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Acetylcholin

Acetylcholin wurde 1921 durch Otto Loewi am Frosch entdeckt und war damit der erste nachgewiesene chemische Botenstoff. Acetylcholin ist einer der körpereigenen bedeutendsten Neurotransmitter und von entscheidender Bedeutung vor allem für Muskelkontraktionen. Acetylcholin vermittelt die (Informations-)übertragung zwischen Nerv und Muskel an den sog. neuromuskulären Endplatten.

Achillessehnenreflex

Klinischer Test des Eigenreflexes des M. triceps surae: Bei einem leichten Schlag mit einem Reflexhammer auf die in Dorsalextension gespannte Achillessehne bewegt sich der Fuß kurz in eine Plantarflexion. Der Reflex fehlt oder ist eingeschränkt bei einer Läsion oberhalb des Segmentes S1, wie z.B. bei einem Bandscheibenvorfall. Der Reflex ist aufgehoben bei einer Durchtrennung der Nervenwurzel S1. Eine Reflexverstärkung kann bei einem Pyramidenbahnzeichen auftreten.

Achillodynie

Bezeichnet Schmerzen (häufig in Kombination mit einer Schwellung) im Bereich der unteren Achillessehne. Ursache sind meist degenerative Veränderungen durch wiederholende Mikrotraumen/ leichte Verletzungen. Häufig ist es eine Folge von Überbelastung, wie diese typischerweise bei Langstreckenläufern und Hallensportlern auftritt.

A-delta-Fasern

A-delta-Fasern sind dünne und schnell leitende Nervenfasern, welche die Schmerzreize, die auf den Körper einwirken (z.B. Verletzungen, Entzündungen) zum Rückenmark leiten, von wo aus sie dem Gehirn gemeldet werden. Sie kodieren überwiegend für das erste schnelle und stechende Schmerzgefühl. Ihre Aufgabe besteht daher in der Auslösung von Fluchtreflexen. Im Gegensatz zu den langsam leitenden C-Fasern, die das anschließend einsetzende dumpfe Schmerzgefühl vermitteln, sind diese Fasern von einer elektrisch isolierenden Schicht, der Myelinscheide, umgeben. Diese ist für die schnell leitende Eigenschaft dieser Fasern verantwortlich.

Adipositas

Übermäßige Vermehrung des Gesamtfettgewebes, meist durch eine zu hohe Kalorienzufuhr und einen zu geringen Kalorienverbrauch. Krankheitsbedingte Formen sind eher selten. Die Einteilung erfolgt nach dem Body Mass Index. Eine Adipositas gilt als Risikofaktor für viele Zivilisationskrankheiten, z.B. Diabetes Mellitus (sog. Zuckerkrankheit), Herzinfarkt, Arteriosklerose etc. Am Bewegungsapparat können schwere Schäden entstehen, wie z.B. Arthrose, Muskelverspannungen, Schäden an Sehnen, Bursen und Bändern.

Adrenalin

Adrenalin gehört zusammen mit Noradrenalin und Dopamin zu den sog. Katecholaminen. Adrenalin ist das klassische Stresshormon und wird somit verstärkt bei Stress- und Gefahrensituationen gebildet. Beispielhaft bewirkt es in solchen Situationen eine Steigerung der Herzfrequenz, wodurch der Körper in diesem Moment leistungsfähiger und belastbarer wird. Produziert wird es im Nebennierenmark. Zusätzlich wirkt Adrenalin auch als Neurotransmitter (Botenstoff) auch im Gehirn.

Akupressur

Teilbereich der Chinesischen Massage. Die Akupressur umfasst spezielle Grifftechniken, die punktförmig Druck auf bestimmte Arealen des Körpers ausüben.

Akupunktur

Die Akupunktur (lateinisch: acus – „Nadel“, punctio – „das Stechen“) ist ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und wird häufig bei Schmerzen, funktionellen und seelischen Erkrankungen sowie zur Harmonisierung des Immunsystems eingesetzt. Die Therapie der Akupunktur basiert auf den Lebensenergien des Körpers (Qi), die auf definierten Längsbahnen, den Meridianen, zirkulieren und einen Einfluss auf alle Körperfunktionen haben. Für Erkrankungen kann ein gestörter Energiefluss verantwortlich gemacht werden.  Durch feinste Nadelstiche auf den Meridianen liegenden Akupunkturpunkten soll der Energiefluss wieder angeregt und reguliert werden.

Akut (vs. chronisch)

Als akut (lateinisch: acutus – „spitz, scharf“) gelten in der Medizin Symptome bzw. Erkrankungen, die plötzlich erscheinen und nur kurze Zeit (i.d.R. 3-14 Tage) andauern.

Akuter Schmerz (vs. chronischer Schmerz)

Ein akuter Schmerz ist ein zeitlich begrenzter Schmerz, der gut lokalisierbar ist. Der akute Schmerz ist ein Warn- und Leitsignal in Reaktion auf einer Erkrankung bzw. Schädigung des menschlichen Körpers, das weitere Gewebsschädigungen verhindern soll. Er kann für die Diagnose der Ursache wegweisend sein.

Allergie

Die Allergie (altgriechisch: ἡ ἀλλεργία, állergίa – „die Fremdreaktion“) ist eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf den Kontakt mit körperfremden, normalerweise harmlosen Substanzen (Allergene). Ein vorausgegangener Kontakt mit einer solchen Substanz führte zur Ausbildung von Antikörpern oder Immunzellen, die bei jedem erneutem Kontakt mit diesem Allergen zu einer überschießenden Abwehrreaktion des Immunsystems führen, die oft mit Entzündungsprozessen, Hautrötungen und Juckreiz einhergeht.

Allodynie

Bei einer Allodynie (griechisch: άλλος, állos – „anders“, οδύνη, odynē – „Schmerz“) handelt es sich in der Medizin um ein Schmerzempfinden, das durch einen nicht schädlichen und gut tolerierten Reiz, der üblicherweise kein Schmerzempfinden bewirkt, fälschlicherweise ausgelöst wird. Ursache können entweder erkrankte Nerven oder eine vorgeschädigte Haut sein.

Alpha-2-delta-Untereinheit

Im zentralen Nervensystem werden viele verschiedene Funktionen, wie die Freisetzung von Botenstoffen (Neurotransmittern), die Regulation der Genexpression, sowie neuronale Plastizität durch Kalzium gesteuert. Das Kalzium wird dabei über spannungsabhängige Kalziumkanäle in die Nervenzelle aufgenommen. Die Alpha-2-delta-Untereinheit ist ein Bestandteil dieser Kanäle und spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Öffnungsgeschwindigkeit des Kalziumkanals. Sie trägt somit entscheidend zur Weiterleitung des Schmerzsignals und der Synaptogenese bei.

Alternativmedizin

Unter dem Begriff der Alternativmedizin (auch: alternative Medizin) werden unterschiedliche Behandlungsmethoden und diagnostische Konzepte zusammengefasst, die sich als Alternative oder Ergänzung zur konventionellen Schulmedizin versteht. Zu den Behandlungsmethoden der Alternativmedizin gehören Naturheilverfahren, Körpertherapieverfahren, einige Entspannungsverfahren und Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Osteopathie und Akupunktur.

Amygdala

Die Amygdala, umgangssprachlich häufig auch als Mandelkern bezeichnet, ist ein wichtiges Areal im Gehirn, genauer gesagt im sog. Temporallappen des Gehirns. Die Amygdala gehört zum sog. limbischen System und ist daher wie auch die anderen Teile des limbischen Systems für die Bewertung von Emotionen von großer Bedeutung. Die Amygdala spielt auch bei der Schmerzverarbeitung eine wesentliche Rolle. Die Amygdala bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und ist insbesondere aktiviert bei Gefahren- bzw. Bedrohungssituationen.

Analgesie

Unter Analgesie (griechisch: ἀν-, an- – „ohne“, ἄλγος, álgos – „Schmerz) versteht man in der Medizin das Ausschalten von Schmerzen.

Analgesimetrie

Messung der analgetischen (schmerzlindernden) Wirkung eines Arzneimittels.

Analgetikum

Ein Analgetikum (griechisch: ἀν-, an- – „ohne“, ἄλγος, álgos – „Schmerz) ist ein schmerzstillendes Arzneimittel, das zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt wird. Dabei greift das Analgetikum über verschiedene biochemische Mechanismen in die Schmerzentstehung, Schmerzweiterleitung oder Schmerzverarbeitung ein und ruft eine Aufhebung (Analgesie) bzw. eine Reduzierung des Schmerzes hervor. Das Bewusstsein, die sensorische Wahrnehmung und andere Funktionen des zentralen Nervensystems sollen durch das Analgetikum nicht tangiert werden.

Analgetisch

schmerzstillend, schmerzunempfindlich

Analogskala

Die visuelle Analogskala ist eine vereinfachte Schmerzskala mit einer tabellarischen Darstellung von 0-10, in die der Patient seine tageszeitliche Schmerzintensität eigenständig einträgt. Der Wert 0 steht für keinerlei Schmerzen, der Wert 10 für den stärksten vorstellbaren Schmerz. Die Analogskala dient der Verlaufskontrolle und zur besseren Wahrnehmung und Differenzierung von Schmerzen durch den Patienten.

Anamnese

Die Anamnese  (griechisch: ἀνάμνησις, anámnēsis – „Erinnerung“) ist eine systematische Befragung durch den Arzt oder einer anderen mit der Behandlung verbundene Person, um Informationen z.B. über aktuelle Beschwerden, familiäre/genetische Vorerkrankungen, Lebensumstände und besondere Dispositionen (Anfälligkeit, z.B. Allergien) des Patienten zu erhalten.

Anästhesie

Unter dem Begriff Anästhesie (griechisch: ἀν-, an- – „ohne“, αἴσϑησις, aisthesis –„Wahrnehmung, Empfindung“) versteht man den vollständigen Verlust oder die vollständige Ausschaltung von Empfindungen. Dies betrifft u.a. das Berührungs- und Schmerzempfinden, das Temperaturempfinden, Vibrationsempfinden und das Lageempfinden. Anästhesie bezeichnet auch das medizinische Verfahren, um diesen Zustand für eine Operation oder als diagnostische Maßnahme hervorzurufen.

Anästhetikum

Ein Anästhetikum (griechisch: ἀν-, an- – „ohne“, αἴσϑησις, aisthesis –„Wahrnehmung, Empfindung“) ist ein Medikament, das bei operativen oder diagnostischen Maßnahmen eine reversible Reduzierung oder Ausschaltung der Schmerzempfindung bewirkt.

Andullation

Andullation bedeutet Wellen erzeugen. Bei der Andullationstherapie werden Vibrations-Frequenzen bestimmter Wellenlängen in den Körper übertragen. Dort versetzen sie alle Flüssigkeiten des Körpers in sanfte Schwingungen und wirken somit direkt in allen Zellen und Organen.

Anlaufschmerz

Schmerzen und Steifigkeit im Gelenk im Anschluss an eine Ruhephase. Der Anlaufschmerz ist typisch bei arthrotischen Gelenkveränderungen und tritt in der Regel zu Beginn einer Bewegung unter Belastung auf.

Anode

Positive Elektrode, positiver Pol (Gegenteil: Kathode = negative Elektrode, negativer Pol)

Ansatzschmerz

Synonym: Insertionsschmerz. Bezeichnet Schmerzen im Bereich des Muskelansatzes.

Anteflexionskopfschmerz

Synonym: Schulkopfschmerz. Ist eine besondere Form des Kopfschmerzes, der während der Kopfvorbeuge und am häufigsten bei Schulkindern auftritt.

Antidepressivum

Ein Antidepressivum ist ein Medikament zur Therapie von Depressionen. Basierend auf dem Wirkmechanismus besitzen Antidepressiva zudem zahlreiche andere Anwendungsbereiche und werden u.a. durch den schmerzlindernden Effekt auch in der Schmerztherapie zur Therapie von neuropathischen Schmerzen eingesetzt.

Antiepileptikum

Ein Antiepilektikum (griechisch: ἀντί, anti – „gegen“, ἐπίληψις, epílēpsis – „der Anfall“) ist eine Arzneimittelgruppe zur Behandlung von epileptischen Erkrankungen bzw. Anfallserkrankungen. Antiepileptika hemmen bzw. blockieren je nach Substanz spannungsabhängige Natrium- bzw. Kalziumkanäle. Dabei stabilisieren sie die in ihrer Erregungsschwelle herabgesetzten Nervenzellen, was zu einer Reduktion spontaner Entladungen führt.  Einige Substanzen aus der Gruppe der Antiepileptika/Antikonvulsiva werden auch erfolgreich bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt. Beispiel für Antiepileptika sind Benzodiazepine (z.B. Lorazepam).

Antikonvulsivum

Ein Antikonvulsivum (griechisch: ἀντί, anti – „gegen“, lateinisch: convulsio – „der Krampfanfall“) ist ein Arzneimittel, dass zur Behandlung oder Verhinderung von Krampfanfällen dient. Zu den Antikonvulsiva gehören die Antiepileptika, die aber nicht allein den Krampfanfall der Grunderkrankung behandeln.

Antiphlogistikum

Ein Antiphlogistikum (griechisch: ἀντί, anti – „gegen“, φλóγωσις, phlógōsis – „Entzündung“, Synonyme: Antiinflammatorikum, Entzündungshemmer) ist ein Medikament zur Hemmung von Entzündungsprozessen im Körper. Man unterscheidet zwischen pflanzlichen, steroidalen (fettlösliche Hormone aus der Nebennierenrinde) und nichtsteroidalen Antiphlogistika. Dazu zählen die sog. COX-1- und COX-2-Hemmer wie Aspirin, Diclofenac und Ibuprofen. Im Gegensatz dazu haben Paracetamol und Metamizol keine entzündungshemmende Wirkung.

Aortenaneurysma

Das Aortenaneurysma bezeichnet eine Aussackung aller Schichten der Gefäßwand der Aorta. Es wird unterschieden in thorakale und abdominelle Aortenaneurysmen. Häufig sind Aortenaneurysmen asymptomatisch, d.h. diese machen sich beim Betroffenen nicht bemerkbar. Kommt es jedoch zu einer sog. Ruptur des Aneurysmas (= Aortendissektion), dann entsteht ein heftigster, schlagartig auftretener Rückenschmerz mit Ausstrahlung in den Bauchraum (diffuse Bauchschmerzen). Dies ist ein absoluter medizinischer Notfall und bedarf einer sofortigen Notfall-OP.

Apley-Test

Synonym: Apley-Zeichen. Test bei Verdacht auf Meniskusschäden. Der Patient liegt auf dem Bauch, der Unterschenkel ist im Kniegelenk 90° gebeugt. Der Untersucher führt eine Drehung des Unterschenkels durch. Dadurch wird Druck auf den Meniskus ausgeübt, was wiederum zu einer Schmerzauslösung führt.

Apley's Scratch Test

Test bei Schulterschmerzen bzw. dem Verdacht auf eine Rotatorenmanschettenläsion. Der sitzende Patient soll mit den Zeigefingern des betroffenen Armes versuchen, den gegenüberliegenden mittleren oberen Schulterrand zu erreichen.

Apoplex

Ein Apoplex (eigtl. die Apoplexie, griechisch: ὰποπληξία, apoplēxίa – „Schlag“) ist eine plötzliche Durchblutungsstörung eines Organs im Körper. Eine Durchblutungsstörung wird durch eine Sauerstoffunterversorgung mit anschließendem Gewebsuntergang hervorgerufen.

Arachnoidea

Arachnoidea (griechisch: ἀράχνη, aráchnē – „Spinne“, ειδής, idēs – „gestaltet, ähnlich“) ist ein Teil der weichen Hirnhaut. Es handelt sich um eine dünne, gefäßfreie und halbdurchsichtige Membran die das Gehirn stabilisiert. Die Arachnoidea folgt der Kontur des Gehirns, zieht aber nicht in dieses hinein.

Arthritis

Eine Arthritis (griechisch: ἀρθρov, arthron – „Gelenk, Glied“, -itis – „Endung für eine entzündliche Krankheit“) ist eine Entzündung des Gelenks, die häufig mit Gelenkschmerzen, Überwärmung, Schwellungen und Rötungen einhergeht. Klar abzugrenzen davon ist die Arthrose, die eine degenerative Gelenksveränderung darstellt.

Arthrose

Die Arthrose (griechisch: ἀρθρov, arthron – „Gelenk, Glied“) stellt eine degenerative Gelenkserkrankung dar, die v.a. durch langjährige Überbelastung und den daraus resultierenden „Gelenkverschleiß“ entsteht. Die Arthrose zeichnet sich durch eine fortschreitende Abnutzung der Knorpel- und Knochenstruktur im Körper aus, die zu einer nicht reparablen Gelenkdeformierung führen kann. Die Arthrose bildet sich v.a. im Kniegelenk und im Hüftgelenk. 2008 litten rund 14% der Männer und 22% der Frauen unter Arthrose. (Lesen sie >mehr zur Arthrose in unseren ausführlichen Artikeln)

Autogenes Training

Das autogene Training ist eine Methode der Autosuggestion (vergleichbar mit einer Selbsthypnose), durch die sich der Mensch in einen Zustand einer veränderten Wahrnehmung des eigenen Körpers versetzen können. Das Ziel des autogenen Trainings ist das Erlangen eines Zustands der Entspannung.

