Ist das A und O. Trotz der Beschwerden. Man sollte jedoch den sog. Wohlfühlschmerz nicht überschreiten
  • Wärme: Wärmetherapie z.B. in Form von Wärmepflastern oder Wärmeflaschen lockert und entkrampft die Muskulatur, sorgt für eine Stoffwechselaktivierung sowie eine Durchblutungssteigerung.
  • Elektrotherapie: Durch die Small Fiber Matrix Stimulation werden die überreizten Schmerzfasern wieder "beruhigt". Das Schmerzgefühl wird schrittweise normalisiert. Dadurch wird eine Schmerzreduktion erreicht, ferner treten Schmerzen seltener auf.
  • Medikamente: Ziel sollte es sein die Einnahme der Medikamente schrittweise zu reduzieren bzw. nicht weiter zu steigern. Aufgrund der häufigen und dauerhaften Einnahme der Schmerzmedikamente kann es zu häufigeren Nebenwirkungen, wie z.B. Magen-Darm-Problemen oder auch in seltenen Fällen Ursache eines Bluthochdrucks sein.

 

Referenzen und weiterführende Literatur

Hepp und Locher: Orthopädisches Diagnostikum, 8. Auflage, 2014

Niethard et al.: Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Auflage, 2009

Eckhardt: Praxis LWS-Erkrankungen. Diagnose und Therapie, 1. Auflage, 2011

Ruchholtz und Wirtz: Orthopädie und Unfallchirurgie, 2. Auflage, 2013

AllEx: Kompendium für die 2. ÄP, Band B, 2012

kreuzschmerzen.org

Bomedus: Therapie bei Rückenschmerzen nach Bandscheibenvorfall

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