Assimilationswirbel

Eine numerische Variation an den Grenzen der Wirbelsäulenabschnitte wird als Übergangswirbel oder Assimilationswirbel bezeichnet und betrifft meist den lumbosakralen Übergang. Dabei werden eine Verschmelzung von L5 mit dem Kreuzbein (Sakralisation) und eine Separierung des ersten Kreuzbeinwirbels (S1) vom Kreuzbein (Lumbalisation) unterschieden. Diese Assimilationsstörung zeigt sich meist einseitig und kann Ursache einer Lumbalskoliose sein.

Axon

Das Axon ist der Fortsatz der Nervenzelle und kann mehr als einen Meter lang sein. Zuständig ist das Axon für die Weiterleitung eines Nervenimpulses von Zelle zu Zelle. Dabei kann sich ein Axon mehrfach verzweigen, und so eine große Anzahl nachgeschalteter Nervenzellen erreichen. Das Axon endet in einer oder mehreren Synapse(n).

B

Bakterielle Spondylitis und Spondylodiscitis

Es handelt sich um eine Entzündung der Wirbelkörper (= Spondylitis) und der Bandscheiben (= Spondylodiscitis, Discitis). Man unterscheidet zwischen spezifischen Erregern (Tuberkulose, Lues) und unspezifische Erreger. Am häufigsten sind unspezifische Infektionen. 50% werden durch sog. Staphylococcus aureus hervorgerufen. Betroffen sind meist ältere Patienten mit Diabetes, Kortisoleinnahme sowie Raucher. Die betroffenen Patienten haben meist stärkste Rückenschmerzen, Fieber und einen lokalen Druckschmerz. Zum Nachweis beklopft der Arzt typischerweise die Wirbelsäule mit Hand oder Reflexhammer (Wirbelsäulenklopfschmerz). Zur Behandlung wird eine radikale 6-12 wöchige Antibiotikagabe empfohlen.

Bandscheibe

Eine Bandscheibe ist eine flexible, faserknorplige Verbindung zwischen zwei Wirbelkörpern. Man bezeichnet sie auch als unechtes Gelenk. Die Bandscheibe besteht aus dem Anulus fibrosus (Faserring) und dem Nucleus pulposus. Der Mensch besitzt 23 Bandscheiben. Diese machen etwa 25% der Gesamtlänge der Wirbelsäule aus. Biomechanisch zeigt die Bandscheibe ein prallelastisches Verhalten und hat zwischen den Wirbelkörpern eine Pufferfunktion. Sie erlaubt limitierte Bewegungen in alle Richtungen. Beim Gesunden ist die Bandscheibe nicht vaskularisiert, d.h. nicht durchblutet. Die Ernährung erfolgt durch Diffusion. Bei Belastung der Wirbelsäule überwiegt der Flüssigkeitsabstrom aus der Bandscheibe, so dass die Wirbelsäulenlänge, und damit die Körpergröße, während eines Tages um bis zu 2 cm abnimmt. Im Alter ist eine Degeneration der Wirbelsäule normal.

Bandscheibenprotrusion

Die Bandscheibenprotrusion (auch Bandscheibenvorwölbung oder „inkompletter Bandscheibenprolaps“) bezeichnet eine degenerative Veränderung der Bandscheiben. Der Anulus fibrosus (Faserring) der Bandscheibe wird dabei nicht durchgerissen, sondern nur nach außen vorgewölbt. Eine Protrusion löst meist nur schmerzhafte Symptome im Bereich der Wirbelsäule aus. Die Therapie ist in der Regel konservativ, also nicht-operativ.

Bandscheibenvorfall (Syn. Diskushernie)

Beim Bandscheibenvorfall kommt es zum Austritt von Nukleus-Material (Material vom Nucleus pulposus). Ursache können sein plötzliche Verletzung oder am häufigsten degenerative Veränderungen. Beim Bandscheibenvorfall handelt es sich um eine gallertartige Masse, die im Inneren der Bandscheibe liegt (sog. Nucleus pulposus) Die Beschwerden sind abhängig von der Stelle des Bandscheibenvorfalls. Die auslaufende Masse kann auf die Nerven im Rückenmarksbereich drücken und so zu Rückenschmerzen und Symptomen, wie Lähmungen, Taubheitsgefühlen oder Funktionsstörungen von Organen, führen. Am häufigsten sind Vorfälle auf L4/ L5 und L5/ S1. Man unterscheidet zwischen (1) Protrusion: Verwölbung des Anulus fibrosus und des hinteren Längsbandes = inkompletter Bandscheibenprolaps; (2) Prolaps: Vorfall der Bandscheibe mit Austritt von Nukleus-Gewebe aus dem Anulus fibrosus und (3) Sequester: Vorfall des Nucleus pulposus mit Verlust der Verbindung zur Bandscheibe.

Bandscheibenvorfall - die Kennzeichen

Typische Kennzeichen für eine Bandscheibenvorfall sind:

  • Schmerzen, einer oder mehrerer Nervenwurzeln, häufig ausstrahlend (Lumboischalgie), meist einseitig
  • Skoliotische Fehlhaltung
  • Reflexasymmetrien (Patella- und Achillessehnenreflex)
  • Kraftminderung einzelner Kennmuskeln
  • Sensibilitätsstörungen
  • Lähmungen
  • Sonderfall und Notfall-OP: Cauda-Syndrom (sog. Reithosenanästhesien, unwillkürlicher Stuhl- und Harnabgang)

Bandscheibenvorfall - die Therapie

Die konservative Therapie umfasst zunächst immer Lagerung im Stufenbett, physikalische Maßnahmen (Wärme und Massage), Extensionsbehandlung, NSAR-Medikamente, Akupunktur, Krankengymnastik, Wirbelsäulennahe Infiltration mit Lokalanästhetika und Cortison. Bei der operativen Therapie unterscheidet man die Spondylodese, welche v.a. bei älteren Patienten bzw. Patienten mit Verschleißerscheinungen durchgeführt wird. Dabei wird die betroffene Bandscheibe, inkl. der Facettengelenke herausgenommen und durch einen Titankorb (sog. Cage) ersetzt. Es folgt eine Stabilisierung/ Versteifung der betroffenen Wirbelkörper durch einen sog. Fixateur interne (spezielle Schrauben, Platten und Stäbe aus Edelstahl oder Titan). Eine weitere Methode ist das Einsetzen einer Bandscheibenprothese, die vorzugsweise bei jungen Patienten ohne Degeneration der Facettengelenke angewendet wird. Nach einer OP kann es zum sog. Postdiskotomie-Syndrom kommen.

Betäubungsmittel (BtM)

Als Betäubungsmittel gelten Substanzen, die in Anlage I-III zu § 1 des deutschen Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aufgelistet sind. Die Substanzen weisen ein hohes Suchtpotential auf und umfassen sowohl illegale Drogen, wie beispielsweise Heroin oder Kokain, als auch in der Medizin zur Behandlung von Erkrankungen verwendete Substanzen, wie beispielsweise Opiate/Opioide oder Barbiturate.

Betäubungsmittelrezept

Bei einem Betäubungsmittelrezept handelt es sich um ein Formular für die Verschreibung von Betäubungsmitteln. Es ist ein spezielles, amtliches Formular, welches durch den Arzt ausgefüllt wird. Der Patient erhält gegen Vorlage dieses Rezeptes in der Apotheke dann das entsprechende Betäubungsmittel.

Biofeedback

Beim Biofeedback werden Veränderungen von Körperprozessen durch akustische oder visuelle Signale sichtbar gemacht. Das Ziel dieser Methode ist es, meist unbewusste physiologische Körperfunktionen bewusst zu beeinflussen. Biofeedback kann beispielsweise im Rahmen einer Verhaltenstherapie oder psychosomatischen Behandlung zur Entspannung, zur Rehabilitation oder zur Schmerztherapie eingesetzt werden.

Blockwirbel

Als Blockwirbel wird eine komplette oder partielle Verschmelzung benachbarter Wirbelkörper bezeichnet; dieser Zustand kann mögliche Folge einer Spondylodiszitis sein.

Brown-Sequard-Syndrom

Es ist ein sehr seltenes Syndrom, bei dem die Verletzung des Rückenmarks halbseitig ist (z.B. in Folge eines Abszesses). Symptomatisch liegen auf der betroffenen Seite unterhalb der Verletzung eine spastische Parese und der Ausfall der Tiefensensibilität und des Vibrationssinns vor. Auf der gegenüberliegenden Seite sind Schmerz- und Temperatursinn aufgehoben bzw. zerstört.

Burning-feet-Syndrom

Unter dem Burning-feet-Syndrom versteht man ein schmerzhaftes Brennen der Füße (v.a. nachts). Begleitend können vegetative und trophische Störungen auftreten (z.B. örtliche Schweißbildung, Hautschuppung), sowie Muskelverspannungen und Nervenreizzustände. Das Brennen wird durch Bewegung und Wärme erhöht und durch Kühlung gelindert.

C

Cannabinoide

Als Cannabinoide bezeichnet man eine Gruppe von Substanzen, die im menschlichen Körper an spezielle Rezeptoren – den Cannabiniod-Rezeptoren – auf den Nervenzellen binden. Es gibt pflanzliche Cannabinoide, die aus der Hanfpflanze (lat. Cannabis sativa) gewonnen werden, synthetisch hergestellte und die körpereigenen, die als Endocannabinoide bezeichnet werden. Die Cannabinoide und ihre Rezeptoren bilden zusammen das sogenannte endogene (körpereigene) Cannabinoid-System, das viele physiologische Prozesse im Körper reguliert. Dazu zählen unter anderem schmerzhemmende, entzündungshemmende und auch Körperabwehr-Prozesse.

Capsaicin

Capsaicin ist eine pflanzliche Substanz, die aus dem Nachtschattengewächs Capsicum (eine Paprikasorte) gewonnen wird. Capsaicin kann durch ihre wärmende und durchblutungsfördernde Wirkung u.a. zur Behandlung von Muskelschmerzen und Gelenkproblemen eingesetzt werden.

C-Fasern

C-Fasern sind langsam leitende Nervenfasern. Sie sind nicht myelinisiert, d.h. sie weisen keine Markscheide auf, und sind in der Regel in Gruppen angeordnet. C-Fasern haben einen Axondurchmesser von ca. 1 μm und eine Leitgeschwindigkeit von ca. 2 m/s. Sie sind für die Übertragung des sogenannten sekundären Schmerzes von Hitzereizen und schmerzhaften mechanischen Reizen verantwortlich. Der so vermittelte Schmerz weist einen bohrenden, brennenden und dumpfen Charakter auf.

Chiropraktik

Die Chiropraktik dient zur Behandlung funktioneller Gelenkbeschwerden. Sie zählt zu den beliebtesten Behandlungsmethoden bei Rückenschmerzen.

Chondroitin

Chondroitin ist ein wesentlicher Knorpelbestandteil, der die hohe Widerstandskraft des Knorpels gegen Druck gewährleistet. Fehlt dieser Baustein, so kann dies zu Arthrose (= Gelenkverschleiß) führen. Daher gibt es auch aus Schweineohren und Haifischknorpel gewonnenes Chondroitin, welches den Abbau des Knorpels bremsen und parallel den Aufbau von neuem Gewebe fördern soll. Die wissenschaftliche Wirkung bzw. Belegbarkeit ist umstritten: Im Reagenzglas funktioniert das. Beim Menschen zeigen jedoch Studien, dass die Nahrungsergänzungsmittel nicht besser sind als ein Scheinpräparat (Placebo).

Chordotomie

Bei der Chordotomie handelt es sich um ein spezielles Neurochirurgisches Verfahren zur Aufhebung des Schmerz- und Temperaturempfindens. Unter Bildwandlerkontrolle wird eine Elektrode ins Rückenmark eingeführt und an die Stelle platziert, wo die Schmerz- und Temperaturbahnen verlaufen. Anschließend wird eine Hochfrequenzläsion mit einer Temperatur zwischen 60° und 70°C durchgeführt. Bereits nach ein bis zwei Läsionen dieser Art ist die Schmerz- und Temperaturempfindung aufgehoben, während Berührungs- und Lageempfinden erhalten bleiben. Diese Maßnahme wird jedoch nur bei schwersten einseitigen opiat-resistenten Schmerzzuständen, meist als Folge von Geschwulstbildungen oder Metastasen, durchgeführt.

Chronifizierung

Unter dem Begriff Chronifizierung wird der Übergang von vorübergehenden (akuten) zu dauerhaften (chronischen) Erkrankungen oder Symptomen, insbesondere Schmerzen, verstanden. Von einer Chronifizierung wird dann gesprochen, wenn die Erkrankung oder Symptome länger als drei bis sechs Monate bestehen bleiben und somit dauerhaft sind.

Chronisch

Chronisch ist das Gegenteil von akut. Darunter versteht man Erkrankungen, die lange andauern oder sich erst langsam entwickeln.

CIDP

Die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie ist eine entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven. Sie macht sich durch eine zunehmende Schwäche in den Beinen und Armen bemerkbar, die sich über einen Zeitraum von zwei Monaten oder länger entwickelt. CIDP tritt häufig nach einer Störung der Immunabwehr auf. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, das heißt es wird nicht die Ursache behandelt. Die Prognose ist variabel, jedoch erleidet fast die Hälfte aller Patienten eine dauerhafte Behinderung.

Commotio spinalis

Vorübergehende Funktionsstörung des Rückenmarks, die sich innerhalb von 3 Tagen vollständig zurückbildet und kein bildmorphologisches Korrelat aufweist (MRT oder CT).

Compliance

Compliance kann mit Therapietreue übersetzt werden. Sie beschreibt, inwieweit ein Patient eine vereinbarte Behandlung und ärztliche Ratschläge befolgt und einhält.

Computer-Tomographie (CT)

Die Computer-Tomographie ist ein spezielles Röntgenverfahren. Dabei wird durch eine Vielzahl von Röntgenaufnahmen der Körper in Querschnittbildern dargestellt. Dadurch können auch Weichteilgewebe mit geringen Kontrastunterschieden detailliert dargestellt werden.

Contusio spinalis

Bleibende Störung der Rückenmarksfunktionen (Querschnittssyndrom). Je nach Lokalisation sind die Folgen unterschiedlich stark – bis hin zum Ausfall der Atemmuskulatur möglich.

CRPS

CRPS steht für Complex Regional Pain Syndrome (komplexes regionales Schmerzsyndrom). Es handelt sich um eine neurologische, chronische Erkrankung, die nach einer Weichteil- oder Nervenverletzung auftritt, wobei die Schwere der Verletzung keine Rolle spielt. Klinische Zeichen des CRPS sind bspw. Schwellung der Extremität, motorische Defizite oder eine typische neuropathische Schmerzsymptomatik.

D

Deafferenzierungsschmerz

Deafferenzierungsschmerz ist der Schmerz der auftritt, obwohl der Nerv, der den Schmerzimpuls übertragen soll, ausgeschaltet ist. Die Ausschaltung des Nervs kann durch eine Operation oder Amputation erfolgen. Man spricht auch von Phantomschmerz. Deafferenzierungsschmerz kann z.B. auf das Schmerzgedächtnis zurückgeführt werden oder darauf, dass noch ein Abbild vom abgetrennten Glied in der Hirnrinde vorhanden ist.

Degenerativ

Degenerativ bedeutet „durch Verschleiß bedingt“. Es tritt eine Funktionsminderung ein. Gewebe oder Organe bilden sich zurück oder gehen langsam zu Grunde.

Degenerative Bandscheibenerkrankung

Eine degenerative Bandscheibenerkrankung ist ein Verschleiß der Bandscheibe. Die Pufferfunktion der Bandscheibe nimmt ab, es kommt zu Strukturveränderungen der Bandscheibe und es entstehen Rissbildungen. Als Therapiemöglichkeiten kommen neben einem chirurgischen Eingriff auch die Behandlung mit Medikamenten oder Massagen und Injektionen in Frage.

Dekompression (vaskuläre Dekompression nach Janetta)

Besteht eine Trigeminusneuralgie weniger als 4 Jahre und lässt sich eventuell auch im MRT eine Kompression des Nervus trigeminus in der hinteren Schädelgrube durch eine Gefäßschlinge nachweisen, zeigt die Dekompression nach Janetta die besten Behandlungsergebnisse bei einer Trigeminusneuralgie. Dabei wird der Nerv in der Übergangszone zwischen Eintritt in die Schädelbasis und Austritt aus dem Hirnstamm genau inspiziert und eine Unterpolsterung mit einem synthetischen, nicht resorbierbaren Material eingelegt.

Depolarisation

Der Begriff Depolarisation spielt genauso wie das sog. Aktionspotential eine wesentliche Rolle wenn man die Wahrnehmung und Weiterleitung von Schmerz aber auch anderen physiologischen Vorgängen verstehen will. Mit Depolarisation bezeichnet man die Verschiebung des Membranpotenzials in Richtung 0 mV. Man betrachtet dabei die Differenz zwischen dem Inneren der Zelle und dem Außenraum. Diese Differenz beträgt ca. 70 mV.

Depression

Bei einer Depression handelt es sich um eine psychische Störung. Sie macht sich u.a. durch gedrückte Stimmung, Interessen- bzw. Freudlosigkeit und Antriebsstörung bemerkbar. Eine Depression wird mit Antidepressiva oder Psychotherapie behandelt.

Dermatom

Von einem Rückenmarksegment versorgtes sensibles Hautareal. Als Anhaltspunkte für die Dermatome gelten die Brustwarzen (= Mamillen) (Dermatom Th4) und der Nabel (Dermatom Th10). Durch die überlappende Dermatomversorgung kommt es erst bei Schädigung mehrerer benachbarter Rückenmarkssegmente zu einem nachweisbaren Sensibilitätsausfall.

Diabetes (Syn. Zuckerkrankheit)

Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Blutzuckerwerte zu hoch sind. Das Hauptsymptom ist die Ausscheidung von Zucker im Urin. Diabetes entsteht durch eine mangelnde Funktionsweise des Hormons Insulin. Man unterscheidet den Typ 1 Diabetes, bei dem kein Insulin gebildet wird, vom Typ 2 Diabetes, bei dem eine Insulinresistenz entsteht. Diabetes mellitus Typ 2 zählt zu den wichtigsten Volkskrankheiten. Diabetes mellitus kann unter anderem zu einer diabetischen Polyneuropathie führen.

Diabetische Polyneuropathie

Viele Diabetiker entwickeln eine Nervenschädigung, die die Wahrnehmung von Reizen und die Funktion von Organen beeinträchtigt. Diese Schädigung macht sich durch ein Kribbeln in den Extremitäten bemerkbar. Später kommt es zu Parästhesien und Taubheitsgefühlen oder auch zu neuropathischen Schmerzen.

Diathermie

Diathermie ist eine elektrotherapeutische Methode, bei der mit Hilfe von elektrischem Strom Wärme im Körpergewebe erzeugt wird. Es werden Elektroden auf die Haut aufgesetzt, die mit einer Hochfrequenzquelle verbunden sind, oder das betreffende Hautareal wird über eine Antenne, die an einen Generator angeschlossen ist, bestrahlt. So lässt sich auch in der Tiefe eine Wärmeentwicklung erreichen.

Diskektomie

Hierbei handelt es sich um ein minimal invasives Verfahren zur Operation eines Bandscheibenvorfalls. Die Bandscheibe wird unter endoskopischer Sicht mithilfe einer Fasszange mit Saugvorrichtung entfernt. Narbenbildung im Bereich der operierten Stelle bleibt größtenteils aus.

DREZ-Läsion

Die DREZ-Läsion (dorsal root entry zone lesion) wurde 1976 als neues Therapiekonzept zur Behandlung von Deafferenzierungsschmerzen entwickelt. Der mikrochirurgische Eingriff am offenen Rückenmark zielt darauf ab, die durch periphere Deafferenzierung enthemmten Nervenzellen im Hinterhorn des Rückenmarks mittels mehrerer Hochfrequenzläsionen zu zerstören.

Durchbruchschmerzen

Durchbruchschmerzen sind die Schmerzspitzen eines ansonsten gelinderten Dauerschmerzes. Sie erreichen innerhalb weniger Minuten ihre maximale Intensität und dauern meist 30 Minuten an. Auslöser können Bewegung, Lachen, Husten sein.

Dysästhesie

Dysästhesie ist eine Sensibilitätsstörung im Bereich der Oberflächensensibilität. Es kommt zu einer unangenehmen oder schmerzhaften Missempfindung auf einen normal nicht schmerzhaften Reiz.

E

Eigenreflex

Reflexe sind unwillkürliche, nicht steuerbare Reaktionen auf äußere Reize. Beim Eigenreflex werden die Muskelspindeln durch eine kurzzeitige Dehnung des Muskels oder dessen Sehne (z.B. durch Beklopfen mit einem Reflexhammer) erregt, was sich aufgrund der direkten Verschaltung im Rückenmark mit einer Kontraktion (Zusammenziehen) des gleichen Muskels äußert. Der Muskeleigenreflex ist damit monosynaptisch. Eigenreflexe sind, im Gegensatz zu Fremdreflexen, nicht habituierbar, d.h. es tritt kein Gewöhnungseffekt ein.

Elektro-Neurographie (ENG)

Die Elektro-Neurographie ist eine Methode der Elektrodiagnostik. Sie misst die Nervenleitgeschwindigkeit und wird zur Diagnose einer Reizleitungsstörung durch geschädigte Nerven eingesetzt.

Elektro-Myographie (EMG)

Bei dieser Untersuchungsmethode wird die natürlicherweise auftretende, elektrische Spannung in einem Muskel gemessen. So kann festgestellt werden, ob eine Erkrankung des Muskels oder eine Reizleitungsstörung des Nervs vorliegt.

Elektrode

Eine Elektrode ist ein elektrisch leitendes Bauteil, das die Übertragung von Strom in einem Gerät übernimmt, das elektrische Ströme übertragen soll.

Elektrophysiologische Messverfahren

Elektrophysiologische Messverfahren liefern objektive Befunde zur Funktion des somatosensorischen und des motorischen Systems. Sie geben Auskunft über Schädigungen ganzer polysynaptischer Nervenbahnen und peripherer Nerven.

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation werden Nervenabschnitte durch Elektroden gereizt. Dies soll dazu führen, dass gelähmte Nerven wieder stimuliert werden und so der Muskel wieder bewegt wird. Es gibt verschiedene Verfahren, wie z.B. die Rückenmarkstimulation oder die periphere Nervenstimulation.

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie ist die medizinische Anwendung des elektrischen Stroms. Sie wird bei Schmerzsyndromen am Bewegungsapparat, Muskelverspannungen oder Muskelschwächen eingesetzt.

Endorphine

Endorphine werden auch als „Glückshormone“ bezeichnet. Sie werden vom Körper selbst hergestellt und wirken schmerzlindernd bzw. –unterdrückend. Sie werden u.a. in der Hypophyse und im Hypothalamus, zwei Strukturen im Gehirn, produziert. Endorphine werden sowohl in Notsituationen als auch in Glücksmomenten ausgeschüttet.

Engpasssyndrom

Das Engpasssyndrom entsteht durch eine Einklemmung oder Veränderung von Nervenstrukturen durch andere Gewebe. Ursachen können eine Gewebeschwellung durch Ödeme, verdickte Bänder, Verkalkungen an Sehnen, anatomische Varianten oder die Folgen von Knochenbrüchen sein.

Entzündung

Eine Entzündung ist Ausdruck der Immunreaktion eines Organismus. Es handelt sich um eine Reaktion auf einen äußeren oder innerlich ausgelösten Reiz. Ziele sind die Beseitigung des Reizes, die Unterbindung der Ausbreitung und die Reparatur entstandener Schäden. Die Entzündungszeichen sind Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz und eingeschränkte Funktion. Jedoch sind diese Zeichen nicht immer erkennbar.

Eosinophile Granulozyten

Eosinophile Granulozyten gehören zu den Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und machen ca. 3-5% der Zellen im Differentialblutbild aus. Sie sind an der zellulären Immunabwehr beteiligt und spielen eine wichtige Rolle bei der Steuerung allergischer Reaktionen sowie bei der Abwehr von Parasiten.

Epidurale Fibrose

Epidurale Fibrose sind Narbenverwachsungen nach Rückenoperationen. Typisch ist das Auftreten von Schmerzen nach der Operation nach zwei bis drei Wochen. Eine Behandlung ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Epiphyse

Die Epiphyse, umgangssprachlich auch Zirbeldrüse genannt, ist ein unpaariger Bestandteil des Epithalamus (Teil des Zwischenhirns). Die Epiphyse ist für die Ausschüttung des Hormons Melatonin zuständig. Melatonin wiederum steuert den körpereigenen Schlaf- und Wachrhythmus und dadurch im weiteren Schritt auch die Schmerzwahrnehmung. Unausgeschlafenheit erhöht die Schmerzempfindlichkeit bzw. senkt die Schmerzwahrnehmungsschwelle.

Evozierte Schmerzen

Evozierte Schmerzen gehören zu den neuropathischen Schmerzen und werden durch einen äußeren Reiz hervorgerufen (evoziert), der sonst nicht zu einem Schmerzempfinden führt. So kann die Berührung mit warmen Wasser oder einem Wattebausch intensive Schmerzen auslösen. Die Diagnostik ist mittels Bedside-Tests möglich.

F

Facettensyndrom

Reizung der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) meist als Folge einer Arthrose dieser Gelenke. Als Therapie kommen in Frage: Medikamente, vorübergehendes Tragen eines Mieders zur Entlastung der Wirbelsäule, "Spritzen" (intraartikuläre oder periartikuläre Applikationen eines Lokalanästhetikums meist in Kombination mit einem sog. Glukokortikoid), Elektrotherapie, krankengymnastische Übungsbehandlung der Rumpfmuskulatur.

Failed back surgery syndrom (FBSS)

Beim FBSS handelt es sich um eine fortbestehende Schmerzsymptomatik im Rücken nach einer Operation. Ursachen können eine schlechte Operationsanzeige, eine fehlerhafte Operation, eine ungenügende Entlastung der Wirbelsäule, eine Entzündung oder eine bereits stattgefundene Chronifizierung der Schmerzen sein.

Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist eine chronische, nicht entzündliche Erkrankung. Sie ist durch Schmerzen im Bereich der Sehnen, Faszien und Muskeln gekennzeichnet (Faser-Muskel-Schmerz). Fibromyalgie ist eine Ausschlussdiagnose, die nach Ausschluss anderer Ursachen für die Schmerzsymptomatik gestellt wird. Diese Erkrankung ist häufig assoziiert mit weiteren Merkmalen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Schlafstörungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und meist werden Betroffene als Hypochonder bezeichnet, da die Krankheit schwer zu diagnostizieren und der Allgemeinheit häufig nicht bekannt ist. Die Schmerzen, häufig im Rückenbereich, sind durch sog. Triggerpunkte reproduzierbar. Die Behandlung erfolgt symptomatisch durch Physiotherapie und unter anderem Antidepressiva.

Fremdreflexe

Beim Fremdreflex sind Rezeptororgan (meist die Haut) und Effektororgan (Muskel) nicht identisch im Gegensatz zum Eigenreflex. Deshalb kommt es zu einer polysynaptischen Verschaltung im Rückenmark mit mehreren Afferenzen. Fremdreflexe sind habituierbar, d.h. nach mehrmaligen Auslösen des Reflexes tritt ein Gewöhnungseffekt ein und der Reiz führt dann nicht mehr zum Auslösen des Reflexes.

G

GABA

Gamma-Aminobuttersäure ist ein Neurotransmitter, der für die Informationsübertragung zwischen Nerven erforderlich ist.

Gedächtnis

Mit dem Begriff Gedächtnis versucht man verschiedene Arten von Informationsspeicherung zu beschreiben bzw. zu umfassen. Dazu gehören neben dem ausschließlichen Behalten von Information auch die Aufnahme, die Ordnung und den Abruf von Informationen.

Gibbus

Eine sichtbare, kyphotische Verformung der Wirbelsäule (dorsal konvexe Krümmung), die unter anderem durch Frakturen oder Spondylodiszitis entstehen kann.

Glyzerin

Glyzerin ist eine farblose, visköse und hygroskopische (wasseranziehende) Flüssigkeit, die durch einen süßlichen Geschmack gekennzeichnet ist. Glyzerin wird als Gleitmittel zur Austreibung von Konkrementsteinen in Gallen- und Harnwegen und als Grundbestandteil von Salben und Cremes eingesetzt.

Gürtelrose

Gürtelrose (Herpes Zoster) ist eine Erkrankung die durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst wird. Das Virus persistiert nach der Windpockenerkrankung in den Ganglien (Nervenknoten) und kann durch z.B. Stress wieder reaktiviert werden. Es handelt sich um einen schmerzhaften, dermatombezogenen Hautausschlag mit Blasen.

H

Hard disc

Es handelt sich um eine Unterform des Bandscheibenvorfalls. Es kommt zur Kompression von Spinalnerven oder Spinalkanal durch einen knöchernen Prozess mit Osteophyten (spezifische radiologisch nachweisebare Veränderungen) der Wirbelplatten oder kleinen Wirbelgelenken. Im Gegensatz dazu gibt es auch Soft disc.

Hemmung

Hemmung bzw. fachlich auch neuronale Inhibition genannt, umschreibt das Phänomen, dass ein Senderneuron einen Impuls zum Empfängerneuron sendet, der bei diesem dazu führt, dass seine Aktivität herabgesetzt wird. Dieser Mechanismus ist ganz entscheidender bei der Schmerzwahrnehmung und -weiterleitung. So spielt z.B. der Botenstoff Serotonin eine wichtige Rolle im Schmerzhemmenden System und ist häufig bei chronischen Schmerzpatienten nur noch reduziert vorhanden. Insgesamt gesehen ist der Botenstoff GABA der häufigste im Körper vorkommende Hemmstoff.

Herpes Zoster

Siehe Gürtelrose.

Hexenschuss (Syn. Lumbago, Ischiassyndrom)

Eine häufige Ursache für Rückenschmerzen sind Muskelspasmen. Eine falsche Bewegung im Rücken kann dazu führen, dass einzelne Muskeln oder gar ganze Muskelgruppen kontrahieren und schließlich „zumachen“. Dies kann starke Schmerzen verursachen. Da der Schmerz dann typischerweise plötzlich einschießt, spricht man im Volksmund auch von einem „Hexenschuss“ bzw. medizinisch von Lumbago oder dem Ischiassyndrom. Meist ist dabei der Lendenwirbelbereich betroffen und es kommt zu Bewegungseinschränkungen. Manchmal reicht schon ein Niesen, Husten oder das Herunterbücken zum Schuhe binden, um einen Muskelspasmus auszulösen. Dann kann es zu Quetschungen oder Einengungen des aus dem Rückenmark austretenden Ischiasnervs kommen. In der Regel ist keine medizinische Behandlung notwendig, da die Muskelspasmen mit der Zeit wieder von alleine abklingen. Sollte dennoch eine medizinische Intervention notwendig sein, dann gibt es die folgenden Möglichkeiten: Schmerzmittel: Einnahme von NSAR (Diclofenac, Ibuprofen) Physikalische Therapie: Wärmebehandlung wodurch es zur Entspannung und Auflockerung der Muskulatur kommt Dehnübungen: Die verkrampfte Muskulatur wird gelockert. Ferner sorgt die Bewegung für eine bessere Durchblutung und die Entzündung bildet sich dadurch schneller zurück. Entscheidend ist eine Prophylaxe, v.a. wenn bereits eine Hexenschuss aufgetreten ist. Gezielte Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur werden empfohlen.

Hirninfarkt

Bei einem Hirninfarkt kommt es zu einer plötzlichen Funktionsstörung des Gehirns. Diese wird durch Durchblutungsstörungen ausgelöst. Die entstehenden Folgen können unterschiedlich sein und reichen von Sprachstörungen und Schwindelattacken bis zu kompletten Lähmungen.

Hochfrequenz-Ablation

Die Hochfrequenz-Ablation ist eine medizinische Methode zur lokalen Zerstörung von Gewebe. Dazu wird ein Applikator in das Gewebe eingebracht, der dort gezielt Hitze erzeugt.

Homöopathie

Die Homöopathie ist ein alternatives Heilverfahren, welches auf die Veröffentlichungen von Samuel Hahnemann im 18. Jahrhundert zurückgeht. Die Theorie des Heilverfahrens beruht unter anderem auf den Grundlagen des Ähnlichkeitsprinzips, der homöopathischen Anamese und der Potenzierung, die größtenteils im Widerspruch mit der Schulmedizin stehen. Die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln ist wissenschaftlich nicht belegt, jedoch ist die Homöopathie in Deutschland als alternatives Heilverfahren anerkannt und wird zum Teil von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Hyaluronsäure

Die Hyaluronsäure ist Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Ins Knie gespritzt lindert diese Schmerzen. Im Gegensatz dazu belegen jedoch Studien, dass als Pille bzw. Nahrungsergänzungsmittel die Hyaluronsäure keinen Nutzen hat, da sie die Gelenke nicht erreicht.

Hydromyelie

Zystische Auftreibung des Zervikalkanals. Im Gegensatz dazu siehe Syringomyelie.

Hypalgesie

Eine Hypalgesie ist eine Sensibilitätsstörung, die zu einer verminderten Schmerzempfindung führt. Ursachen können neurologische und nicht-neurologische Erkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Bandscheibenvorfall, sein.

Hypästhesie

Bei der Hypästhesie handelt es sich um eine verminderte Empfindlichkeit der Haut und Schleimhaut für Sinnesreize. Ursachen können eine Läsion im Nervensystem, die Schädigung der Haut oder Hirninfarkte sein.

Hyperalgesie

Eine Hyperalgesie ist eine gesteigerte Schmerzempfindung. Schmerzen, die von gesunden Menschen als aushaltbar beschrieben werden, werden als übermäßig intensiv empfunden. Außerdem werden auch nicht schmerzhafte Reize als schmerzhaft empfunden. Die Hyperalgesie gilt es abzugrenzen von der Allodynie (= inadäquat starke bis schmerzhafte Empfindungen).

Hyperurikämie

Erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, der dazu führen kann, dass die Harnsäure in Gelenken auskristallisiert (Gicht), dort starke Schmerzen verursacht und sich in den Nieren als Nierensteine ablagert.

Hypnose

Durch Hypnoseverfahren kann bei einigen Schmerzpatienten durch manipulative Beeinflussung eine Herabsetzung des subjektiven Schmerzempfindens erreicht werden. Dieses psychologische Verfahren kann bei chronischen Schmerzpatienten supportiv eingesetzt werden.

Hypnotherapie

Hypnotherapie nutzt das Wissen über die Wirkung von Trance und Suggestion im therapeutischen Sinne. Es wird entweder Hypnose im formalen Sinne praktiziert oder es werden alltägliche Tranceprozesse für die therapeutische Arbeit genutzt. Die Behandlung beschränkt sich oft auf wenige Sitzungen.

I

Idiopathisch

Idiopathisch heißt „ohne erkennbare Ursache“. Als idiopathische Erkrankungen werden alle Krankheiten mit nicht bekannter Ursache bezeichnet. Dabei stellt das Symptom selbst die Krankheit dar.

Immunreaktion

Die Immunreaktion ist die Antwort des Immunsystems auf die Konfrontation des Körpers mit einem fremden oder bereits bekannten Antigen. Sie ist die Grundlage der Abwehr von Krankheiten.

Infektion

Als Infektion bezeichnet man den Eintritt von pathogenen Lebewesen (z.B. Bakterien) oder pathogenen Molekülen in den Organismus sowie deren anschließende Vermehrung.

Intermittierende Stimulation

Intermittierend bezieht sich auf Krankheitsverläufe und bedeutet „wiederkehrend“ oder „mit Unterbrechungen erfolgend“. Eine Stimulation ist die Anregung physischer oder psychischer Strukturen durch endogene oder exogene Reize. Die intermittierende Stimulation ist also eine wiederkehrende Anregung dieser Strukturen, die in gewissen Zeitabständen erfolgt.

Interneurone

Interneurone sind Nervenzellen des zentralen Nervensystems, die zwei Nervenzellen miteinander verschalten. Sie regulieren die Aktivität der Nerven, auf die sie verschaltet sind. Unter anderem sind sie an der Schmerzwahrnehmung beteiligt. Bei chronischen Schmerzen kann es zum Verlust dieser Neurone kommen.

Interventionelle Therapieverfahren

Interventionelle Therapieverfahren erlauben eine gezielte Behandlung betroffener Körperregionen. Im Gegensatz zu konservativen Therapiemethoden erfolgt ein gezielter Eingriff in die erkrankte Körperregion. Als Beispiele können hier Blockaden der Nerven mit Lokalanästhetika oder Opioiden genannt werden.

Intrathekale Arzneimittelinfusion (IDD)

Intrathekale Arzneimittelinfusionen, sog. intraventrikuläre oder intraspinale Opioidapplikationen, werden direkt in den Liquorraum, den das Rückenmark umgebenden, flüssigkeitsgefüllten Raum, abgegeben. So können sie direkt auf das Rückenmark aber auch Hirnstamm wirken. Zur Dauertherapie werden Medikamentenpumpen eingesetzt.

Ionenkanal

Ionenkanäle sind in die Zellmembran von Nervenzellen und auch allen anderen Zellen im Körper eingelagert. Sie ermöglichen den Übertritt elektrisch geladener Teilchen, den Ionen, über die Zellmembran ins Zellinnere und nach draußen. Sie spielen somit eine wesentliche Rolle bei der Schmerzweiterleitung und -wahrnehmung. Durch den Austausch von Ionen wird das sog. Membranpotential einer Zelle beeinflusst und so schließlich ein Aktionspotential ausgelöst. In den meisten Fällen weisen Ionenkanäle eine Durchlässigkeit für eine Art von Ionen auf, z.B. für Kaliumionen oder Natriumionen. Diese werden dann entsprechend als Kaliumkanäle respektive Natriumkanäle bezeichnet. Die Beeinflussung dieser Kanäle und damit die Steuerung von Schmerzweiterleitung, -wahrnehmung und -verarbeitung gelingt u.a. durch die Small Fiber Matrix Stimulation®.

Ischämische Neuropathie

Die ischämische Neuropathie ist eine nichtentzündliche Nervenerkrankung. Sie wird durch die Verminderung oder völligen Unterbindung der lokalen arteriellen Blutzufuhr verursacht.

Ischämieschmerz

Ischämieschmerzen entstehen durch eine periphere arterielle Durchblutungsstörung. Betroffene Zellen oder Organe werden nicht mehr richtig durchblutet, wodurch Schmerzen auftreten.

Ischialgie

Ischialgie bezeichnet Schmerzen, die im Versorgungsbereich des Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) auftreten. Der Ischiasnerv tritt bei den unteren beiden Lendenwirbeln (L4 und L5) und den oberen Kreuzsegmenten (S1-S3) aus und zieht das Bein hinunter zur Kniekehle. Ischialgien entstehen durch Kompression der Nervenwurzeln durch z.B. die Vorwölbung einer Bandscheibe oder das Austreten des Bandscheibenkerns.

K

Kalottenklopfschmerz

Das Abklopfen des knöchernen Schädels mit den Fingerspitzen führt zu Schmerzempfindungen (Schmerzen v.a. bei Frakturen, lokalen Prozessen).

Kalziumkanalmodulatoren

Zu den Kalziumkanalmodulatoren gehören die Arzneistoffe Pregabalin und Gabapentin. Pregabalin dient zur Behandlung von peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen sowie zur Therapie von generalisierten Angststörungen. Es moduliert den Kalziumeinstrom in die Nervenzellen. Die Wirkungsweise von Gabapentin ist noch nicht sicher bekannt, jedoch wirkt es u.a. über präsynaptische Kalziumkanäle.

Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Das CTS gehört zu den häufigsten peripheren Nervenkompressionssyndromen. Dem Karpaltunnelsyndrom liegt eine Kompressions des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel zu Grunde. An der Innenseite des Handgelenks wird der, die Hand versorgende, Nerv durch Bindegewebsstrukturen beim Durchtritt durch den Handwurzelkanal eingeengt. Schmerzen treten häufig nachts auf und es kommt zu einem Taubheitsgefühl, sowie zum Verlust von Griffstärke. Frauen (meist zw. dem 40. und 60. Lebensjahr) erkranken häufiger als Männer.

Kauda-Syndrom

Spinale Kompression der Cauda equina (Nervenwurzeln unterhalb von L2) durch eine Raumforderung (bedingt durch z.B. einen medialen Bandscheibenvorfall, Tumor oder Fraktur). Typisch ist eine spät (im Konus-Syndrom hingegen früh) auftretende asymmetrische Reithosenanästhesie. Es kommt weiterhin zu einer Blasen- und Mastdarmstörung und asymmetrisch starken Schmerzen, die radikulär ausstrahlen.

Kernig-Zeichen

Die aktive Kniestreckung löst bei gebeugtem Hüftgelenk Schmerzen aus.

Kernspin-Tomographie (MRT)

Die Kernspintomographie (auch Magnetresonanztomographie, kurz MRT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Struktur und Funktion von Organen. Es werden Schnittbilder durch den Einsatz von Magnetfeldern erzeugt. Typische Einsatzfelder sind Bandscheibenvorfall, Schlaganfall, Tumore, Hirnfehlbildungen, Epilepsie, Hydrozephalus, subakute Traumen und Blutungen, sowie Myelitis.

Kernspintomograf

Der Kernspintomograf ist ein Gerät, das ähnlich dem Röntgengerät zur medizinischen Bildgebung dient. Im Gegensatz zum Röntgen wird das Kernspintomografiegerät zur sog. Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Diese Methode wurde von Paul C. Lauterbur 1971 erfunden und dann 2 Jahre später im Jahre 1973 erstmals veröffentlicht. Patienten werden dafür in eine Röhre (Scanner) geschoben und einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Sie bekommen aber keine Röntgenstrahlen oder andere Formen ionisierender Strahlung ab.
Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren zur medizinischen Diagnose von Fehlbildungen bzw. Erkrankungen in Geweben oder Organen des Körpers. Insbesondere Körperbestandteile, die viel Wasser enthalten, lassen sich mit dieser Methode gut darstellen.

Koanalgetika

Koanalgetika sind Medikamente, die zwar keine direkte schmerzhemmende Wirkung besitzen, die aber zusätzlich zu Schmerzmedikamenten (Analgetika) verabreicht werden, um deren Wirkung positiv zu unterstützen. Zu ihnen zählen u. a. Antidepressiva, Antikonvulsiva und Muskelrelaxanzien.

Kokzygodynie

Als Kokzygodynie werden chronische Schmerzen im Bereich des Steißbeins bezeichnet. Häufig liegen der Kokzygodynie keine organischen Ursachen zugrunde. Sie kann durch Verletzungen, Bandscheibenvorfälle oder Tumore entstehen.

Kollagen

Ein wesentlicher Hauptbestandteil von Knochen und Knorpel und das am meisten verbreitete Protein im Körper ist Kollagen. Es gibt 28 verschiedene Kollagentypen. Im Knochen befinden sich hauptsächlich Typ I, in Knorpel v.a. Kollagen vom Typ II. Kollagene sichern die hohe Zugfestigkeit in Knorpel und Knochen. Ist der Kollagenaufbau im Körper gestört, so werden Knochen spröde und brechen sehr leicht (dies führt zur sog. Glasknochenkrankheit).

Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist eine zumeist posttraumatisch entstehende Erkrankung der Extremitäten, bei der es zu starken Schmerzen kommt. Von der früher verwendeten Einteilung nach Sudeck wurde Abstand genommen, da der zunächst vermutete stadienhafte Verlauf klinisch kaum beobachtet wurde. Eine multimodale Therapie sollte frühzeitig eingeleitet werden. Noch wichtiger ist jedoch ein schonendes Vorgehen bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen, um die Entstehung der Erkrankung möglichst zu verhindern.

Komorbidität

Als Komorbidität wird eine Erkrankung bezeichnet, die zusätzlich zu einer Grunderkrankung auftritt. Häufige Beispiele sind Angststörungen, Depression oder Schlafstörungen. Die Zusatzerkrankung stellt ein eigenes Krankheitsbild dar, das nicht zwingend mit der Grunderkrankung zusammenhängen muss.

Komplementärmedizin

Zur Komplementärmedizin gehören Verfahren, die nicht zur Schulmedizin zählen. Es sind begleitende und unterstützende Verfahren, wie z.B. Nahrungsergänzungsmittel, Ernährungsumstellung oder Entspannungsverfahren.

Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)

Siehe CRPS.

Konsolidierung

Die Konsolidierung ist ein Mechanismus bzw. Prozess, der den Informationsübergang vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis bezeichnet. Dies kann aktiv durch sog. Lernen geschehen oder auch passiv z.B. als Folge dauerhafter Schmerzen. Konsolidierung spielt somit auch eine entscheidende Rolle bei der Chronifizierung von Schmerzen und folglich zum Entstehen eines Schmerzgedächtnisses.

Konus-Syndrom

Bei Verletzung des sog. Conus medullaris auf Höhe des Überganges TH12 - LWK 1 zeigt sich typischerweise eine bilateral und symmetrisch auftretende sog. „Reithosenanästhesie“ in Verbindung mit Störungen der Miktion, Darmentleerung und Sexualfunktion. Im Gegensatz zum Kauda-Syndrom sind die Schmerzen bilateral, symmetrisch, mäßig im perinealen Bereich und in der Hüfte.

Kortisol

Kortisol ist ein Hormon der Nebennierenrinde und ist neben Adrenalin ein weiteres wichtiges Stresshormon. Kortisol gehört in die Gruppe der Glucocorticoide und beeinflusst im Körper den Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel. Außerdem spielt es auch eine Rolle bei der Schmerzwahrnehmung. Gebildet wird das körpereigne Kortisol während des Schlafens, v.a. in den frühen Morgenstunden.

Kortisonstoßtherapie

In der Akut-/ Anfangsphase eines Bandscheibenvorfalls kann eine Kortisonstoßtherapie erfolgen, die einerseits die Schmerzen, andererseits die Entzündungsreaktion der gereizten Nervenwurzeln mindern soll.

Krankheit

Eine Krankheit ist eine Störung der normalen physischen (körperlichen) oder psychischen (seelischen) Funktionen.

Krankheitsmodell, biopsychosoziales

Im biopsychosozialen Krankheitsmodell wird Schmerz als psycho-physisches Gesamtereignis aufgefasst. Neben körperlichen Komponenten sind auch verhaltensmäßige, kognitive und affektive Komponenten bei der Entstehung von Schmerz beteiligt. All diese Faktoren werden bei der Diagnose und der Behandlung berücksichtigt.

Krebs

Krebs (med.: Malignom) bezeichnet einen bösartigen (malignen) Tumor, dessen Zellen sich ungehemmt unendlich oft teilen können. Sie können in benachbarte Gewebe eindringen, Blutgefäße zur Versorgung anzapfen und an entfernten Körperstellen Tochtergeschwüre (Metastasen) bilden. So verdrängt und zerstört der Krebs gesundes Gewebe.

Kreislaufsystem

Ein Kreislaufsystem ist ein geschlossenes Transportsystem, in dem Körperflüssigkeiten oder körpereigene Substanzen zirkulieren. Das menschliche Kreislaufsystem ist ca. 100.000 km lang.

Kryoanalgesie

Die Kryoanalgesie (Vereisung) ist ein minimal invasiver Eingriff, bei dem ein Nervengeflecht mittels Kältezuführung vereist wird. Dadurch wird eine Schmerzlinderung erreicht. Der Nerv wird dabei nicht zerstört, so dass eine Regeneration möglich ist.

Kryotherapie

Bei der Kryotherapie kommt es zum gezielten therapeutischen Einsatz von Kälte zur Behandlung von Haut, Muskeln und Gelenken. Kälte wirkt lokal schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend. Einsatzbereiche sind akute Verletzungen der Gelenke, Muskeln und Bänder (z.B. Bänderriss).

Kyphoblastie

Die Kyphoblastie ist eine minimalinvasive Aufrichtung der Wirbelkörper mittels Einführen eines aufblasbaren Ballons in den betroffenen Wirbelkörper. Dabei wird der Wirbelkörper mit Knochenzement gefüllt. Eine Sonderform ist die sog. Vertebroplastie. Dieser Begriff wird verwendet für das alleiniges Auffüllen mit Zement ohne Aufrichten. Eine relevante Hinterkantenbeteiligung (die Hinterkante des Wirbelkörpers ist dem Rückenmark zugewandt) ist ein Ausschlusskriterium für eine Kyphoblastie, da Zement in den Rückenmarkskanal austreten könnte.

L

Langzeitgedächtnis

Mit dem Begriff Langzeitgedächtnis beschreibt man ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der Vergangenheit passiert sind. Als Folge der sog. Konsolidierung werden im Langzeitgedächtnis Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt. Diese Langzeitpotentierung findet ebenfalls bei wiederkehrenden Schmerzen statt und führt dann auch bei Schmerzen zu einem Langzeitgedächtnis, dem sog. Schmerzgedächtnis.

Lasègue-Zeichen

Das passive Anheben des gestreckten Beines beim in Rückenlage befindlichen Patienten führt zu Schmerzen im Gesäß und hinteren Oberschenkel durch Dehnung des N. ischiadicus. Auftreten z.B. bei Bandscheibenvorfall und Ischias-Syndrom. Umgekehrtes Lasègue-Zeichen bedeutet, dass bei Kniebeugung und Hüftüberstreckung bei einem in Bauchlage befindlichen Patienten, es zu Schmerzen im vorderen Oberschenkel kommt, da der N. femoralis und die Nervenwurzeln auf Höhe L3/ L4 gedehnt werden.

Lhermitte Zeichen

Das Lhermitte Zeichen kann beispielsweise bei Multiple Sklerose (MS) auftreten. Es bezeichnet das Auftreten von elektrisierenden Missempfindungen entlang der Wirbelsäule und an den Armen beim Beugen des Nackens.

Limbisches System

Häufig wird das limbische System mit der Bezeichnung emotionales Gehirn auf die Gefühlswelt reduziert – dies ist so aber nicht korrekt. Das limbische System ist eine Funktionseinheit im Gehirn, das aus verschiedenen Bestandteilen besteht. Am wichtigsten sind der Hippocampus, der Hypothalamus, und die Amygdala. Im limbischen System werden z. B. Schmerzinformation und unbewusste oder emotionale Inhalte miteinander verknüpft. Somit spielt das limbische System eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von chronischen Schmerzen bzw. eines Schmerzgedächtnisses.

Liquor

Liquor ist eine klare, farblose extrazelluläre (die Zellen umgebende) Körperflüssigkeit im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Sie wird von den Plexus Choroidei, den Adergeflechten in den Hohlräumen (Ventrikel) im Gehirn, gebildet. Sie zirkuliert in einem System aus kommunizierenden Hohlräumen, dem so genannten Liquorraum, bestehend aus den Ventrikeln und dem Rückenmarkskanal. Liquor dient dem Stoffwechsel der Nervenzellen, als Schutz für das Gehirn, der Gewichtsreduktion des Gehirns und als Ursprung der Perilymphe, der Flüssigkeit im Innenohr.

Liquorraum

Der Liquorraum ist ein Hohlraumsystem im und um das Gehirn und das Rückenmark herum. Er beinhaltet den Liquor (Gehirn-Rückenmark-Wasser).

LOCF (Last Observation carried forward)

Bei der LOCF-Methode, die bei Längsschnittuntersuchungen zum Einsatz kommt, werden bei jedem Patienten fehlende Werte durch den zuletzt gemessenen Wert ersetzt. Verlässt ein Patient die Studie, wird also der zuletzt gemessene Wert bis zum Ende der Studie weitergeführt.

Lumbago/Lumbalgie

Die Lumbago ist ein Lendenwirbelsäulen-Schmerzsyndrom ohne Ausstrahlung in die unteren Extremitäten. Bekannt ist die Lumbago auch als Hexenschuss. Sie tritt meist plötzlich und nach ruckartigen Bewegungen auf.

Lumboischialgie

Die Lumboischialgie ist ein Lendenwirbelsäulen-Schmerzsyndrom mit Schmerzausstrahlung in die unteren Extremitäten. Sie entsteht durch eine Nervenwurzelkompression. Häufig liegt ein Bandscheibenvorfall zugrunde.

LWS-Syndrom

Das LWS-Syndrom (Lendenwirbelsäulensyndrom) ist ein Sammelbegriff für degenerative Veränderungen oder statisch-muskuläre Störungen im Bereich der Lendenwirbelsäule. In den meisten Fällen sind die Bandscheiben beteiligt.

Lymphozyten

Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind somit Bestandteil des Blutes. Sie umfassen die B-Zellen, die T-Zellen und die natürlichen Killerzellen. Ihre Aufgabe ist die Abwehr von Infektionserregern.

M

Magen(ulkus)perforation

Luft kann aus dem Magen in den Bauchraum übertreten. Dies führt zu plötzlichen Bauchschmerzen, Übelkeit und starkem Unwohlsein (sog. akutes Abdomen). Ein häufiger Grund ist ein Magenulkus, der aufgrund regelmäßiger Einnahme von NSAR (Schmerzmitteln) entsteht.

Mainzer Stadiensystem der Schmerzchronifizierung (MPSS)

Dieses System dient zur Beurteilung einer Schmerzchronifizierung. Dabei werden berücksichtigt: Achse I: Zeitliche Aspekte des Schmerzes; Achse II: Räumliche Aspekte des Schmerzes; Achse III: Medikamenteneinnahmeverhalten; Achse IV: Inanspruchnahme des Gesundheitswesens. Die Punkte aus den einzelnen Achsen werden zu einem Score addiert und in drei Stadien eingeteilt. Auffällig ist, dass die Ursache bzw. der Grund für die Schmerzen keine (primäre) Rolle in diesem Stadiensystem spielt.

Manuelle Therapie = Manuelle Medizin (chiropraktisch)

Die manuelle Therapie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Behandlung von Funktionsstörungen der Gelenke, Muskeln und Nerven sowie deren Folgeerscheinungen. Die manuelle Medizin ist in Deutschland eine ärztliche Zusatzbezeichnung. Sie konzentriert sich auf die Behandlung von sogenannten segmentalen Funktionsstörungen der Wirbelsäule (sog. Blockierungen) und des Bewegungssystems. Diese Blockierungen werden als Ursprung für zahlreiche Beschwerden betrachtet und durch manuelle Lösungen behandelt. Das Ziel ist es, durch mechanische Eingriffe und die Aufhebung von Blockaden, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhöhen.

McKenzie-Konzept

Das McKenzie-Konzept ist ein physiotherapeutisches Verfahren und befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen (z.B. Bandscheibenvorfall). Bei der Untersuchung wird das Schmerzverhalten des Patienten bei verschiedenen Bewegungen in der Wirbelsäule dokumentiert. Das ständige Wiederholen dieser Bewegungen soll den Schmerz beeinflussen und mindern. Zusammen mit dem Therapeuten werden so krankengymnastische Übungsmuster entworfen.

Mechanismen-orientierte Therapie

Hier orientiert sich der Therapeut bei der Behandlung nicht nur an der Schmerzintensität sondern auch an den Schmerzmechanismen, die bei der Entstehung des Schmerzes eine Rolle spielen.

Medikamentenpumpe

Eine in die Bauchhaut implantierte mechanische oder elektrisch programmierbare Medikamentenpumpe gibt über ein Rückenmarkskanal endenden Katheter kontinuierlich oder schmerzadaptiert das Medikament direkt in die Rückenmarksflüssigkeit (= Liquor) ab. Die Schmerzbehandlung ist eine Behandlungsmethode für Patienten, die an einem hochgradigen, chronischen Schmerzsyndrom leiden, das mit den üblichen konservativen Behandlungsformen nicht oder nicht ausreichend behandelbar ist. Das gleiche Prinzip lässt sich auch für Patienten mit schwerer Spastik anwenden. Die Medikamentenpumpe wird in diesem Fall statt mit einem Opioid mit Lioresal gefüllt.

Meditation

Meditation ist eine spirituelle Praxis. Sie hat das Ziel, Konzentration und Ruhe zu fördern. Sie soll helfen, sich zu entspannen und eine innere Ausgeglichenheit zu erreichen.

Membranpotenzial

Das Membranpotenzial ist eine Spannung, die zwischen der Innen- und Außenseite der Zellmembran gemessen wird. Sie entsteht durch die unterschiedliche Verteilung elektrisch geladener Teilchen im Zellinneren und -äußeren. Bei sämtlichen physiologischen Aktivitäten wie Bewegung, Nachdenken, Fühlen, Schmerzempfinden wird das Membranpotential verändert. Das Membranpotential spielt somit eine wichtige Rolle bei der Schmerzweiterleitung.

Menell-Zeichen

Das Menell-Zeichen ist ein Druck- oder Kompressionsschmerz der Iliosakralgelenke und kann auf verschiedene Arten überprüft werden. Eine Möglichkeit ist, dass der Untersucher mit beiden Händen Druck auf beide Darmbeinschaufeln des auf dem Rücken liegenden Patienten ausübt. Treten hierbei Schmerzen im Iliosakralgelenk auf, ist dies ein Hinweis auf eine entzündliche und/oder degenerative Veränderung im Gelenk.

Migräneaura

Mit Migräneaura bezeichnet der Mediziner Symptome, die meist zu Beginn einer Migräneattacke auftreten. Studien zeigen, dass etwa jeder fünfte Migräneanfall sich durch die sog. Migräneaura ankündigt. Konkret bedeutet das, dass Patienten nur noch mit einem Teil des Gesichtsfeldes sehen können oder unscharf sehen. Diese Symptome setzen in der Regel langsam ein und verschwinden ebenfalls langsam. Ein Langzeitschaden bzw. eine Schädigung des Gehirns konnte bis dato nicht nachgewiesen werden.

Mixed pain

Mixed Pain ist ein Schmerzsyndrom, bei dem sowohl nozizeptive als auch neuropathische Anteile vorliegen. Es existieren unterschiedliche Pathomechansimen (naturwissenschaftlich erklärbare Ablauf eines krankhaften Prozesses) nebeneinander. Mixed Pain liegt häufig bei chronischen Rückenschmerzen, Tumorschmerzen oder CRPS vor.

MOR

MOR ist die Abkürzung für μ-Opioid-Rezeptor, an den körpereigene Substanzen und einige Arzneimittel wie Morphin binden, die schmerzlindernd wirken.

MOR-NRI

MOR-NRI (μ-Opioid-Rezeptor-Agonist/Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor) sind Wirkstoffe, die an μ- Opioid-Rezeptoren binden und zusätzlich die Wiederaufnahme von Noradrenalin in die Zellen hemmen, was den schmerzhemmenden Effekt dieser körpereigenen Substanz verlängert. Es handelt sich um eine neue Substanzklasse.

Morbus Baastrup

Syn.: Kissing spine disease. Es enstehen Schmerzen der Lendenwirbelsäule durch Berührung der Dornfortsätze untereinander und Pseudogelenkbildung der Processi spinosi. Konservative Behandlung mit Physiotherapie, Wärmeapplikation und Infiltrationen. Bei chronisch therapierefraktärem Verlauf werden die Proc. spinosi z.T. reserziert.

Morbus Bechterew

Entzündliche rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule mit Kyphose (nach hinten konvexe Krümmung) an den Ileosakralgelenken. Es kommt zu einer Verknöcherung/ Versteifung der Wirbelsäule, bevorzugt der Ileosakralgelenke. Die Erkrankung verläuft schubweise, mit v.a. nächtlichen Beschwerden. Es kommt zum Auftreten von Schmerzen und Versteifung der Gelenke. Es kann ein totaler Rundrücken entstehen. Im Röntgenbild erkennt man sog. Syndesmophyten (Wirbelkörperspangen), später entsteht eine sog. Bambusform im Röntgenbild. Das Blutbild des Patienten ergibt erhöhte Entzündungsfaktoren sowie HLA B27 (90% der Fälle) jedoch keine Rheumafaktoren. Als Therapie wird Physiotherapie/ Krankengymnastik empfohlen. Im Extremfall erfolgt eine operative Einsteifung.

Morbus Forestier (Syn. Hyperostotische Spondylose)

Es handelt sich um eine Spangenbildung zwischen den Wirbelkörpern, die bevorzugt bei älteren Patienten mit Stoffwechselerkrankungen auftritt. Klinisch besteht meist nur eine dezente Symptomatik. Im Röntgen wird die Diagnose anhand der generalisiert runden und hypertrophen Hyperostosen gestellt. Eine Therapie ist meistens nicht erforderlich.

Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann ist eine Wirbelsäulendeformität. Gemäß Definition handelt es sich um eine wachstumsbedingte vermehrte Kyphose der Brustwirbelsäule im thorako-lumbalen Übergang mit Wachstumsstörungen an Deck- und Grundplatten der Wirbelkörper und Bandscheibenverschmälerung. Man spricht im Volksmund auch vom sog. Lehrlingsrücken. Erstmaliges Auftreten ist meist zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Ursache können sein mechanische Beanspruchung (z.B. Turnen, Trampolin) und Haltungsstörungen. Ferner kann auch eine Stoffwechselstörung ursächlich sein. Als Therapie erfolgt hautsächlich Krankengymnastik. Aufrichtende Sportarten wie Kraftsport, Schwimmen und Gymnastik sind vorteilhaft. Bei starkem Fortschreiten gibt es auch eine sog. Korsetttherapie, die sog. Münsteraner Reklinationsorthese. Operative Behandlung nur in seltensten Fällen.

Morphin

Morphin gehört zu den Opiaten und wird bei starken Schmerzen eingesetzt. Es kann als Kapsel, Tablette, Injektion oder Pflaster verabreicht werden. Morphin greift direkt im ZNS an (speziell im Rückenmark und limbischen System) und lagert sich an speziellen Rezeptoren an, um diese zu blockieren.

Motorkortexstimulation (MCS)

Ursprünglich entwickelt für die Behandlung des thalamischen Schmerzsyndroms, wird diese Form der epiduralen Stimulation heute für Phantomschmerzen und anderen neuropathischen Schmerzen benutzt.

Multimodale Schmerztherapie

Die multimodale Schmerztherapie ist ein interdisziplinäres Verfahren, bei dem mindestens zwei medizinische Fachdisziplinen beteiligt sind. Sie stellt die Bausteine medizinische Behandlung, Information, körperliche Aktivierung, psychotherapeutische Behandlung und ergotherapeutische Behandlung gleichwertig nebeneinander.

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems, die meist in Schüben verläuft. Es kommt zur Entmarkung des Nervensystems. Die Symptome hängen dabei vom Ort der Schädigung ab. Typisches Symptom ist die Sehstörung.

Muskelrelaxantien

Muskelrelaxantien sind Medikamente, die eine Entspannung der Skelettmuskulatur bewirken. Sie blockieren die neuromuskuläre Reizübertragung und rufen so eine reversible Lähmung der Muskeln hervor. Man unterscheidet die depolarisierenden von den nicht-depolarisierenden Substanzen.

Muskelrelaxation nach Jacobsen

Bei der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson kann der Patient durch gezielte Muskelanspannung und anschließendes Lösen der Anspannung einen tiefen Entspannungszustand des Körpers erreichen. Dieses psychologische Verfahren kann bei chronischen Schmerzpatienten supportiv eingesetzt werden.

Myelin

Als Myelin bezeichnet man die besonders lipidreiche (fettreiche) Substanz, die die Grundlage der Markscheide bildet. Diese umhüllt die Nervenfasern und wird von den Schwann´schen Zellen (peripheres Nervensystem) und den Oligodendrozyten (zentrales Nervensystem) gebildest. Sie wirkt elektrisch isolierend. Daher kommt es nicht an jeder Stelle der Nervenfaser zu Veränderungen der elektrischen Potentiale während einer Aktivierung der Zelle. Dadurch wird die Nervenleitgeschwindigkeit erhöht. Je häufiger sich die Schwann´sche Zelle um eine Nervenfaser wickelt, umso dicker wird die Myelinschicht, umso mehr wird isoliert und umso schneller ist die Nervenleitgeschwindigkeit.

Myelitis

Ist eine entzündliche Rückenmarkserkrankung. Es kommt zu gürtelförmigen Schmerzen, aufsteigenden Paresen (Lähmungen) und Sensibilitätsstörungen sowie Blasen- und Mastdarmstörungen.

N

Narbengewebe

Eine Narbe ist ein faserreiches Ersatzgewebe. Sie stellt den Endzustand einer erfolgreichen Wundheilung dar. Bei Narbengewebe handelt es sich nicht um statisches Gewebe. Das Gewebe unterliegt Umbauvorgängen, wie der Vermehrung von Kollagenfasern sowie ihrer allmählichen Kontraktion.

Natrium-Kalium-Pumpe

Die Natrium-Kalium Pumpe ist ein Protein in der Membran von Zellen. Sie ist wichtig bei der Weiterleitung und Wahrnehmung von Schmerzen. Bei Energieverbrauch transportiert sie drei Natrium-Ionen aus dem Zellinneren in das Außenmedium und im Gegenzug zwei Kalium-Ionen aus dem Außenmedium in das Zellinnere. Eine Beeinflussung dieses Kanals könnte auch die Weiterleitung und Wahrnehmung von Schmerzen beeinflussen.

Nerv

Ein Nerv besteht aus einer Vielzahl gebündelter, parallel verlaufender Nervenfasern sowie dem sie umgebenden Bindegewebe. Nerven dienen dem Informationsaustausch im Organismus.

Nervenblockaden

Blockaden peripherer Nerven mit Lokalanästhetika dienen vorwiegend der Diagnostik. Die temporäre Ausschaltung ermöglicht die Zuordnung des Schmerzes zum Innervationsgebiet eines speziellen peripheren Nervs. Üblich sind Blockaden im Versorgungsbereich der peripheren Trigeminusäste, des Nervus occipitalis, des Plexus brachialis, der Interkostalnerven, der Ingunialnerven und des Nervus saphenus. Durch die gezielte Blockierung der Nerven können im innervierten Gebiet operative Eingriffe stattfinden, ohne dass eine Vollnarkose notwendig ist.

Nervenfaser

ervenfasern sind die Fortsätze der Nervenzelle, die sich vom Zellkörper aus durch den Körper erstrecken. Sie sind myelinisiert.

Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)

Die Nervenleitgeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse entlang einer Nervenfaser übertragen werden. Zur Berechnung wird der Quotient aus Ortsdifferenz und Zeitdifferenz gebildet.

Nervensystem

Das Nervensystem bezeichnet die Gesamtheit aller Nerven- und Gliazellen in einem Organismus. Es dient der Reizwahrnehmung und Reizverarbeitung, sowie der Steuerung der körperlichen Reaktion auf den Reiz. Man unterscheidet zwischen dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und dem peripheren Nervensystem.

Nervenwurzel

Als Nervenwurzel bezeichnet man die ein- und austretenden Nervenfasern des Rückenmarks.

Nervenwurzelkompression

Häufigste Ursache der Nervenwurzelkompression sind zervikale und lumbale Bandscheibenvorfälle, sowie Spinalkanalstenosen. Wurzelkompressionssyndrome können akut auftreten bei Bandscheibenvorfällen, Entzündungen oder Frakturen oder chronisch bei degenerativen Wirbelsäulenveränderungen oder Raumforderungen.

Neuralgie

Bei einer Neuralgie handelt es sich um Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nervs oder einer Nervenwurzel. Es treten meist attackenartige Schmerzen mit strenger einseitiger Lokalisation auf. Ursache können eine Kompression oder degenerativ entzündliche und infektiöse Prozesse sein.

Neuraltherapie

Bei der Neuraltherapie handelt es sich um ein schmerzlinderndes Verfahren, bei dem durch Injektion eines Lokalanästhetikums nervale Impulse unterbrochen und so eine Fernwirkung erzielt werden soll. Diese Therapieform ist Bestandteil alternativer Heilverfahren und wird v.a. bei chronischen Schmerzen und Migräne angewendet.

Neuritis

Neuritis ist eine Entzündung eines Nervs.

Neurodestruktive Verfahren

Das neurodestruktiven Verfahren wird zur Therapie von Schmerzen angewendet. Dabei werden die Nerven durch chemische oder thermische Noxen (lat. noxa: „der Schaden“, gewebsschädigender Reiz) geschädigt, um ihre Aktivität zu unterbrechen. Die Anwendung ist jedoch sehr komplikations- und risikoreich, weshalb das Verfahren nur in Extremfällen angewendet wird.

Neuromodulation (Syn. Schmerzmodulation)

Die Neuromodulation ist ein Verfahren zur Behandlung schwerer chronischer Schmerzen und Durchblutungsstörungen. Sie umfasst reversible Verfahren zur Beeinflussung der neuronalen Transmission von Fasern. Über aufsteigende Bahnen, insbesondere über den Tractus spinothalamicus, aber auch über die Hinterstränge für viszerale Sensationen, werden die nozizeptiven Reize über eine neuronale Verarbeitung in Thalamus und Kortex bewusst wahrgenommen. Auf auf subkortikaler und kortikaler Ebene findet noch eine Schmerzmodulation statt. Zu den invasiven Verfahren zählen implantierbare Infusionspumpen, die Rückenmarkstimulation, die Motorkortexstimulation, die Radiofrequenztherapie und die periphere Nervenstimulation. Zu den nicht invasiven Verfahren zählt die transkutane elektrische Nervenstimulation.

Neuronale Plastizität

Die neuronale Plastizität fördert die Entwicklung einer chronischen Schmerzkrankheit. Bereits durch kurze aber wiederholte nozizeptive Reizung können funktionelle und strukturelle Veränderungen an einzelnen Nervenzellen entstehen. Dies führt zu einer Verstärkung der Signalübertragung. Diese Veränderungen können andauern oder sich auch wieder zurückverändern.

Neuropathie

Neuropathie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Eine Neuropathie kann unterschiedlich ausgeprägt wein.

Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigung des peripheren oder zentralen Nervensystems. Es ist eine Vielzahl positiver und negativer sensorischer Symptome nachweisbar. Häufig treten brennende Spontanschmerzen mit Schmerzattacken und evozierten Schmerzen auf.

Neurostimulation

Bei der Neurostimulation werden überaktive Nerven durch Stromimpulse gehemmt oder inaktive Nerven erregt. Die Stromimpulse entstehen durch einen implantierbaren und programmierbaren Neurostimulator.

Neurotransmitter

Neurotransmitter sind Proteine, die einen wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung spielen. Neurotransmitter wie Serotonin, GABA, Glycin und die endogenen Opioide Enkephalin und Endorphin spielen eine wichtige hemmende, also schmerzreduzierende, Rolle. Im Gegensatz dazu haben die Neurotransmitter Substanz P, Neurokinin-A und Glutamat eine schmerzverstärkende Wirkung.

Neutralwirbel

Als Neutralwirbel werden die Wirbel bezeichnet, die den Umschlag einer Konvexität in eine Konkavität bilden. Die Bestimmung des oberen und unteren Neutralwirbels ist wichtig zur Darstellung des sog. Cobb-Winkels bei der Skolios.

Nichtopioid-Analgetika

Die Nichtopioid-Analgetika gehören zu den Schmerzmitteln, welche nicht zu den Opioden gezählt werden. Sie werden in nichtsteroidale Antirheumatika und nicht-saure antipyretische Analgetika unterteilt. Sie haben zusätzlich noch je nach Substanz eine entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung. Ihre Wirkung entfalten sie durch die Unterdrückung schmerzauslösender biochemischer Prozesse, z.B. durch Hemmung der Cyclooxygenase und somit der Prostaglandinsynthese.

Nicht-saure antipyretische Analgetika

Nicht-saure antipyretische Analgetika eignen sich zur Behandlung entzündungsunabhängiger Schmerzen. Sie verteilen sich gleichmäßig im Organismus.

NMDA-Rezeptor

NMDA-Rezeptoren spielen eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisspeicherung und damit auch bei der Entstehung eines Schmerzgedächtnisses. NMDA-Rezeptoren befinden sich in den Membranen von Neuronen. Kommt es aufgrund einer Verschiebung des Membranpotentials (sog. Depolarisation), so öffnet sich ein Ionenkanal in der Mitte des Rezeptors und lässt Calcium-Ionen in das Zellinnere hineinströmen.

Nozizeptoren

Nozizeptoren sind Rezeptoren die Schmerzreize registrieren und diese Impulse an das zentrale Nervensystem weiterleiten. Nozizeptoren bestehen histologisch aus Endaufzweigungen sensorischer Nerven. Sie werden bei unterschiedlich intensiven noxischen Reizen unterschiedlich stark erregt. Dadurch wird die Empfindung der Schmerzintensität beeinflusst. Nozizeptoren können sowohl durch physikalische Reize (z.B. Druck, Stechen, Verletzung), chemische Stoffe (z.B. Capsaicin) wie auch durch körpereigene Schmerzstoffe wie Bradykinin, Serotonin, Prostaglandine und Kalium erregt werden.

Nozizeptive Schmerzen

Nozizeptive Schmerzen entstehen durch mechanische, thermische, chemische oder elektrische Stimulation der Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren). Er kann in allen Geweben ausgelöst werden und ist eine Reaktion auf einen schmerzhaften Reiz.

NRI

Als NRI (Noradrenalin Reuptake Inhibition) wird die Hemmung der Noradrenalin-Wiederaufnahme in die präsynaptischen Nervenendigungen bezeichnet. Dies führt zu Verlängerung der schmerzhemmenden Wirkung dieser körpereigenen Substanz.

NRS

Die NRS (numerische Ratingskala) ist eine Selbsteinschätzungsskala zur Beurteilung von Schmerzen. Der Patient ordnet seine Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 ein mit 10 als maximal vorstellbarer Schmerz. Dadurch können Schmerzen quantitativ gemessen werden.

NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika)

NSAR sind Substanzen die neben einer analgetischen und antipyretischen (fiebersenkend) auch eine antiphlogistische (entzündungshemmend) Wirkung haben.

Noxischer Reiz

Ein äußerer (z.B. Verletzung) oder innerer (z.B. Entzündung) Reiz, der ein Schmerzempfinden auslöst.

O

Operative Behandlung

Eine Operation ist ein instrumenteller chirurgischer Eingriff am oder im Körper unter Verletzung der körperlichen Integrität.

Opioide

Opioide sind Substanzen die eine morphinartige Wirkung besitzen. Es gibt körpereigene und therapeutische Opioide. Das Wirkspektrum ist komplex und sehr unterschiedlich, jedoch steht die Schmerzlinderung im Vordergrund.

Opioid-Analgetika

Opioid-Analgetika sind zentral angreifende Analgetika, die dem Morphin sehr ähnlich sind. Sie setzen am zentralen Nervensystem an und blockieren gezielt die Schaltstellen der Nervenzellen, um zu verhindern, dass die Schmerzbotschaft weitergeleitet wird.

Oral

Oral bedeutet „zum Mund gehörend“ oder „den Mund betreffend“. Orale Einnahme bedeutet die Aufnahme des Medikaments über den Mund.

Orthopäde

Ein Orthopäde ist ein Facharzt, der sich auf die Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates spezialisiert hat. Er beschäftigt sich mit der Entstehung, Verhütung, Erkennung und Behandlung angeborener oder erworbener Form- oder Funktionsfehler des Stütz- und Bewegungsapparates. (orthos = aufrecht)

Osteoblasten

Osteoblasten sind eine von insgesamt drei Arten der Knochen- und Knorpelzellen. Im Knochen produzieren Osteoblasten das sog. Osteoid – ein weiches Material, das etwa die Hälfte des Knochenvolumens ausmacht. Es besteht aus organischen Substanzen wie Kollagen und anderen Proteinen. Außerdem sind die Zellen an der Mineralisation der Knochen, dem Einbau von Calcium und Phosphat in Form von Hydroxylapatit in das Osteoid, beteiligt. Auch in Knorpeln bilden Osteoblasten die Grundsubstanz, die unter anderem aus den Bausteinen Kollagen und Chondroitin besteht.

Osteochondrose

Die Osteochondrose beschreibt die bandförmige, subchondrale Sklerosierung der Deck- und Bodenplatte in Folge der zunehmenden mechanischen Belastung bei Bandscheibendegeneration. Es ist sowohl der Knochen (Wirbelkörper) als auch der Knorpel (Bandscheibe) betroffen. Radiologisch fallen auf eine Höhenminderung des Bandscheibenraums und manchmal eine Spondylophytenbildung.

Osteoklasten

Zellen, die im Gegensatz zu Osteoblasten das Knochen- und Knorpelgewebe abbauen. Im Alter werden diese aktiver, da sich der körpereigene Hormonhaushalt, der den Knochenauf- und -abbau regelt, verändert. Vor allem Frauen nach den Wechseljahren leiden unter vermehrten Abbau, da sie ab dann viel weniger Östrogen produzieren. Östrogen hemmt die Osteoklasten. Das führt zu Osteoporose. Daher leiden Frauen häufiger unter Osteoporose als Männer.

Osteomalazie

Osteomalazie (im Kindesalter: Rachitis) wird durch einen Vitamin-D- oder einen Calcium-Mangel hervorgerufen und führt zu einer schleichenden Erweichung der Knochensubstanz. Klinisch tritt eine erhöhte Frakturanfälligkeit gepaart mit dumpfem oder lokalem Schmerzauf.

Osteopath

Ein Osteopath ist ein Arzt, der sich auf den Einsatz von Alternativmedizin spezialisiert hat. Er setzt unterschiedliche befunderhebende und therapeutische Verfahren ein, die manuell ausgeführt werden. In Deutschland gibt es die Berufsbezeichnung Osteopath offiziell nicht.

Osteoporose

Die Osteoporose ist eine das Skelettsystem betreffende Krankheit, bei der sich die Knochendichte durch einen übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz vermindert. Dies führt zu einer erhöhten Frakturgefahr. Man unterscheidet zwischen einer primären Osteoporose (95%), die entweder postmenopausal durch Östrogenabfall oder automatisch mit höherem Alter, ca. um das 70. Lebensjahr, entsteht. Sekundäre Osteoporose (5%) ist seltener und meist die Folge von langer Kortisoleinnahme, Schilddrüsenüberfunktion, Rauch- und Alkoholmissbrauch sowie die Folge diverser Medikamente wie z.B. Heparin und Marcumar. Die häufigste Methode zur Bestimmung der Knochendichte und damit zur Diagnostik einer Osteoporose ist die sogenannte DXA-Methode. Sie ist mit einer vergleichsweise geringen Strahlenbelastung verbunden. Die Sonographie ist im Gegensatz dazu als Messmethode umstritten und die sogenannte QCT-Methode ist mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden. Mittel der Wahl zur Therapie sind sog. Bisphosphonate sowie die gezielte Einnahme von Östrogenen. Bewegung und bewusste Ernährung schützen ebenfalls. Bewiesen ist auch, dass je mehr Knochenmasse man in jungen Jahren aufgebaut hat, desto geringer das Risiko von Knochenbrüchen als Folge von Osteoporose ist. 25% der Frauen und etwa sechs Prozent der Männer über 65 Jahren sind von Osteoporose betroffen.

Osteozyten

Weiterentwickelte Osteoblasten. Sie produzieren nur noch sehr wenig oder gar kein Knorpel- und Knochengewebe mehr.

P

painDetect-Fragebogen

Der painDetect-Fragebogen ist ein Instrument zur Differenzierung von Schmerzen. Die Patienten müssen die Schmerzintensität und das Schmerzmuster angeben und sieben Fragen zur Schmerzqualität beantworten.

Patientenedukation

Die Schulung der Patienten ist ein sinnvolles psychologisches Therapieverfahren, das helfen kann, die Erkrankung zu verstehen und so einen besseren Umgang mit den Schmerzenzu erreichen.

Paralyse

Paralyse ist eine Lähmung der Muskulatur. Paralysen können bei einzelnen Muskeln oder bei ganzen Muskelgruppen auftreten. Sie entstehen durch die vollständige Zerstörung des versorgenden Nerven oder der betreffenden Wurzelzellen im Rückenmark.

Parästhesien

Eine Parästhesie ist eine nicht schmerzhafte Missempfindung, die sich meist als Kribbeln oder Taubheitsgefühl äußert.

Parese

Parese ist gleichbedeutend mit Lähmung. Es handelt sich um eine leichte, unvollständige Lähmung eines Muskels, einer Muskelgruppe oder einer Extremität. Meistens haben sie ihre Ursache in neurologischen Störungen. Man unterscheidet

  • Zentrale Parese: spastische Parese, Reflexe gesteigert
  • Periphere Parese: schlaffe Parese, Reflexe vermindert
  • Hemiparese: Halbseitenlähmung
  • Tetraparese: Parese aller Extremitäten unter Aussparung des Kopfes
  • Paraparese: Parese unterhalb eines Niveaus unter Aussparung des Kopfes, z.B. beider Beine

Periphere Nervenstimulation (PNS)

Bei der PNS wird der periphere Nerv proximal entlang der Läsion operativ freigelegt und eine Elektrode im Bereich des Nervs fixiert. Durch die Gabe von Stromimpulsen können so die Schmerzen verringert werden. Durch einen implantierten Impulsgenerator kann der Patient die Höhe der Stromstärke selbst bestimmen.

Peripheres Nervensystem

Das periphere Nervensystem liegt außerhalb des Schädels und des Wirbelkanals. Es ist nicht durch Knochen oder die Blut-Hirn-Schranke geschützt. Zum peripheren Nervensystem gehören Hirnnerven, Spinalnerven sowie das intramurale Nervensystem.

Phantomempfindungen

Phantomempfindungen sind nicht-schmerzhafte Empfindung in einem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Er tritt häufig nach Amputationen auf.

Phantomschmerz

Der Phantomschmerz ist eine schmerzhafte Empfindung in einem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Er tritt häufig nach Amputationen auf und zählt zu den neuropathischen Schmerzen. Typisch ist der plötzlich einschießende Schmerzcharakter.

Phenol

Phenol ist eine organische Verbindung und wirkt als Zell- und Nervengift.

Physiotherapie

Physiotherapie ist eine ganzheitliche Therapie des Körpers, die sich an den anatomischen und physiologischen Gegebenheiten orientiert und gezielte Reize einsetzt. Sie soll die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederherstellen, verbessern oder erhalten.

Phytotherapeutika

Phytotherapeutika sind aus Pflanzen zubereitete Arzneimittel, die keine synthetischen Substanzen enthalten. Sie können als die ursprünglichsten Medikamente angesehen werden, da sie schon im Altertum Verwendung fanden.Die Wirkungen sind teilweise umstritten. Gemessen an dem Qualitätskriterium einer Evidenz basierten Medizin, muss man sagen, dass bei manchen beliebten Phytotherapeutika wie Ginkgo bisher kein therapeutischer Nutzen bewiesen werden konnte. Einige Phytotherapeutika zeigten in Studien eine Verbesserung der Stimmungslage und eine Linderung von Beschwerden, so dass der zusätzliche Einsatz in der medikamentösen Behandlung empfohlen werden kann.

Plasmahalbwertszeit

Die Plasmahalbwertszeit gibt an, in welcher Zeit die Plasmakonzentration eines Stoffes auf die Hälfte des ursprünglichen Wertes abfällt.

Plastizität

Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von neuronaler Plastizität oder kortikaler Plastizität gesprochen. Der Begriff beschreibt die Fähigkeit von Synapsen, Nervenzellen und ganzen Hirnarealen, sich abhängig vom Grad ihrer Nutzung zu verändern. So kann beispielsweise ein blinder Mensch nach einer gewissen Zeit (der Konsolidierung) besser Hören. Werden also bestimmte Neurone/ Nervenzellen häufig beansprucht so werden diese „sensibler“ und es kommt zu einer Anpassung dieser Neurone. Dieser Mechanismus kann als Ursache für die Entstehung eines krankhaften Schmerzempfindens gesehen werden. Aufgrund eines permanenten Schmerzreizes adaptieren sich die für die Schmerzwahrnehmung, -weiterleitung und -verarbeitung verantwortlichen Zellen. Als Folge wird man schmerzempfindlicher. Häufig sagt man auch, der Schmerz verselbstständigt sich.

Pleozytose

Eine Pleozytose ist eine Vermehrung von Zellen im jeweiligen Medium. Oftmals ist die Pleozytose im Liquor gemeint. Ursache sind z.B. Bakterien (z.B. Meningokokken, Pneumokokken), die zu einer Meningitis führen können.

Polyneuropathie (PNP, Synonym: periphere Neuropathie)

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des Nervensystems bei der mehrere Nerven gleichzeitig betroffen sind oder kurz hintereinander erkranken. In den Industriestaaten sind Diabetes mellitus (30%) und Alkoholabusus (25%) die häufigsten Ursachen für eine Polyneuropathie. Die Symptome können je nach betroffenem Nerventyp sehr unterschiedlich sein. Meist sind die Beine stärker betroffen als die Arme. Ferner gibt es meist eine Kombination aus schlaffen Paresen, Sensibilitätsstörungen (also Beeinträchtigung des Berührungsempfindens, der Temperatur- und Schmerzempfindung) und vegetativen Störungen. Die Patienten berichten von Taubheitsgefühlen vermischt mit Kribbeln und Ameisenlaufen. Ein Frühzeichen ist eine Störung des Vibrationsempfindens. Häufig kommt es zu Missempfindungen mit ziehenden oder brennenden Schmerzen. Diese Schmerzen können insbesondere nachts auftreten. Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen wird häufig eine Basismedikation eingesetzt, bestehend aus z.B. Antidepressiva (z.B. Amitriptylin), Membranstabilisatoren (z.B. Carbamazepin), weitere Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin) oder Opioide (z.B. Tramadol).

Postdiskektomiesyndrom

Unter einem Postdiskektomiesyndrom versteht man einen schwer therapierbaren Schmerzzustand nach einer Diskektomie/ Bandscheibenoperation. Symptome sind u.a. persistierende Beschwerden, Narbenbildungen im Spinalkanal, Instabilität im operierten Segment, sowie Reizung der Arachnoidea (Teil der weichen Hirnhaut

Postherpetische Neuralgie

Postherpetische Neuralgie sind Nervenschmerzen, die nach einer Infektion mit Herpes-Zoster-Viren auftreten. Sie können Wochen oder Monate nach der Abheilung weiter bestehen.

Postzosterische Neuralgie

Eine postzosterische Neuralgie ist ein chronifizierter Schmerz nach einer Gürtelrose.

Priming

Unter Priming versteht man die Beeinflussung von Reaktionen bzw. von Gedächtnisinhalten durch Vorerfahrung. In den meisten Fällen passiert dieser Prozess unbewusst. Priming spielt auch eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung.

Pseudoradikuläres Schmerzsyndrom

Pseudoradikuläre Schmerzen treten im Rahmen des Facetten-Syndroms auf. Ursächlich sind Gelenkdistortionen durch degenerative Veränderungen oder chronische Fehlhaltungen. Dabei klagen die Patienten über einen diffusen, flächigen Schmerz, der nicht streng an eine Nervenwurzel gebunden ist. Oft lösen „falsche“ Bewegungen (z.B. schnelles Beugen des Kopfes) die Schmerzen aus (einschießende Schmerzen entstehen).

Q

Querschnittslähmung

Querschnittslähmung ist ein medizinischer Oberbegriff, der verschiedene Kombinationen von Symptomen umschreibt, wobei die Nervenstränge im Rückenmark durchtrennt sind – komplett oder teilweise. Auf welcher Höhe der Wirbelsäule die Verletzung geschieht, ist entscheidend für den Patienten. So kann es zur Lähmung von Beinen kommen (untere Querschnittslähmung) oder gar zu einer Lähmung der Atmung (Querschnittslähmung auf Höhe der Wirbelkörper C3/C4). Häufigste Ursache einer Querschnittslähmung sind Unfälle und Stürze (aus hoher Höhe).

R

Radikulopathie

Eine Radikulopathie ist eine Reizung oder Schädigung der Nervenwurzeln. Sie kann sich in Empfindungsstörungen, Schmerzen oder Lähmungen äußern.

Reflexzonenmassage

Die Reflexzonenmassage ist eine alternativmedizinische Therapieform und soll Schmerzen und Durchblutungsstörungen lindern. Reflexzonen gibt es am gesamten Körper.

Reiz (Stimulus)

Ein Reiz ist ein Ereignis, das zu einer Erregung einer Wahrnehmungsstruktur führt.

Rheuma

Rheuma sind Schmerzzustände im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates, die durch eine Störung des Immunsystems hervorgerufen werden, bei der körpereigene Strukturen, insbesondere die Gelenkkapseln, angegriffen werden. Sie gehen mit Bewegungseinschränkungen einher.

Retardpräparat

Retardpräparate sind Arzneimittel, die ihre Wirkung nach und nach, also verzögert, freisetzen.

Rückenmark

Das Rückenmark ist ein Teil des zentrales Nervensystems, welcher innerhalb der Wirbelsäule im Spinalkanal verläuft. Im Rückenmark sind Nervenfasern (Axone und Dendriten) und Zellkörper (Perikarya) der afferenten und efferenten Nervenzellen des ZNS angesiedelt.

Rückenmarksstimulation (Syn. Spinal Cord Stimulation (SCS))

Die SCS ist eine rückenmarksnahe Elektrostimulation. Bei der SCS werden Elektroden in das Rückenmark implantiert, die elektrische Impulse von geringer Spannung epidural, d.h. über die harte Hirnhaut des Rückenmarks an die Hinterstränge im Rückenmark abgeben. Missempfindungen und Schmerzen werden dadurch unterdrückt. Jedoch wirkt dies nicht bei allen Patienten und ferner haben die OP Risiken und Nebenwirkungen.

Rückenmarkstumore

Rückenmarkstumore unterteilt man in sog. extramedulläre (dies sind Metastasen, Neurinome, Meningeome) und intramedulläre (dies sind Ependymom, Astrozytom) Tumore. Am häufigsten sind Metastasen, z.B. eines Brust-, Lungen- oder Prostatatumors, die in den Spinalkanal hineinwachsen. Rückenmarkstumore können zu neurologischen Ausfällen und Schmerzen führen, wobei v.a. gutartige Tumore häufig schmerzlos sind und durch die langsam-progrediente neurologische Symptomatik auffallen.

S

Schmerzempfinden (Algesie)

Die Testung des Schmerzempfindens erfolgt am besten mit einem spitzen Gegenstand. Es wird jeweils auf beiden Seiten (rechts und links bei den Extremitäten) untersucht.

Schmerzgedächtnis

Schmerzgedächtnis ist die biochemische, funktionelle und morphologische Veränderung im peripheren und zentralen Nervensystem, das durch wiederholte Schmerzerfahrungen entsteht. Nervenzellen werden überempfindlicher und können schon auf nicht-schmerzhafte Reize mit Schmerzempfinden reagieren.

Schmerzschwelle

Die Schmerzschwelle ist die niedrigste Stärke eines Reizes, der gerade eben als schmerzhaft empfunden wird.

Schmerzhafte Neuropathie

Siehe Neuropathie.

Schmerzskala

Eine Schmerzskala dient zur Objektivierung der Schmerzintensität anhand einer subjektiven Einstufung des Schmerzes, z.B. mit Hilfe einer numerischen Rangskala (Numeric Rating Scale, NRS), visuellen Analogskala (bei Kindern: Smiley-Skala) (Visual Analogue Scale, VAS) oder einer verbalen deskriptiven Skala.

Schmerzrezeptor

Siehe Nozizeptoren.

Schmerztagebuch

Dokumentation des zeitlichen Verlaufs der Schmerzintensität, um Schmerzspitzen und Schmerzauslöser zu erkennen und gegebenenfalls Therapieanpassungen vorzunehmen.

Schmerztoleranz

Schmerztoleranz ist die Dauer und das Ausmaß an Schmerzen, die ein Mensch ertragen kann.

Schröpfen

Das blutige Schröpfen ist ein traditionelles Verfahren aus der Alternativmedizin. Dabei wird die Haut eingeritzt und ein erwärmtes Glas auf die betreffende Stelle platziert. Sobald sich das Glas abkühlt, entsteht im inneren des Glases ein Unterdruck, der lokal die Durchblutung steigert und durch den Schnitt in der Haut Blut "heraussaugt". Das blutige Schröpfen wird u.a. zur supportiven Therapie bei Migränekopfschmerzen verwendet.

Sensibilität

Man unterscheidet Berührungs- und Schmerzempfinden, Temperaturempfinden, Vibrationsempfinden und Lageempfinden.

Sensitivierung

Wird ein bestimmter Reiz, wie z.B. eine Berührung aber auch ein Schmerzreiz mehrfach wiederholt, so reagiert das Nervensystem künftig intensiver auf diesen Reiz. Die ist ein Lernprozess, der auch auf Zellebene stattfindet und aufgrund der sog. neuronalen Plastizität möglich ist. Also Folge kommt es zur Langzeitpotentierung bzw. bei dauerhaften Schmerzen zum sog. Schmerzgedächtnis. Chronische Schmerzpatienten haben fast immer eine Sensitivierung. Studien belegen, dass diese Sensitivierung aufgrund ständiger Schmerzreize durch die sog. Small Fiber Matrix Stimulation® beeinflusst werden kann. Das Gegenteil der Sensitivierung ist die Habituation.

Serotonin

Serotonin ist ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er spielt eine wichtige Rolle im Rahmen des schmerzhemmenden Systems, also bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Eine Störung dieses Systems zeigt sich häufig bei chronischen Schmerzpatienten. Desweiteren spielt Serotonin eine bedeutende Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

Skoliose

Die Skoliose ist eine Wachstumsdeformität der Wirbelsäule mit fixierter Seitausbiegung. Die Seitausbiegung beträgt mehr als 10 Grad, wobei diese Definition je nach Land und Zeit schwankt. Die Skoliose ist wohl die am längsten bekannte orthopädische Erkrankung, dennoch wurden bis heute viele Probleme und Folgen, die die Skoliose verursacht, nicht befriedigend gelöst. Die Erkrankungshäufigkeit schwankt zwischen 0,13 und 13,6%, wobei Mädchen viermal häufiger betroffen sind als Jungen. Die unterschiedlichen Angaben sind auch auf die Definitionsschwierigkeiten zurückzuführen. Die häufigste Form ist die rechts-konvexe thorakale Skoliose. Bei 80% der Fälle ist die Ursache unbekannt. Man unterscheidet je nach Erkrankungsbeginn zwischen (1) Säuglingsskoliose (bis 1. Lebensjahr), (2) Infantile Skoliose (m>w; bis 4. Lebensjahr), (3) Juvenile Skoliose (w>m; bis 10. Lebensjahr), (4) Adoleszente Skoliose (w>m; ab 10. Lebensjahr; am häufigsten). Typische Kennzeichen sind:

  • Verringerte Rumpflänge, abnehmendes Verhältnis zwischen Sitz- und Stehgröße
  • Ungleichmäßiger Schulterstand
  • Rippenbuckel und Lendenwulst
  • Asymmetrische Taillendreiecke
  • Seitabweichung

Die typische Diagnostik erfolgt mittels Röntgen. Dabei verwendet der Arzt eine Messmethode nach Cobb. Diese beurteilt das Ausmaß der Krümmung auf dem Röntgenbild.

 

Skoliose-Therapie

Die Therapie einer Skoliose richtet sich häufig nach dem Cobb-Wert:

  • Bis 20° nach Cobb: Physiotherapie
  • 20°-50° nach Cobb: Physiotherapie + Korsett (im Wachstum)
  • Über 50° nach Cobb: operative Therapie (die OP bewirkt eine Aufrichtung und Stabilisierung der Wirbelsäule bei gleichzeitiger Bewegungsminderung. OP-Risiko ist u.a. eine Querschnittslähmung)

 

Small Fiber Matrix Stimulation

Die hohe Stromdichte direkt in den obersten Hautschichten ermöglicht eine gezielte Stimulation der dort lokalisierten Schmerzfasern. Insbesondere chronische Schmerzzustände werden mittels Small Fiber Matrix Stimulation reduziert. Die elektrischen Impulse werden dabei über spezielle Elektroden von außen in die oberste Hautschicht übertragen. Dabei wird entweder direkt über dem schmerzhaften Bereich oder entlang der Nervenbahnen, die den Schmerzreiz zum Rückenmark weiterleiten, stimuliert. So werden gezielt die dünnen Nervenfasern (Small Fibers), die den Schmerz wahrnehmen und weiterleiten, aktiviert. Dabei macht sich die Small Fiber Matrix Stimulation das Prinzip der Langzeithemmung zu Nutze. Mit Hilfe oberflächlicher, elektrischer Stimulation dieser Schmerzfasern, die sich bei chronischen Schmerzen plastisch und funktionell verändert haben, wird ihrer Überaktivität entgegengewirkt. Die Aktivität der Zellen normalisiert sich daraufhin wieder. Mit jedem Schritt, den die Schmerzfasern hin zu einem gesunden Aktivitätsverhalten nehmen, werden die Veränderungen im gesamten nozizeptiven System wieder rückgängig gemacht. Es werden immer weniger falsche Informationen über nicht vorhandene Schmerzreize weitergeleitet. Einfache Bewegungen, die vorher Schmerzen verursachten, sind oftmals besser möglich. Zusätzlich dazu wird die Therapie durch eine Vibration verstärkt. Sie entspannt die verkrampfte Muskulatur und fördert die Durchblutung im Gewebe, wodurch Schmerzen verursachende Entzündungen schneller ausheilen. Parallel wird der Lymphdurchfluss gesteigert, was einer Ödembildung entgegenwirkt.

Lesen Sie hier mehr über die Small Fiber Matrix Stimulation...

SMP (Sympathically maintained pain)

SMP ist ein Synonym für verschiedene neuropathische Schmerzsyndrome, bei denen die Kopplung zwischen sympathischen Efferenzen (Nervenimpulse vom Gehirn zur Peripherie wie den Muskeln) und C-Faser-Afferenzen (Nervenimpulse von der Peripherie zum Gehirn) Schmerzen verursacht.

Soft disc

Eine Unterform eines Bandscheibenvorfalls. Es handelt sich hierbei um einen sog. Nucleus pulposus Prolaps (NPP). Im Gegensatz dazu gibt es noch einen Hard disc.

Spinale Rhizotomie

Bei der kompletten Durchtrennung der Hinterwurzel werden Schmerz-, Temperatur- und Berührungsreize aus der Peripherie des versorgenden Segments zum Hinterhorn des Rückenmarks unterbrochen.

Spinale Syndrome

Spinale Syndrome lassen sich aufteilen in (1) Strangaffektionen mit den Unterformen Pyramidenbahn-Syndrom, Vorderseitenstrang-Syndrom, Zentromedulläres Syndrom und Hinterstrang-Syndrom sowie in (2) Querschnittssyndrome mit der Unterteilung in einen kompletten und einen inkompletten Querschnitt (Syn. Brown-Séquard-Syndrom, Halbseiten-Syndrom) und (3) Konus- und Kaudasyndrom.

Spinaler Schock

Akute Unterbrechung aller Rückenmarksbahnen mit motorischen, sensiblen und autonomen Funktionsausfällen unterhalb der Läsion (akutes Querschnittssyndrom).

Spinalkanalstenose

Die Spinalkanalstenose ist eine Einengung des Rückenmarkkanals durch arthrotische Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke, Spondylophyten und/ oder Hyperthrophie des Lig. Flavum. Diese Einengung kann angeboren sein oder sich aufgrund von Degeneration, Trauma, Tumore oder Entzündungen bilden. Bemerkbar macht sich die Spinalkanalstenose durch Schmerzen, meist beim Gehen. Bei Gehpausen, im Sitzen lässt der Schmerz meist nach, ebenso bei gebeugter Haltung. Typisch ist die Claudicatio spinalis. Therapeutisch sollte zunächst versucht werden konservativ zu behandeln, d.h. mit einem Stufenbett zur kyphotischen Lagerung, Schmerzmedikamenten (NSAR wie Ibuprofen etc.), physikalische Therapie, Akupunktur. Erst wenn diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen, folgt ein operativer Eingriff zur Erweiterung des Spinalkanals, sog. Laminektomie.

Spinalnerven

Als Spinalnerven werden die Nerven bezeichnet, die aus dem Rückenmark austreten. Die Zellkörper ihrer Neurone liegen in der grauen Substanz des Rückenmarks. Spinalnerven werden typischerweise bei der Spinalkanalstenose, einem Bandscheibenvorfall, einem Wirbelgleiten oder auch degenerativen Prozessen wie die Facettenarthrose geschädigt bzw. eingeklemmt. Diese Einklemmungen führen dann zu Rückenschmerzen und bei starker Beeinflussung zu sensibilitäts- und motorischen Ausfällen.

Spondylarthritis

Eine Spondylarthritis beginnt charakteristischerweise vor dem 40. Lebensjahr. Klinisch kennzeichnet sich die Erkrankung insbesondere durch nächtliche lumbale Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und einer Verbesserung der Symptomatik im Laufe des Tages. Eine Sonderform ist die Spondylarthritis ankylopoetica, der sog. Morbus Bechterew.

Spondylitis

Eine Spondylitis (entspricht einer sog. Osteomyelitis eines Wirbekörpers) kann auf der Streuung von Bakterien/ Viren in den Wirbelkörper beruhen oder nach ärztlichen Eingriffen (Operationen der Bandscheiben, Punktionen) entstehen. Sie geht mit starken Rückenschmerzen, Schonhaltung und Fieber einher. Ein typisches diagnostisches Zeichen ist der lokale Druck- und Klopfschmerz über dem entsprechenden Wirbelkörper. Die Kontrastmittel-MRT gilt als führendes Diagnoseinstrument, da sich Veränderungen im Röntgenbild (z.B. Konturauflösung) erst im Verlauf, d.h. im späteren Stadium, zeigen.

Spondylodese

Als Spondylodese wird eine Verblockung der Wirbelkörper bezeichnet, die durch Plattenosteosynthese (spezielles Verfahren in der operativen Orthopädie) oder Anlage eines sog. Fixateur interne (auch sepzielles Verfahren) durchgeführt werden kann. Ziel ist dabei eine Korrektur der Verkrümmungs- und Rotationsfehlstellung.Wird somit häufig bei Skoliosen angewendet.

Spondylolyse und Spondylolisthese

Bei der Spomdylolyse handelt es sich um einen Bruch der Interartikularportion eines Lendenwirbels. In 80% der Fälle bei L5. Bei beidseitigem Auftreten kann die Zuggurtung der Wirbelelemente verloren gehen. Der Wirbel gleitet (= Spondylolisthese). Gefahr besteht darin, dass vorzeitige Abnutzung zu einer Spondylarthrose führen kann und damit letztlich auch zu einer Lähmungsgefahr. Eine Spondylolyse ist häufiger bei Kindern, die reklinierende Sportarten machen, wie z.B. Turnen, Speerwerfen oder Delfinschwimmen. Meist handelt es sich um einen Zufallsbefund, Schmerzen treten meist nur bei (starker) Belastung auf. Typischerweise weist man diese Erkrankung mit der Lasègue-Prüfung nach: die Kinder liegen auf dem Rücken, ein Bein wird im gestreckten Zustand angehoben. Aufgrund der Schmerzen heben die Kinder schmerzreflektorisch den gesamten Rumpf mit an. Die medizinische Einteilung des Schweregrades erfolgt nach Meyerding (I-IV). Als Therapie wird vorwiegend Kräftigung der Rumpfmuskulatur durchgeführt, ggf. auch temporär das Tragen eines Korsetts. In schwerwiegenderen Fällen kann man auch operativ für Entlastung sorgen mittels Dekompression der Nervenwurzeln, Reposition des Gleitwirbels und/ oder Ausräumen der Bandscheibe.

Spondylosis deformans

Sammelbegriff für degenerative Veränderungen der Wirbelsäule. In der Literatur wird der Begriff uneinheitlich verwendet, letztlich bezieht er sich aber immer auf degenerative Wirbelsäulenveränderungen.

Sprungschanzenphänomen

Tastbare Stufe beim aufrecht stehenden Patienten im Bereich der lumbalen Dornfortsätze bei zunehmender Spondylolisthesis. Sichtbar ist eine Zunahme der Lendenwirbellordose mit einer Verschiebung des Rumpfes nach vorne ("nach ventral").

Stauchungsschmerz

Druck auf den Kopf beim stehenden oder sitzenden Patienten (Schmerzen v.a. bei Bandscheibenläsionen).

Stimulation

Eine Stimulation ist eine Anregung physischer (körperlicher) oder psychischer (seelischer) Strukturen durch exogene (äußere) oder endogene (innere, im Körper selbst) Reize. Die Stimulation löst bestimmte Aktivitäten aus.

Störfeldsuche

Die Theorie der Störfelder ist Teil der Neuraltherapie (nach Huneke). Störfelder beschreiben eine Desintegrität eines lokalen Körperteils zum Beispiel durch chronische lokale Entzündungszustände oder Narben. Laut Huneke kann jede Erkrankung störfeldbedingt sein bzw. ein Störfeld darstellen. Das Störfeld hebt die nervale Integrität des Körpers auf, sodass es an anderer Stelle zu Beschwerden kommt. Die Ausschaltung des Störfeldes stellt die Grundlage der Therapie dar und gelingt durch Installation eines Lokalanästhetikums.

Substanz P

Das P steht für pain (engl. Schmerz). Substanz P wird bei Erregung der Schmerzrezeptoren, der sog. Nozizeptoren, ausgeschüttet und erhöht ihre Empfindsamkeit. Nacktmulle sind die einzigen bekannten Säugetierart, deren Haut die Substanz P nicht aufweist. Stiche, Hitze oder Säure werden zwar wahrgenommen aber sind nicht schmerzhaft. Durch Einschleusen eines Gens zur Produktion von Substanz P, steigt Schmerzempfindlichkeit deutlich an.

Supplementierung

Ergänzung der gewöhnlichen Nahrung mit einzelnen Nährstoffen zur Behandlung von Mangelerkrankungen wie z.B. bei Calcium- oder Eisenmangel.

Sympathikusblockaden

Sympathikusblockaden betreffen efferente Nervenfasern und geben Aufschluss über die sympathisch unterhaltenen Schmerzsyndrome (z.B. Schmerzen in Folge einer arteriellen Verschlusskrankheit).

Symptom

Symptome sind alle Zeichen die in Zusammenhang mit einer Krankheit auftreten. Sie können in subjektive und intersubjektive Zeichen unterteilt werden.

Synapse

Eine Synapse ist eine Verbindung zwischen zwei Nervenzellen und dient der Kommunikation. Eine Synapse besteht aus einem präsynaptischen Bereich – dem Endknöpfchen des Senderneurons – und einem postsynaptischen Bereich – dem Bereich des Empfängerneurons mit seinen Rezeptoren. Dazwischen liegt der sogenannte synaptische Spalt. Synapsen verändern sich im Rahmen der Konsolidierung und Sensitivierung. Diese Flexibilität der Synapsen ist Teil der neuronalen Plastizität. Somit sind die Synapsen von chronischen Schmerzpatienten für den Bereich Schmerz verändert. Eine Beeinflussung erscheint durch die Small Fiber Matrix Stimulation® möglich.

Syndrom

Unter einem Syndrom versteht man die Kopplung von verschiedenen Störungen, die alle auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen sind.

Synergismus

Synergismus bezeichnet das Zusammenwirken von Kräften, die sich gegenseitig fördern. Nimmt man bspw. zwei Medikamente ein, deren Wirkungen sich gegenseitig verstärken, liegt ein Synergismus vor.

Syringomyelie

Bildung flüssigkeitsgefüllter Hohlräume im Rückenmark (Sonderform: Syringobulbie, wenn im Gehirn in Pons oder Medulla oblongata). Im Gegensatz dazu siehe Hydromyelie.

 

 

T

TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation)

TENS ist ein Gegenirriationsverfahren, das die bewusste Wahrnehmung von Schmerzen reduzieren soll. Dazu werden einfache elektrische Impulse auf die Hautoberfläche übertragen. Dadurch können Endorphine freigesetzt werden und eine kurzzeitige Schmerzlinderung erreicht werden.

Teufelskralle

Die afrikanische Teufelskralle ist eine Pflanze und besitzt unter anderem eine durch klinische Studien (teilweise) belegte entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung und kann zur komplementären Therapie bei muskuloskelettalen und arthritisch-degenerativen Erkrankungen angewendet werden.

Thermokoagulation

Bei arthrotisch veränderten Wirbelgelenken (Facetten), einer sog. Spondylarthrose, kommt es oft zu vermehrten Stimulationsimpulsen auf die Rückenmuskulatur, die dann schmerzhaft verspannt ist. Die Facettendenervation (Thermokoagulation der Wirbelsäulengelenke) ist eine bewährte und sehr effektive Therapiemethode in allen Bereichen der Wirbelsäule für nicht-radikulären Facettengelenkschmerzen, also Schmerzen ohne tatsächlich geschädigte Nervenwurzeln. Die Thermokoagulation (= Verkochung/ Zerstörung mit Hochfrequenzstrom) zerstört über eine Hitzesonde die Schmerzleitungsfasern. Dies führt zu einer Schmerzblockade, die meist lange anhält.

Tiefenwärmetherapie

Die Tiefenwärme wirkt punktuell an besonders schmerzhaften Stellen von der Hautoberfläche bis in die Tiefe. Die erzeugte Wärme erweitert die Blutgefäße und führt zu einer erhöhten Blutzufuhr. Sie lindert Schmerzen und führt zu einer Entspannung.

Triggerpunktinfiltration

In bestimmte, sog. Triggerpunkte, wird eine Flüssigkeit injiziert. Neben Lokalanästhetika können auch Opioide ihre lokale Wirkung ausüben. Triggerpunktinfiltrationen sind speziell bei pseudo-radikulären Schmerzen wirksam.

Trigeminusneuralgie

Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um einen blitzartig einschießenden, sehr quälenden Gesichtsschmerz. Dieser Schmerz dauert oft nur wenige Sekunden an und kann bis zu 100 mal pro Tag auftreten. Er tritt in Ruhe oder ausgelöst durch Bewegungen wie Kauen oder Berühren auf. Der Leidensdruck ist sehr hoch und kann daher bei Betroffenen häufig zu Depression führen. Man unterscheidet eine klassische Form, welche eher im späteren Lebensalter auftritt, von einer symptomatischen Form, beispielsweise im Rahmen einer Multiplen Sklerose.

Tumor

Ein Tumor ist eine Neubildung von Körpergewebe, das durch die Fehlregulation des Zellwachstums entsteht. Tumore können jede Art von Gewebe betreffen.

Tumor-Schmerzen

Bei einer Tumorbehandlung können oftmals Schmerzen auftreten. Diese müssen nicht ursächlich mit dem Tumor zusammenhängen. Sie könne auch an anderer Stelle entstehen und andere Ursachen haben. Häufig ist Schmerz eine Nebenwirkung der Chemotherapie.

U

Übergangswirbel

Synonym: Assimilationswirbel. Als Übergangswirbel bezeichnet man eine numerische Variation an den Grenzen der Wirbelsäulenabschnitte. Dies betrifft meist den lumbosakralen Übergang. Dabei werden eine Verschmelzung von L5 mit dem Kreuzbein (Sakralisation) und eine Separierung des ersten Kreuzbeinwirbels (S1) vom Kreuzbein (Lumbalisation) unterschieden. Ein Übergangswirbel kann Ursache für eine Lumbalskoliose sein.

Ultraschall (Sonografie)

Sonografie ist ein bildgebendes Verfahren zur Untersuchung von organischem Gewebe. Dabei wird Ultraschall ausgesandt und von dem beschallten Objekt reflektiert. Aus der Laufzeit des reflektierten Signals kann die Schichtstruktur rekonstruiert werden.

V

VAS-Skala (Visuelle Analogskala)

Die VAS ist analog zur numerischen Ratingskala eine Selbsteinschätzungsskala zur Beurteilung von Schmerzen. Der Patient ordnet seine Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 ein mit 10 als maximal vorstellbarer Schmerz. Dadurch können Schmerzen quantitativ gemessen werden.

Verhaltenstherapie

Die (kognitive) Verhaltenstherapie dient Betroffenen, ihre Gedankenprozesse, Aggressionen und erlernte Verhaltensweisen auch im Bezug zu ihrer Schmerzerkrankung zu analysieren. Dadurch können neue Bewältigungsstrategien sowie ein besserer Umgang erlernt werden. Es handelt sich um ein supportiv, d.h. oftmals zusätzlich zu Medikamenten (gemäß WHO-Stufenschema) eingesetztes psychologisches Therapieverfahren.

Viren

Viren sind intrazelluläre Parasiten. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und sind zu ihrer Vermehrung auf den Stoffwechsel der Wirtszelle angewiesen.

Vorderseitenstrangsystem

Das Vorderseitenstrangsystem enthält Fasern der Schmerz- und Temperaturwahrnehmung sowie für die grobe Tastempfindung und Druck. Nach Umschaltung auf das 2. Neuron im Hinterhorn kreuzen die Fasern in der sog. Commissura anterior zur Gegenseite und verlaufen dann im Tractus spinothalamicus anterior (Druck und Tastempfinden) bzw. im Tractus spinothalamicus lateralis (Schmerz- und Temperaturwahrnehmung) zum Thalamus.

W

Wärmetherapie

Eine lokale Wärmetherapie dient vor allem der Schmerzlinderung durch Lockerung der Muskulatur, da es aufgrund der chronischen Schmerzen regelmäßig zu Verspannungen kommt.

WHO-Stufenplan

Der WHO-Stufenplan ist ein Schema der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO), welches den Einsatz von Schmerzmedikamenten und anderen Arzneien im Rahmen der Schmerztherapie regelt:

  • Stufe 1: Nicht-opioidanalgetika
  • Stufe 2: Nicht-opioidanalgetika + niederpotente Opioidanalgetika
  • Stufe 3: Nicht-opioidanalgetika + hochpotente Opioidanalgetika

Unterstützende Maßnahmen und der Einsatz von Co-Analgetika sollen in jeder Stufe angwendet werden.

Wirbel

Ein Wirbel ist das knöcherne Grundelement der Wirbelsäule. Es gibt Halswirbel, Brustwirbel, Lendenwirbel, Kreuzwirbel und Steißbeinwirbel. Jeder Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen und verschiedenen Fortsätzen.

Wirbelgleiten

Das Wirbelgleiten ist eine erworbene Erkrankung, bei der durch einen Spalt in den Wirbelbögen (Spondylolyse) der Wirbelkörper samt tiefer liegender Wirbelsäule nach vorne (Anterolisthesis) oder selten hinten (Retrolisthesis) gleitet. Ursächlich sind neben genetischen Faktoren eine chronische Belastung junger Menschen im Hohlkreuz wie beispielsweise Kunstturnen. Von der Erkrankung sind zwar 6% der westlichen Bevölkerung betroffen, jedoch bleiben diese meist beschwerdefrei. Ein symptomatisches Wirbelgleiten manifestiert sich durch belastungsabhängige Rückenschmerzen in der hauptsächlich involvierten Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in Gesäß und Oberschenkel. Die Diagnose gelingt durch radiologische Bildgebung, wobei das Ausmaß der Wirbelkörperverschiebung in vier Stufen nach Meyerding eingeteilt wird. Bei Fortschreiten des Wirbelgleitens kann der Wirbelkörper nach vorne abkippen (Spondyloptose). In der Regel sind physiotherapeutische Behandlung und Verlaufskontrollen ausreichend, neurologische Ausfallserscheinungen stellen aber eine Operationsindikation dar.

Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus 34 Wirbeln. Sie ist die Stütze des Körpers und trägt das Gewicht von Kopf, Hals, Rumpf und oberen Extremitäten. Die Wirbelsäule verbindet alle anderen Teile des Skeletts miteinander.

Wirbelsäulenklopfschmerz

Beklopfen der Wirbelsäule mit Hand oder Reflexhammer (Schmerzen v.a. bei Diszitis, Osteomyelitits).

Wurzeltod

Ein beginnender oder aufgetretener Wurzeltod imponiert mit einer plötzlichen Schmerzbesserung, bei gleichzeitigen progredienten, hochgradigen Lähmungen. In diesem Fall ist eine umgehende operative Maßnahme erforderlich.

Z

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das ZNS sind die im Gehirn und im Rückenmark gelegenen Nervenstrukturen, die die zentrale Reizverarbeitung vornehmen. Außerdem ist das ZNS für die Integration aller sensiblen Reize, die Koordination sämtlicher motorischer Eigenleistungen und die Regulation aller dabei ablaufenden innerorganismischen Abstimmungsvorgänge zuständig.

Zentromedulläres Syndrom

Die Verletzung des Rückenmarks liegt im Bereich des Zentralkanals (z.B. bei einer sog. Syringomyelie) und erzeugt einen beidseitigen Ausfall des Schmerz- und Temperatursinns bei jedoch gleichzeitig erhaltener Berührungsempfindung. Es entwickelt sich eine spastische Parese/ Lähmung mit Miktionsstörungen (Unmöglichkeit eines kontrollierten Wasserlassens).

Zervikobrachiales Syndrom

Irritation oder Kompression zervikaler Nervenwurzeln durch zumeist in den Spinal- bzw. Wurzelkanal ausgetretenes Bandscheibengewebe oder Knochenanbauten. Seltener andere Ursachen wie Traumen, Tumor etc. Das zervikobrachiale Syndrom beinhaltet Nacken-, Schulter- und Armschmerzen, eventuell begleitet von Lähmungen und/ oder Taubheitsgefühlen an den Armen.

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